Schauspielerin Jessie Buckley als Agnes im Film "Hamnet"
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Agata Grzybowska
Auf dem Bild in dem Artikel zu Let's Dance 2026 ist Sonya Kraus vor einem roten Hintergrund zu sehen.

Hamnet: Die wahre Geschichte hinter dem Film über Shakespeares Familie

Nicht William Shake­speare ste­ht im Zen­trum des Films „Ham­net”, son­dern seine Frau Agnes – und der gemein­same Sohn Ham­net, der bere­its in jun­gen Jahren stirbt. Wie viel his­torische Wahrheit steckt in der Hand­lung? Wir erzählen die wahre Geschichte von Ham­net und sein­er Familie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ham­net, Shake­speare und seine Ehe­frau Agnes gab es wirklich.
  • Wie im Film „Ham­net” starb Shake­spear­es Sohn im Alter von elf Jahren.
  • Viele Ereignisse im Film sind nicht belegt, etwa die Pest als Todesursache.
  • „Ham­net” ergänzt his­torische Fak­ten um fik­tionale Elemente. 

Hamnet: Erzählt der Film eine wahre Geschichte?

Der Film „Ham­net” dreht sich um die Geschichte der Fam­i­lie von Shake­speare. Der junge William (gespielt von Paul Mescal) arbeit­et im 16. Jahrhun­dert im englis­chen Strat­ford-upon-Avon als Latein­lehrer. Er ver­liebt sich in die rät­sel­hafte und eigen­willige Agnes (Jessie Buck­ley). Die naturver­bun­dene Frau gilt als Hei­lerin, wird aber von manchen auch als Hexe gese­hen. Die bei­den heirat­en im Jahr 1580 und bekom­men anschließend drei Kinder: Susan­na sowie die Zwill­inge Judith und Hamnet.

Während Agnes in Strat­ford bleibt, zieht es William nach Lon­don, wo er Kar­riere als Autor von Dra­men macht. Die räum­liche Tren­nung belastet die junge Fam­i­lie immer mehr. 1596 stirbt Sohn Ham­net im Alter von nur elf Jahren. Der Film zeigt den Ver­lust aus der Per­spek­tive der Eltern, beson­ders aus Agnes’ Sicht. Sie ist die Haupt­fig­ur in „Ham­net”, nicht der bekan­nte Autor. Das poet­is­che Dra­ma von Oscargewin­ner­in Chloé Zhao („Nomad­land”, „The Rid­er”) basiert auf einem Roman von Mag­gie O’Farrell.

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Aber han­delt es sich um belegte Geschehnisse oder ist die Sto­ry erfun­den? „Ham­net” ist keine wahre Geschichte in Form ein­er Biografie. Der Film verbindet his­torische Fak­ten mit fik­tionalen Ele­menten. Die Haupt­per­so­n­en existierten wirk­lich – William Shake­speare, Agnes und die Kinder. Belegt ist auch der Tod von Ham­net. Darüber hin­aus han­delt es sich aber um eine fik­tionale Nacherzäh­lung des Fam­i­lien­lebens der Shake­spears. Der Film konzen­tri­ert sich darauf, wie der Ver­lust eines Kindes das Paar erschüt­tert und Shake­spear­es späteres Werk prägt.

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Die wahre Geschichte hinter Hamnet: Wer war Agnes?

Historiker:innen nen­nen Shake­spear­es Ehe­frau Agnes meist Anne Hath­away. Möglicher­weise nen­nt ihre Fam­i­lie sie aber Agnes, eine damals gängige Vari­ante des Namens. Das legt zumin­d­est das Tes­ta­ment ihres Vaters nahe. Dem­nach soll „Agnes” 6 Pfund erben, auszahlbar am Tag ihrer Hochzeit. Aus diesem Grund haben sich Autorin und Filmemacherin von „Ham­net” eben­falls für den Namen Agnes entschieden.

Agnes beziehungsweise Anne kommt 1556 zur Welt. Ihr Vater Richard ist ein soge­nan­nter Yeo­man-Farmer, also ein freier Bauer und Landbe­sitzer. Wahrschein­lich wächst Agnes in Shot­tery auf, einem Dorf in der Nähe von Strat­ford-upon-Avon in Eng­land. Es ist nur wenig aus ihrem Leben bekan­nt und es gibt kaum über­lieferte Doku­mente. Sich­er ist, dass ihr Vater 1581 stirbt.

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Eben­so ist bekan­nt, dass Agnes im Novem­ber 1582 den acht Jahre jün­geren William Shake­speare heiratet. Bei der Hochzeit ist sie 26 und er 18 Jahre alt. Zu diesem Zeit­punkt ist sie bere­its mit ihrem ersten Kind schwanger. Tochter Susan­na wird 1583 geboren, 1585 fol­gen die Zwill­inge Judith und Hamnet.

Dass Agnes eine Seherin ist und Inter­esse am Über­natür­lichen hat, ist nicht belegt. Hier­bei han­delt es sich also wohl nicht um eine wahre Geschichte – Buch und Film über Ham­net erfind­en diesen Teil ihrer Persönlichkeit.

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Führen Agnes und William eine glückliche Ehe – oder genau das Gegenteil?

Nach­dem Agnes und William geheiratet haben, lebt Shake­speare größ­ten­teils in Lon­don, wo er seine Stücke schreibt und auf­führt. Dieser Teil der Geschichte in „Ham­net” ist wahr. Der Autor kehrt jedes Jahr für einige Zeit nach Strat­ford zurück, wo mut­maßlich seine Fam­i­lie lebt. Ein Brief in einem Buch lässt außer­dem darauf schließen, dass Agnes zumin­d­est zeitweise in Lon­don gelebt haben kön­nte: Der Brief ist an eine Mrs. Shake­speare in der Stadt adressiert.

Hart­näck­ig hält sich die Vorstel­lung, dass die Ehe zwis­chen William und Agnes unglück­lich gewe­sen sein soll. Die Gründe: der Alter­sun­ter­schied und die Schwanger­schaft bei der Eheschließung. Hat sie ihn möglicher­weise zur Hochzeit gezwun­gen? Auch dass William nach der Heirat über­wiegend in Lon­don lebt, gilt für manche als Indiz für eine unglück­liche Ehe.

Dage­gen spricht jedoch, dass der Autor nach seinem Rück­zug aus der The­ater­welt 1613 wieder zu sein­er Frau nach Strat­ford zieht. Zudem gibt es kein­er­lei Beweise dafür, dass Shake­speare seine Frau nicht mochte. Dass Män­ner an einem anderen Ort arbeit­en, um ihre Fam­i­lie zu unter­stützen, ist in dieser Epoche normal.

Roma­nau­torin Mag­gie O’Far­rell hin­ter­fragt die gängige Vorstel­lung in ihrem Buch. Sie sagt 2020 in einem Pod­cast: „Vielle­icht liebten sie sich wirk­lich. Vielle­icht führten sie eine gle­ich­berechtigte Ehe” (via Harper’s Bazaar). Und weit­er: „Ich wollte, dass die Leser:innen alles vergessen, was sie glauben zu wis­sen, neu über­legen und offen für eine neue Inter­pre­ta­tion sind.”

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Wer ist Hamnet und woran stirbt er? Die wahre Geschichte

Über Shake­spear­es Sohn Ham­net ist nur wenig bekan­nt. Lediglich sein Geburts- und Beerdi­gungs­da­tum sind in his­torischen Doku­menten fest­ge­hal­ten. Bekan­nt ist auch, dass Ham­net und seine Schwest­er Judith zweiei­ige Zwill­inge sind. Die bei­den wer­den am 2. Feb­ru­ar 1585 getauft, als Shake­speare 21 und Anne 29 Jahre alt ist. Die Namen für ihre Kinder wählen sie wahrschein­lich zu Ehren ihrer Nachbar:innen Ham­net und Judith Sadler.

Mit nur elf Jahren stirbt Ham­net. Er wird am 11. August 1596 in Strat­ford-upon-Avon begraben. Die Todesur­sache ist nicht über­liefert, was zu vie­len Speku­la­tio­nen führt.

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Viele Historiker:innen hal­ten es für wahrschein­lich, dass Ham­net an der Pest stirbt. In der Zeit rund um seinen Tod kommt es in Strat­ford zu mehreren Aus­brüchen der Krankheit. Dieser These fol­gen auch der Film und das zugrunde liegende Buch.

Andere The­o­rien gehen davon aus, dass der Junge an der Ruhr oder Typhus erkrankt sein kön­nte. Diese Krankheit­en wüten zu der Zeit eben­falls in der Region. Es kön­nte zudem sein, dass Ham­net mit ein­er kör­per­lichen Beein­träch­ti­gung oder einem geschwächt­en Immun­sys­tem zur Welt gekom­men ist. Das kann bei Zwill­in­gen dur­chaus vorkom­men. Doch für keine der Annah­men gibt es his­torische Beweise.

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Ist Hamnets Tod die Inspiration für Hamlet?

Im Film und im Roman inspiri­ert Ham­nets Tod Shake­speare zum Schreiben von „Ham­let”. Das Stück gilt als eines sein­er bedeu­tend­sten Werke. Der Autor vol­len­det es 1601 oder 1602, also wenige Jahre nach dem Tod seines Sohnes. Das Dra­ma dreht sich um einen Prinzen, der nach dem Tod seines Vaters dem Wahnsinn ver­fällt. The­men wie Trauer und Ver­lust spie­len darin eine entschei­dende Rolle.

Allerd­ings gibt es keinen Beweis dafür, dass diese The­o­rie in „Ham­net” der wahren Geschichte entspricht. Wissenschaftler:innen brin­gen Ham­nets Tod trotz­dem immer wieder mit dem Dra­ma in Verbindung. Ein so ein­schnei­den­des Ereig­nis hat Shake­spears Arbeit mit Sicher­heit bee­in­flusst. Außer­dem waren die Namen Ham­net und Ham­let zu der Zeit aus­tauschbar. Es ist also zumin­d­est wahrschein­lich, dass Shake­speare das Stück nach seinem Sohn benan­nt hat.

„Ham­net” ist übri­gens nicht der einzige Film, der 2026 bei uns auf der großen Lein­wand startet. Weit­ere High­lights find­est Du hier aufgelistet:

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