Kind will E-Sports-Profi werden. So kannst Du es am besten unterstuetzen.
© Stephanie Lieske Gamescom2019 / ESL
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„Mein Kind will E-Sports-Profi werden“: Das müssen Eltern über den Berufswunsch wissen

Arzt, Bäck­er oder doch lieber E-Sports-Profi wer­den? Beson­ders let­zter­er Beruf­swun­sch wird vom Nach­wuchs neuerd­ings häu­figer genan­nt. Doch eine Kar­riere als E-Sports-Profi – was bedeutet das über­haupt? Wie wird man Profi und kann man davon über­haupt leben? Wir gehen diesen Fra­gen auf den Grund und lassen unter anderem eine echte Exper­tin zu Wort kom­men, die sich genau diesen Fra­gen stellen musste: Ilona Ander­sen, die Mut­ter des E-Sports-Profis Finn „kar­ri­g­an“ Ander­sen.

„Mama, ich möchte E-Sports-Profi wer­den.“ Als Finn „kar­ri­g­an“ Ander­sen, Mit­glied des Counter-Strike: Glob­al Offen­sive (CS:GO)-Teams von Mous­es­ports sein­er Mut­ter Ilona Ander­sen eines Tages erzählt, dass er E-Sports-Profi wer­den will, ist die 62-jährige zunächst skep­tisch. Dass Finn es mit dem Zock­en ernst meint, wussten Ilona und ihr Mann schon länger. Dass er sein Spieltal­ent aber zu ein­er Kar­riere machen wollte, kam über­raschend. „Damals war es völ­lig neu für uns, dass man Profi-Gamer wer­den kann“, erin­nert sie sich. Finn war mit­ten im Studi­um, als Mous­es­ports mit einem Jobange­bot auf ihren Sohn zukam. „Wir waren uns gar nicht sich­er, ob man als Profi-Spiel­er über­haupt etwas ver­di­enen kann.“

Darum träumen immer mehr junge Menschen von einer Karriere als E-Sports-Profi

Den Traum, auf pro­fes­sioneller Ebene Counter Strike oder andere Com­put­er-Spiele in Turnieren zu zock­en, ver­fol­gen immer mehr junge Men­schen. Kein Wun­der, denn die Pop­u­lar­ität des dig­i­tal­en Sports ist in den ver­gan­genen Jahren stark gestiegen. Laut ein­er aktuellen Deloitte-Studie war das Wort „E-Sports“ und seine Bedeu­tung 2018 rund 20 Prozent mehr Befragten ein Begriff, als noch im Jahr zuvor. Sog­ar bei der Alters­gruppe über 65 ist die Bekan­ntheit in den ver­gan­genen zwei Jahren angestiegen. Fol­glich mausert sich E-Sports langsam vom Nis­chen- zum Massen­phänomen.

Daran ist sicher­lich nicht zulet­zt das gesteigerte Medi­en­in­ter­esse Schuld. Sog­ar von ein­er möglichen Einord­nung als Sportart im Sinne des Deutsch Olymp­is­chen Sport­bunds war zulet­zt die Rede und auch die Erwäh­nung im aktuellen Koali­tionsver­trag hat den Begriff in die Nachricht­ensendun­gen kat­a­pul­tiert. Par­al­lel dazu stieg in den ver­gan­genen Jahren auch die Bekan­ntheit der E-Sports-Profis. Längst wer­den einige von ihnen wie Stars gefeiert. Dass das Phänomen E-Sports sich solch­er Beliebtheit erfreut und immer beliebter wer­den würde, war Ilona Ander­sen damals nicht klar. Ihre Sorge galt der Zukun­ft ihres Sohnes. War es wirk­lich eine gute Idee, sich kom­plett dem Gam­ing zu ver­schreiben?

Nur wenige Pro-Gamer zählen zu den Spitzenverdienern

Tat­säch­lich kön­nen die Gehäl­ter der besten Pro-Gamer dur­chaus beachtlich aus­fall­en. Doch ist die Anzahl dieser Spitzen­ver­di­ener recht über­schaubar. So erk­lärt Guil­laume Patry, ein ehe­ma­liger Star-Craft-2-Profi im Inter­view mit Glob­al News, dass lediglich 0,1 Prozent es wirk­lich in die ober­ste Liga schaf­fen. Auch warnt Patry davor, für den E-Sports-Traum seine Aus­bil­dung oder seinen Beruf aufzugeben. Und auch Ilona Ander­sen sieht es ähn­lich: „Wir wussten nicht, ob man davon leben kann. Deshalb war uns eine Aus­bil­dung neben dem E-Sport wichtig. Und auch Finn hat sein Mas­ter­studi­um „Busi­ness Admin­is­tra­tion and Audit­ing“ nicht bereut.

Wer zu den 0,1 Prozent gehören will, die in der ober­sten Liga mit­spie­len, muss einiges Leis­ten. So gehören regelmäßige Turniere eben­so zum All­t­ag wie lange und inten­sive Train­ing­sein­heit­en. Um diese kör­per­liche und geistige Belas­tung auszuhal­ten, arbeit­en Pro-Gamer wie Finn ‚kar­ri­g­an‘ Ander­sen mit Man­agern und Gesund­heit­sex­perten zusam­men. „Wenn ich die Spiel­er vor der Kon­sole sehe, die Höch­stleis­tung erbrin­gen müssen, dann ist das für mich Sport“, bestätigt auch Sportwissenschaftler Dr. Ingo Froböse im Inter­view mit Voda­fone.

Wie können Eltern feststellen, ob ihr Kind das Zeug zum E-Sports-Profi hat?  

Neben der Bere­itschaft des Gamers kör­per­liche und geistige Höch­stleis­tung zu brin­gen, ist auch eine Por­tion Tal­ent von Nöten, damit es mit der Kar­riere tat­säch­lich klappt. So berichtete der Mir­ror im Mai 2019 über den 15-jähri­gen Lon­don­er Ben­jy „Ben­jy­fishy” Fish, dessen Mut­ter zufäl­lig fest­stellte, dass ihr Sohn ein wahres E-Sports-Tal­ent ist. Der Teenag­er hat­te ohne ihr Wis­sen an Online-Turnieren teilgenom­men und dabei beachtliche Sum­men gewon­nen. Anders als im Fall des jun­gen Ben­jy aus Lon­don ist Ilona Ander­sen der Mei­n­ung, dass Eltern, die sich für ihre Kinder inter­essieren, instink­tiv spüren, welche Tal­ente in ihnen schlum­mern.

Doch für viele Eltern ist E-Sports immer noch völ­liges Neu­land. Wie sollen sie also sich­er ein­schätzen kön­nen, ob ihr Kind tat­säch­lich das Zeug zum Pro-Gamer hat? Christo­pher Fla­to, Head of PR bei ESL Glob­al hält hier sog­ar mehrere Ansätze für sin­nvoll: „Es ist es unab­d­ing­bar, dass sich die Eltern mit dem The­ma E-Sports näher befassen. Vor allem mit dem Spiel, das ihr Kind mit Vor­liebe beschäftigt. Hier­bei ist das Inter­net die erste Anlauf­stelle. Auch regelmäßige Gespräche mit dem Kind und gemein­same Spiel-Ses­sions kön­nen für Eltern sehr hil­fre­ich sein, damit sie sich ein besseres Bild zum The­ma machen kön­nen.”

Hans Jag­now, Präsi­dent des esport-Bund Deutsch­land e.V. (ESBD) stellt sog­ar eine pos­i­tive Wech­sel­wirkung zwis­chen den Jugendlichen und deren Eltern fest: „Wir erleben immer wieder, dass Eltern über ihre Kinder selb­st zum E-Sport find­en. Teil­nahme am Hob­by des Kindes fördert nicht nur das Ver­ständ­nis und die Beziehung, son­dern kann auch selb­st das Inter­esse weck­en.“

Vom Hobby-Gamer zum Pro-Gamer: Wie können Eltern ihr Kind auf den Weg dahin begleiten?

„E-Sportler ist kein klas­sis­ch­er Aus­bil­dungs­beruf. Hier ver­läuft die Kar­riere ver­gle­ich­bar der­er von Fußball- oder Bas­ket­ball­profis.“, erk­lärt Christo­pher Fla­to. Doch wie nimmt die Kar­riere eines jun­gen Tal­ents denn nun seinen Weg, wenn es den Klas­sis­chen nicht gibt? Laut Fla­to sind die Jugendlichen bere­its auf den entsprechen­den Online-Plat­tfor­men unter­wegs – zum Beispiel auf Twitch. Oder sie nehmen an kleineren Online-Turnieren statt. Allein die ESL ver­anstal­tet auf ihrer Plat­tform ESL Play cir­ca 33 Turniere und Ligen pro Tag. „Hier­bei geht es primär nicht um den Gewinn von Geld­sum­men, son­dern um Ruhm, Ehre und Spaß an der Freude.“, so Fla­to weit­er.

Im Rah­men solch­er Turniere kön­nen sich die jun­gen Tal­ente in ihrem Lieblings­game behaupten und ziehen so die Aufmerk­samkeit von Tal­ent-Scouts auf sich. Diese tum­meln sich laut Fla­to dort und vor allem auf Twitch und hal­ten Auss­chau nach poten­ziellen Pro-Gamern von mor­gen. Eine weit­ere Möglichkeit, den Weg in die Pro­fil­i­ga zu find­en, sind die Nach­wuchs­förder­pro­gramme, wie zum Beispiel Vfl Wolfs­burgs „Wolves E-Acad­e­my“. „Vere­ine kön­nen auch einen Ein­stieg in einen struk­turi­erten Auf­stieg in eine pro­fes­sionelle Kar­riere geben“, bestätigt Hans Jag­now.

Auch die direk­te Bewer­bung bei einem der derzeit erfol­gre­ichen E-Sports-Teams ist eine Chance in den Profis­port. „Hier­bei soll­ten Eltern ihre Kinder aber unbe­d­ingt bei der For­mulierung der Bewer­bung unter­stützen.“, emp­fiehlt Fla­to.

So hat Finn „karrigan“ Andersen seinen Weg zu Mousesports gefunden

Dass der Weg zum E-Spors-Profi kein klas­sis­ch­er ist, zeigt auch der Werde­gang von Finn. Bere­its zuvor hat­te dieser sich in kleineren dänis­chen Teams einen Namen gemacht. Da Mous­es­ports bekan­nt dafür ist, Tal­ente zu find­en und zu fördern, und Finn dank sein­er deutschen Mut­ter auch fließend Deutsch spricht, ist er der ide­ale Kan­di­dat für das CS:GO-Team.

Zu Beginn sein­er Kar­riere in der Profi-Liga bekommt er team-intern dann zunächst den Spitz­na­men „dum­mer Däne“, weil er im Gegen­satz zu den anderen eben keine „Profi-Erfahrung“ aufweisen kann. Nach einiger Bewährungszeit und mehreren Erfol­gen im CS:GO-Team von Mouz gibt er sich schon bald schließlich selb­st den Namen „schlauer Däne“. Mit­tler­weile ist Finn „kar­ri­g­an“ Ander­sen gän­zlich im Profi-Sport angekom­men und eine absolute Bere­icherung für das CS:GO-Team von Mous­es­ports.

Wer es im Gegen­satz zu Finn nicht in die Profi-Liga schafft, dem ste­hen viele weit­ere Möglichkeit­en im E-Sports offen. Die Dig­i­tal­isierung schafft ger­ade in der Branche derzeit viele neue Berufs­felder. Team-Man­ag­er, Train­er oder Spiele-Entwick­ler wer­den ver­stärkt gesucht.

Dein Kind will E-Sports-Profi wer­den und Du unter­stützt es schon heute tatkräftig dabei? Teile uns Deine Erfahrun­gen gerne in den Kom­mentaren mit! 

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