80 Jahre Fernsehen: Von der Schwarz-Weiß-Kiste zum ultradünnen Magnet-TV

The New Pope, Jude Law, John Malkovich, Sky

80 Jahre Fernsehen: Von der Schwarz-Weiß-Kiste zum ultradünnen Magnet-TV

Früher hat man noch gemein­sam in die Röhre geschaut. Die ganze Fam­i­lie ver­sam­melte sich für den neuen Spielfilm oder die Sportüber­tra­gung. Was früher Luxus war, ist heute Stan­dard. Die Fernse­hbild­schirme heute sind flach und die Geräte smart, Video-on-Demand ste­ht in Konkur­renz zum lin­earen Fernse­hen. Wir lassen die TV-Entwick­lun­gen der let­zten 80 Jahre Revue passieren und zeigen, was sich in Tech­nik und Gesellschaft geän­dert hat. Wie sieht das Fernse­hen von heute und mor­gen aus?

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Als das Fernsehen noch aus dem Fernseher kam

Das deutsche Fernse­hen funk­tion­iert tat­säch­lich. Diese Kern­botschaft soll­ten die ersten Sendun­gen im Fernse­hen ab 1934 über­tra­gen. An drei Aben­den in der Woche sagt Schaus­pielerin Ursu­la Patzschke von 20 bis 22 Uhr kurze Beiträge an, trägt Gedichte vor, zeigt Kun­st­stücke mit ihrem Dack­el und ver­ab­schiedet sich mit dem Gruß der Nation­al­sozial­is­ten. Für Hitlers NS-Regime ist es zu dieser Zeit beson­ders ein Pro­pa­gan­da-Instru­ment. Der Durch­bruch gelingt dem Fernse­hen erst mit den Olymp­is­chen Spie­len 1936. Rund 160.000 Men­schen kön­nen das Großereig­nis fernab des Olympias­ta­dions miter­leben.

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Fernsehen als luxuriöses Gemeinschaftsritual

Anfang der 60er-Jahre ist die Welt schwarz-weiß, knapp zehn Jahre später wird sie, zumin­d­est für ein paar Stun­den in der Woche, bunt. Farbe hin oder her - Fernse­hen bedeutet damals Luxus. Ein Durch­schnittshaushalt kann sich das teure Gerät oft nur über mehrere Monat­srat­en finanzieren und nicht sel­ten ist man mit einem Münzfernse­her dabei. Mit baren Münzen wird der Appa­rat dafür ent­lohnt, dass er eine Sendung überträgt. In dieser Zeit ist Fernse­hen ein sozial verbinden­des Event. Die Fam­i­lie ver­sam­melt sich vor dem Fernse­her, Nach­barn und Fre­unde kom­men zu Besuch, um gemein­sam Fußball oder Sendun­gen von Kriegsheimkehrern anzuschauen. Im Laufe der 60er-Jahre kom­men immer mehr Sendun­gen hinzu, das Pro­gramm weit­et sich bis in den Nach­mit­tag hinein aus und immer mehr Haushalte kön­nen sich ein Fernse­hgerät leis­ten. Die Regelmäßigkeit, die ein fes­ter Sende­plan in den All­t­ag bringt, hält 50 Jahre an. Der neue Spielfilm oder die große Sam­stagabend-Show sind Fam­i­lienereignisse, über die am näch­sten Tag in der Schule oder am Arbeit­splatz disku­tiert wird. Kleine Kinder müssen nach der Sesam­straße ins Bett, die Lieblings-Telen­ov­ela am Nach­mit­tag ist für viele ein fix­er Ter­min. Oft ver­läuft die Fernseh­pla­nung nicht ohne Kon­flik­te, wenn sich Sendun­gen über­schnei­den.

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Tatort, die Fußball-WM und „Public Viewing“ verbinden die Zuschauer

Aus dem Luxus wurde Stan­dard. Heute gibt es unzäh­lige öffentlich-rechtliche und pri­vate Sender, die rund um die Uhr senden. Vor der Glotze sitzen ist schon lange kein High­light mehr. Manch­mal läuft der Fernse­her nur, um ein Hin­ter­grundgeräusch in der Woh­nung zu haben. Trotz allem ist das Gemein­schaft­ser­leb­nis beim Fernse­hen nicht aus­gestor­ben: Der Tatort verbindet jeden Son­ntag etwa neun Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land in ihren Wohnz­im­mern. Großereignisse wie die Fußball-WM erzeu­gen ein fernse­hbasiertes Gemein­schafts­ge­fühl, das sich kaum jemand ent­ge­hen lässt. Auch der Kult-Kurz­film „Din­ner for One“ läutet für die meis­ten von uns jedes Jahr aufs Neue die Sil­vester­nacht ein. Außer­dem find­et sich das Gemein­schaft­ser­leb­nis Fernse­hen auf neue Art im Phänomen „Pub­lic View­ing“ wieder.

Das Ende des klassischen Fernsehens?

Beson­ders um Serien bilden sich immer noch treue Fange­mein­schaften, die tapfer alle Staffeln von „How I Met Your Moth­er“ oder „Big Bang The­o­ry“ ver­fol­gen. Anders als noch vor zehn Jahren gelingt das zunehmend los­gelöst von zeitlichen und tech­nis­chen Vor­gaben, denn zum Fernse­hen braucht es kein TV-Gerät mehr. Sendun­gen sind dank der neuen Stream­ing-Möglichkeit­en bedin­gungs­los ver­füg­bar und kön­nen jed­erzeit und ort­sun­ab­hängig auf dem Lap­top angeschaut wer­den, wenn eine Inter­netverbindung vorhan­den ist. Der Grün­der von Net­flix, ein­er der vie­len Stream­ing-Kanäle, prophezeite kür­zlich das Ende des Fernse­hens nach Sende­plan. Ob das lin­eare Fernse­hen gän­zlich aus­stirbt, ist fraglich. Die Konkur­renz durch Video-on-Demand vervielfältigt jedoch die Fernseh-Möglichkeit­en für Zuschauer.

Die neueste Technik: noch schärfer, noch dünner, noch besser

Die neuesten Fernse­hgeräte müssen Men­schen aus den 50er-Jahren wie Sci­ence Fic­tion vorkom­men. Was gestern noch neu war, ist heute bere­its ver­al­tete Tech­nik. Seit 2010 sind die Geräte smart, sie haben eine Verbindung zum Inter­net. HD ist lange nicht mehr genug, Ultra HD und 3D sind jet­zt ange­sagt. Die Fir­ma LG Dis­play stellte kür­zlich ihren superdün­nen OLED-TV vor, der mag­netisch an der Wand klebt. Er ist nicht ein­mal einen Mil­lime­ter dick und wiegt bei ein­er Bild­schir­m­di­ag­o­nale von 55 Zoll weniger als 2 Kilo­gramm. Mark­t­führer im Bere­ich der TV-Geräte ist mit großem Abstand Sam­sung, dann fol­gt LG. Zusam­men ste­hen die bei­den Her­steller für mehr als 50 Prozent des deutschen Mark­tes. Das größte Kabel­netz in Deutsch­land, das rund 8,3 Mil­lio­nen Haushalte mit Kabelan­schlüssen ver­sorgt, betreibt Kabel Deutsch­land.

Was bietet das Fernsehen von heute?

Das Fernse­hen ist nicht mehr das, was es ein­mal war – es ist mehr: Es bietet lin­ear­es Fernse­hen oder Video-on-Demand, Gemein­schafts­ge­fühl oder Selb­st­bes­tim­mung und gestochen scharfe Unter­hal­tung auf hochmod­er­nen Geräten. Bleibt nur abzuwarten, wo die Reise noch hinge­ht.

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