Eine Spritze liegt auf einem Tuch.
© Courtesy of Netflix © 2026
Auf dem Bild zum möglichen Film Der Teufel trägt Prada 2 sind Meryl Streep als Miranda Priestly und Anne Hathaway als Andy Sachs zu sehen. In einer eleganten Umgebung stehen sich die beiden Charaktere gegenüber. Miranda blickt kühl und überlegen, während Andy ernsthaft und entschlossen wirkt. Die Szene vermittelt Spannung und Stilbewusstsein.
Auf dem Bild aus dem Film A Big Bold Beautiful Journey ist ein Paar in einer Tanzszene zu sehen.

Der Fall Lucy Letby: Die wahre Geschichte der verurteilten Krankenschwester

Furcht­bares Ver­brechen oder Jus­tizir­rtum? Wir erzählen die wahre Geschichte hin­ter „Der Fall Lucy Let­by”: Eine britis­che Kinderkranken­schwest­er wird verurteilt, weil sie sieben Babys ermordet haben soll – aber ist sie eigentlich unschuldig? 

Das Wichtigste in Kürze

  • Die britis­che Kranken­schwest­er Lucy Let­by wird 2023 wegen mehrfachen Mordes und Mord­ver­suchs verurteilt.
  • Doch es gibt erhe­bliche Zweifel an der Bewe­is­führung und dem Urteil.
  • Unter anderem sollen die ange­blichen Mord­meth­o­d­en nicht plau­si­bel sein.

Wer ist Lucy Letby und was soll sie getan haben?

Die britis­che Kinderkranken­schwest­er Lucy Let­by arbeit­et seit 2012 am Count­ess of Chester Hos­pi­tal im Nord­west­en Eng­lands. Ihr Studi­um der Pflegewis­senschaften hat­te sie zuvor mit dem Schw­er­punkt Kinderkrankenpflege abgeschlossen. Wenige Jahre später spezial­isiert sie sich auf Inten­sivpflege für Babys. Anschließend arbeit­et sie auf der Inten­sivs­ta­tion für Neuge­borene der Klinik: Dort wer­den Kinder ver­sorgt, die etwa deut­lich zu früh oder unter schwieri­gen Bedin­gun­gen geboren werden.

Lucy Let­by führt zu diesem Zeit­punkt ein unspek­takuläres Leben: Sie wohnt allein in einem Haus, rund 20 Minuten zu Fuß vom Kranken­haus ent­fer­nt. Ihre ersten Beruf­s­jahre in Chester sind unauffällig.

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Doch dann kommt es plöt­zlich zu ein­er Häu­fung von Todes­fällen auf der Inten­sivs­ta­tion: 2015 ster­ben acht Neuge­borene, in der ersten Hälfte des Jahres 2016 weit­ere fünf Babys. Davor waren jew­eils nur ein bis drei Kinder pro Jahr ums Leben gekommen.

Die Säuglinge wer­den obduziert, und eine externe Unter­suchung wird ein­geleit­et. Doch wed­er die Autop­sien noch die Prü­fung liefern Hin­weise auf ungewöhn­liche Ursachen oder straf­bare Hand­lun­gen. Zwei Ärzte auf der Sta­tion bleiben jedoch misstrauisch.

Sie ent­deck­en, dass sich viele der Todes­fälle ereignen, wenn Lucy Let­by im Dienst ist. Die Medi­zin­er fordern die Kranken­hausver­wal­tung mehrfach auf, die Frau von der Sta­tion abzuziehen. Mitte 2016 wird sie in die Ver­wal­tung versetzt.

Im Jahr 2017 wen­den sich die Medi­zin­er schließlich an die Polizei. Obwohl es keine Beweise gibt und nie jemand Let­by auf frisch­er Tat ertappt hat, nehmen die Ermittler:innen die Anschuldigun­gen ernst. Ein Team befasst sich unter dem Namen „Hum­ming­bird” mit den Fällen. Am 3. Juli 2018 wird Lucy Let­by wegen des Ver­dachts auf sechs­fachen Mord und sechs­fachen ver­sucht­en Mord verhaftet.

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Der Fall Lucy Letby: Die wahre Geschichte hinter dem Prozess

Am 10. Okto­ber 2022 begin­nt der Prozess gegen Lucy Let­by vor dem Strafgericht in Man­ches­ter. Die 17 Anklagepunk­te umfassen sieben Morde sowie 15 ver­suchte Morde. Die damals 32-Jährige bestre­it­et alle Vorwürfe.

Neben Ärzt:innen, Eltern und Kolleg:innen treten medi­zinis­che Sachver­ständi­ge und Ermittler:innen in den Zeu­gen­stand. Ein Kinder­arzt im Ruh­e­s­tand und Gerichtsgutachter ist ein­er der wichtig­sten Experten der Anklage. Dr. Dewi Evans hat­te von den Ermit­tlun­gen gele­sen und seine Exper­tise angeboten.

Nach dem Studi­um der Akten schlussfol­gert er, dass die Babys auf nach außen hin kaum sicht­bare Weise ermordet wur­den – trotz der ander­slau­t­en­den Autop­sien. Dem­nach wurde ihnen Luft ins Blut gespritzt oder über Nasen­son­den in den Magen einge­führt sowie Insulin oder zu viel Milch verabre­icht. Laut Staat­san­waltschaft waren die Säuglinge vorher sta­bil und andere Erk­lärun­gen kön­nten aus­geschlossen werden.

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Ein Doku­ment soll den Geschwore­nen auf­fäl­lige Über­schnei­dun­gen zwis­chen Lucy Let­bys Dien­stzeit­en und Todes­fällen zeigen. Hand­schriftliche Notizzettel der Angeklagten aus ihrem Haus wer­den von der Staat­san­waltschaft als Geständ­nisse inter­pretiert. Darauf ste­ht unter anderem „Es tut mir leid, dass Du keine Chance auf ein Leben hast” und „Warum ich?”. Die Vertei­di­gung ruft nur zwei Per­so­n­en in den Zeu­gen­stand: Lucy Let­by selb­st und einen Klempner.

Am Ende wird die Angeklagte wegen sieben­fachen Mordes und sieben­fachen Mord­ver­suchs verurteilt – ohne Nen­nung eines Motivs. Sie muss lebenslang in Haft, eine Ent­las­sung ist aus­geschlossen. Seit­dem sitzt Lucy Let­by in einem Hochsicher­heits­ge­fäng­nis in Sur­rey, England.

Die Ver­hand­lung in einem der läng­sten Mord­prozesse in der britis­chen Geschichte dauert 145 Tage. Prozess und Urteil erre­gen riesiges Medi­en­auf­se­hen. Die Frau wird von Teilen der Presse als „Großbri­tan­niens schlimm­ste Kin­der­mörderin” und „kalte, berech­nende Kil­lerin” beschrieben, berichtet CBC.

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Zweifel an dem Urteil: Ist Lucy Letby unschuldig?

Obwohl die Kranken­schwest­er wegen Mordes im Gefäng­nis sitzt, gibt es mas­sive Zweifel an der Bewe­is­führung und an dem Urteil. Der Fall Lucy Let­by ist wei­thin heftig umstrit­ten – das ist die wahre Geschichte dahinter:

Die Morde, die vielleicht keine sind – und andere Erklärungen

Lucy Let­by hat kein einziges Baby getötet: Das behauptet zumin­d­est ein Gremi­um 14 inter­na­tionaler medi­zinis­ch­er Fach­leute unter anderem aus Kana­da, den USA und Deutsch­land. Dieses hat­te 17 der Fälle geprüft. Der Vor­sitzende Dr. Shoo Lee sagt bei ein­er Pressekon­ferenz Anfang 2025: „In allen Fällen waren Tod oder Ver­let­zun­gen auf natür­liche Ursachen oder schlicht schlechte medi­zinis­che Ver­sorgung zurück­zuführen”, zitiert ihn die BBC. Es gebe für jeden Tod andere Erk­lärun­gen als vor Gericht behauptet.

Dr. Lee ist Experte für neona­tale Ver­sorgung, also für Babys in den ersten 28 Leben­sta­gen. Eine sein­er wis­senschaftlichen Arbeit­en von 1989 befasst sich mit dem Ein­drin­gen von Luft in den Blutkreis­lauf, was tödlich sein kann. Laut Dr. Lee hat Gerichtsgutachter Dr. Dewi Evans seine Erken­nt­nisse kom­plett falsch inter­pretiert. Lee kommt auch in der Net­flix-Doku­men­ta­tion „Der Fall Lucy Let­by” zu Wort.

Schon zuvor beze­ich­neten Fach­leute einige der ange­blichen Mord­meth­o­d­en als „prak­tisch nicht durch­führbar” oder „Blödsinn”, so der Guardian. In dem Artikel heißt es außer­dem, dass die Sta­tion während der Zeit der vie­len Todes­fälle extrem dünn beset­zt war.

Darüber berichtet auch The New York­er: Es habe auf der Sta­tion nur einen Facharzt und zudem Hygien­eprob­leme gegeben. Die Reportage beschreibt zudem Zweifel an der Exper­tise von Dr. Dewi Ewans. Ein Richter in einem anderen Prozess habe seine Gutacht­en „ten­den­z­iös und partei­isch” genannt.

Darüber hin­aus soll es im fraglichen Zeitraum in der Klinik einen Aus­bruch eines gefährlichen Bak­teri­ums gegeben haben, das für Neuge­borene lebens­bedrohlich sein kann. Das geht aus einem geleak­ten Bericht her­vor, der Mitte 2024 pub­lik wurde und auf den sich der Tele­graph beruft.

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Wahre Geschichte hinter dem Fall Lucy Letby: Die Überschneidung zwischen Dienstzeiten und Todesfällen

Dass die Kranken­schwest­er während viel­er der Todes­fälle im Dienst ist, trug maßge­blich zu ihrer Verurteilung bei. Doch Lucy Let­by springt häu­fig für Kolleg:innen ein; das Kranken­haus und die kleine Sta­tion gel­ten als unterbe­set­zt. Es gibt nur noch eine Kol­le­gin mit ähn­lich­er Qual­i­fika­tion. Wenn jemand viele Dien­ste übern­immt, steigt automa­tisch die Wahrschein­lichkeit, dass die Per­son bei kri­tis­chen Ereignis­sen anwe­send ist.

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Dass Lucy Let­by oft anwe­send ist, zeigt also eine sta­tis­tis­che Häu­fung, ist aber kein Beweis für eine Straftat. Gründe kön­nen auch der Schicht­plan oder sog­ar Doku­men­ta­tions­fehler sein. Erschw­erend kommt hinzu, dass das Doku­ment der Staat­san­waltschaft zu den Dien­stzeit­en die Vor­fälle aus­lässt, während der Lucy Let­by nicht gear­beit­et hat.

Die handgeschriebenen Zettel

Die Noti­zen von Lucy Let­by zeigen vor allem, dass sie „unter extremem seel­is­chem Stress” ste­ht, stellt eine Exper­tin für foren­sis­che Psy­cholo­gie gegenüber dem TV-Sender Chan­nel 5 fest. Sie seien kein Schuldeingeständ­nis. Später berichtet der Guardian, dass die Kranken­schwest­er die Zettel auf Empfehlung ihres Ther­a­peuten geschrieben hat­te. Das Ziel war es, ihre Gedanken zu struk­turi­eren und die emo­tionale Über­forderung einzudämmen.

Der Fall Lucy Letby heute: Kommt es zu einem neuen Verfahren?

Die neuen Anwälte von Lucy Let­by haben zwei Anträge auf Zulas­sung zur Beru­fung ein­gere­icht, bei­de wur­den vom Court of Appeal abgelehnt. Ihr bleibt damit nur noch eine Hoff­nung: Eine Jus­tizkom­mis­sion kann darüber entschei­den, ob der Fall neu aufgerollt wer­den muss. Aber es kann Jahre dauern, bis es dazu kommt.

Die verurteilte Krankenschwester Lucy Letby bei einem Verhör.

Lucy Let­by ist bis heute in einem Frauenge­fäng­nis in Sur­rey unterge­bracht. — Bild: Cour­tesy of Net­flix © 2026

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