Philipp Westermeyer auf der Bühne
GigaTrends

5 digitale Trends, die Unternehmen im Blick haben sollten

OMR-Gründer Philipp Westermeyer blickt zu Beginn des Festivals auf die Entwicklung der Digitalwirtschaft und auf entstehende Trends – und prophezeit ein Ende des durch die Pandemie rasant beschleunigten digitalen Wachstums. Doch was folgt nun?

„Die Erkenntnis, dass die Digitalisierung durch die Pandemie beschleunigt wurde, stimmt – jedoch nur in Teilen.“

Philipp Westermeyer, OMR-Gründer und Unternehmer

Sie gehört zum OMR Festival wie der Anstich zum Oktoberfest: Jahr für Jahr zeigt Philipp Westermeyer in seiner Keynote “State of the German Internet” die wichtigsten deutschen Digitaltrends auf – ergänzt durch einen scharfen Blick auf die bedeutendsten internationalen Entwicklungen. Wir zeigen hier eine kleine Auswahl aus der diesjährigen Präsentation.

#1 Pandemie – Anomalie statt Beschleuniger?

Die Pandemie als großer Beschleuniger der Digitalwirtschaft – diese These hat sich weitgehend etabliert. Westermeyer widerspricht dieser aber: Während es vor zwei Jahren noch fast ausschließlich Gewinner:innen in der Digitalwirtschaft gab, haben im letzten Jahr nahezu alle Digitalkonzerne Umsatzeinbrüche und einen Wertverlust ihrer Marktkapitalisierung verzeichnen müssen. Das gilt sowohl für die großen Unternehmen aus Deutschland als auch für große chinesische und amerikanische Konzerne wie Alibaba oder Amazon. Der Ausschlag der Wachstumskurve für Digitalkonzerne geht somit zurück und nähert sich wieder dem Normalwachstum vor der Pandemie an. 

#2 Investoren bringen neue Kanäle auf den Weg

Doch auch wenn die großen Platzhirsche der Social-Media-Welt Federn lassen mussten, so gab es in der Branche auch viele Neuigkeiten. Investor:innen sehen vermehrt Potenzial für neue Kanäle und investieren erstmals seit Jahren wieder verstärkt in neue Plattformen. Mit originellen Konzepten und innovativen Interaktionsmöglichkeiten fordern Start-ups die Giganten der Branche heraus. Teilweise auch aus Europa bringen Plattformen wie etwa Poparazzi, BeReal oder Dispo neuen Wind in die Social-Media-Landschaft.

#3 Das Comeback des QR-Codes

Dass digitale Trends auch heute schon retro sein können, beweist der QR-Code. Vor Jahren schien es noch, als hätte die Technologie den großen Durchbruch verpasst, heute ist sie aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Egal ob digitaler Impfnachweis, Leihfahrzeuge aller Art oder die Speisekarte im Restaurant um die Ecke: Der QR-Code hat sich im Alltag etabliert und findet dank der Akzeptanz durch die breite Masse der Gesellschaft nun immer weitere Anwendungsgebiete.

Gruppe von Menschen macht Foto vor Reklametafel

Zwei Technologien erfinden sich neu: Die Außenwerbung hackt sich in unsere Feeds, Unternehmen wie QR Code Generator sind als Relikt der Pandemiezeit mit ihren Codes wieder allgegenwärtig.

Gruppe von Menschen macht Foto vor Reklametafel

Zwei Technologien erfinden sich neu: Die Außenwerbung hackt sich in unsere Feeds, Unternehmen wie QR Code Generator sind als Relikt der Pandemiezeit mit ihren Codes wieder allgegenwärtig.

QR Code wird vom Banner abgelesen
QR Code wird vom Banner abgelesen

#4 Nische statt Masse – von analoger und digitaler Werbung

Nicht nur der QR-Code feiert sein Comeback, sondern auch die klassische Außenwerbung – heute setzt sie jedoch auf die Reposts von Social-Media-Nutzern. Das von Westermeyer als „Hacking the Feed“ bezeichnete Vorgehen zeigt: Zielgerichtete Kampagnen können mit wenig finanziellem Aufwand viel Aufmerksamkeit erzeugen. Das gilt auch für Low-cost-, Do-it-yourself-Inhalte: Unter dem Stichwort “Docutainment” hat Westermeyer eine Reihe von Beispielen aufgeführt, die zeigen, wie auch Mittelständler:innen und kleine Unternehmen viele Menschen erreichen können. Egal ob Fahrschule, Bauernhof oder Supermarkt: Indem man Einblicke in den Unternehmensalltag gewährt und die Neugier der Menschen befriedigt, kann man ohne große Budgets viel erreichen.

#5 Die Explosion von Gamification

Viele digitale Unternehmen setzen auf das Zusammenspiel von analogen und digitalen Welten, das durch die Interaktion der Benutzer:innen entsteht. Das zeigt auch der weiter explodierende Trend der Gamification, etwa im E-Commerce-Bereich. Mit Preisen, Bonuspunkten und Ranglisten reizen besonders Unternehmen aus Asien wie Shein oder Shopee ihre Nutzer:innen zum Kauf. Die als Gaming-Apps gestalteten Shoppingplattformen locken mit Vergünstigungen, sobald man mit ihnen interagiert. Was Westermeyer als „Zocken gegen Rabatte“ bezeichnet, sieht er selbst zwar kritisch, aber das Konzept dahinter funktioniert offensichtlich und zeigt: Selbst kleine Gimmicks können bei Anwender:innen große Resonanz erzielen, wenn sie effektiv eingesetzt werden.

Die angeführten Beispiele zeigen: Der Bounceback nach der Hochphase der Pandemie hat Spuren hinterlassen. Die in digitalen Räumen erlernten Verhaltensmuster wirken weiter in unserem Alltag nach, was eine spannende Zukunft mit interessanten Weiterentwicklungen verspricht. Es wird voraussichtlich eine noch stärkere Vermischung von analogen und digitalen Technologien stattfinden. Jetzt gilt es vor allem, für Unternehmen aktiv zu bleiben und sich mit aktuellen Trends auseinanderzusetzen. 

Philipp Westermeyer - State of the German Internet