Sateliten Mast
© Vodafone/ Valèry Kloubert
Auf in die Zukunft

Die unsichtbare Revolution

Mit dieser Technologie soll alles anders werden: 5G wird ein enormes disruptives
Potenzial zugesprochen. Alles nur Hype? Wir haben einen Blick in die Zukunft von
Industrie 4.0 gewagt.

Es gibt Fabriken, die mehr als einfache Produktionsstandorte sind. Weil sie die Art, wie wir über Industrie und deren Möglichkeiten denken, radikal verändern. Die AEG-Turbinenfabrik von Peter Behrens in Berlin, heute noch als „Kathedrale der Industrie“ gefeiert, ist ein bedeutendes historisches Beispiel. Das Ford-Werk in Detroit, in dem das erste Modell T gebaut wurde, wäre noch eins.

Das Werk 1 von e.GO in Aachen reiht sich auch in diese Aufzählung ein: Experiment und Modell zugleich (lesen Sie hier, was das Werk 1 in Aachen so besonders macht). Durch den Einsatz von 5G-Technologien von Vodafone wird hier erstmals das volle Potenzial von Industrie 4.0 entfacht. Der Produktionsprozess wird schlanker und effizienter – eine zentrale Vorrausetzung, damit der ambitionierte Plan von e.GO-Gründer Prof. Dr. Günther Schuh gelingt: Elektromobilität massentauglich zu machen und die Art, wie wir uns fortbewegen, nachhaltig zu verändern.

„Die Anwendung von 5G wird in sämtlichen Bereichen zu erheblichen Verbesserungen in puncto Effizienz, Kosten und Flexibilität führen.“

Industrie 4.0 und 5G werden aber nicht nur die Automobilproduktion transformieren. Auch zahlreiche andere Branchen werden sich durch die Einführung neuer Technologien radikal verändern. Ob Handel, Agrarbranche oder der Gesundheitssektor: Die Anwendung von 5G wird in sämtlichen Bereichen zu erheblichen Verbesserungen in puncto Effizienz, Kosten und Flexibilität führen – und völlig neue Anwendungen und Geschäftsmodelle ermöglichen.

Handel: Von Smart Shelves bis Augmented Reality

Beispiel Handel: Bereits heute ermöglicht das Internet der Dinge (IoT) die Einführung sogenannter „Smart Shelves“. Das sind digitalisierte Regale, in denen die Preisanzeige über kleine Bildschirme erfolgt. So wird eine hochflexible Preisgestaltung ermöglicht, und ganz nebenbei werden Zusatzinformationen und personalisierte Werbung an den Kunden gebracht.

Doch damit nicht genug: Die Vernetzung von Regalen und Artikeln durch IoT-Technologie erlaubt eine Aktualisierung des Lagerbestands in Echtzeit, wodurch Reaktions- und Auffüllzeiten erheblich verkürzt werden. Sobald eine Produktmenge – egal ob Lebensmittel, Mode- oder Tech-Artikel – einen kritischen Punkt erreicht, wird die Lieferkette angepasst, der Stand der nächsten Sendung überprüft und gegebenenfalls eine neue Sendung bestellt. So wird sichergestellt, dass jederzeit die gewünschten Artikel zur Verfügung stehen.

Eine Win-win-Situation für Unternehmen und Kunden: Umsatzverluste werden vermieden, das Einkaufserlebnis wird angenehmer. Wichtig dabei: Das System kann nur funktionieren, wenn die beschriebene Koordination riesiger Daten- und Warenströme in Echtzeit erfolgt. Hier kommt 5G mit seiner enormen Kapazität und der minimalen Latenzzeit ins Spiel.

Auch Augmented Reality (AR) erlebt dank 5G einen Durchbruch: Kunden können Kleidung virtuell anprobieren oder per Smartphone Möbel in ihrer Wohnung aufstellen. Möglich wird das dank Mobile Edge Computing (MEC), das die Verarbeitung riesiger Datenmengen in Echtzeit erlaubt.

Mann mit Tablet und schwebenden Icons vor Acker
© Getty Images/ iStockphoto
Mann mit Tablet und schwebenden Icons vor Acker
© Getty Images/ iStockphoto
Hand mit Smartphone und schwebenden Emoticons in Laden
© Getty Images/ iStockphoto

Ob im Shoppingcenter oder auf dem Acker: 5G wird unser Leben verändern – und völlig neue Geschäftsfelder entstehen lassen.

Hand mit Smartphone und schwebenden Emoticons in Laden
© Getty Images/ iStockphoto

Ob im Shoppingcenter oder auf dem Acker: 5G wird unser Leben verändern – und völlig neue Geschäftsfelder entstehen lassen.

Smart Farming: Hochpräzision dank 5G

Die Landwirtschaft als ältester Wirtschaftssektor der Welt bietet ebenfalls unglaubliches Digitalisierungspotenzial. Eine Zahl, um das zu verdeutlichen: Über 80 % der landwirtschaftlichen Bereiche im Vereinigten Königreich verfügt über keinen 4G-Anschluss (Quelle: CBInsights 2019).

Vom Einsatz von Drohnen im Ackerbau, um Schädlingsbefall zu erkennen, über die punktgenaue maschinelle Verteilung von Saat, Dünger oder Herbiziden durch GPS-gesteuerte Traktoren, die in Echtzeit miteinander kommunizieren werden: Die Anwendungsmöglichkeiten sind so vielfältig wie die Technologien selbst. Auch hier heben sich Vodafone und seine Partner als Pioniere hervor: Die Blackhills Farm in Neuseeland nutzt beispielsweise Vodafone-Technologien, die ein digitales Tracking von Wasserversorgung und Energieverbrauch ermöglichen. Aktuellste Wetterinformationen werden dabei ebenso berücksichtigt wie die Bodenfeuchtigkeit. In den Niederlanden werden Drohnen unter Verwendung von 5G schon jetzt zur Verbesserung des Kartoffelanbaus eingesetzt. In Japan wiederum werden schon seit einiger Zeit 5G-Sensoren genutzt, um die Wassertemperatur und Salzkonzentrationen auf Austernfarmen zu überwachen.

Laut Prognosen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen müssen bis 2050 global etwa 70 % mehr Lebensmittel angebaut werden als 2009, um die rapide wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

FAO

Auch die Tierhaltung wird durch 5G revolutioniert: Melkroboter analysieren die Milch
und können den Gesundheitszustand der Kuh erkennen. Roboter reinigen die Ställe, bringen den Tieren ihr Futter und bauen Weidezäune. Ein erster konkreter Anwendungsfall ist die App „Me+Moo“: Kühe erhalten Halsbänder, die über 5G mit einer cloudbasierten App verbunden sind, die wichtige Aspekte wie Verhalten, Futterbedarf oder Schlafqualität überwacht.

Aber die wahre Revolution wird unsichtbar sein: Mobile Edge Computing wird Big Data
für die Landwirtschaft nutzbar machen. Informationen über Bodenbeschaffenheit, Wetterdaten und aktuelle Weltmarktpreise werden zusammengeführt. So lässt sich planen, wann am besten die Felder bewässert werden, auf welcher Weide das Vieh gerade das beste Futter bekommt und welche Feldfrüchte jetzt angebaut werden sollten.

Eine Steigerung der Produktivität, ein verringerter Einsatz von chemischem Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie eine Verbesserung der Energiebilanz und des Tierwohls sind gute Gründe, um diese Entwicklungen zu begrüßen.

Gesundheitswesen: Ende der Wartezeiten?

Doch kaum ein Bereich fiebert den Chancen von Industrie 4.0 so entgegen wie die Gesundheitsbranche: Die potenziellen Gewinnsteigerungen durch 5G schätzt das Consultingunternehmen CBInsight auf 76 Billionen US-Dollar weltweit.

Vor allem die Themen Telechirurgie und Telemedizin versprechen starkes Wachstum:
Durch die Echtzeitfähigkeit von 5G und den damit verbundenen minimalen Antwortzeiten werden beispielsweise Videosprechstunden und Behandlungen aus der Ferne möglich. In Finnland wird bereits mit ambulanter Reha nach Schlaganfällen experimentiert.
Verschiedene Start-ups bieten darüber hinaus medizinische Wearables an, die mit einer App verknüpft sind. Diese sind verlässlicher als Selbstbeobachtung durch den Patienten, und der Einfluss von Ernährung, Bewegung und so weiter auf die Medikation lässt sich optimal beobachten.
Konkrete Beispiele gibt es bereits: Medisanté und Vodafone setzen die Überwachung chronisch kranker Patienten bereits um; Connected Care Service erfasst Vitaldaten und sendet sie nahezu in Echtzeit an den Arzt.

 

Operationstisch, darüber: operierende Roboterarme
© Getty Images/ E+

Telechirurgie und Telemedizin werden die medizinische Grundversorgung ganzer Regionen spürbar verbessern.

Das vernetzte Krankenhaus

Ein weiteres Anwendungsfeld in der Medizin, das durch 5G überhaupt erst denkbar wird,
ist die Telechirurgie. Schätzungsweise weltweit 143 Millionen Operationen pro Jahr werden nicht durchgeführt, weil es nicht genügend erfahrene Operateure gibt. Das Pilotprojekt „Remote Surgeon“ von Vodafone ermöglicht schon heute, dass sich Experten in Echtzeit über Stream zum OP-Saal zuschalten – und auf der diesjährigen Mobilfunkmesse „Mobile World Congress“ in Barcelona wurde erstmals in Echtzeit eine Live-OP durchgeführt, die ein Arzt über 5G anleitete. 
In naher Zukunft werden VR-Brillen und Handschuhe mit Sensoren auch reine Teleoperationen erlauben. Selbstlernende OP-Roboter werden Implantate einsetzen, Ärzte sich nur noch auf die Feinarbeit konzentrieren.
Und natürlich wird auch in Kliniken und Krankenhäusern IoT ein großes Thema werden – oder besser gesagt IoMT, das „Internet of Medical Things“. Monitore, Infusionspumpen, Betten bis hin zu smarten Verbänden, die den Heilungsprozess tracken: Alles wird vernetzt und kommuniziert in Echtzeit. Die dabei entstehenden Datenmengen werden gesammelt, analysiert und zur Optimierung von Prozessen eingesetzt.

Dieser kurze Einblick in die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von 5G und Industrie 4.0 zeigt: Es gibt gute Gründe, optimistisch in die Zukunft zu blicken.

5G - was bringt die neue Ära?