Connecting4Good: Graviky Labs macht Tinte aus CO2

Smog über Neu Dehli, der für Tinte aus CO2 genutzt wird.
Bewerbungsphase für den Innovators Pitch 2020 läuft.
Technologische Quantensprünge von der Schreibmaschine zum Computer

Connecting4Good: Graviky Labs macht Tinte aus CO2

Fein­staub ist hierzu­lande ein Dauerthe­ma. Doch wer aus indis­chen Metropolen anreist, dürfte in deutschen Großstädten erst­mal tief dur­chat­men. In kaum einem anderen Land der Welt ist die Luftqual­ität so schlecht wie in Indi­en. Das Start-up Graviky Labs macht aus der Mis­ere eine kün­st­lerische Ressource: „Air Ink“ ist die erste Tinte aus 100 Prozent Luftver­schmutzung. In #Connecting4Good erfährst Du heute, wie das Unternehmen Tinte aus CO2 her­stellt.

Die Sky­line von Neu Del­hi ver­schwindet regelmäßig in ein­er dicht­en grauen Wolke: Smog macht den Bewohn­ern der indis­chen Haupt­stadt immer wieder zu schaf­fen. Doch auch in anderen Großstädten Indi­ens schränken Fein­staub und Stick­ox­ide die Leben­squal­ität mas­siv ein. Laut World Air Qual­i­ty Index ist die Luftqual­ität vielerorts nicht nur unge­sund, son­dern sog­ar gefährlich. Während Forsch­er und Entwick­ler weltweit an Lösun­gen zur Ver­mei­dung von Emis­sio­nen arbeit­en, hat ein indis­ch­er Erfind­er das Prob­lem von ein­er anderen Seite betra­chtet und kam laut der Web­site von Graviky zu der Erken­nt­nis: „Ver­schmutzung ist nichts anderes als eine Ressource, die wir nicht nutzen.“

Air Ink: Die erste Tinte aus 100 Prozent Luftverschmutzung

Bei einem Spazier­gang durch Ban­ga­lore bemerk­te Anirudh Shar­ma, dass sich sein Hemd gräulich ver­färbte. Mit den Fin­gern kon­nte er die Ruß­par­tikel wie beim Malen ver­schmieren und schon war die Idee der Air Ink geboren, die erste Tinte, die voll­ständig aus Luftver­schmutzung hergestellt wird. Anirudh grün­dete das Start-up Graviky Labs und tüftelte in Zusam­me­nar­beit mit der MIT Media Lab India Ini­tia­tive an einem Ver­fahren, bei dem er den kohlen­stoffhalti­gen Ruß aus der Luft fil­tern und recyceln kann. Das Ergeb­nis nach drei Jahren Arbeit ist eine inno­v­a­tive Tech­nolo­gie, die Kohlen­stoff­par­tikel von Autoab­gasen, Kami­nen, Diesel­gen­er­a­toren und anderen Schad­stof­fquellen erken­nt und als Ressource für die Air Ink nutzbar macht.

Technologie für saubere Luft: Graviky Labs recycelt CO2

Anfangs fuhr Anirudh mit einem prä­pari­erten Diese­lau­to durch die Stadt, bei dem ein Schlauch vom Aus­puff direkt in ein großes Sam­mel­ge­fäß führte. Nach unzäh­li­gen Tests und Ver­suchen kon­nte er die Tech­nik auf ein han­dlich­es, nachrüst­bares Mod­ul schrumpfen, das direkt auf den Aus­puff gesteckt wird. Der soge­nan­nte Kaalink-Auf­satz erken­nt mit ver­schiede­nen Sen­soren ultra­feine Kohlen­stof­fe­mis­sio­nen. Die gesam­melten Ruß­par­tikel wer­den anschließend in einem mehrstu­fi­gen Fil­ter­ver­fahren gere­inigt. Tox­is­che Stoffe wie Schw­er­met­alle und kreb­ser­re­gende Bestandteile wer­den ent­fer­nt, sodass lediglich unbe­den­kliche Kohlen­stoff­pig­mente übrig bleiben. Je nach gewün­schtem End­pro­dukt kom­men dann ver­schiedene Zusatzstoffe hinzu, mit denen die CO2-Tinte zum Beispiel für Stifte, Lacke, ölbasierte Far­ben und Spray­dosen genutzt wer­den kann.

Eine künstlerische Ressource aus Smog

Neben dem urba­nen Verkehr ist vor allem die Kohlein­dus­trie für die dicke Luft in indis­chen Metropolen ver­ant­wortlich. Indi­en ist nach Chi­na und den USA der drittgrößte CO2-Verur­sach­er der Welt. Der meiste Strom wird weit­er­hin aus Kohle gewon­nen. Zumin­d­est am Rohstoff für die Air Ink wird es also auch in Zukun­ft nicht man­geln. Anirudh sieht seine Inno­va­tion von der prag­ma­tis­chen Seite: „Die Tinte wird aus Abgasen hergestellt, die son­st unsere Lun­gen ver­schmutzen wür­den“, sagt er. Ein durch­schnit­tlich­er Air-Ink-Stift mit 30 Mil­li­litern Tinte soll rund 45 Minuten Abgasluft enthal­ten. Was ein Auto auf ein­er Strecke von zehn Kilo­me­tern emit­tiert, reicht, um eine ganze Druck­er­pa­trone zu füllen.

Ein „chronischer Erfinder“ mit langem Atem

Das Kaalink-Fil­ter­mod­ul hat Anirudh bere­its zum Patent angemeldet und nutzt die Pro­to­typen in den hau­seige­nen Laboren. Das erste gedruck­te Muster aus Air Ink ent­stand 2015. Trotz erfol­gre­ich­er Kick­starter-Finanzierung im Okto­ber 2017 ist die Luft-Tinte noch nicht im Han­del erhältlich, diente aber bere­its bei weltweit­en Kun­st­pro­jek­ten als kün­st­lerisches Werkzeug und war test­weise in Finanz-, Klei­dungs- und Ver­pack­ungs­fir­men im Ein­satz. Kün­ftig soll die Air Ink auch an Druck­ereien geliefert wer­den, die dann nicht nur CO2-neu­trale, son­dern sog­ar CO2-neg­a­tive Pro­duk­te anbi­eten kön­nten. CO2-neg­a­tiv heißt, dass mehr kohlen­stoffhaltige Schad­stoffe in der Tinte gebun­den wer­den, als während des Pro­duk­tions- und Druck­prozess­es entste­hen.

Anirudh beze­ich­net sich laut Heise.de selb­st als „chro­nis­chen Erfind­er“ und hat vor der Air Ink schon andere weg­weisende Ideen real­isiert. Seine erste erfol­gre­iche Inno­va­tion waren smarte Schuhe für Blinde, die ihrem Träger über Sen­soren und kleine Kam­eras ver­mit­teln, wo er langlaufen muss.

Mit seinem Erfind­ergeist und seinen uner­schöpflichen Ideen ist Anirudh defin­i­tiv auf einem guten Weg, die Welt ein Stückchen sauber­er, lebenswert­er und zukun­fts­fähiger zu machen.

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