Henrik Dorsin in Die Schwedische Verbindung Ein Mann mit Schnurrbart und fliehender Stirn hält einen Telefonhörer am Ohr.
© Netflix
Bettina Zimmermann und Meriel Hinsching für "Zwei Frauen für alle Felle".

Die schwedische Verbindung: Die wahre Geschichte von Gösta Engzell und Schwedens Rettung tausender Juden

Während Europa bren­nt, kämpft Gös­ta Engzell nicht mit Waf­fen, son­dern mit Para­grafen. Die Net­flix-Pro­duk­tion „Die schwedis­che Verbindung“ beleuchtet die wahre Geschichte eines Mannes, der Schwe­dens Neu­tral­ität neu definierte – und damit tausende Leben ret­tete. Erfahre hier alles zu den realen Begebenheiten.

Am 19. Feb­ru­ar 2026 startet bei Net­flix das His­to­rien­dra­ma „Die schwedis­che Verbindung“. Der Film erzählt die wahre Geschichte von Gös­ta Engzell, einem schwedis­chen Spitzen­beamten, der während des Zweit­en Weltkriegs im Außen­min­is­teri­um arbeit­ete und durch geschick­te juris­tis­che Manöver zehn­tausenden Juden das Leben rettete. 

Die wahre Geschichte hin­ter „Die schwedis­che Verbindung“ zeigt, wie bürokratis­ch­er Wider­stand funk­tion­iert – und wie sich ein Beamter, der zunächst Teil ein­er restrik­tiv­en Flüchtlingspoli­tik ist, zu einem zen­tralen Akteur human­itär­er Ret­tungsak­tio­nen entwickelt.

Bitte akzeptieren Sie die Nutzung von Drittanbieter-Einbindungen mit einem Klick auf den folgenden Button:

Gösta Engzell: Jurist, Diplomat – und lange Zeit Teil des Problems

Gös­ta Engzell wird am 14. Feb­ru­ar 1897 im süd­schwedis­chen Halm­stad geboren. Sein Vater arbeit­et als Post­meis­ter, Engzell selb­st studiert Jura in Stock­holm und schließt 1919 ab. Danach durch­läuft er die klas­sis­che Kar­riere eines schwedis­chen Juris­ten: Tätigkeit an Gericht­en, später Asses­sor am oberen Gericht in Jönköping und ver­schiedene Posi­tio­nen in Min­is­te­rien. 1933 wird er zum Hofgericht­srat ernannt.

1938 übern­immt Engzell eine Schlüs­sel­po­si­tion: Er wird Leit­er der Rechtsabteilung im schwedis­chen Außen­min­is­teri­um. Damit sitzt er im Zen­trum der schwedis­chen Flüchtlingspoli­tik – just in dem Moment, als sich die Ver­fol­gung von Juden im nation­al­sozial­is­tis­chen Deutsch­land drama­tisch verschärft.

Engzell ist in dieser frühen Phase keineswegs ein Ret­ter. Im Gegen­teil: Wie viele Beamte sein­er Zeit ver­tritt er zunächst eine restrik­tive Lin­ie. Schwe­den ver­fol­gt ab Ende der 1930er-Jahre eine zunehmend ablehnende Hal­tung gegenüber jüdis­chen Flüchtlin­gen.

Ein beson­ders umstrittenes Kapi­tel ist ein Abkom­men vom Okto­ber 1938: Jüdis­che Pässe aus dem Deutschen Reich wer­den mit einem roten „J“ gekennze­ich­net, sodass Grenzbeamte sie leichter zurück­weisen können. 

Schwedens Neutralität: Zwischen Humanität und Anpassung

Um Engzells spätere Rolle zu ver­ste­hen, musst Du die poli­tis­che Lage der dama­li­gen Zeit ken­nen. Schwe­den bleibt im Zweit­en Weltkrieg offiziell neu­tral. Doch diese Neu­tral­ität ist, wie His­torik­er es nen­nen, eine „Janus-Neu­tral­ität“: Das Land liefert Eisen­erz an Deutsch­land, erlaubt deutschen Trup­pen­tran­sit und zen­siert kri­tis­che Berichte der eige­nen Presse. Gle­ichzeit­ig nimmt es – zumin­d­est zeitweise – Flüchtlinge auf.

Das Muse­um der Unschuld: Hand­lung, Beset­zung und Net­flix-Start der türkischen Serie

Bis in die späten 1930er-Jahre kamen etwa 3000 Men­schen aus Deutsch­land, Öster­re­ich und der Tsche­choslowakei nach Schwe­den. Nach der Pogrom­nacht im Novem­ber 1938 dür­fen noch rund 650 Juden ein­reisen. Danach wird die Poli­tik deut­lich strenger.

Die Regierung fürchtet eine deutsche Inva­sion. 1942 ist Schwe­den von beset­zten Gebi­eten umgeben. Pre­mier­min­is­ter Per Albin Hans­son zögert lange, eine großzügigere Flüchtlingspoli­tik zu ver­fol­gen, weil er das Land nicht gefährden will. Gle­ichzeit­ig existieren in Teilen der Gesellschaft anti­semi­tis­che und nation­al­is­tis­che Strömungen.

Die Wende 1942: Als das Grauen nicht mehr ignoriert werden kann

Der entschei­dende Ein­schnitt für Engzell erfol­gt nach einem Tre­f­fen mit dem let­tis­chen Juden Gilel Storch, der später Vertreter des World Jew­ish Con­gress in Schwe­den wird. Storch berichtet von Massen­er­schießun­gen und sys­tem­a­tis­ch­er Ver­nich­tung in Riga. Engzell doku­men­tiert dieses Gespräch sorgfältig.

Henrik Dorsin in Die Schwedische Verbindung Ein Mann mit Schnurrbart und fliehender Stirn hält einen Telefonhörer am Ohr.

Gös­ta Engzell (Hen­rik Dorsin) erken­nt langsam, dass sich die schwedis­che Flüchtlingspoli­tik ändern muss. — Bild: Net­flix

Par­al­lel erre­ichen weit­ere Berichte Stock­holm. Der schwedis­che Kon­sul Karl Vendel meldet im Feb­ru­ar 1940 Depor­ta­tio­nen in „unbekan­nte Konzen­tra­tionslager“. Kurz darauf informiert der SS-Offizier Kurt Ger­stein den schwedis­chen Diplo­mat­en Göran von Otter über Massen­morde im Lager Belzec. Ger­stein, der erken­nt, in welch grauen­haftes Sys­tem er ver­strickt ist, ver­sucht, die Welt über die Ver­brechen der Nazis zu informieren.

Diese Berichte verdicht­en sich zu einem Bild: Es geht nicht mehr um Diskri­m­inierung oder Vertrei­bung, son­dern um sys­tem­a­tis­che Ver­nich­tung. Als im Novem­ber 1942 nor­wegis­che Juden deportiert wer­den – unter anderem 532 Men­schen mit dem Schiff „SS Donau“ nach Auschwitz –, reagiert die schwedis­che Öffentlichkeit schockiert.

Am 30. Novem­ber 1942 schreibt Engzell an die schwedis­che Gesandtschaft in Berlin, man müsse „zumin­d­est ver­suchen“, denen zu helfen, die eine Verbindung zu Schwe­den hät­ten. Dieses Konzept der „Swedish Con­nec­tion“ wird zum Kern sein­er Strategie.

How To Get To Heav­en From Belfast Staffel 2: Geht das Net­flix-Mys­tery weiter?

Bürokratischer Widerstand: Wie Akten Leben retten

Was fol­gt, ist kein spek­takulär­er Geheim­di­enst-Thriller, son­dern akribis­che Ver­wal­tungsar­beit. Engzell und sein kleines Team im Außen­min­is­teri­um über­prüfen alte Anträge, suchen nach Ver­wandtschaften, Geschäfts­beziehun­gen oder früheren Aufen­thal­ten in Schwe­den. Jede noch so dünne Verbindung kann genü­gen, um ein Visum oder einen Pass zu rechtfertigen.

His­torik­er sprechen von „bürokratis­chem Wider­stand“. Gemeint ist die bewusste Ausle­gung von Regeln zugun­sten der Ver­fol­gten. Diese Strate­gie greift beson­ders bei nor­wegis­chen und dänis­chen Juden. Etwa 1100 nor­wegis­che Juden kön­nen nach Schwe­den fliehen – rund 60 Prozent der jüdis­chen Bevölkerung Norwegens. 

Henrik Dorsin in Die Schwedische Verbindung Ein Mann mit Schnurrbart und fliehender Stirn hält einen Telefonhörer am Ohr.

Engzell (Hen­rik Dorsin) schwört sein Team auf den bürokratis­chen Wider­stand ein. — Bild: Net­flix

In Däne­mark gelingt 1943 eine beispiel­lose Ret­tungsak­tion: 7220 der 7800 dänis­chen Juden und 686 nichtjüdis­che Ehepartner:innen wer­den über das Meer nach Schwe­den gebracht. Auch in Ungarn spielt Schwe­den eine Rolle. Nach­dem Deutsch­land das Land 1944 beset­zt, entsendet Schwe­den Diplo­mat­en nach Budapest. 

Raoul Wal­len­berg wird zur bekan­ntesten Fig­ur dieser Mis­sion. Doch His­torik­er beto­nen, dass Engzell in Stock­holm die rechtlichen Grund­la­gen schuf und Diplo­mat­en ermächtigte, Schutzpässe auszustellen. Ins­ge­samt tra­gen schwedis­che Behör­den laut schwedis­chen und inter­na­tionalen Quellen zur Ret­tung von 30.000 bis 40.000 Juden bei.

Warum ließ Deutschland Schwedens bürokratischen Widerstand zu

Ein entschei­den­der Fak­tor ist die wirtschaftliche Abhängigkeit des Deutschen Reich­es von schwedis­chen Rohstof­fen. Berlin will die Beziehun­gen zu Schwe­den deshalb nicht gefährden. 

Mar­ty Supreme im Stream: Wann startet der neun­fache Oscar-Anwärter im Heimkino?

Das ver­schafft Engzell Spiel­raum. Sein Wider­stand bleibt inner­halb des Sys­tems – und ger­ade deshalb ist er schw­er angreif­bar. Engzell wird später zum schwedis­chen Botschafter und stirbt 1997 im Alter von 100 Jahren. Über seine Rolle sprach er stets zurück­hal­tend und beze­ich­nete sein Han­deln als „Teil der täglichen Arbeit“.

Wie portraitiert der Netflix-Film die Geschehnisse?

Der Net­flix-Film „Die schwedis­che Verbindung“ konzen­tri­ert sich auf das Jahr 1942. Hen­rik Dorsin („Tri­an­gle of Sad­ness“) spielt Engzell als zurück­hal­tenden, leicht väter­lichen Beamten. Sis­sela Benn („Pop­ulära prob­lem“) verkör­pert seine Mitar­bei­t­erin Rut Vogel. Jonas Karls­son („Der Hun­dertjährige, der aus dem Fen­ster stieg und ver­schwand“) übern­immt die Rolle eines anti­semi­tis­chen Kabi­nettssekretärs, der Visaanträge blockiert. 

Statt drama­tis­ch­er Action zeigt der Film den Kampf mit Akten­ber­gen, Sitzun­gen und moralis­chen Kon­flik­ten. Die wahre Geschichte hin­ter „Die schwedis­che Verbindung“ ist deshalb so bemerkenswert, weil sie zeigt: Wider­stand muss nicht laut sein. Er kann auch in For­mu­la­ren, in juris­tis­chen For­mulierun­gen und in der Entschei­dung liegen, eine Vorschrift men­schlich auszulegen. 

Du siehst hier keinen klas­sis­chen Helden mit drama­tis­chen Reden, son­dern einen Beamten, der erken­nt, dass Neu­tral­ität nicht Gle­ichgültigkeit bedeuten darf – und der begin­nt, seine Posi­tion zu nutzen.

Mit GigaTV greif­st Du auf Free-TV, Pay-TV und sog­ar Stream­ing­di­en­ste wie Net­flix zu. Der Tarif GigaTV inklu­sive Net­flix bietet Dir eine riesige Auswahl an Fil­men, Serien und Doku­men­ta­tio­nen zuhause oder unter­wegs. Falls Du von diesem Ange­bot noch nicht gehört hast, schau am besten hier bei unser­er Über­sicht vorbei.

Du hast Deinen Mobil­funk-Ver­trag bei Voda­fone? Dann sparst Du dauer­haft 2 Euro pro Monat – hier geht’s zur Aktion!

Das könnte Dich auch interessieren