Pietro Castelitto in Der Fälscher
© Lucia Iurio / Netflix
Bild aus dem Horrofilm Scream 7
Ransom Canyon

Der Fälscher: Die wahre Geschichte hinter dem Netflix-Drama über Antonio Chichiarelli

Tal­en­tiert, skru­pel­los und bis heute ein Rät­sel: Der ital­ienis­che Net­flix-Thriller „Der Fälsch­er“ erzählt die unglaubliche Geschichte von Anto­nio Chichiarel­li. Doch wie viel Wahrheit steckt hin­ter dem düsteren Dra­ma und wer war der Mann wirk­lich, der ganz Ital­ien narrte?

Am 23. Jan­u­ar erscheint auf Net­flix der ital­ienis­che Thriller „Der Fälsch­er“ („Il Fal­sario“) – ein düsteres Porträt über einen Mann, der mit Tal­ent, Täuschung und krim­ineller Genial­ität in die tief­sten Abgründe der ital­ienis­chen Nachkriegs­geschichte ein­taucht. Doch wer war dieser Mann wirk­lich? Hier erfährst Du die wahre Geschichte hin­ter „Der Fälscher“.

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Antonio „Tony“ Chichiarelli: Ein Künstler auf Abwegen

Anto­nio Giuseppe Chichiarel­li wird 1948 im abruzze­sis­chen Dorf Magliano de’ Mar­si geboren. Schon früh zeigt er ein außergewöhn­lich­es Tal­ent für Zeich­nun­gen und Malerei. Während sein­er Jugend soll er zwei Gemälde aus ein­er Kirche gestohlen haben – nicht aus Habgi­er, son­dern um sie zu kopieren. Dieses frühe Spiel mit Orig­i­nal und Fälschung wird später sein Markenzeichen.

Nach dem Wehr­di­enst zieht es Tony in die ital­ienis­che Haupt­stadt. In Rom führt er zunächst ein prekäres Leben: obdach­los, mit­tel­los, aber voller Ehrgeiz. Er schlägt sich mit Taschendieb­stahl, Betrug und Hehlerei durch und wird 1970 erst­mals wegen Waf­fenbe­sitzes verhaftet. 

Es fol­gen weit­ere kurze Haft­strafen, bei denen er im Gefäng­nis Regi­na Coeli Dani­lo Abbru­ciati begeg­net, einem der späteren Bosse der berüchtigten „Ban­da del­la Magliana“. Der Beginn ein­er fol­gen­schw­eren Freundschaft.

Die Banda della Magliana: Italiens berüchtigtes Gangster-Netzwerk

Die Ban­da del­la Magliana ist in den 1970ern mehr als eine gewöhn­liche Ver­brecherbande. Sie kon­trol­liert Dro­gen­han­del und Glücksspiel, ist an Ent­führun­gen beteiligt und pflegt enge Verbindun­gen zu recht­en Ter­ror­grup­pen, Geheim­di­en­sten und sog­ar zur Freimau­r­erloge Pro­pa­gan­da Due (P2). Chichiarel­li wird Teil dieses Net­zw­erks. Er liefert Fälschun­gen, Ausweise, Gemälde und später auch poli­tis­che Desinformationskampagnen.

1977 lernt Tony Chiara Zos­so­lo ken­nen, die eine Kun­st­ga­lerie in Rom besitzt und ihn in die Welt des Kun­sthandels und dem zu jen­er Zeit flo­ri­eren­den Markt der Kun­st­fälschung ein­führt. Seine Fähigkeit­en als Fälsch­er machen ihn unent­behrlich und ver­helfen ihm zu großem Anse­hen unter Samm­lern und Galerien. 

Beson­ders erfol­gre­ich ist er mit Werken von Gior­gio de Chiri­co, einem Kün­stler, der seine eige­nen früheren Werke später kopierte und so das Erken­nen authen­tis­ch­er Werke bis heute erschw­erte. Tony malt so überzeu­gend, dass selb­st Expert:innen seine Fälschun­gen kaum von Orig­i­nalen unter­schei­den können. 

Er lernt immer ein­flussre­ichere Men­schen ken­nen und begin­nt neben Kunst­werken auch Doku­mente zu fälschen. Das Geschäft blüht, Tony wird wohlhabend und passt seinen Lebensstil seinem Einkom­men an. 1977 eröffnet er einen Möbel­laden, ein Jahr später mietet er eine Luxusvil­la und heiratet schließlich Chiara Zossolo. 

Ein falsches Kommuniqué: Der Fall Aldo Moro

Am 16. März 1978 wird der ital­ienis­che Ex-Min­is­ter­präsi­dent Aldo Moro von den Roten Brigaden ent­führt. Fünf Polizis­ten ster­ben bei dem Über­fall. In den 55 Tagen sein­er Gefan­gen­schaft veröf­fentlicht die Ter­ror­gruppe mehrere Kommuniqués.

Am 18. April taucht plöt­zlich ein ange­blich­es „Kom­mu­niqué Nr. 7“ auf. Es behauptet, Moro sei hin­gerichtet und seine Leiche im Lago del­la Duches­sa versenkt wor­den. Die Polizei durch­sucht tage­lang den See. Doch die Nachricht ist falsch und stammt nicht von den Roten Brigaden.

Erst Jahre später wird klar: Das Doku­ment wurde von Anto­nio Chichiarel­li gefälscht – mit ein­er Schreib­mas­chine aus seinem eige­nen Laden. Wer ihn damit beauf­tragte, bleibt bis heute unklar. Es gibt Hin­weise auf eine Aktion durch extrem­istis­che Flügel inner­halb der ital­ienis­chen Geheim­di­en­ste, um die Ermit­tlun­gen zu tor­pedieren, die Roten Brigaden zu diskred­i­tieren oder die öffentliche Mei­n­ung zu manip­ulieren. Aufgek­lärt wird der Fall jedoch nie.

Der bekan­nte Inves­tiga­tiv-Jour­nal­ist Mino Pecorel­li, der die Fälschung sofort durch­schaute, wird ein Jahr später ermordet. Auch sein Tod bleibt bis heute ungek­lärt. Viele ver­muten einen Zusam­men­hang zum Fall Moro.

Der Raub des Jahrhunderts: Brink’s Securmark 1984

Am 24. März 1984 wird die Brink’s Secur­mark in Rom über­fall­en. Die Täter erbeuten zwis­chen 35 und 50 Mil­liar­den Lire. Die Summe entspricht heute rund 70 Mil­lio­nen Euro. Der Raub ist per­fekt geplant: Die Täter geben sich als Polizis­ten aus, schla­gen zu, während die Stadt durch eine Großdemon­stra­tion abge­lenkt ist, und ver­schwinden spurlos.

Am Tatort hin­ter­lassen sie absichtlich Spuren, die auf die Roten Brigaden hin­deuten: Patro­nen­hülsen, Granat­en, Flug­blät­ter. Doch auch diese Insze­nierung ist mut­maßlich eine Fälschung von Anto­nio Chichiarel­li, um die Behör­den erneut auf eine falsche Spur zu locken.

Ein Junkie, der später aus­packt, behauptet, Chichiarel­li habe ihm im Aus­tausch gegen einen Anteil an der Beute Details zum Raub erzählt. Die Polizei find­et in Tonys Besitz sehr viel Bargeld, Schmuck, Waf­fen und sog­ar Bild­ma­te­r­i­al über den Raub. Zu diesem Zeit­punkt ist Tony allerd­ings schon tot.

Der Mord an Tony Chichiarelli

Anto­nio Chichiarel­li bewegt sich in ein­er Welt, in der Unter­welt­bosse, Ter­ror­is­ten, Geheim­di­en­stleute und Hochsta­pler gemein­same Sache machen. Er fälscht Kunst­werke für Samm­ler und Doku­mente für krim­inelle Net­zw­erke. Er schreibt Desin­for­ma­tions­briefe für poli­tis­che Oper­a­tio­nen und plant spek­takuläre Überfälle.

Pietro Castelitto in Der Fälscher

Tony (Pietro Castel­lit­to) taucht immer tiefer in ein krim­inelles Net­zw­erk ein. — Bild: Lucia Iurio / Netflix

Gle­ichzeit­ig führt er aber ein schein­bar bürg­er­lich­es Leben. Mit sein­er Frau Chiara Zos­so­lo betreibt er eine Galerie in Traste­vere, einen Möbel­laden und später eine Porzel­lan­man­u­fak­tur. Er lebt in ein­er Vil­la in einem römis­chen Nobelvier­tel, fährt teure Autos, trägt Maßanzüge. Doch sein Dop­pelleben ist riskant und endet schließlich tödlich.

Am 28. Sep­tem­ber 1984 wird Anto­nio Chichiarel­li in Rom erschossen. Elf Schüsse tre­f­fen ihn, als er mit Cristi­na und dem gemein­samen Baby unter­wegs ist. Seine Frau über­lebt schw­er ver­let­zt, ver­liert sog­ar ein Auge, doch das Kind bleibt unversehrt. Auch dieser Mord wird nie aufgeklärt. 

Viele glauben, dass Chichiarel­li „zu viel wusste“. Über den Fall Moro, über Brink’s, über Mino Pecorel­li, über Verbindun­gen zwis­chen Mafia, Ter­ror­grup­pen und Geheim­di­en­sten. Vielle­icht war er ein­fach für alle Seit­en zu gefährlich geworden.

Die Wahrheit über Tony Chichiarelli: Was Netflix daraus macht

Der Film „Der Fälsch­er“ erzählt Chi­cia­rel­lis Geschichte als Mis­chung aus Thriller, Dra­ma und His­to­rien­por­trait. Regis­seur Ste­fano Lodovichi lässt Pietro Castel­lit­to in der Haup­trol­le zwis­chen Kun­st, Lügen und Macht bal­ancieren, verdichtet die wahren Ereignisse aber mit fik­tionalen Elementen. 

Das Label „fal­sa­mente ispi­ra­to a una sto­ria vera“ – frei über­set­zt: „falsch inspiri­ert von ein­er wahren Geschichte“ – beschreibt den Ton des Films also tre­f­fend. Denn das Leben von Anto­nio Chichiarel­li war selb­st eine Fälschung: kun­stvoll, gefährlich und bis zum Schluss ein Rätsel.

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