Tolkien – Wenig Mittelerde, viel Schmalz
Bild aus Son of Sam: Selbstporträt eines Mörders
Auf dem Bild zu Germany's next Topmodel 2026 ist Heidi Klum zu sehen, die vor einem violetten Hintergrund steht. Sie trägt ein beigefarbenes Outfit mit geknoteter Bluse und posiert mit einem selbstbewussten Lächeln. Ihr langes blondes Haar fällt locker über die Schultern, während sie die Hände in die Hüften stützt.

Tolkien Filmkritik: Wenig Mittelerde, viel Schmalz

Natür­lich kennst Du die „Herr der Ringe“-Filme, aber was weißt Du über den Autor J.R.R. Tolkien? Nun beschäftigt sich ein auto­bi­ographis­ch­er Film mit Nicholas Hoult als J.R.R. Tolkien mit dem Leben des welt­berühmten Schrift­stellers. Ob sich der Gang ins Kino lohnt, ver­rat­en wir Dir in unser­er Kritik

Die Geschicht­en von J.R.R. Tolkien begeis­tern schon seit 1937, dem Erschei­n­ungs­jahr von „Der Hob­bit“, Fan­ta­sy-Fans. Spätestens seit der Film-Trilo­gie zu „Herr der Ringe“ sind Tolkiens Geschicht­en sog­ar ein weltweites Phänomen, dem man sich kaum entziehen kann. Nach­dem bekan­nt wurde, dass Ama­zon Prime näch­stes Jahr eine Herr-der-Ringe-Pre­quel-Serie her­aus­brin­gen wird, sind viele wieder im Hob­bit-Fieber. Um die Zeit bis dahin zu über­brück­en, kommt nun ein Film ins Kino, der sich vor allem mit dem Leben und Schaf­fen des Herr-der-Ringe-Schöpfers beschäftigt. Lei­der wird der Film allerd­ings kaum der faszinieren­den Geschichte eines inter­es­san­ten Mannes gerecht.

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Der Mann hinter den Geschichten

Schon früh zeich­net sich ab, dass John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult) ein Gefühl für Sprache und Geschicht­en hat. Er erzählt seinem Brud­er fan­tastis­che Geschicht­en, beschäftigt sich im jun­gen Alter mit der gotis­chen Sprache und ver­tieft sein Tal­ent an ein­er Elite-Schule. Dort trifft er auch die Jungs, die ihn antreiben. Gemein­sam mit Geof­frey (Antho­ny Boyle), Christo­pher (Tom Glynn-Car­ney), Robert (Patrick Gib­son) und Sam (Craig Roberts) geht er nicht nur zusam­men auf dieselbe Schule und später sog­ar auf dieselbe Elite-Uni, son­dern auch durch dick und dünn. Diese Fre­und­schaft ist es, die J.R.R. Tolkien und seine Geschicht­en prä­gen. Kun­st, Poe­sie und vor allem Sprachen sind wichtige Bestandteile der Erzäh­lun­gen, die wir alle ken­nen. Aber auch Liebe und Krieg sind Ele­mente, die ihren Ursprung in Tolkiens Real­ität haben. Edith (Lily Collins) und J.R.R. verbindet eine ganz beson­dere Fre­und­schaft, die sich mehr und mehr zu Liebe entwick­elt. Doch das ist alles nicht so ein­fach für den jun­gen Mann, ste­ht doch der 1. Weltkrieg vor Eng­lands Toren.

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Eigentlich ein ganz normaler Typ?

Wer war dieser Mann, der gigan­tis­che und unglaublich detail­lierte Wel­ten erschaf­fen hat, in denen Du Dich mit Bil­bo und Fro­do Beut­lin auf fan­tastis­che Reisen beg­ib­st? Auf jeden Fall ein­er, der unter nicht ganz ein­fachen Umstän­den erwach­sen wurde. Das wird defin­i­tiv im Film klar. Klar wird allerd­ings irgend­wann auch, dass J.R.R. zwar ein sprach­be­gabter, sen­si­bler Mann war, aber eigentlich ziem­lich nor­mal, zumin­d­est auf den ersten Blick. Denn blickt man tiefer, ent­deckt man schnell, dass viel mehr in ihm steckt. Näm­lich ein unglaublich­es Tal­ent fürs Geschicht­en­erzählen und eine blühende Fan­tasie, die von der Real­ität inspiri­ert wird. Doch darauf geht der Film zu wenig ein. Denn, wenn man ehrlich ist, fing Tolkiens dich­ter­ische Kar­riere erst weit nach dem 1. Weltkrieg an und ger­ade dieser Abschnitt seines Lebens wäre inter­es­sant zu sehen gewe­sen. Aber mit­nicht­en. Viel mehr erleb­st Du als Zuschauer Tolkiens Kind­heit und Jugend mit, siehst wie er aufwächst, sich ver­liebt und in den Krieg zieht. Ger­ade let­ztere bei­den The­men wer­den deut­lich zu stark aus­gewälzt. Während allerd­ings seine per­sön­liche Kriegs­geschichte vor allem als Rah­men dient, nimmt die Liebesgeschichte einen zu wichti­gen Platz ein. Die so wichti­gen The­men für sein kün­st­lerisches Schaf­fen kom­men max­i­mal als Rand­no­tiz vor.

Weniger Hobbits, mehr Liebesgesülze

Abge­se­hen von Nicholas Hoults sehr gelun­gener Leis­tung als schüchtern­er und sym­pa­this­ch­er J.R.R. Tolkien, wird der Film der Biografie des Schrift­stellers nicht gerecht. Zu 0815, zu viel Liebesgeschichte und zu wenig Bezüge zu Mit­tel­erde und Co. lassen jeden Herr-der-Ringe-Lieb­haber ent­täuscht aus dem Kino schle­ichen. Nur in manchen Momenten blitzen die heißersehn­ten Motive auf, die erk­lären, woher Tolkien seine Inspi­ra­tion nahm. Dafür dann aber mit dem Holzham­mer. Ein wenig mehr Sub­til­ität und dafür der Verzicht auf das Auswalzen der Liebesgeschichte zwis­chen Edith und J.R.R. hätte dem Film gut­ge­tan. So ist „Tolkien“ nicht viel mehr als eine Liebesgeschichte, mit ein wenig Kriegs­dra­ma am Rande. Das ist schade, denn ger­ade die Suche nach Motiv­en in seinen Geschicht­en ist span­nend. Dann doch lieber noch ein­mal „Herr der Ringe“ oder „Der Hob­bit“ anguck­en. Oder Tolkiens Biografie lesen.

Du bist großer Fan von J.R.R. Tolkien und hast den Film gese­hen? Dann ver­rate uns in den Kom­mentaren, wie er Dir gefall­en hat.

Titel­bild: 2019 Twen­ti­eth Cen­tu­ry Fox

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