Die Bleikinder bei Netflix: Eine besorgte Frau steht mit einer Handtasche in den Händen an Kindergräbern vor einer Kirche.
© Robert Pałka / Netflix
Das Museum der Unschuld: Intime Dialogszene in nostalgischem Wohnzimmer zwischen einem Mann im grauen Anzug und einer Frau in gelbem Kleid.
Dieses Symbolbild zu Villa der Versuchung 2026 zeigt Moderatorin Verona Pooth in einem schwarzen, hochgeschlossenen Oberteil mit feinem Muster. Sie steht vor einem Studiolicht-Hintergrund mit dunklen Blau- und Rosatönen. Ihr Blick ist ruhig und selbstbewusst, das Bild vermittelt eine elegante und professionelle Stimmung.

Die Bleikinder: Die wahre Geschichte der Ärztin Jolanta Wadowska-Króls und der Bleivergiftung in Katowice

In der neuen Serie „Die Bleikinder“ bei Net­flix dreht sich alles um einen schock­ieren­den Fall im Polen der 1970er-Jahre. Die Ärztin Jolan­ta Wad­ows­ka-Króls deckt eine mas­sive Bleivergif­tung bei Kindern auf. Tat­säch­lich basiert die Hand­lung aber auf ein­er wahren Geschichte. Hier erfährst Du alles zu den realen Hin­ter­grün­den der Netflix-Serie.

„Die Bleikinder“ zählt schon jet­zt zu ein­er der span­nend­sten europäis­chen Net­flix-Pro­duk­tio­nen des Jahres 2026. Die sech­steilige Serie basiert auf der wahren Geschichte der pol­nis­chen Kinderärztin Jolan­ta Wad­ows­ka-Króls, die in den 1970er-Jahren eine der schw­er­sten Umweltkatas­tro­phen des Ost­blocks aufdeck­te – und dafür fast alles ver­lor. Hier liest Du die wahre Geschichte hin­ter „Die Bleikinder“.

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Die wahre Geschichte hinter Die Bleikinder: Medizinischer Mut gegen ein System des Schweigens

In den frühen 1970er-Jahren arbeit­et Dr. Jolan­ta Wad­ows­ka-Króls als Kinderärztin im ober­schle­sis­chen Katow­ice, konkret im Stadt­teil Szopi­enice. Die Region ist geprägt von Berg­bau und Schwerindustrie. 

Ein gigan­tis­ches Hüt­ten­werk für Nichteisen­metalle ver­sorgt viele Fam­i­lien mit Arbeit, vergiftet aber gle­ichzeit­ig die Umwelt mas­siv. Tag und Nacht stößt die Fab­rik unge­filterte Abgase aus, die sich als grauer Schleier über Häuser, Straßen und Men­schen legen.

Bild aus Die Bleikinder bei Netflix

Das Stahlw­erk in Katow­ice sorgt zwar für Arbeit­splätze, ver­pestet aber die Umwelt mas­siv. — Bild: Robert Pał­ka / Netflix

Wad­ows­ka-Króls bemerkt in ihrer Klinik auf­fäl­lige Häu­fun­gen von Entwick­lungsverzögerun­gen, Zah­naus­fall, Anämie und Ver­hal­tensstörun­gen bei Kindern. Beson­ders alarmierend: Die Fälle häufen sich in unmit­tel­bar­er Nähe des Hüt­ten­werks. Die Ärztin ver­mutet eine sys­tem­a­tis­che Bleivergif­tung und begin­nt, dem Ver­dacht nachzugehen.

Was ist eine Bleivergiftung – und warum ist sie so gefährlich?

Blei ist ein giftiges Schw­er­met­all, das sich im Kör­p­er anre­ichert – beson­ders in Knochen, Orga­nen und dem Ner­ven­sys­tem. Bei Kindern wirkt sich Blei noch gravieren­der aus als bei Erwachsenen. 

Schon kleine Men­gen kön­nen die Gehir­nen­twick­lung beein­trächti­gen, zu Konzen­tra­tionsprob­le­men, Hyper­ak­tiv­ität und sozialem Rück­zug führen. Bleivergif­tun­gen ver­laufen oft schle­ichend und wer­den deshalb lange nicht erkannt.

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Wad­ows­ka-Króls begin­nt 1974 eine eigene Studie – inof­fiziell, ohne staatliche Genehmi­gung. Mit Unter­stützung von befre­un­de­ten Lab­o­ran­tinnen unter­sucht sie rund 4.500 Kinder aus Katowice. 

Die Ergeb­nisse sind erschüt­ternd: In mehreren Stadt­teilen, vor allem in Szopi­enice, sind die Bleibelas­tun­gen im Blut der Kinder deut­lich über dem Gren­zw­ert. Die Diag­nose ist ein­deutig – hier liegt eine chro­nis­che Bleivergif­tung vor, verur­sacht durch die Emis­sio­nen des Hüttenwerks.

Eine Ärztin gegen den Parteistaat: Der Kampf um die Wahrheit

Doch die Ent­deck­ung der Ärztin passt nicht ins Bild der poli­tis­chen Führung. Polen wird zu dieser Zeit von Edward Gierek regiert. Sein Ver­sprechen: wirtschaftlich­er Auf­schwung, mehr Kon­sumgüter, ein besseres Leben für alle.

Finanziert sollte der Auf­schwung durch mas­sive Kred­ite aus dem West­en wer­den. Die Indus­trie ist das Aushängeschild dieser Strate­gie, und neg­a­tive Schlagzeilen über Fab­riken, die Kinder krank machen, gefährden das Image. Die poli­tis­che Führung reagiert mit Ein­schüchterung

Wad­ows­ka-Króls’ wis­senschaftliche Arbeit wird zen­siert, ihre Pro­mo­tion ver­hin­dert. Ihre Dis­ser­ta­tion ver­schwindet spur­los – ver­mut­lich auf Anord­nung der Behör­den. Sie wird nicht öffentlich dif­famiert, aber sys­tem­a­tisch zum Schweigen gebracht.

Die Medi­en bericht­en nur ver­schlüs­selt über ihre Ent­deck­ung. In der Zeitung „Tri­buna Robot­nicza“ ist von „Rou­tine­un­ter­suchun­gen“ der Gesund­heit von Kindern die Rede – ohne jede Erwäh­nung von Blei oder Umwelt­ge­fahren. Die offizielle Lin­ie lautet, dass Polen wächst und die Men­schen wohlhaben­der wer­den. Kri­tik ist unerwünscht.

Und doch: Der Widerstand wächst

Trotz der Repres­sion gibt Wad­ows­ka-Króls nicht auf. Sie organ­isiert heim­lich medi­zinis­che Hil­fe für betrof­fene Kinder, ver­mit­telt Aufen­thalte in Sana­to­rien, hil­ft Fam­i­lien, neue Woh­nun­gen in weniger belasteten Stadt­teilen zu bekom­men

Ihre Arbeit geschieht im Ver­bor­ge­nen, unter ständi­ger Angst vor Ver­haf­tung. Erst als die Fak­ten nicht länger zu leug­nen sind, lenken die Behör­den ein. Die Stadtver­wal­tung lässt beson­ders belastete Häuser abreißen, neue Wohn­blöcke wer­den gebaut. 

Tausende Kinder wer­den regelmäßig zur Erhol­ung in die Berge geschickt. Die offizielle Begrün­dung der Stadt für die Evakuierung: „unmit­tel­bare Gefahr für Leben und Gesund­heit der Bewohn­er durch giftige Gase und Staub“.

Ein Leben im Schatten und die späte Anerkennung

Jolan­ta Wad­ows­ka-Króls zahlt einen hohen Preis für ihr Engage­ment. Ihre wis­senschaftliche Kar­riere ist zer­stört, ihre Leis­tung wird jahrzehn­te­lang nicht anerkan­nt. Erst nach dem Ende der Volk­sre­pub­lik und der Öff­nung der Archive kommt ihre Geschichte langsam ans Licht. 

Joanna Kulig in Die Bleikinder bei Netflix

Die Ärztin Jolan­ta Wad­ows­ka-Króls (Joan­na Kulig) ver­sucht verzweifelt, die vom Blei vergifteten Kinder in ihrem Heima­tort zu ret­ten. — Bild: Robert Pał­ka / Netflix

In den 2000er-Jahren berichtet die Zeitung „Gaze­ta Wybor­cza“ erst­mals aus­führlich über die „Madon­na von Szopi­enice“. 2015 erhält Wad­ows­ka-Króls die pol­nis­che Ehren­medaille. Zwei Jahre später wird sie zur Ehren­bürg­erin von Katow­ice ernannt. 

2021 erhält sie – Jahrzehnte zu spät – den Ehren­dok­tor­ti­tel der Uni­ver­sität Schle­sien. Eine Wand­malerei in Katow­ice erin­nert heute an die Arbeit der am 18. Juni 2023 im Alter von 84 Jahren ver­stor­be­nen Heldin. Ihre Geschichte ist inzwis­chen The­ma von Büch­ern, einem Radio­hör­spiel – und nun auch ein­er Net­flix-Serie, die auf dem gle­ich­nami­gen Sach­buch von Michał Jędry­ka basiert. 

Jedry­ka erzählt die Geschehnisse aus der Per­spek­tive eines früheren Patien­ten Wad­ows­ka-Króls und befasst sich neben den medi­zinis­chen und poli­tis­chen Seit­en des Vor­falls auch mit den sozialen und psy­chol­o­gis­chen Fol­gen für die Betroffenen.

Ein System zwischen Fortschritt und Vergiftung: Der historische Hintergrund

Die Umweltkatas­tro­phe von Szopi­enice ist kein Einzelfall. In der sozial­is­tis­chen Pla­nung der 1970er-Jahre war Umweltschutz nachrangig. Die Devise lautete: Pro­duk­tion über alles. Neue Fab­riken wur­den oft ohne Rück­sicht auf die Bevölkerung oder Natur errichtet.

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In Ober­schle­sien, dem indus­triellen Herz Polens, führte das zu drama­tis­chen Belas­tun­gen. Die Region wurde später als Teil des „Schwarzen Dreiecks“ beze­ich­net – ein­er der am stärk­sten ver­schmutzten Zonen Europas. Die Regierung Gierek gilt heute als ambivalent. 

Ein­er­seits mod­ernisierte sie das Land, brachte west­liche Pro­duk­te und Lebens­stan­dards. Ander­er­seits ver­schuldete sie Polen mas­siv und ver­schloss die Augen vor den Kol­lat­er­alschä­den des Wach­s­tums. Die Bleivergif­tung von Szopi­enice bleibt daher ein mah­nen­des Beispiel für diese dun­kle Seite des Fortschritts.

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