Timothée Chalamet rennt in einer Szene von "Marty Supreme" durch die Stadt.
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Marty Supreme: Diese wahre Geschichte steckt hinter dem Film

Der exzen­trische Tis­chten­nis­spiel­er Mar­ty Mauser ver­di­ent sein Geld mit Match­es, Wet­ten, Showein­la­gen und Tricks. Aber steckt hin­ter „Mar­ty Supreme” eine wahre Geschichte? Ja – der Film hält sich aber nur lose daran.

Das Wichtigste in Kürze

  • „Mar­ty Supreme” basiert auf der Geschichte von Mar­tin „Mar­ty” Reisman.
  • Mar­ty Reis­man war ab den 1950er-Jahren ein bekan­nter Tis­chten­nis­spiel­er in den USA.
  • Er gewann diverse Titel, trat aber auch bei vie­len Show-Match­es auf.
  • In der Ver­fil­mung sein­er Lebens­geschichte sind viele Ereignisse aber erfunden.

Marty Supreme basiert auf einer wahren Geschichte – aber …

Im Mit­telpunkt des Films „Mar­ty Supreme” ste­ht der tal­en­tierte, aber ver­armte Tischtennis‑Hustler Mar­ty Mauser (Tim­o­th­ée Cha­la­met). Er lebt im New York der 1950er‑Jahre und will unbe­d­ingt aller Welt zeigen, wie gut er an der Plat­te ist. In Hin­terz­im­mern, Bars und Clubs spielt er um Geld, indem er trickst – und natür­lich großar­tige Bälle schlägt.

Der Mann ist char­mant und geistre­ich, aber auch großspurig und ego­is­tisch. Er kratzt genug Geld zusam­men, um nach Lon­don reisen zu kön­nen. Dort tritt er gegen den weltbesten Spiel­er Koto Endo (Koto Kawaguchi) – und ver­liert. Mar­ty kehrt nach Hause zurück, gibt aber nicht auf. Er ver­sucht, mehr Geld zu bekom­men, indem er stiehlt, borgt, bet­telt und mit Tricks arbeit­et. Neben­bei nutzt er die ehe­ma­lige Film­di­va Kay Stone (Gwyneth Pal­trow) aus und schwängert seine inzwis­chen ver­heiratete Ex-Fre­undin Rachel Mizler (Odessa A’zion).

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Die über­drehte Retro-Sport-Komödie erzählt von Selb­st­täuschung, Come­backs und der Frage, was Erfolg eigentlich ist. Aber ist „Mar­ty Supreme” eine wahre Geschichte? Tat­säch­lich basiert die Haupt­fig­ur auf einem echt­en Tis­chten­nis­spiel­er: Mar­tin „Mar­ty” Reisman.

Allerd­ings ist der Film vor allem von dessen Per­sön­lichkeit inspiri­ert, viele Teile der Hand­lung sind dage­gen erfun­den. Dazu gehört unter anderem die Beziehung zu Kay Stone. Sowohl die Hol­ly­wood­schaus­pielerin als auch den Tis­chten­nis­spiel­er Koto Endo gab es im echt­en Leben nicht. Der Film nimmt haupt­säch­lich Reis­mans Stil, Auftreten und den Mythos um ihn als Grundlage.

Die wahre Geschichte hinter Marty Supreme: Wer war Marty Reisman? 

Hin­ter Mar­ty Mauser steckt eine reale Per­son: Mar­ty Reis­man ist ein preis­gekrön­ter Tis­chten­nis­spiel­er aus den USA. Er gewin­nt 22 bedeu­tende Titel und fünf Bronzemedaillen bei Welt­meis­ter­schaften. Zwis­chen 1948 und 1967 nimmt er an ins­ge­samt sieben WMs teil.

1948 und 1949 erre­icht er im Mannschaftswet­tbe­werb jew­eils den drit­ten Platz. 1949 lan­det er im Einzel und im Mixed mit Spielerin Peg­gy McLean im Halb­fi­nale. Bei der WM 1952 sam­melt er zusam­men mit Dou­glas „Doug” Cart­land ein weit­eres Mal Bronze ein. 1949 sichert er sich außer­dem den Titel der Offe­nen Englis­chen Meisterschaften. 

Martin Reisman posiert 1949 mit einem Pokal in Wembley, England.

Mar­ty Reis­man im Feb­ru­ar 1949 nach einem Sieg bei einem Wet­tbe­werb in Wem­b­ley, Eng­land. — Bild: pic­ture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Mitte 1948 liegt Reis­man in der Wel­tran­gliste des Tis­chten­nis-Weltver­ban­des ITTF auf Platz 5. Weil er sich nicht immer regel­gerecht ver­hält, sper­rt ihn der US-Tis­chten­nisver­band jedoch mehrmals, ein­mal sog­ar für ein ganzes Jahr.

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Zwis­chen 1949 und 1951 reisen Reis­man und sein Fre­und Doug Cart­land als Ein­heiz­er des US‑Basketball‑Showteams „Harlem Glo­be­trot­ters” um die Welt. Sie treten als Tis­chten­nis-Komö­di­en-Duo auf und spie­len unter anderem mit Bratp­fan­nen und Schuhen.

Neben­bei macht Reis­man immer ein paar Geschäfte: Als er Ende der 1940er-Jahre nach Europa reist, hat er einen Kof­fer voller Nylon-Strumpfho­sen dabei, berichtet Esquire. Diese verkauft er dann für viel Geld. Auf dem Rück­weg nimmt er Kugelschreiber und Glasar­tikel mit zurück nach Hause, um damit Geld zu verdienen.

Bis heute gilt Mar­ty Reis­man in der US-Tis­chten­nis­szene als Legende.

So kommt Marty Reisman zum Tischtennisspielen – und wird er zum Hustler

Geboren wird der spätere Ten­nis­star im Jahr 1930 unter dem Namen Mar­tin Reis­man in New York. Seine Mut­ter Sarah ist eine rus­sis­che Ein­wan­derin, sein Vater Mor­ris ein Tax­i­fahrer und Spiel­er. Die jüdis­che Fam­i­lie lebt in ärm­lichen Ver­hält­nis­sen. 1940 ver­lässt die Mut­ter ihren Mann und zieht mit Mar­ty und seinem Brud­er David in ein Miet­shaus gegenüber einem Park. Dort ste­ht eine gemein­schaftlich genutzte Tis­chten­nis­plat­te – und der zehn­jährige Mar­ty find­et seine Berufung.

Tis­chten­nis­spie­len wird für ihn „ulti­ma­tiv­en Ausweg” nach einem Ner­ven­zusam­men­bruch in jun­gen Jahren, wie er 2005 gegenüber Forbes ver­rät. Mit 12 Jahren spielt er im Park erst­mals um Geld. Zwar ver­liert er das Match, aber er hat Blut geleckt. Ein Buch­mach­er bringt den Jun­gen zum „Lawrence’s Broad­way Table Ten­nis Club” in Man­hat­tan. Dort treten Show- und Glücksspiel­er bei Match­es an.

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Mar­ty set­zt beim Spie­len alle möglichen Tricks ein, wie auch die Geschichte von „Mar­ty Supreme” zeigt. Er ver­liert beispiel­sweise die ersten paar Spiele und schlägt anschließend vor, den Ein­satz zu ver­dop­peln. Erst dann zeigt er sein wahres Tal­ent – und gewin­nt. Oder er hält den Schläger auf selt­same Weise, eher wie eine Bierflasche.

Die Gegner:innen glauben dann, dass er keine Ahnung hat. Bei beson­ders hohen Ein­sätzen spielt er manch­mal sog­ar mit ver­bun­de­nen Augen, einem Mülleimerdeck­el, ein­er Glüh­birne oder während er auf einem Stuhl sitzt. Und er legt eine Show fürs Pub­likum hin: Bälle schmettert er hin­ter seinem Rück­en, zwis­chen den Beinen, mit der Ferse oder sein­er Brille zurück. Reis­man kann einen Ball sog­ar mit Pusten über das Netz bringen.

Mit 13 Jahren wird er Junioren­meis­ter von New York. Ein Jahr später kann er vom Tis­chten­nis­spie­len leben. Jeden Tag geht er nach der Schule zu „Lawrence’s”, und bleibt dort teil­weise bis 2 Uhr mor­gens. Er spielt nun jeden Tag bis zu zehn Stun­den lang. Als seine Mut­ter sich Sor­gen macht, zieht er kurz­er­hand bei seinem Vater ein.

Die wahre Geschichte hinter Marty Supreme: Darum heißt er The Needle

Mar­ty Reis­man hat einen Spitz­na­men: „The Nee­dle”. Den bekommt er aus ver­schiede­nen Grün­den ver­passt. Zum einen ist er schlak­sig und spin­deldürr. Zum anderen macht er messer­scharfe Bemerkun­gen – er piesakt andere wie mit ein­er Nadel. Während eines Kampfes macht er sich über Gegner:innen, deren Auf­schläge oder ihre Ner­ven lustig. Auch Zuschauer:innen und Schiedsrichter:innen bekom­men ihr Fett weg.

Schon als Teenag­er entwick­elt Reis­man seinen berühmten Stil: aggres­siv und zugle­ich spek­takulär. Bekan­nt ist er vor allem für seinen extrem schnellen Vorhand­schlag namens „Atom­ic Blast” – mit einem Tem­po von 185 Kilo­me­tern pro Stunde. Der Tis­chten­nis­star hat ein paar Erfol­gsrezepte. So lässt er seine Kontrahent:innen bes­tim­men, wie das Spiel abläuft. Dann tut er so, als sei er wenig an dem Match inter­essiert. Oder er lässt sie laufen, bis sie erschöpft sind (via Harpers Bazaar).

Bei­de Strate­gien beschreibt er in sein­er Auto­bi­ografie „The Mon­ey Play­er: The Con­fes­sions of America’s Great­est Table Ten­nis Cham­pi­on and Hus­tler” von 1974.

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Auf diesem Buch basiert lose die Sto­ry des Films. Fun Fact am Rande: Pro­duzentin Sara Ros­sein find­et es in einem Trödel­laden, berichtet der Rolling Stone. Sie gibt es ihrem Ehe­mann, dem Regis­seur Josh Safdie. Der macht daraus „Mar­ty Supreme” – auch wenn er damit nicht direkt eine wahre Geschichte erzählt.

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Martys echte Revanche gegen einen Topspieler – mit einem Oldschool-Schläger

Im Film „Mar­ty Supreme” ver­liert Mar­ty Reis­man gegen den japanis­chen Top­spiel­er Koto Endo, und ist danach auf Revanche aus. Im echt­en Leben erlebt Reis­man eine ähn­liche Geschichte: 1952 tritt er gegen den japanis­chen Spiel­er Hiro­ji Satō an. Dieser bringt eine ganz neue Art von Schläger mit, „Sand­wich” genan­nt: Er beste­ht aus drei Schicht­en, mit Holzk­ern, Schwamm und Ober­gum­mi. Heute ist das Mod­ell der Stan­dard­schläger beim Tischtennis.

Bis dahin wird eine Hard­bat-Vari­ante aus Holz mit dün­ner Nop­pengum­mi-Schicht genutzt – auch von Mar­ty Reis­man. Satō schlägt Reis­man und alle anderen Teil­nehmenden im Turnier. Der Unter­legene will daraufhin unbe­d­ingt ein Revanche-Match.

Mit Doug Cart­land tourt er monate­lang durch Asien und tritt bei Showkämpfen an, um Geld für die Reise nach Japan zu sam­meln. 1953 tre­f­fen sich Reis­man und Satō in Osa­ka zu einem Match, mit unter­schiedlichen Schlägern. Nach einem lan­gen, aus­geglich­enen Kampf holt sich Reis­man den Sieg, weil die Konzen­tra­tion seines Geg­n­ers nach­lässt. Das ist ange­blich so ent­muti­gend für Satō, dass dieser nie wieder inter­na­tion­al spielt.

Reis­man reist weit­er durch Asien, unter anderem um Sol­dat­en im Viet­namkrieg zu unter­hal­ten. Das nutzt er natür­lich wieder für Neben­bei-Geschäfte: Da es bei Mil­itär­flü­gen keine Zol­lkon­trollen gibt, schmuggelt er Gold­bar­ren und Rolex-Uhren in die USA. Und 1957 arbeit­et er – genau wie der Pro­tag­o­nist in „Mar­ty Supreme” – sog­ar in einem Schuh­laden. Er wird jedoch gefeuert, nach­dem er mehrmals zu spät zur Arbeit erscheint.

Übri­gens wech­selt Mar­ty Reis­man nie zu Sand­wich-Bats: Er bleibt den Hard­bat-Schlägern sein Leben lang treu. Im Jahr 2012 stirbt er in New York im Alter von 82 Jahren an Herz- und Lungenproblemen.

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