“Joker (2019)“ in der featured-Filmkritik: Der Mann, der zu viel lachte

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Edward mit den Scherenhänden

“Joker (2019)“ in der featured-Filmkritik: Der Mann, der zu viel lachte

Der Jok­er, DCs wahrschein­lich bekan­ntester Schurke, bekommt einen Soloauftritt auf der großen Lein­wand. Weit abseits des übri­gen DC-Kino-Uni­ver­sums bril­liert Joaquin Phoenix in ein­er Charak­ter­studie über den Clown­prinzen des Ver­brechens. Warum der Film eine Per­le ist, die Du trotz­dem hin­ter­fra­gen soll­test, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu Jok­er. Und wenn Du dann direkt Lust hast, Dir selb­st ein Urteil zu bilden, schau doch mal in der Voda­fone Videothek vor­bei. Da kannst Du Dir den Streifen anschauen.

Jok­er gehört nicht zum DC Extend­ed Uni­verse, der Film ste­ht also für sich allein. Und obwohl Joaquin Phoenix‘ Fig­ur tech­nisch gese­hen auf der gle­ich­nami­gen Fig­ur, näm­lich dem Erzfeind Bat­mans, basiert, haben wir es beim neuen Kinofilm Jok­er eher mit ein­er Hom­mage auf die Filme der Regie-Leg­ende Mar­tin Scors­ese zu tun.

Ein Fleck in der Landschaft

Gotham City, 1981. Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) ver­sucht über die Run­den zu kom­men. Er pflegt seine kör­per­lich und psy­chisch insta­bile Mut­ter Pen­ny Fleck (Frances Con­roy) und kämpft selb­st mit diversen psy­chis­chen Lei­den. Eines davon löst unkon­trol­lierte Lachan­fälle aus. Beson­ders in unpassenden Sit­u­a­tio­nen. Während­dessen träumt Arthur davon, Stand-Up-Come­di­an zu wer­den. Größer ist nur der Traum, in der Late-Night-Show seines Idols Mur­ray Franklin (Robert De Niro) aufzutreten. Aktuell ist er aber bloß Par­ty­clown. Mit jedem neuen Rückschlag, jedem Fet­tnäpfchen, jed­er neuen Panne, reift in Arthur der Gedanke, dass die Welt vielle­icht nur eine Sprache ver­ste­ht: Gewalt.

Der Joker in Phoenix

Zweifels­frei wird Joaquin Phoenix, der für seine Verkör­pe­rung des Jok­ers laut E-Online knapp 25 Kilo Gewicht ver­lor, zahlre­iche Preise für seine Darstel­lung abräu­men. Wenn sich seine Knochen schein­bar aus dem abgemagerten Leib drück­en, während er unter Kraftanstren­gung seine Clownss­chuhe weit­et, dann ist das gruselig und erin­nert ein­dringlich an einige Szenen in Der Mas­chin­ist (2004) mit einem radikal abgemagerten Chris­t­ian Bale (Bat­man Begins) in der Haup­trol­le. Und wenn er das erste Mal einen Unsym­pa­then mit seinem Revolver durch die U-Bahn-Sta­tion ver­fol­gt, dann ruft das die eine oder andere Erin­nerung an die Selb­stjus­tiz in Ein Mann sieht rot (Death Wish, 1974) wach.

An Heath Ledgers Punk-Jok­er aus Christo­pher Nolans The Dark Knight (2008) erin­nert er dabei genau so wenig, wie an den car­toon­haften Pro­to-Jok­er aus der TV-Serie Gotham. Joaquin Phoenix spielt den kün­fti­gen (Super-)Schurken meilen­weit ent­fer­nt von den meis­ten bekan­nten Darstel­lun­gen des Jok­ers. Sein krankhaftes Lachen, seine impul­siv­en Gewal­taus­brüche, sein Hun­de­blick, wenn er die Welt um sich herum nicht ver­ste­ht – mit all diesen Ele­menten in sein­er Darstel­lung, hievt Joaquin Phoenix die Fig­ur Arthur Fleck in eine Art Opfer­rolle, die unter Umstän­den ein gewiss­es Mit­ge­fühl für diesen Ver­brech­er weck­en kön­nte. Oder kurz: Phoenix‘ Per­for­mance ist ein­dringlich, erschreck­end authen­tisch und erin­nert in bestem Sinne an seinen vere­in­samten Auf­tragskiller Joe, aus der the­ma­tisch ähn­lich gelagerten Charak­ter­studie A Beau­ti­ful Day (2018).

Joker: Anti-Held oder Held?

Regis­seur und Drehbuchau­tor Todd Phillips ist zumeist ganz nah dran an Arthur, inhaltlich und mit der Kam­era. Wir sehen ihn lei­den, straucheln, sehen wie er gedemütigt wird – und wir sehen, wie er eine qua­si-poli­tis­che Bewe­gung „gegen die Reichen“ lostritt.

Was der Zuschauer in Jok­er vornehm­lich serviert bekom­men, ist die Geschichte eines Mannes mit psy­chis­chen Prob­le­men, der sich wehrt – und dabei die Mit­tel der Rechtsstaatlichkeit umge­ht. Er erscheint damit in eini­gen Sequen­zen wie das über­steigerte Pen­dant zu Bat­man.

Taxi Driver: The King of Comedy – mit einer Prise Batman

Als das Pro­jekt Jok­er ger­ade zu einem solchen wurde, war Mar­tin Scors­ese (Depart­ed, The Irish­man) laut Hol­ly­woodrepot­er noch als Pro­duzent und möglich­er Regis­seur im Gespräch. So richtig Gestalt nahm das Ganze allerd­ings erst an, als Hang­over-Regis­seur Todd Phillips seine Ideen für eine Com­ic-Adap­tion vorstellte, die los­gelöst von DCs aktuellem Lein­wan­duni­ver­sum funk­tion­ieren. Und obgle­ich Scors­ese später die Pro­duk­tion des Films abgab, zog Drehbuchau­tor Todd Phillips seine Inspi­ra­tion zu großen Teilen aus gefeierten Scors­ese-Fil­men, die nicht zulet­zt oft auch ein­dringliche Charak­ter­stu­di­en sind. So spiegelt die Prämisse, um Arthurs Stand-Up-Traum und den Per­so­n­enkult um den Mod­er­a­tor Mur­ray Franklin eins zu eins die Sto­ry von The King of Com­e­dy (1982) wider. Und auch andere Kri­tik­er bemerken die Ähn­lichkeit zwis­chen dem Jok­er Arthur Fleck und dem Taxi Dri­ver Travis Bick­le (Robert De Niro, 1976) – bei­des soziale Außen­seit­er, deren Prob­lem­be­wäl­ti­gung in Blut­tat­en enden. Ein Pub­likum, das die entsprechen­den Filme nicht ken­nt, wird dieser Umstand zweifels­frei wed­er auf­fall­en, geschweige denn stören. In jedem anderen Fall kön­nte sich der Zuschauer schon fra­gen, ob Jok­er noch Hom­mage ist, oder schon Abklatsch. Und wenn er sich schon, mit pubertär­er Star­rköp­figkeit von seinem Über­vater Bat­man abn­abeln will, warum klam­mert der Film sich im let­zten Drit­tel dann immer fes­ter an dessen etablierten Erzäh­lkos­mos? Fra­gen, so rät­sel­haft wie der Jok­er selb­st einst war.

Joker: Hommage mit kontroverser Perspektive

Jok­er als Thriller ist dreck­ig, blutig und trau­rig. Man möchte diesem Jok­er fast unter­stellen, sich von der Neme­sis Bat­man inhaltlich emanzip­iert zu haben. Aber bei genauer­er Betra­ch­tung gibt es auch nichts mehr, dass Sto­ry oder Fig­ur im DC-Kos­mos ver­ankert. Jok­er hat ver­mut­lich einen ähn­lich großen Ein­druck auf die Betra­ch­tung des Jok­ers, wie Ledgers Inter­pre­ta­tion sein­erzeit. Aber vielle­icht kommt man im Zuge der Betra­ch­tung dann zum gle­ichen Schluss wie wir: Jok­er ist als Psy­chogramm des bekan­nten Bat­man-Schurken ein stim­miger Thriller mit ein­er enorm guten Schaus­pielleis­tung von Joaquin Phoenix. Die Fig­ur des Arthur Fleck hinge­gen, ist ein wenig ele­gant ver­mis­chter Mix aus bekan­nten Fig­uren­mo­tiv­en Mar­tin Score­ses’ und bekan­nten One-Shot-Comics wie The Killing Joke (1988) oder Jok­er (2009).

Ein fea­tured-Filmtipp – unter Vor­be­halt.

Jok­er

Genre:                    Dra­ma / Thriller / Com­i­cadap­tion

Bun­desstart:           10.10.2019

Laufzeit:                 122 Minuten

FSK:                       Ab 16 Jahren

Regie:                    Todd Phillips

Drehbuch:               Todd Phillips

 

Welch­er Charak­ter hätte einen düsteren Soloauftritt ver­di­ent? Wir freuen uns auf Deine Ideen in den Kom­mentaren.

Foto: Warn­er Bros.

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