Vernetzung in den Social Networks: Ein ganz bisschen Fluch – aber so viel Segen

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Vernetzung in den Social Networks: Ein ganz bisschen Fluch – aber so viel Segen

Ich wurde mit 14 auf der Spitalerstraße in Hamburg als Model „entdeckt“. Ich hatte das große Glück, direkt von einer der besten deutschen Agenturen vertreten zu werden – allerdings erst mal auf sehr kleiner Flamme. Zum einen, weil ich eben noch so jung war und meine Eltern mir etwa 400 Jahre Hausarrest gegeben hätten, wenn ich mein Abi nicht fertig machen würde. Zum anderen, weil meine Mutter die Modebranche für einen Sündenpfuhl knapp hinter Sodom und Gomorra hielt. 

Freiwild-Model

Tatsächlich wird man als junges Model, das auf der ganzen Welt in erster Linie dafür gebucht wird, gut auszusehen, sich und das Produkt gut in Szene setzen zu lassen und dabei möglichst die Klappe zu halten, nicht immer mit flächendeckendem Respekt behandelt. Es gibt Sprüche über das Aussehen. Es gibt Menschen, die offensichtlich davon ausgehen, dass man als Model, das ja nun mal seinen Körper als Arbeitsmittel einsetzt, auch für zwischenmenschliche Aktivitäten buchbar sei. Es gibt Menschen, die jede Frau, die mit ihrem Aussehen Geld verdient, automatisch für zu wenig talentiert halten, um irgendeinen „vernünftigen“ Beruf zu erlernen. Alleine die Annahme, Modeling sei kein vernünftiger Beruf, ist in meinen Augen absurd. Dass es als Model nicht ausreicht, Glück in der DNA-Lotterie gehabt zu haben, ist kaum jemandem bewusst. Aber das ist eine andere Geschichte.

Twitter – Friedhof der ewig Gestrigen

Die Geschichte, die ich Euch heute zum Weltfrauentag erzählen möchte, hat nicht direkt etwas mit meinem Job als Model zu tun. Sie spielt in der schönen, neuen, vernetzten Welt – und zwar bei Twitter. Mein Lieblings-Social-Network. Ich erinnere mich noch genau, wie ich mir nach einer wilden Partynacht in Hamburg ein paar Tage nach meinem 22. Geburtstag einen Twitter-Account angelegt habe. Ich wusste nicht viel über Reichweite und die Vokabel Influencer gab es noch gar nicht. Ich hätte damals nie gedacht, dass mehr als 50 Leute meinen Quatsch überhaupt lesen wollen und habe gehofft, dass wenigstens nicht meine Mutter unter meinen Followern sein würde. Ich legte einfach los mit einer Mischung aus meinen ziemlich bescheuerten Wortspielen und Fußball-Kram.

Plötzlich, schon nach wenigen Stunden, hatte ich die 50 deutlich überschritten. Ich überlegte, ob man so was wie 1.000 Follower überhaupt jemals erreichen würde. Wenige Tage später war es soweit. Plötzlich hatte ich Follower von überall her. Die meisten aus Deutschland natürlich, aber auch aus den USA, Australien oder ganz exotischen Gegenden – Bayern oder so.

Eine Frau, die hübsch, intelligent und lustig ist? Das kann nicht sein!

Mit diesem vermeintlichen „Erfolg“ kamen sie aber aus den Löchern. Die selbsternannten „Welterklärer“ und „Alleswisser“. Die Leute, die schon viel länger auf Twitter waren, als ich, aber weniger Follower hatten. Die, für die es offensichtlich wichtig ist, wie viele Menschen einem bei Twitter folgen. Die, die nicht begriffen haben, dass Menschlichkeit zählt und Dinge, die man tut – keine Witzchen auf einem Kurznachrichtendienst. Und auch einige mit sehr vielen Followern meldeten sich. Dort schien offenkundig die Angst umzugehen, vom virtuellen Twitter-Thron gestoßen werden zu können. Unabhängig davon, dass es für den Wert eines Menschen vollkommen irrelevant ist, wie viele Follower er irgendwo hat, gab der Tenor der Kritik – wenn man sie denn überhaupt so nennen kann – mir dennoch Grund zur Sorge. Und ja, das gebe ich zu, anfangs traf es mich auch persönlich.

Weltfrauentag 2018

Fake News auf Twitter

Kaum hatte ich meine ersten Tweets in die Welt verschickt, die (jedenfalls für Twitter-Verhältnisse für eine Newcomerin wie mich) große Beachtung erfuhren, gab es eine Vielzahl von Behauptungen, ich sei nicht echt. Ich würde vermutlich ein Projekt von einigen so genannten Elite-Twitterern sein, wie eine Gruppe von Twitterern genannt wurde, die durch ihre hohe Follower-Zahl einen großen Einfluss auf das Netzwerk hatten. Oder ein Projekt einer Werbeagentur. Oder ein dicker, übergewichtiger Trucker, der Modelfotos benutzt, um im Internet eine Form von Ruhm zu erlangen.

Alles in allem wurden alle denkbaren Klischees bedient. Und das nicht von einzelnen, sondern anfangs für eine ganze Weile von einer sehr stattlichen Anzahl von Twitterern. Für die war es offensichtlich absolut undenkbar, dass eine Frau folgende Attribute vereinen könnte:

  • Okay, ganz lustig
  • Hübsch
  • Jung
  • Ist Model
  • Hat sechsstellige Follower-Zahlen auf Twitter
  • Interessiert sich für Fußball
  • Hat sogar politisch etwas beizutragen
  • Macht sich nicht nur Gedanken über Make-up
  • Trinkt Champagner in Luxushotels, campt aber auch gerne mit dir und trinkt Bier aus der Flasche

Das konnte nicht sein. Was läge näher, als von einer großen Verschwörung auszugehen?

Wie gesagt – als das losging, war ich gerade seit weniger als einer Woche 22 Jahre alt. Das ist fast sieben Jahre her. Heute kann ich darüber lächeln, die ersten Monate waren aber schwer. Was soll man denken, wenn einem im Internet das, was man veröffentlicht, gar nicht zugetraut und man aufgrund seiner Erscheinung in Schubladen gesteckt wird. Von Menschen, die mich nicht kennen und niemals je ein Wort mit mir gesprochen hatten. Wenn man als Fake oder Illusion abgekanzelt und dazu verurteilt wird, entweder lustig, intelligent oder schön zu sein. Alles geht nicht. Jedenfalls nicht als Frau. Bei einem Mann mit sehr vielen Followern habe ich noch nie mitbekommen, dass es hieß, das ist doch bestimmt eine Werbeagentur oder die Erfindung von sonst irgendwem. Sowas passiert nur uns Frauen.

Change The World, Make It A Better Place

Die Vernetzung, die mir diese Erfahrung eingebracht hat, hat mich aber auch gerettet. Das Netz kann unerbittlich sein – aber das Gute überwiegt. Man kann Hilfe, Unterstützung und Support von Menschen erleben, die man sonst niemals kennen gelernt hätte. Mittlerweile kann ich sagen, dass ich einige der wertvollsten und liebsten Menschen in Meinem Leben auf Twitter oder Instagram kennen gelernt habe. Menschen, die einer Frau zutrauen, nicht nur ein hübscher Kleiderständer zu sein. Die ihre Schwächen nicht dadurch kompensieren wollen, indem sie andere runterputzen.

Heute, 150.000 Follower später, ausgestattet mit einem blauen Haken als Verifikation, ist es etwas abgeflaut. Ganz weg ist es nicht. Wird es vermutlich auch nie. Das spielt aber auch keine Rolle. Was für mich zählt ist: Die Welt ist voller Menschen, die für Gleichberechtigung aller Lebewesen stehen. Und die können sich durch die Möglichkeiten der Connection heute viel besser und schneller kennenlernen, austauschen und Flagge zeigen gegen die ewig Gestrigen. Das macht mich froh und vor allem auch hoffnungsvoll für die Zukunft. Frauen durften lange nicht wählen, kein Bankkonto haben, ohne Zustimmung des Mannes keinen Job annehmen. Vergewaltigung galt in der Ehe nicht als Straftat. Das alles ist selbst bei uns in Deutschland noch gar nicht so lange her. Aber heute nicht mehr nachvollziehbar. Daher bin ich mir sicher, schon unsere Kinder könnten Dinge wie ungleiche Bezahlung für so abstrus wie wir heute ein reines Männerwahlrecht halten.

Dafür müssen wir uns aber alle weiter für Frauen auf der ganzen Welt einsetzen. Und uns vernetzen. Also: Lasst uns die Welt verändern!

Alles Liebe, Eure Marie

Wie viel Frauenpower es noch auf der Welt gibt, vor allem bei Vodafone, erfährst Du hier.

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