Parasite in der featured-Filmkritik: Upside down auf Koreanisch

Die Kinder der Familie Kim auf der Suche nach WLAN der Nachbarn. Foto: Koch Films / Capelight Pictures
Elisabeth Moss in Der Unsichtbare
Freud im Büro

Parasite in der featured-Filmkritik: Upside down auf Koreanisch

Par­a­siten sind Organ­is­men, die auf Kosten des Wirts über­leben und ihn dabei aus­nehmen. Genau das trifft auch auf Fam­i­lie Kim zu. Doch in ihnen und dem Streifen Par­a­site steckt noch viel mehr. Was genau, erfährst Du in unser­er Kri­tik.

Regis­seur Joon-ho Bong ist Dir vielle­icht bekan­nt durch den genial insze­nierten Sci­ence-Fic­tion-Action­film Snow­piercer aus dem Jahr 2013. Nun meldet sich der Kore­an­er zurück und liefert mit Par­a­site eine Tragikomödie mit ein­er ordentlichen Por­tion Gesellschaft­skri­tik ab, die lange nach­wirkt. Wir haben uns den Film ange­se­hen und sagen Dir, ob er zurecht die Gold­ene Palme der Film­fest­spiele in Cannes gewon­nen hat und ob sich für Dich der Gang ins Kino lohnt.

Eine Familie auf der Suche nach WLAN

Im Keller eines Wohn­haus­es teilt sich die vierköp­fige Fam­i­lie Kim wenige Quadrat­meter, immer auf der Suche nach dem besten WLAN der Nach­barn. Eigenes kön­nen sie sich näm­lich nicht leis­ten. Alle vier, Mut­ter Chung-sook (Hyae Jin Chang), Vater Ki-taek (Kang-ho Song) und die bei­den erwach­se­nen Kinder Ki-woo (Woo-sik Choi) und Ki-jung (So-dam Park) hal­ten sich mit Gele­gen­heit­sjobs über Wass­er und fris­ten ein Dasein im Schat­ten. Das ändert sich eines Tages schla­gar­tig, als Ki-woo ein Job als Nach­hil­felehrer bei ein­er gut situ­ierten Fam­i­lie, den Parks, ange­boten wird. Der erfol­gre­iche Unternehmer Don-ik (Sun-kyun Lee) wohnt mit sein­er Frau Yeon-kyo (Yeo-jeong Jo) und den bei­den Kindern in ein­er noblen Vil­la und genießt auch son­st alle Annehm­lichkeit­en, die das Leben zu bieten hat. Das möchte Ki-woo natür­lich auch für seine Fam­i­lie und gemein­sam mit ihnen set­zt er einen erstaunlich aus­gek­lügel­ten Plan um: Sie erset­zen einen Bedi­en­steten nach dem anderen und nis­ten sich so langsam aber sich­er in das Haus und das Leben der Parks ein… mit ungeah­n­ten Kon­se­quen­zen.

Wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt

Zunächst lernt man die Kims ken­nen: Die Zuschauer schmun­zeln, wenn die Kinder verzweifelt nach dem besten WLAN-Emp­fang suchen und haben Mitleid, wenn die Fam­i­lie auf­grund nicht ordentlich gefal­teter Piz­za­kar­tons weniger Geld bekommt. Als Ki-Woo es dann schafft, sich bei den Parks einzu­nis­ten, lacht man darüber, wie per­fide und smart es den restlichen Fam­i­lien­mit­gliedern gelingt, einen Bedi­en­steten nach dem anderen zu erset­zen und sie sich allmäh­lich in der Vil­la der gut situ­ierten Fam­i­lie bre­it macht. Doch das Lachen bleibt einem irgend­wann im Hals steck­en. Näm­lich dann, wenn sich anbah­nt, dass die ganze Sit­u­a­tion zu ent­gleisen dro­ht und sich still und heim­lich eine neue Ebene ihren Weg bah­nt.

Unerwartete Wendungen

Während die Sym­pa­thie für die Schmarotzer­fam­i­lie näm­lich immer weit­er wächst, gelingt es Regis­seur Bong auch von den naiv­en und zum Teil fern jed­er Real­ität leben­den Parks ein Bild zu zeich­nen, dass den Zuschauer ver­wirrt zurück­lässt: Sie sind näm­lich eben­falls nicht unsym­pa­thisch. Man fühlt mit allen Seit­en mit, ver­ste­ht ihre Motive und hält irgend­wann nur noch den Atem an, in ges­pan­nter Erwartung, was da noch so kom­men mag. Ger­ade, wenn man denkt, dass nun nichts mehr passiert, trifft den Zuschauer eine der Schlüs­sel­szenen genau ins Mark. Ohne zu viel vor­weg nehmen zu wollen: Wenn Du denkst, dass es sich bei Par­a­site um ein ein­fach­es Gesellschafts­dra­ma han­delt, bist Du auf dem Holzweg. Denn ab der zweit­en Hälfte des Films wird näm­lich etwas los­ge­treten, was nie­man­den kalt lässt. Wed­er Dich noch die Kims oder son­st jeman­den.

Ein heißer und völlig berechtigter Oscar-Kandidat

Gepaart mit der sub­tilen Kap­i­tal­is­muskri­tik, den feinen Seit­en­hieben auf die (kore­anis­che) Gesellschaft und der uner­warteten Wen­dun­gen, wird Par­a­site zu einem Film, der, laut Van­i­ty Fair, nicht nur beste Chan­cen auf einen Oscar, son­dern zurecht die Gold­ene Palme gewon­nen hat. Wir kön­nen uns dieser Mei­n­ung abso­lut anschließen, denn Par­a­site ist ein echt­es Meis­ter­w­erk, was es schafft sich durch eine feine Erzählstruk­tur, bis­si­gen und tief­gründi­gen Humor, sowie völ­lig uner­wartete Wen­dun­gen, lange im Filmgedächt­nis zu ver­ankern.

Du begeis­terst Dich für kore­anis­che Filme? Ver­rate uns in den Kom­mentaren Deinen Lieblings­film aus Korea.

Titel­bild: Koch Films / Cape­light Pic­tures

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren