Auf in die Zukunft

Digitaler Umbruch in der Gesundheitsbranche

Technologische Innovationen haben im Healthcare-Bereich schon immer eine bedeutende Rolle gespielt. Durch die Digitalisierung erlebt die Branche aktuell eine weitere bemerkenswerte Transformation. Wir zeigen einige Beispiele.

E-Health – also jener Bereich, der aus dem Aufeinandertreffen von modernen Kommunikationstechnologien und Medizin entstanden ist – wird heute von vielen Beobachtern als eines der größten Versprechen der Digitalisierung angesehen. Diese Einschätzung wird durch einen Blick auf die jüngsten Wirtschaftszahlen bestätigt: Betrug der Umsatz der Branche 2018 noch etwa 491 Millionen Euro, wird für dieses Jahr laut dem Portal Statista ein Marktvolumen von 662 Millionen Euro prognostiziert – das entspricht einem jährlichen Umsatzwachstum von 16,1 Prozent. 

Aber was bedeuten diese Zahlen konkret? Und wie wird sich das Gesundheitssystem durch die Digitalisierung ändern? Wir haben uns die aktuellen Transformationsprozesse aus Patienten- und Arztperspektive angeschaut und nachgeforscht, wie große Krankenhäuser und deren Führungskräfte mit dem Wandel umgehen. 
 

„Dank der Änderungen der Gesetzeslage hat Deutschland im telemedizinischen Bereich schon einen riesigen Schritt nach vorn gemacht.“

Dr. Monika Gratzke, medizinische Direktorin bei KRY

Telemedizin auf dem Vormarsch

Seit Verabschiedung des sogenannten E-Health-Gesetzes im Jahr 2016 verfügt Deutschland über einen konkreten Fahrplan zur Einführung digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen. Dazu gehören auch etliche Innovationen, die aus Patientenperspektive relevant sind: zum Beispiel die Videosprechstunde, die wesentlich zum Hype um das Thema Telemedizin beigetragen hat. Seit dem entsprechenden Beschluss des Deutschen Ärztetages im Mai 2018 dürfen Patienten per Telefon, SMS, E-Mail oder Onlinechat behandelt werden – selbst, wenn es davor keinen persönlichen Kontakt mit dem Arzt in der Praxis gegeben hat.

Die Vorteile einer solchen Neuerung liegen auf der Hand: weniger Wartezeiten und Bürokratie, mehr Flexibilität und Zeit für sich. Trotzdem wird das Angebot bisher zögerlich angenommen, besonders Ärzte befürchten eine Schwächung des menschlichen Aspekts. Dr. Monika Gratzke, medizinische Direktorin beim Telemedizin-Anbieter Kry, hält dem entgegen: „Bei einer Onlinebehandlung gehen weder die Qualität noch die zwischenmenschliche Beziehung verloren. Sobald die Kollegen sehen, wie eine solche Videosprechstunde abläuft und dass ein echter Kontakt zwischen dem Arzt und dem Patienten stattfindet, sind sie überzeugt.“

Das Konzept hinter KRY ist so einfach wie effektiv: Per App lässt sich online ein Videotermin mit einem Arzt vereinbaren, Rezepte und Krankschreibungen können auch über KRY eingefordert werden. Der Patient kann sogar die Medikamente zu einer Apotheke seiner Wahl bestellen – er muss sie dann nur noch abholen, sobald die App ihm Bescheid gibt, dass alles da ist. 

Von Telemedizin über Telemonitoring: Vieles ist schon heute möglich.

Von Telemedizin über Telemonitoring: Vieles ist schon heute möglich.

Bessere Patientenbetreuung durch Telemonitoring

Telemedizin kann jedoch viel mehr – indem sie aktiv dazu beiträgt, dass die Patientenversorgung optimiert wird. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass der Begriff sehr vielfältig und facettenreich ist. So fällt auch Telemonitoring, also die Nutzung von vernetzten Messgeräten zur Erfassung der Vitaldaten des Patienten, unter die Bezeichnung Telemedizin. Ein aktuelles Anwendungsbeispiel liefert hier der Connected Care Service von Medisanté, der in Zusammenarbeit mit Vodafone entwickelt wurde. Dank einer speziellen Vodafone-IoT-SIM-Karte und eines speziellen Messgeräts kann der behandelnde Arzt alle wichtigen Daten seiner Patienten ständig im Auge behalten. Das ist besonders für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht oder Herzkreislaufprobleme von Bedeutung, da so Patienten auf anstrengende Routinebesuche verzichten können. Keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass jeder Deutsche etwa 7 Stunden pro Jahr in Wartezimmern von Arztpraxen verbringt. Aktuell umfasst das Angebot von Medisanté Messsysteme zur Überwachung von Blutzucker und Blutdruck, Herzrhythmus oder Gewicht- und Wasseranteil. Die gemessenen Daten sind jederzeit live einsehbar. Weicht ein Wert zu stark von einem definierten Bereich ab, kann der Arzt den Patienten sofort in die Praxis bestellen oder die Medikation anpassen. 

„Die Robotik soll dem Chirurgen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, die dem Patienten zugutekommen.“

Prof. Dr. med. Jochen A. Werner, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Essen

Der Roboter im OP-Saal

Auch Telechirurgie, also die Technologie, die mittels 5G und Robotik die Fernsteuerung chirurgischer Präzisionseingriffe ermöglicht, gehört zu den Anwendungsfeldern der Telemedizin. In Deutschland bieten einige Kliniken bereits heute die neue Operationsmethode an – zum Beispiel das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg, wo das hoch entwickelte daVinci-System zum Einsatz kommt. Ausgestattet mit drei mechanischen Armen, die gleichzeitig komplizierte Bewegungsabläufe durchführen können, und unterstützt durch einen vierten Arm, der mit einer HD-Kamera mit 3D-Funktion ausgerüstet ist, ermöglicht diese Maschine hoch komplizierte Eingriffe bei maximaler Präzision. Dabei ist das Ziel nicht, den Arzt zu ersetzen, sondern ihm zu helfen, erklärt Prof. Dr. med. Jochen A. Werner, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen: „Die Robotik soll dem Chirurgen zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, die dem Patienten zugutekommen. Eine dreidimensionale Sicht mit bis zu zehnfacher Vergrößerung, die weiter gesteigerte Bildauflösung mit Integration der Bildgebung und eine immer bessere Beweglichkeit der Instrumente bieten Vorteile, ganz besonders in anatomisch schwer zugänglichen Körperregionen.“

„Die Digitalisierung ist ein Enabler für die Menschlichkeit.“

Prof. Dr. med. Jochen A. Werner gilt als einer der angesehensten Ärzte Deutschlands. Unter seiner Leitung hat sich das Uniklinikum Essen zum womöglich „digitalsten Krankenhaus Deutschlands“ gemausert. Wird er nach den Hintergründen des Erfolgs gefragt, beteuert auch er das gängige Mantra der Digitalisierungsbefürworter: Es gehe weniger um spektakuläre Technologien als um die Verbesserung etablierter Arbeitsprozesse. Deshalb müssen die Mitarbeiter eines modernen Krankenhauses bei allen technologisch getriebenen Umstrukturierungen im Mittelpunkt stehen: „Es ist ganz wichtig, dass man mit allen Beteiligten über das Thema spricht. Dass man nicht irgendwelche Pläne in der Schublade hat und dann Anordnungen trifft. […] Natürlich wird die Menschlichkeit durch die Digitalisierung zunehmen, wenn wir es richtig anstellen. Neudeutsch würde man sagen: ‚Die Digitalisierung ist ein Enabler für die Menschlichkeit.‘ Also sie ermöglicht das letztlich, nur müssen wir es natürlich mit Sinn und Verstand machen.“

Telemonitoring

Die Digitalisierung wird die Gesundheitsbranche grundlegend verändern.

Telemonitoring

Die Digitalisierung wird die Gesundheitsbranche grundlegend verändern.

Dame mit Virtual Reality Brille
Dame mit Virtual Reality Brille

Der größte Wandel aller Zeiten?

Mehr Effizienz, mehr Sicherheit, mehr Menschlichkeit: Bedenkt man alle positiven Potenziale, die der E-Health-Revolution bescheinigt werden, scheint es in Bezug auf die Gesundheitsbranche nicht übertrieben, vom „größten Wandel aller Zeiten“ zu sprechen, wie das Prof. Dr. Werner selbst in seinem Blog tut.
Auch in diesem wahrlich lebenswichtigen Bereich zeigt sich somit: Technologie ist nicht nur ein unverzichtbarer Partner zur Verbesserung unserer Lebensqualität – sie kann im wahrsten Sinne des Wortes Menschenleben retten – und tut das oft schon heute. 
 

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