Seymour Hersh sitzt an einem Schreibtisch und blättert durch seine Unterlagen.
© Netflix
Ein junges Paar sitzt vor dem Sofa auf dem Boden und schaut Fernsehen.
Eine Filmszene aus dem Animationsfilm "Pets 2".

Cover-up: Die wahre Geschichte von Seymour Hersh

Die Net­flix-Doku „Cov­er-Up“ erzählt die wahre Geschichte von unmen­schlichen Kriegsver­brechen, brisan­ten Polit­skan­dalen und geheimen Ver­schwörun­gen: Kom­pro­miss­los und inves­tiga­tiv deckt der US-Jour­nal­ist Sey­mour Hersh unbe­queme Wahrheit­en auf. Selb­st die mächtig­sten Regime der Welt bleiben davon nicht verschont. 

Mit der Doku­men­ta­tion stellt Net­flix einen der ein­flussre­ich­sten Pub­lizis­ten der Gegen­wart einem bre­it­en Pub­likum vor. Doch wie nah kommt die Net­flix-Doku­men­ta­tion der Wahrheit über Sey­mour Hersh tatsächlich?

Seymour Hersh: Investigativer Journalist und politischer Publizist

Wie viel Mut braucht es, um sich als zivile Einzelper­son mit ein­er Welt­macht anzule­gen? Genau dieser Frage geht „Cov­er-Up“ nach, wenn die Doku­men­ta­tion die wahre Geschichte von Sey­mour Her­shs Enthül­lun­gen nachzeichnet.

Sey­mour Hersh kön­nte diese Frage ohne Weit­eres beant­worten. Für seine Enthül­lun­gen rund um das Mas­sak­er von My Lai während des Viet­namkrieges erlangte der US-Jour­nal­ist in den 1970er-Jahren weltweit Anerken­nung. Die Folter in Abu-Ghraib deck­te er im Lauf sein­er beispiel­losen Kar­riere eben­so auf wie neue Erken­nt­nisse zum Water­gate-Skan­dal und die Inlandss­pi­onage der CIA.

Her­shs akribisch recher­chierte Reporta­gen prä­gen den inves­tiga­tiv­en Jour­nal­is­mus seit Jahrzehn­ten. Der Mann hin­ter den Schlagzeilen blieb dabei lange im Hin­ter­grund. Mit der Net­flix-Doku „Cov­er-Up“ rückt Sey­mour Hersh nun stärk­er in den öffentlichen Fokus.

Die wahre Geschichte hinter Cover-up: Ein Mann gegen den Rest der Welt 

Was geschieht hin­ter den Kulis­sen von Regierung, Mil­itär und Geheim­di­en­sten wirk­lich? Auf der Suche nach stich­halti­gen Antworten scheut der Jour­nal­ist und Pub­lizist keine Konfrontation.

Von Viet­nam bis zur Nord-Stream-Debat­te: Der 1937 in Chica­go geborene Sey­mour Hersh rekon­stru­iert ver­gan­gene und gegen­wär­tige Macht­sys­teme mit großer Präzi­sion. Grund­lage sind umfassende Recherchen und unzäh­lige Gespräche mit anony­men Informant:innen.

„Ter­ror in Lon­don“: Die wahre Geschichte hin­ter der Dokuserie

Auch „Cov­er-Up“ zeigt, welchen Risiken sich Hersh bei sein­er Recherche aus­set­zt und wie kom­plex es ist, die wahre Geschichte poli­tis­ch­er Macht­struk­turen offenzulegen.

Im Dia­log mit der oscarprämierten Regis­seurin Lau­ra Poitras („Cit­i­zen­four“) und Pro­duzent Mark Oben­haus („The Cen­tu­ry“) spricht der Enthül­lungsjour­nal­ist offen über seine eigene Ver­let­zlichkeit. Wem noch Ver­trauen schenken, wenn Ver­brechen und Ver­schwörun­gen von welt­poli­tis­ch­er und gesellschaftlich­er Trag­weite das Tages­geschäft bestimmen?

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Journalistische Meilensteine: Die Enthüllungen des Seymour Hersh 

Neben dem psy­chol­o­gis­chen Porträt eines beein­druck­enden Nonkon­formis­ten liefert „Cov­er-Up“ auch einen Überblick der jün­geren US-Geschichte im Zeitraf­fer. Fol­gende zeit­geschichtliche Ereignisse und die dazuge­höri­gen Pub­lika­tio­nen zeich­nen Sey­mour Her­shs jour­nal­is­tis­ches Werk seit den 1970er-Jahren aus:

  • Das Mas­sak­er von My Lai: Am 16. März 1968 töten US-Trup­pen über 500 Zivilist:innen in Süd-Viet­nam auf bru­tal­ste Weise. Sey­mour Hersh recher­chiert die wahren Hin­ter­gründe des Kriegsver­brechens und trägt maßge­blich zum Wan­del der öffentlichen Mei­n­ung über den Viet­namkrieg bei.
  • US-Inter­ven­tion in Chile: Ab 1963 führte die CIA eine Rei­he verdeck­ter Oper­a­tio­nen in Chile durch – mit dem Ziel, die Wahl von Sal­vador Allende zum Staat­spräsi­den­ten zu ver­hin­dern. Sey­mour Hersh gelingt es, die Ver­wick­lun­gen seit­ens des Geheim­di­en­stes und die maßge­bliche Rolle der CIA bei der poli­tis­chen Desta­bil­isierung Chiles offenzulegen.
  • US-Luftan­griffe während des Viet­namkrieges: Zwis­chen 1969 und 1973 ver­wüsten mas­sive Flächen­bom­barde­ments in Kam­bod­scha weite Teile des Lan­des. Sey­mour Hersh deckt auf, dass Hen­ry Kissinger maßge­blich an Pla­nung und Durch­führung der geheimen Bom­bardierun­gen beteiligt war – mit fatal­en Fol­gen. Bis heute gefährden kriegerische Alt­las­ten wie Blind­gänger die örtliche Bevölkerung.
  • Der Abu-Ghu­raib-Folter­skan­dal: Während der Beset­zung des Iraks durch die Vere­inigten Staat­en kommt es im Abu-Ghu­raib-Gefäng­nis in Bag­dad zu schw­eren Mis­shand­lun­gen irakisch­er Insassen – mit tödlichem Aus­gang. Sey­mour Hersh deckt die regierungs­ges­teuerte Sys­tem­atik im Früh­jahr 2004 auf und unter­mauert seine Recherchen mit Fotos und Videoauf­nah­men aus inter­nen Mil­itär­ermit­tlun­gen. Die veröf­fentlicht­en Details des Folter­skan­dals lösen weltweit Empörung aus.

Kritik aus den eigenen Reihen 

Einige Veröf­fentlichun­gen von Sey­mour Hersh wer­den in Pressekreisen kon­tro­vers disku­tiert. Neben der Nutzung sein­er Quellen ste­ht dabei auch seine Methodik in der Kri­tik. Beson­ders kon­tro­vers disku­tiert wer­den seine Berichte über die Gift­gasan­griffe in Syrien 2013 und 2017, seine Darstel­lung der Tötung Osama bin Ladens (veröf­fentlicht 2015) sowie seine Recherchen zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines im Jahr 2022.

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Seymour Hersh: Auszeichnungen und Ehrungen 

Trotz branchen­in­tern­er Kri­tik an seinen jün­geren Pub­lika­tio­nen lassen Sey­mour Her­shs Ausze­ich­nun­gen keinen Zweifel an seinem inter­na­tionalen Renom­mee. Fol­gende Preise nahm der Inves­tiga­tivjour­nal­ist unter anderem entgegen:

„Death by Light­ning“: Die wahre Geschichte hin­ter dem Präsidentendrama

  • 1970: Pulitzer-Preis, Worth-Bing­ham-Preis für inves­tiga­tiv­en Jour­nal­is­mus und Sig­ma Delta Chi Dis­tin­guished Ser­vice Award für die Berichter­stat­tung über das Mas­sak­er von My Lai
  • 1973: George Polk Award für inves­tiga­tiv­en Jour­nal­is­mus und Scripps-Howard Pub­lic Ser­vice Award für die Reporta­gen über Oper­a­tion Menu
  • 1983/84: Nation­al Book Crit­ics Cir­cle Award, Los Ange­les Times Book Prize und Inves­tiga­tive Reporters & Edi­tors Award für das Sach­buch „Der Preis der Macht: Kissinger im Weißen Haus”
  • 2004: George Orwell Award für Ehrlichkeit und Klarheit in der öffentlichen Sprache
  • 2005: Nation­al Mag­a­zine Award for Pub­lic Inter­est und Riden­hour-Courage-Preis für die Berichter­stat­tung über den Miss­brauch von Gefan­genen in Abu-Ghraib
  • 2005: Preis für die Frei­heit und Zukun­ft der Medi­en der Medi­en­s­tiftung Sparkasse Leipzig
  • 2009: Inter­na­tion­al Cen­ter for Jour­nal­ists Founders Award for Excel­lence in Journalism
  • 2010: Demokratiepreis der Blät­ter für deutsche und inter­na­tionale Poli­tik in Berlin
  • 2017: Sam Adams Award für Integrität

Cover-Up: Kommt die explosive Netflix-Doku zur richtigen Zeit? 

KI-gener­ierte Inhalte und Falschin­for­ma­tio­nen in sozialen Net­zw­erken erschw­eren es zunehmend, ver­lässliche Fak­ten von unser­iösen Quellen zu unterscheiden.

Auch in Bezug auf die wach­sende Skep­sis zur Unab­hängigkeit etabliert­er Medi­enin­sti­tu­tio­nen gewin­nt ein Doku­men­tarfilm wie „Cov­er-Up“ beson­dere Rel­e­vanz: Der Film macht deut­lich, welchen Stel­len­wert ambi­tion­iert­er Jour­nal­is­mus haben kann. Er stellt unbe­queme Fra­gen und deckt Wahrheit­en auf, die ein Umdenken in zen­tralen Gegen­warts­fra­gen anstoßen.

Doch neben poli­tis­chen Enthül­lun­gen und inves­tiga­tivem Jour­nal­is­mus rück­en auch aufwendig pro­duzierte True-Crime-Doku­men­ta­tio­nen ver­stärkt in den Fokus. Wahre Krim­i­nalfälle, die tiefe Ein­blicke in men­schliche Abgründe ermöglichen, faszinieren Filmemacher:innen eben­so wie das Publikum.

Im fol­gen­den Artikel erfährst Du mehr über die wahre Geschichte hin­ter der Doku „Angi: (K)eine per­fek­te Mörderin“ über María Ánge­les Molina.

„Angi: (K)eine per­fek­te Mörderin“ – die wahre Geschichte von María Ánge­les Molina


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