Moneyball und Big Data: Wie verändert die Digitalisierung den Fußball?

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Moneyball und Big Data: Wie verändert die Digitalisierung den Fußball?

Wear­ables und Kam­eras erfassen detail­lierte Leis­tungswerte der Spiel­er, Com­put­er berech­nen die opti­male Kaderbe­set­zung und Analyse-Pro­gramme unter­stützen beim Scout­ing: Die Dig­i­tal­isierung ist im Fußball angekom­men und macht das „Moneyball“-Prinzip im großen Stil möglich. Was steckt hin­ter dem Begriff und wie verän­dern diese dig­i­tal­en Meth­o­d­en und Tech­nolo­gien den Fußball? 

Spätestens seit dem 7:1 der deutschen Nationalelf gegen Brasilien im WM-Halb­fi­nale 2014 ist klar, dass ein Team mit mehr Torab­schlüssen, gefährlicheren Angrif­f­en und mehr Ballbe­sitz noch lange nicht als Sieger vom Platz gehen muss. Brasilien hat­te bei diesem Spiel näm­lich die bessere Sta­tis­tik-Werte aufzu­bi­eten.

Nichts­destotrotz ist Fußball ein Spiel der Wahrschein­lichkeit­en, die Du zumin­d­est in Ansätzen berech­nen kannst. Entschei­dend sind dafür zum einen die Qual­ität der Dat­en und was Du mit ihnen anstellst und zum anderen die Menge an Infor­ma­tio­nen. Nicht einzelne Para­me­ter, son­dern die Bün­delung von Dat­en liefern Dir auf­schlussre­iche Erken­nt­nisse über Spiel­erqual­itäten und Wet­tkampfver­läufe. Genau dafür birgt die Dig­i­tal­isierung im Fußball enormes Poten­zial. Mod­erne Tech­nolo­gien und Big Data brin­gen dig­i­tale Analy­sen im großen Stil auf den Rasen.

Big Data spielt mit: Digitale Hightech-Analysen auf dem Platz

Tor­lin­ien­tech­nolo­gie und der Videobe­weis waren erst der Anfang. Auf dem Spielfeld zeich­nen Kam­eras Laufwege auf, messen Kon­tak­tzeit­en und erfassen bis zu 25-mal pro Sekunde die Spiel­er­po­si­tio­nen. Fit­ness-Track­er messen Geschwindigkeit­en und physis­che Werte wie die Herzfre­quenz einzel­ner Ath­leten. Pro­gramme erstellen Bewe­gung­spro­file und leg­en gnaden­los jedes Leis­tungs­de­tail offen: Passquote, Rich­tungswech­sel, Torschuss­geschwindigkeit, Offen­si­vak­tio­nen und vieles mehr. Schon zur Hal­bzeit kön­nen Train­er die Ergeb­nisse auf ihren Tablets abrufen und auf deren Grund­lage zum Beispiel Spiel­er auswech­seln. Das ist keine Vision, son­dern bere­its gängige Prax­is.

Während der WM in Brasilien 2014 ver­sorgte eine SAP-Soft­ware Scouts und Train­er­stab der National­mannschaft mit Analyse­dat­en. Auch bei der EM 2016 in Frankre­ich spielte Big Data auf den Trainer­bänken eine Rolle und ist bei der Welt­meis­ter­schaft in Rus­s­land schon fast so unverzicht­bar wie der Schied­srichter. Es geht dabei nicht mehr nur um gemessene Resul­tate und reine Fußball-Sta­tis­tiken: Entschei­dend ist der Weg zum Sieg und wer zu diesem Prozess wie viel beige­tra­gen hat.

Modernes Scouting: Mit Statistiken zum Top-Kader  

Doch nicht nur während des Fußball­spiels, son­dern lange bevor die Mannschaft über­haupt ste­ht, helfen dig­i­tale Analy­sen bei strate­gis­chen Entschei­dun­gen. Auf der Suche nach neuen Tal­en­ten und poten­ziellen Trans­ferzie­len ver­lassen sich Scouts nicht mehr nur auf ihr geschultes, aber sub­jek­tives Auge, son­dern auch auf objek­tiv mess­bare Para­me­ter. Wenn Sta­tis­tiken über die Beset­zung ein­er Mannschaft entschei­den, kann das klare Wet­tbe­werb­svorteile schaf­fen – und genau darauf bauen einige Unternehmer bere­its ihr Geschäftsmod­ell auf. Die Fir­ma Goalimpact zum Beispiel nutzt Zahlenkolon­nen, um Spiel­erkar­ri­eren zu prog­nos­tizieren. Auch das Lon­don­er Start-up Smart Odds bietet Fußball-Scouts, Train­ern und Vere­inen Spiel­er­analy­sen als Ser­vice an. Die sta­tis­tis­che Bew­er­tung von Spiel­ern ist im Base­ball bere­its gang und gäbe und dürfte auch so manch einem Cineas­t­en unter dem Begriff Mon­ey­ball-Prinzip bekan­nt sein.

Moneyball-Match: Zahlen bringen Siege – und Geld

„Die Kun­st zu gewin­nen – Mon­ey­ball“ hieß das Sport-Dra­ma, das 2011 mit Starbe­set­zung ver­an­schaulichte, wie ehrgeizige Sta­tis­tik­er die amerikanis­che MLB (Major Base­ball League) aufmis­chen. Was in Hol­ly­wood zum Kassen­schlager wurde, ist im US-Sport längst Real­ität. Seit Jahrzehn­ten wer­den im Base­ball sta­tis­tis­che Dat­en dazu genutzt, Spiel­er zu evaluieren. Der ehe­ma­lige Base­ball-Spiel­er Bil­ly Beane führte die soge­nan­nte Saber­met­rics zur Spieler­be­w­er­tung ein und formte das Base­ball-Team der Oak­land Ath­let­ics ab dem Jahr 2000 sys­tem­a­tisch um. So lan­dete der finanziell zweitk­las­sige Vere­in vier Jahre lang in Folge in den Play­offs.

Diese ana­lytis­che Meth­ode wird mit­tler­weile in vie­len anderen Sportarten genutzt – eben auch im Fußball wie beim dänis­chen Mon­ey­ball-Vorzeigek­lub FC Midtjyl­land.

Die Formel für Sieger: Ein dänischer Klub rechnet mit Erfolgen 

Derzeit wohl ein­er der span­nend­sten Klubs Europas ist der dänis­che Erstligist FC Midtjyl­land. Mit Hil­fe eines math­e­ma­tis­chen Mod­ells und Wahrschein­lichkeit­srech­nung wurde der Vere­in 2015 erst­mals Dänis­ch­er Meis­ter. Der Erfolg soll auf ein­er Formel des Briten Matthew Ben­ham beruhen, der mit­tels soge­nan­nter Key-Per­for­mance-Indika­toren (KPI) Tal­ent­poten­ziale und Siege berech­net. Diese Formel nutzte Ben­ham zunächst, um seine Gewin­n­chan­cen bei Sportwet­ten zu erhöhen. Seit 2014 gestal­tet er als Klub-Eign­er den dänis­chen Fußbal­lvere­in grundle­gend um und macht mit seinem Analy­se­mod­ell unter­schätzte Tal­ente aus­find­ig.

Anpfiff zur Digitalisierung des Fußballs

Grund­sät­zlich lässt sich das Mon­ey­ball-Sys­tem im Fußball viel schwieriger umzuset­zen als im Base­ball, weil weit mehr Ereignisse und Kor­re­la­tio­nen berück­sichtigt wer­den müssen. Formeln kön­nen die Spiel­er-, Team- und Geg­n­er­stärke berech­nen. Fak­toren wie die Tages­form, Wech­sel­wirkung der Spiel­er und sit­u­a­tive Entschei­dun­gen lassen sich aber mit keinem sta­tis­tis­chen Mod­ell vorher­sagen. Der Fußball-Jour­nal­ist Christoph Bier­mann beobachtet die Mon­ey­ball-Matrix und den Ein­fluss der Dig­i­tal­isierung auf Spieler­be­w­er­tun­gen trotz­dem sehr genau. In seinem Buch Match­plan beschreibt das Mit­glied der Chefredak­tion des Fußball-Mag­a­zins 11 Fre­unde die neue Macht der Zahlen mit vie­len anschaulichen Beispie­len.

Fazit: Digitalisierung als Hilfsmittel, nicht Allheilmittel

Fest ste­ht: Die Dig­i­tal­isierung ist im Fußball angekom­men. Daten­ex­perten am Spielfel­drand wer­den kün­ftig zu unverzicht­baren Beratern. Der Umgang mit Big Data und dig­i­tal­en Analyse-Tools wird Lehrin­halt jed­er guten Train­er­aus­bil­dung. Doch auch wenn eine Soft­ware dabei hil­ft, Spiel­er zu analysieren, fundiert­ere Entschei­dun­gen zu tre­f­fen und Siegchan­cen zu kalkulieren, schießen Com­put­er am Ende keine Tore.

Was denkst Du: Kön­nen dig­i­tale Tech­nolo­gien und Big Data-Analy­sen Spiele entschei­den? Wir freuen uns auf Deine Mei­n­ung zur Dig­i­tal­isierung des Fußballs!

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