Die Schauspieler Rami Malek und Russell Crowe auf einem Filmplakat des Films "Nürnberg"
© picture alliance / COLLECTION CHRISTOPHEL | Bluestone Entertainment - Filmsq
Eine Szene aus der Serie "Salvador" mit Luis Tosar als Sanitäter Salvador
Vera Farmiga als blutverschmierte Lorraine Warren im Film "Conjuring 4".

Nürnberg: Die wahre Geschichte hinter dem Historiendrama

Hin­ter „Nürn­berg” steckt eine wahre Geschichte. Der Film zeigt das psy­chol­o­gis­che Duell zwis­chen einem jun­gen US‑Militärpsychiater und dem Nazi-Kriegsver­brech­er Her­mann Göring. Was damals wirk­lich passiert ist, liest Du im Folgenden.

Achtung: Der fol­gende Artikel enthält Spoil­er zum Film. Falls Du „Nürn­berg” noch nicht gese­hen hast, soll­test Du lieber nicht weiterlesen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Geschichte hin­ter dem Film „Nürn­berg” ist wahr: Ein US-Psy­chi­ater unter­suchte 1945 Nazi-Kriegsver­brech­er Her­mann Göring.
  • Dou­glas Kel­ley sollte her­aus­find­en, ob die NS-Funk­tionäre ver­hand­lungs­fähig waren.
  • Das Sach­buch „Der Nazi und der Psy­chi­ater” von Jack El-Hai beschreibt die Begeg­nun­gen und ist die Basis für den Film.
  • Der Autor ver­ar­beit­et darin die Aufze­ich­nun­gen von Kelley.

Der Film Nürnberg basiert auf einem Sachbuch

Wenige Monate nach dem Ende des Zweit­en Weltkriegs soll der US-amerikanis­che Mil­itärpsy­chi­ater Dou­glas Kel­ley führende Nazi-Größen begutacht­en. Seine Auf­gabe: her­aus­find­en, ob sie zurech­nungs­fähig sind und vor Gericht gestellt wer­den kön­nen. Sind sie in der Lage, moralisch zu urteilen? Wenige Monate später begin­nen die Nürn­berg­er Prozesse: Erst­mals in der Geschichte sollen Kriegsver­brech­er gerichtlich belangt wer­den. Das ist die Aus­gangslage des Films „Nürn­berg” von James Van­der­bilt („Der Moment der Wahrheit”).

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Unter den 22 Män­nern, die Kel­ley (Rami Malek, „Bohemi­an Rhap­sody”) trifft, ist auch der zweit­mächtig­ste Mann im NS-Regime, Her­mann Göring (Rus­sell Crowe, „Glad­i­a­tor”). Monate­lang befragt der Psy­chi­ater den Nazi-Ver­brech­er. Im Laufe ihrer Gespräche entwick­elt sich ein psy­chol­o­gis­ches Duell zwis­chen den bei­den. Göring ver­sucht, den Psy­chi­ater zu manip­ulieren und sich selb­st als wichti­gen Staats­mann darzustellen.

Während Kel­ley immer tiefer in die Gedanken­welt der Täter ein­taucht, treibt ihn vor allem eine Frage um: Wie kön­nen schein­bar „nor­male” Men­schen zu solch mon­strösen Tat­en fähig sein? „Nürn­berg” dreht sich um The­men wie Schuld, Ver­ant­wor­tung und die Fasz­i­na­tion des Bösen. Er läuft am 7. Mai 2026 in den deutschen Kinos an.

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Der Film basiert auf dem Sach­buch „Der Nazi und der Psy­chi­ater” von US-Autor Jack El-Hai, das 2013 auf Englisch und 2014 auf Deutsch erschienen ist. Das Buch und damit auch der „Nürnberg”-Film basieren auf ein­er wahren Geschichte. Denn der Autor wertet Kel­leys Orig­i­nalaufze­ich­nun­gen aus: Seine Inter­views, Tests und Beobach­tun­gen sind his­torisch doku­men­tiert. Sie liegen in Form von Noti­zen, Pro­tokollen und späteren Veröf­fentlichun­gen vor. Darüber hin­aus ver­sucht El-Hai, die Gespräche mit Göring zu rekon­stru­ieren. Wir erläutern im Fol­gen­den, was damals wirk­lich passiert ist.

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Nürnberg: Die wahre Geschichte von Hermann Göring

Her­mann Göring war ein­er der mächtig­sten Funk­tionäre des nation­al­sozial­is­tis­chen Regimes und ein enger Ver­trauter von Adolf Hitler. Im Ersten Weltkrieg dient der 1893 geborene Göring als Jagdflieger. Schon 1922 tritt er der NSDAP bei und steigt schnell in die Parteiführung auf. Er grün­det die Gestapo, leit­et die Luft­waffe und ist Reichs­marschall – das ist der höch­ste mil­itärische Rang, den Hitler damals ver­lei­ht. Göring ist eine zen­trale Fig­ur bei der Errich­tung des Ter­rorstaats und der Ver­fol­gung poli­tis­ch­er Geg­n­er. Als Luft­waf­fenchef ver­ant­wortet er Bom­bardierun­gen, Ter­ro­ran­griffe und den Luftkrieg.

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Am 9. Mai 1945, einen Tag nach der Kapit­u­la­tion der Wehrma­cht, trifft ein Aufk­lärungstrupp der US-Armee in der Nähe von Salzburg auf einen Autokon­voi. Darin befind­en sich Göring und sein großes Gefolge: Er reist mit Frau, Tochter, Ver­wandten, Adju­tan­ten und Bedi­en­steten. Gegenüber den Sol­dat­en tritt der Nazi selb­st­be­wusst auf. Er sagt, dass er sich offiziell stellen will. Offen­bar hofft er, als Staats­mann behan­delt zu wer­den und seine Rolle im Regime zu relativieren.

Göring gehört zu den Haup­tangeklagten der Nürn­berg­er Prozesse. Am 1. Okto­ber 1946 wird er in allen Anklagepunk­ten schuldig gesprochen. Das Gericht ver­hängt die Todesstrafe durch den Strang. Am 15. Okto­ber 1946 nimmt Göring sich mit ein­er Zyanka­likapsel das Leben – wenige Stun­den vor der geplanten Hinrichtung.

Woher er das Gift hat, wird nie gek­lärt. Viele Veröf­fentlichun­gen gehen davon aus, dass er sie am Kör­p­er oder im Gepäck in die Zelle geschmuggelt hat. 2005 sagt ein US-Gefäng­nisauf­se­her aus, dass er die Pille im Auf­trag ein­er jun­gen deutschen Frau in die Zelle gebracht hat.

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Was passierte bei den Befragungen der Nazi-Verbrecher?

Die US-Armee baut 1945 ein Luxu­shotel in Bad Mon­dorf (Lux­em­burg) in ein geheimes Sam­mel- und Ver­hörzen­trum um, „Camp Ash­can” genan­nt. 20 Män­ner der Nazi-Führungsspitze und weit­ere hochrangige Gefan­gene wer­den dort zwis­chen Mai und August 1945 medi­zinisch unter­sucht und inten­siv ver­hört, von Geheim­di­en­sten, Juris­ten und Psy­chi­atern. Das Mil­itär sichtet dort zudem Doku­mente und per­sön­lichen Besitz der Insassen. So wollen sie fes­tle­gen, wer später in Nürn­berg angeklagt wird.

Neben Göring sind in Bad Mon­dorf zum Beispiel Hitlers Stel­lvertreter Rudolf Heß, Rüs­tungsmin­is­ter Albert Speer und „Stürmer”-Herausgeber Julius Stre­ich­er inhaftiert. Andere Nazi-Ver­brech­er wie Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Hein­rich Himm­ler hat­ten bere­its im April und Mai 1945 Selb­st­mord begangen.

Der US-Mil­itärpsy­chi­ater Dou­glas M. Kel­ley und der Mil­itärpsy­chologe Gus­tave Gilbert (im Film gespielt von Col­in Han­ks) haben die Auf­gabe, die NS-Män­ner psy­chol­o­gisch zu analysieren. Sie führen mit den Gefan­genen Tests durch, etwa den Rorschach-Test: Per­so­n­en sollen beschreiben, was sie auf Tin­ten­klecks­bildern sehen. Daraus ergeben sich Hin­weise darauf, wie jemand etwas wahrn­immt, inter­pretiert und emo­tion­al darauf reagiert.

Die Experten ver­brin­gen Stun­den mit den Funk­tionären in ihren Zellen, zusam­men mit Über­set­zern. Sie sprechen unter anderem „über ihre Motive und darüber, was ihnen wichtig war”, sagt Autor El-Hai im Gespräch mit dem Smith­son­ian Mag­a­zine.

Kel­ley hat ein per­sön­lich­es Ziel: Er will her­aus­find­en, ob die Täter „eine gemein­same Psy­chose oder eine spez­i­fis­che geistige Ent­gleisung” haben, heißt es bei der BBC. Denn nur das, so glaubt er, kann ihre mon­strösen Tat­en erklären.

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Was passierte zwischen Kelley und Göring?

Der „Nürnberg”-Film zeigt, wie der US-Psy­chi­ater und Göring miteinan­der reden, Scherze machen und nach und nach Ver­trauen zueinan­der auf­bauen. Göring bit­tet Kel­ley sog­ar um Hil­fe, um mit sein­er Frau und sein­er Tochter in Kon­takt zu bleiben. Der eigentlich pflicht­be­wusste Kel­ley set­zt sich tat­säch­lich über die Vorschriften hin­weg und bringt den bei­den per­sön­lich Briefe vorbei.

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„Sie waren keine Kumpel”, so Autor Jack El‑Hai gegenüber der BBC. „Aber sie baut­en eine Verbindung auf, und Kel­ley erkan­nte, dass sie bes­timmte Per­sön­lichkeitsmerk­male gemein­sam hat­ten.” Neben Görings Charme, Intellekt und weit­eren Eigen­schaften fie­len dem Arzt auch dessen großes Ego und seine aus­geprägte Loy­al­ität gegenüber Fam­i­lie und Vater­land auf.

Eine wahre Geschichte aus dem Sach­buch lässt der „Nürnberg”-Film allerd­ings aus: Göring fürchtet, dass er und seine Frau bald ster­ben wer­den. Deshalb bit­tet er Kel­ley, ihre sieben­jährige Tochter Edda zu adop­tieren und in den USA großzuziehen. Wie der Psy­chi­ater darauf reagiert, ist nicht fest­ge­hal­ten. Die Mut­ter Emmy Göring wird 1948 aus der Haft ent­lassen, das Kind wächst in München bei ihr auf. Edda Göring dis­tanziert sich später nie klar von ihrem Vater.

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Nürnberg: Die wahre Geschichte der Prozesse

Am 20. Novem­ber 1945, ein halbes Jahr nach Kriegsende, begin­nt in Nürn­berg der erste Prozess gegen die Haup­tkriegsver­brech­er. Vor einem inter­na­tionalen Mil­itär­tri­bunal müssen sich 22 Angeklagte wegen Ver­schwörung, Ver­brechen gegen den Frieden, Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit und Kriegsver­brechen ver­ant­worten. Täglich ver­fol­gen mehr als 400 Men­schen die Ver­hand­lun­gen im Gerichtssaal.

Görings Auftritt vor Gericht ste­ht im Fokus der zweit­en Hälfte von „Nürn­berg”. Er ver­tritt sich selb­st, und seine Aus­sagen ori­en­tieren sich eng an den orig­i­nalen Pro­tokollen. Auch die Szene, in der die Anklage schock­ieren­des Film­ma­te­r­i­al aus Konzen­tra­tionslagern zeigt, entspricht der dama­li­gen Real­ität. Wie im Prozess 1945 wen­det Göring den Blick ab, als die Bilder aus­ge­mergel­ter Häftlinge und Leichen­berge auf der Lein­wand zu sehen sind.

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Im Film ver­lässt Kel­ley nach diesen Bildern schock­iert den Gerichtssaal. Er kon­fron­tiert Göring mit dessen Rolle bei den Ver­brechen. Der Psy­chi­ater ist so erbost, dass er sich betrinkt und geheime Infor­ma­tio­nen aus dem Prozess an einen Reporter weit­ergibt. Deshalb wirft die Armee ihn raus.

Die wahre Geschichte ist weniger drama­tisch: Kel­ley fliegt nach Hause, weil sein Auf­trag erfüllt ist und er abberufen wird: Er hat die psy­chol­o­gis­chen Gutacht­en für die Haup­tangeklagten abgeschlossen und seinen Nach­fol­ger eingear­beit­et. Außer­dem fühlt er sich durch die engen Vor­gaben des US‑Militärs zunehmend eingeschränkt. Statt tiefge­hen­der Forschung soll er haupt­säch­lich Rou­tinebeobach­tun­gen durch­führen. Außer­dem will er nach drei Jahren in Europa nach Hause zurück­kehren und sein Buch schreiben.

Douglas Kelley (Rami Malek) steht an einem Bahnsteig neben einem Zug.

Als seine Arbeit in Europa getan ist, kehrt Dou­glas Kel­ley (Rami Malek) zurück in die USA. — Bild: pic­ture alliance / ASSOCIATED PRESS | Scott Garfield

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Dou­glas M. Kel­ley kommt 1912 in Kali­fornien zur Welt und studiert später Medi­zin mit Schw­er­punkt Psy­chi­a­trie. Mit Krieg­sein­tritt der USA wird er einge­zo­gen. An der West­front behan­delt er Tausende soge­nan­nte Shell‑shocked Sol­diers, also Sol­dat­en mit schw­eren psy­chis­chen Belas­tungsreak­tio­nen. Durch diese Erfahrung wird er schnell zu einem der erfahren­sten Mil­itärpsy­chi­ater. Die Armee beauf­tragt Kel­ley 1945, die NS-Gefan­genen zu untersuchen.

1947 veröf­fentlicht Kel­ley ein Buch über die Angeklagten der Nürn­berg­er Prozesse, „22 Cells in Nurem­berg”.  Im Manuskript heißt es laut Smith­son­ian Mag­a­zine: „Wir müssen das Warum des Nazi-Erfol­gs ver­ste­hen, damit wir Schritte unternehmen kön­nen, um die Wiederkehr eines solchen Bösen zu ver­hin­dern.” Zudem hält Kel­ley viele Vorträge über seine Erfahrun­gen. Doch das Buch verkauft sich schlecht. Trotz uner­müdlich­er Arbeit als Lehrer, Arzt und Krim­i­nologe ist er nie so erfol­gre­ich, wie er es sich wün­scht. Kel­ley kämpft zunehmend mit Alko­hol­prob­le­men und depres­siv­en Stimmungen.

Am Neu­jahrstag 1958 schluckt der Psy­chi­ater nach einem hefti­gen Stre­it mit sein­er Frau eine Zyanka­likapsel – vor den Augen seines Vaters und seines Sohnes. Der damals 45-Jährige nimmt sich damit auf dieselbe Weise das Leben wie Göring.

Wenn Du Dich für die wahren Geschicht­en hin­ter Gericht­sprozessen inter­essierst, schau Dir auch diesen Fall an:


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