Spione rennt in "Spione undercover". Bild: © 2019 Twentieth Century Fox
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“Spione Undercover – Eine wilde Verwandlung“ in der featured-Filmkritik: Lieber den Agenten im Haus als die Taube auf dem Dach

Was ist die per­fek­te Tar­nung für Spi­one? Genau: Tauben! Musst Du nicht ver­ste­hen – tun wir auch nicht; ist aber witzig. Warum der Film trotz­dem eine durchwach­sene Num­mer ist, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu Spi­one Under­cov­er.

Hin­weis vor­ab: In der Pres­sevor­führung wurde die deutsche Sprach­fas­sung des Films gezeigt. In dieser spricht Mod­er­a­tor Steven Gät­jen die Haup­trol­le. In der Orig­i­nal­fas­sung tut dies Will Smith. Dieser hat eigentlich eine feste Syn­chron­stimme: Jan Odle. Prob­leme mit der Stimmbe­set­zung durch Promis haben wir bere­its in der fea­tured-Filmkri­tik zu Pets 2 ange­sprochen. Aber auch in diesem Fall erscheint das Cast­ing unnötig.

Tauben: Die perfekte Tarnung

Der nerdi­ge Tüftler Wal­ter Beck­ett (dt. Jan­nik Schü­mann) entwick­elt einen Trank, mit dem er Men­schen kurzzeit­ig in eine andere Lebens­form ver­wan­deln kann. Der beliebte, begehrte und einge­bildete Geheim­a­gent Lance Ster­ling (dt. Steven Gät­jen) sein­er­seits trinkt das Gesöff verse­hentlich. Und ver­wan­delt sich in eine Taube. Das ungle­iche Team ver­sucht nun an den Ter­ror­is­ten Kil­lian (dt. Torsten Michaelis) her­anzukom­men. Denn dieser bege­ht nicht nur Ver­brechen und nimmt dabei irgend­wie die Gestalt von Lance Ster­ling an, son­dern bedro­ht außer­dem noch die Welt mit ein­er Horde Killer­drohnen. Die Het­z­jagd führt alle Beteiligten ein­mal um den ganzen Globus. Und neben der Spi­onage hätte Ster­ling gerne auch wieder einen fed­er­losen Kör­p­er – ohne Schn­abel.

Spione Undercover: Im Deutschen kein Ohrgenuss

Nicht falsch ver­ste­hen: Stim­men sind Sache des Geschmacks. Und als Per­son haben wir natür­lich nichts gegen Steven Gät­jen. Toller Mod­er­a­tor, klasse Arbeit im Filmjour­nal­is­mus – supi supi, klasse. Aber warum um Him­mel­willen, muss er denn Will Smith syn­chro­nisieren? Gät­jen ist schlichtweg kein Schaus­piel­er; hat schlecht­es Tim­ing und neigt beim Sprechen zum Übertreiben. Das würde vielle­icht weniger auf­fall­en, wenn der Charak­ter ein kom­plett fik­tiv­er wäre. Nun wurde der Geheim­a­gent aber auf Will Smith maßgeschnei­dert. Will Smith! Ein Mime der ursym­pa­thisch ist, aber nach Jahrzehn­ten des Type­cast­ings immer die gle­iche Rolle spielt. Char­man­ter Alleskön­ner mit Segelohren und großer Klappe. Und Smith’ deutsch­er Stamm­sprech­er Jan Odle spricht diesen Charak­ter im Prinzip im Schlaf und gibt dem Schaus­piel­er in deutschen Fas­sun­gen bisweilen mehr stimm­liche Nuan­cen, als dieser orig­inär mit­brin­gen würde. Für ein Groß des deutschen Pub­likums ist das Gesicht also mit ein­er bes­timmten Stimme verknüpft – und ein­er guten Per­for­mance. Lei­der holt uns das Spiel von Steven Gät­jen tat­säch­lich an manchen Stellen raus.

Auch New­com­er-Star Tom Hol­land (Spi­der-Man: Home­com­ing) hat eine feste Stimme: Chris­t­ian Zeiger. Der wurde dies­mal durch den Tee­ni­eschwarm­schaus­piel­er Jan­nik Schü­mann erset­zt. Der macht seinen Job gut – man merkt: Schaus­piel­er. Das ändert allerd­ings nichts daran, dass man auch hier die rou­tinierte Per­fek­tion des Stamm­sprech­ers ver­misst. Wie üblich in so einem Fall, bleibt bei uns ein Frageze­ichen zurück. Wir wün­schen uns an dieser Stelle mehr Respekt vor der deutschen Syn­chron­branche.

Harte Geschichte in kindlicher Verpackung

Eine Frage ploppte schon während der Pres­sevor­führung auf: Für wen ist der Film gemacht? Denn obgle­ich die Gags und die bun­ten Bilder, die tem­por­e­iche Insze­nierung eine junge Klien­tel ansprechen wer­den, ist die Geschichte um Rache, Blu­topfer und der­gle­ichen eine aus­ge­sprochen harte Kost. Die Action ist zweifels­frei nie am Lim­it des Zeig­baren. Aber spätestens, wenn jemand mit ein­er bion­is­chen Arm­prothese Killer­drohnen steuert, um einen Geheim­di­en­stap­pa­rat auszuschal­ten, fra­gen wir uns, welch­es sech­sjährige Kind – denn der Film hat ein FSK-6-Siegel, damit gut zurechtkommt. Für Erwach­sene hinge­gen mag der Film dann wiederum oft zu albern anmuten. Aber auch das ist natür­lich Geschmack­sache.

Spione Undercover: Kurzweilige Unterhaltung mit Problemen

Wenn Du die Möglichkeit hast, schaue Spi­one Under­cov­er gerne in der Orig­i­nal­fas­sung. Dein Kind wird wom­öglich noch kein Englisch sprechen, mit dem hölz­er­nen Spiel von Steven Gät­jen aber auch noch kein Prob­lem haben. Am Ende ist Spi­one Under­cov­er ein unter­halt­samer Film, der dank des hohen Tem­pos und sein­er visuellen Komik ein sicher­er Griff für mit­teljunges Pub­likum ist. Nach­mit­täglich­es Pop­cornk­i­no für Fam­i­lien – und Tauben.

Spi­one Under­cov­er – Eine wilde Ver­wand­lung

OT: Spies in Dis­guise

Genre:                    Ani­ma­tion / Aben­teuer / Com­e­dy

Bun­desstart:          25. Dezem­ber 2019

Laufzeit:                 102 Minuten

FSK:                        Ab 6 Jahren

Regie:                     Troy Quane

Drehbuch:               Brad Copeland, Lloyd Tay­lor

Pidgeon: Impossible – Der originale Kurzfilm

Spi­one Under­cov­er basiert auf dem Kurz­film Pid­geon: Impos­si­ble aus dem Jahr 2009, pro­duziert und geschrieben von Lucas Martell. Und den kannst Du nun fol­gend gratis anschauen, zum Glück in der Orig­i­nal­fas­sung. Viel Spaß.

Kurz­film oder Block­buster? Welche Ver­sion der Geschichte gefällt Dir bess­er? Wir freuen uns auf Deine Mei­n­ung und pick­en sie in den Kom­mentaren auf.

Bilder: © 2019 Twen­ti­eth Cen­tu­ry Fox

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