Steven Mackintosh und Toni Collette in Wanderlust
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Das musst du bei Netflix sehen, wenn du vor 1969 geboren bist

Früher oder später ger­at­en wir alle mal an einen Punkt im Leben, an dem wir nach Verän­derung streben. Für viele stellt sich dieser Zeit­punkt vor allem um die Mitte ihres Lebens ein. Egal ob Midlife Cri­sis, Neube­ginn oder Weck­ruf - die fol­gen­den Filme und Serien bei Net­flix zeigen dir die Lebens­mitte auf ihre ganz eigene Art und Weise…

American Beauty: Liebestrunken ins Verderben

Wohl kaum ein Film hat die Fol­gen ein­er Midlife-Cri­sis zugle­ich so kom­plex und präzise auf die Lein­wand geban­nt wie Amer­i­can Beau­ty. Mit beißen­der Ironie und ergreifend­er Tief­gründigkeit ließ Sam Mendes in seinem Regiede­büt eine Naturge­walt von Film auf die Zuschauer los und wurde dafür prompt mit einem Oscar für die Beste Regie aus­geze­ich­net. Vier weit­ere Gold­jun­gen gab es für den Film selb­st, Haupt­darsteller Kevin Spacey, das Drehbuch und die Kam­er­aar­beit.

Spacey spielt in Amer­i­can Beau­ty den Fam­i­lien­vater Lester Burn­ham, der in eine mustergültige Sinnkrise ver­fällt. Sowohl seine Ehe als auch sein Job kön­nen ihn nicht zufrieden­stellen, weshalb er zunehmend an seinem Leben zweifelt. Als er jedoch auf die friv­o­le Schü­lerin Angela trifft und sich in sie ver­liebt, blüht er plöt­zlich auf: Er stählt seinen Kör­p­er, kauft sich sein Trau­mau­to und erpresst seinen Chef um ein Jahres­ge­halt.

Kevin Spacey in American Beauty

Lester Burn­ham (Kevin Spacey) träumt von einem anderen Leben | © Para­mount Home Enter­tain­ment

Dass Lesters men­taler Wan­del sein Schick­sal besiegelt, gehört zu dem zynis­chen Grund­ton des Dra­mas, das am Ende dann aber doch so etwas wie Erlö­sung für seinen Pro­tag­o­nis­ten übrig hat. Amer­i­can Beau­ty wühlt auf, macht nach­den­klich und ist trotz aller Über­spitztheit ganz nah am Leben.

Kevin Spacey ist auch im wahren Leben für Fehltritte bekan­nt. Nicht ohne Grund gehört er zu den Film- und Serien­stars, die schon ein­mal vom Set geschmis­sen wur­den.

Grace and Frankie: Bis dass die Ehe euch scheidet

Einen Neuan­fang müssen auch Grace and Frankie in der gle­ich­nami­gen Net­flix-Serie wagen - allerd­ings unfrei­willig. Die bei­den Damen über 70 erfahren näm­lich von ihren Ehemän­nern, dass diese seit Jahren miteinan­der eine heim­liche Liebes­beziehung führen und nun die Schei­dung wollen. Ein Schock für Grace und Frankie, die mit dieser Verän­derung erst ein­mal fer­tig wer­den müssen.

Wie sie ihre neue Lebenssi­t­u­a­tion meis­tern, kön­nen Fans bere­its seit fünf Staffeln ver­fol­gen. Man kommt während­dessen nicht umhin, die bei­den Frauen ins Herz zu schließen. Das liegt nicht zulet­zt an Jane Fon­da und Lily Tom­lin, die ihre Rollen mit jed­er Menge Charis­ma und Spiel­freude aus­füllen und prächtig miteinan­der har­monieren.

Trotz der kuriosen Aus­gangssi­t­u­a­tion nehmen die Grace and Frankie-Mach­er die Prob­leme ihrer Fig­uren jed­erzeit ernst und ver­fall­en nicht in Albern­heit­en. Dadurch fühlt man ganz automa­tisch mit den bei­den Frauen, aber auch mit deren Ex-Män­nern mit. Und doch löst die Com­e­dy-Serie nicht nur Empathie aus, son­dern zeigt auch, dass man selb­st im hohen Alter aus Rückschlä­gen etwas Pos­i­tives ziehen kann.

Lost in Translation: Zwischen Schwermut und Glück

Die bit­ter­süße Sinnsuche in Japans Metro­pole Tokio, die auf den Titel Lost in Trans­la­tion hört, ist ein­er der schön­sten und wichtig­sten Filme der let­zten 20 Jahre. Regis­seurin und Drehbuchau­torin Sofia Cop­po­la set­zte für ihre Tragikomödie auf hyp­no­tisierend melan­cholis­che Bilder und erstk­las­sige Darsteller. Das Endergeb­nis ist längst zum Kult gewor­den.

In Lost in Trans­la­tion begleit­en wir den altern­den Film­star Bob Har­ris und die junge, frisch ver­heiratete Char­lotte während ihres Aufen­thalts in Tokio. Bei­de treiben ziel­los durch die blink­ende Neon-Welt der Großs­tadt und fühlen sich - trotz Ehep­art­ner - sehr ein­sam. Als sie sich zufäl­lig in ein­er Bar ken­nen­ler­nen, bemerken sie schnell, dass sie zwei ver­wandte See­len sind, die sich gegen­seit­ig Halt geben kön­nen.

Bill Murray in Lost in Translation

Bill Mur­ray ist in Tokio Lost in Trans­la­tion | © High­light Film

Vor allem Bill Mur­ray liefert als Bob Har­ris eine Vorstel­lung zum Niederknien ab. In seinem Gesicht spiegelt sich die Wehmut eines (fast) Ver­lore­nen, der jedoch auch Hoff­nung und Neugierde in sich trägt. Damit spricht er sicher­lich vie­len Zuschauern aus der Seele, die an einem ähn­lichen Punkt wie er im Leben ste­hen.

Wanderlust: Wenn Sex zum Problem wird

Eines vor­weg: Der Titel der britis­chen Mini-Serie Wan­der­lust sollte metapho­risch ver­standen wer­den. Hier geht es näm­lich nicht um die Freude an Naturspaziergän­gen, son­dern um Ehep­rob­leme, Sex und dys­funk­tionale Fam­i­lien.

Im Mit­telpunkt ste­ht das Ehep­aar Joy und Alan Richards, das sich zwar noch liebt, allerd­ings keine ero­tis­chen Gefüh­le mehr füreinan­der hegt. Daher beschließen sie, for­t­an auch mit anderen Men­schen zu schlafen, aber weit­er­hin zusam­men­zuleben. Ein Exper­i­ment, das natür­lich nicht ohne emo­tionale Fol­gen bleibt. So nimmt das ungewöhn­liche Beziehungsmod­ell der Richards eben­so Ein­fluss auf ihre drei Kinder.

Toni Collette und Steven Mackintosh in Wanderlust

Bekom­men die Richards in Wan­der­lust ihre Ehep­rob­leme wieder in den Griff? | © Net­flix

Toni Col­lette und Steven Mack­in­tosh beweisen als Joy und Alan viel Gespür für die Äng­ste und Nöte ihrer Fig­uren. Über­haupt wird in Wan­der­lust nie­mand verurteilt. Die Serie zeigt lediglich, dass Liebe und Lust nicht immer Hand in Hand gehen und selb­st langjährige Part­ner vor neue Prob­leme gestellt wer­den kön­nen. Die Lösung präsen­tiert sich hier ziem­lich deut­lich: Am Ende zählt Kom­mu­nika­tion mehr als nack­te Kör­p­er!

Mehr von Toni Col­lette gibt es im Net­flix-Hor­rorth­riller Die Kun­st des toten Mannes zu sehen, zu dem wir euch bere­its eine aus­führliche Erk­lärung und Kri­tik geliefert haben.

Land der Gewohnheit: Die Flucht vor dem Alltag

Das Net­flix-Orig­i­nal Land der Gewohn­heit erzählt von dem Mit­tfün­fziger Anders Hill (Ben Mendel­sohn), der sein wohlhaben­des und eigentlich erfülltes Leben hin­ter sich lässt, um sich selb­st zu find­en. Er ver­lässt seine Frau, zieht in eine Eigen­tumswoh­nung und hofft, dass er nun ein ihm unbekan­ntes Frei­heits­ge­fühl empfind­et.

Doch schnell merkt der Frührent­ner, dass sich sein neues Leben nicht nach seinen Vorstel­lun­gen gestal­tet. Die Beziehung zu seinem Sohn Pre­ston (Thomas Mann) ist alles andere als ein­fach und auch mit neuen Frauen­bekan­ntschaften tut sich Anders schw­er. Selt­samer­weise ist es aus­gerech­net der dro­gen­ab­hängige Teenag­er Char­lie (Char­lie Tahan), der etwas Licht in das trost­lose Dunkel von Anders’ Welt bringt.

Land der Gewohn­heit zeigt scho­nungs­los die Schat­ten­seit­en ein­er Midlife-Cri­sis. Dafür benötigt Regis­seurin Nicole Holofcener keine spek­takulären Bilder. Sie legt Wert auf nuancierte Fig­uren­ze­ich­nung und authen­tis­che Atmo­sphäre. Wen es nach ein­er Kehrtwende in seinem Leben dürstet, der wird nach diesem Film zweimal darüber nach­denken.

Gypsy: Vertraue niemals deiner Therapeutin

Im Thriller­dra­ma-Serie Gyp­sy von Net­flix taucht der Zuschauer tief in das ambiva­lente Innen­leben der Psy­chother­a­peutin Jean Hol­loway ein und ern­tet dabei erschreck­ende Erken­nt­nisse. Die ver­heiratete Frau entwick­elt ein über­höht­es Inter­esse an ihren Patien­ten und schle­icht sich mit Hil­fe ein­er zweit­en Iden­tität sog­ar in deren Leben.

Dass Jean damit wissentlich ihren Beruf­sethos auf schlimm­ste Art und Weise ver­let­zt, ist so faszinierend wie schock­ierend. Ihre Sehn­sucht nach Aben­teuer und Gren­züber­schre­itung nimmt bald drama­tis­che Aus­maße an, bis sie sich immer tiefer in ihre Welt aus Lügen und Geheimnis­sen ver­strickt.

Nao­mi Watts verkör­pert die Pro­tag­o­nistin sou­verän wie immer und reißt den Zuschauer mit in den Strudel aus Ver­führung und Gefahr. Jean ist eine Frau auf Abwe­gen, die in ihrem Dop­pelleben eine Möglichkeit erken­nt, ihrem All­t­ag zu ent­fliehen und damit ihre ganz eigene Art von Midlife-Cri­sis durch­lebt.

Nao­mi Watts wird übri­gens die Haup­trol­le im ersten Spin-off der Serie Game of Thrones übernehmen, zu deren 8. Staffel du hier alle wichti­gen Infor­ma­tio­nen find­est.

The Meyerowitz Stories: Es bleibt in der Familie

In der Net­flix-Komödie The Meyerowitz Sto­ries ste­ht gle­ich eine ganze Fam­i­lie vor einem neuen Lebens­ab­schnitt: Der Bild­hauer Harold Meyerowitz (Dustin Hoff­man), seine bei­den Söhne Dan­ny (Adam San­dler) und Matthew (Ben Stiller) sowie Tochter Jean (Eliz­a­beth Mar­vel) und Enke­lin Eliza (Grace Van Pat­ten).

Jed­er von ihnen hat sein ganz eigenes Päckchen zu tra­gen und geht demzu­folge auch anders damit um. Vor allem der depres­sive Dan­ny hat mit sich zu kämpfen. Er sehnt sich nach der Liebe seines exzen­trischen Vaters, will gle­ichzeit­ig aber auch der Vor­bild­funk­tion für seine Tochter Eliza nachkom­men. Um sein Leben in andere Bah­nen zu lenken, muss er ler­nen, loszu­lassen und wichtige Entschei­dun­gen zu tre­f­fen. Etwas, das er bish­er immer ver­mieden hat­te…

Das Bemerkenswerteste an The Meyerowitz Sto­ries ist die Beset­zung. Beson­ders der son­st eher für Kla­mauk bekan­nte Adam San­dler ver­lei­ht sein­er Rolle eine unglaubliche Tiefe und zeigt damit ein­mal mehr, wie er Hol­ly­wood an der Nase herum­führt. Aber auch Ben Stiller und Dustin Hoff­man spie­len stark auf und machen den Film zu einem run­dum gelun­genen Seherleb­nis.

Du suchst noch weit­ere Empfehlun­gen für deinen näch­sten Net­flix-Abend? Dann stöber doch ein­mal durch unsere Über­sicht des gesamten deutschen Serien­ange­bots beim Stream­ing-Dienst oder schau in die besten Net­flix-Serien des Jahres 2019 rein.

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