Barrierefreies Gaming: Gadgets und Tools für Gamer mit Handicap

Barrierefreies Gaming: Gadgets und Tools für Gamer mit Handicap

Freihändig ein Multiplayer-Match gewinnen, ohne Augenlicht auf der Xbox zocken und bewegungslos eine VR-Challenge rocken? Für Gamer mit einem körperlichen Handicap gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, sich in der virtuellen Spielewelt auszutoben. In #Connecting4Good stellen  wir Dir praktische Gadgets und Tools vor, die Gamern mit Handicap hochkomplexe Spielmanöver erleichtern und das barrierefreie Gaming fördern.

Egal ob visuelle, kognitive, sprachliche oder motorische Einschränkung: Moderne Technik ermöglicht Menschen mit einer Behinderung bereits in vielen Situationen die Teilhabe am „ganz normalen“ digitalen Leben. Auch Gaming gehört für viele von ihnen dazu. Mit neuen Gadgets und praktischem Computer-Zubehör überwinden Gamer mit Handicap ihre körperlichen Barrieren und beweisen in der virtuellen Welt ihr Können.

Microsoft plant Xbox Controller mit Braille-Interface

Microsoft tüftelt schon länger an spannenden Entwicklungen, die für mehr Barrierefreiheit beim Gaming sorgen sollen. Aktuell planen die Entwickler offenbar einen Xbox-Controller für blinde und sehbehinderte Menschen. Das nun freigegebene Patent zeigt ein Gamepad, an dessen Unterseite ein Braille-Raster aufgesteckt werden kann. Mit diesem Aufsatz sollen Sehbehinderte Texte zum Spielverlauf lesen und auch selbst Eingaben tätigen können, um das Spiel zu steuern oder auch mit anderen Spielern zu chatten. Zusätzlich integriert der Braille-Controller sechs weitere Hebel, die die Steuerung vereinfachen.

Ob diese Hardware-Erweiterung tatsächlich zur Marktreife weiterentwickelt wird, ist noch unklar. Es wäre allerdings nicht das erste realisierte Projekt, mit dem Microsoft Inklusion im Gaming fördert. Erst im letzten Jahr präsentierte der Konzern  den Xbox Adaptive Controller, der sich mit mehreren Steckplätzen auf vielfältige Weise anpassen lässt und Menschen mit einer Behinderung die flexible Steuerung ermöglicht.

Freihändig zocken mit Bcon

Der multifunktionale Controller des deutschen Start-ups Cap Lab könnte für bewegungseingeschränkte Gamer eine echte Bereicherung sein. Hinter Bcon („Better Control“) verbirgt sich ein kabelloses Wearable, das Du an Deinem Schuh oder auch auf dem Kopf befestigen kannst und via Bluetooth mit dem Rechner koppelst. Sensoren erfassen Deine Fuß- oder Kopfbewegungen und übersetzen diese in Echtzeit in einen gewünschten Steuerungsbefehl. Zuvor bringst Du Bcon über die dazugehörige Software verschiedene Kommandos bei und kannst so mit kleinen Moves auch ganze Tastenfolgen auslösen. Das soll bei allen PC-Spielen funktionieren, die sonst per Tastatur steuerbar sind.

Von Lippen-Joysticks und Mund-Mäusen

Eine Idee für das barrierefreie Gaming scheint sich wortwörtlich herumgesprochen zu haben: Die Gerätesteuerung mit dem Mund. Speziell für Menschen mit einer Querschnittslähmung, Muskelschwäche oder Armamputationen wurde zum Beispiel die Integra Mouse entwickelt, die als vollwertiger Ersatz zur herkömmlichen PC-Maus dient. Minimale Lippenbewegungen reichen aus, um den Cursor zu bewegen. Links- oder Rechtsklicks funktionieren durch leichtes Saugen und Pusten. Mit dem Mundstück kannst Du nicht nur surfen, durch Anwendungen klicken und scrollen, sondern auch zocken. Als Joystick oder in Kombination mit dem Xbox-Adapter von Microsoft bestimmst Du zum Beispiel mit den Lippen, welche Richtung Du im Spiel einschlagen möchtest.

Dasselbe Konzept verfolgt der Quadstick, mit dem Schwerbehinderte ebenfalls freihändig am PC und an der Konsole zocken können. Neben einem Mund-Joystick, der mit der Zunge bedient wird, ist der Quadstick mit einem Druckschalter sowie vier Sensoren ausgestattet, die erkennen, ob der Nutzer Luft ausbläst oder einsaugt. Welche Signale die Sensoren auslösen, kannst Du für unterschiedliche Profile und Spiele individuell einstellen. Auch der Quadstick ersetzt nicht nur die Maus oder Tastatur, sondern kann mit einer Xbox 360 oder Xbox One verbunden werden.

Voice Attack: Alles hört auf Dein (Sprach-)Kommando  

Sprachassistenten können für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung eine enorme  Hilfe sein. Bei sehr speziellen Anweisungen beispielsweise für Spielmanöver müssen Alexa, Cortana und Google allerdings passen. Die Sprachsteuerungs-Software Voice Attack soll diese Lücke schließen. Das kleine Tool nutzt die integrierte Spracherkennung von Windows, um Deine Stimme als zusätzlichen Controller für PC-Apps und VR-Spiele zu integrieren. Mit einem umfassenden Toolkit kannst Du eigene Makros erstellen und Vorgänge mit Deinen Sprachbefehlen steuern. Selbst ellenlange Tastenkombinationen für komplexe Spielaktionen sollen sich in simplen Sprachbefehlen verpacken und abrufen lassen.

Tobii EyeTracking: Augen auf beim barrierefreien Gaming

Spiele wie Assassin’s Creed, bei denen Du oft viele Knöpfe gleichzeitig drücken musst, sind für Menschen mit Bewegungsstörungen oder Lähmungen eine echte Herausforderung. Hier könnte Blickkontakt eine gute Ergänzung sein. Das schwedische Unternehmen Tobii hat sich auf Eye-Tracking-Technologien spezialisiert und integriert diese zum Beispiel in AR- und VR-Brillen wie der neuen Vive Pro Eye. Ein hauseigenes Hardware-Angebot ist der Tobii Eyetracker 4C für Windows, mit dem Du Funktionen und Spielmanöver mit Deinen Augen steuern kannst. Verbindest Du das schlanke Gerät via USB mit dem PC oder einem anderen Monitor, verfolgt die integrierte Kamera Deine Kopf- und Augenbewegungen. Je nachdem wo Du hinschaust, führt die Software entsprechende Aktionen aus und ergänzt so die Eingaben der Maus oder Tastatur. Aktuell soll Tobii Eye Tracking mehr als 140 Spiele unterstützen. Nebenbei gibt es auch eine esports-Analyse-Funktion, die Dein Spielverhalten auswertet, damit Du Deine Fähigkeiten weiter verbessern kannst.

Keine Frage: Gaming ist mehr als ein Hobby oder Zeitvertreib. Viele Gamer mit Behinderung schließen sich in Communitys zusammen und tauschen in Foren wie von Able Gamers ihre Tipps und Erfahrungen aus. Dass Gamer mit Handicap beim esports längst nicht mehr nur zusehen, sondern auch selbst ihr spielerisches und taktisches Geschick beweisen können, ist in jedem Fall der richtige Schritt, um Inklusion und Barrierefreiheit im Gaming zu standardisieren.

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Hast Du noch mehr praktische Tools oder Gadgets entdeckt, die Gamern mit einem Handicap den Zugang in digitale Welten erleichtern? Wir freuen uns auf Deinen Tipp!

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