Ein Zeichen für die Pressefreiheit: Minecraft-Bibliothek veröffentlicht zensierte Inhalte

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Narziss und Goldmund Arm in Arm

Ein Zeichen für die Pressefreiheit: Minecraft-Bibliothek veröffentlicht zensierte Inhalte

Presse­frei­heit ist nicht in jedem Land der Welt eine Selb­stver­ständlichkeit. Die Nichtregierung­sor­gan­i­sa­tion (NGO) „Reporter ohne Gren­zen“ nutzt eine ungewöhn­liche Hin­tertür, um die Zen­sur zu umge­hen. Mit ein­er riesi­gen, virtuellen Minecraft-Bib­lio­thek macht sie in dem Com­put­er­spiel ver­botene Inhalte öffentlich und für jeden zugänglich.

In eini­gen Län­dern der Welt ist es nach wie vor sehr schw­er, an freie Infor­ma­tio­nen zu kom­men. Zeitun­gen wer­den zen­siert, kri­tis­che Web­seit­en ges­per­rt und inves­tiga­tive Jour­nal­ist ver­haftet. So kön­nen sich junge Men­schen kein umfassendes Bild vom poli­tis­chen Zeit­geschehen machen und keine eigene Mei­n­ung bilden. Was jedoch eben­falls viele Jugendliche auf der Welt gemein­sam haben: sie spie­len Com­put­er­spiele. Die Non-Prof­it-Organ­i­sa­tion Reporter ohne Gren­zen möchte der Presse­frei­heit deshalb in der virtuellen Welt ein dig­i­tales Zuhause geben.

Reporter ohne Grenzen setzt ein Zeichen gegen die Internetzensur

Zum Welt­tag gegen Inter­net­zen­sur am 12. März hat Reporter ohne Gren­zen die Uncen­sored Library veröf­fentlicht: eine gigan­tis­che, dig­i­tale Bib­lio­thek in dem Com­put­er­spiel Minecraft. Das Open-World-Game von Microsoft ist laut der NGO das erfol­gre­ich­ste Com­put­er­spiel der Welt und über das Inter­net frei zugänglich – auch in Län­dern, in denen die Presse­frei­heit son­st stark eingeschränkt ist. Spiel­er und Com­mu­ni­ties kön­nen in dem Game virtuelle Orte und ganze 3D-Wel­ten aus Blöck­en bauen. Reporter ohne Gren­zen nutzt diese Möglichkeit als Schlupfloch, um zen­sierte Inhalte in ein­er virtuellen Bib­lio­thek zu veröf­fentlichen und zu ver­bre­it­en.

Minecraft-Bibliothek mit zehn verbotenen Artikeln

Ini­tial­isiert wurde das Pro­jekt von Reportern und Aktivis­ten aus Län­dern, in denen Poli­tik anders funk­tion­iert als in demokratis­chen Staat­en wie Deutsch­land. Die ersten zehn Artikel der Minecraft-Bib­lio­thek stam­men von Jour­nal­istin­nen und Jour­nal­is­ten aus Ägypten, Mexiko, Rus­s­land, Sau­di-Ara­bi­en und Viet­nam. Darunter find­en sich zum Beispiel Texte des mit­tler­weile in Deutsch­land leben­den, viet­name­sis­chen Aktivis­ten Nguyen Van Dai sowie auch des ermorde­ten­sau­di-ara­bis­chen Jour­nal­is­ten Jamal Khashog­gi. Wie der  Spiegel berichtet, sollen nun regelmäßig weit­ere Inhalte dazukom­men. Die Artikel sind in der virtuellen Bib­lio­thek als Büch­er aus­gestellt und sowohl in ihren Orig­i­nal­sprachen als auch auf Englisch ver­füg­bar.

Die Wahrheit bahnt sich ihren digitalen Weg

Real­isiert wurde das Pro­jekt in Zusam­me­nar­beit mit dem britis­chen Design­stu­dio Block Works, das sich auf Minecraft spezial­isiert hat. Mehr als 250 Arbeitsstun­den und 12,5 Mil­lio­nen Blöcke sollen in der pom­pösen Bib­lio­thek steck­en.

Es ist nicht das erste Mal, dass Reporter ohne Gren­zen kreative Wege find­et, um zen­sierte Texte über dig­i­tale Kanäle zu ver­bre­it­en. Vor zwei Jahren ver­tonte die Organ­i­sa­tion mit mehreren Musik­ern zehn Artikel und bot diese als Spo­ti­fy-Playlist an. Eben­so wie das Videospiel Minecraft ist der Stream­ing-Dienst auch in vie­len autokratis­chen Län­dern ver­füg­bar. Das Minecraft-Pro­jekt zeigt aber­mals, dass dig­i­tale Räume nicht nur Her­aus­forderun­gen wie Fake News bergen, son­dern auch eine Chance, um demokratis­che Werte und Grun­drechte zu vertei­di­gen.

Wenn Du durch die „Uncen­sored Library“ stöbern möcht­est, kannst Du sie als Minecraft Map auf der Web­site des Pro­jek­ts herun­ter­laden.

Ein cleveres Zeichen für die Presse­frei­heit oder unnötige Spiel­erei? Schreib uns, was Du von der Minecraft-Bib­lio­thek hältst!

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