Film-Review: Bohemian Rhapsody – Einseitiges Mercury-Biopic mit Queen-Pomp?

Bohemian Rhapsody
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Film-Review: Bohemian Rhapsody – Einseitiges Mercury-Biopic mit Queen-Pomp?

Fred­die Mer­cury hat die Musikgeschichte geprägt. Der Film über Fred­die Mer­cury tut dies nicht. Warum das Biopic dem Anspruch des Musik­fans gerecht wird, dem Film­fan hinge­gen einiges schuldig bleibt, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu Bohemi­an Rhap­sody.

Die Idee eines Films rund um die Queen-Sto­ry stand schon seit 2006 im Raum. Damals galt John­ny Depp (Grindel­walds Ver­brechen) noch als Traumbe­set­zung für die Rolle des Fred­die Mer­cury. Zwis­chen­zeit­ig schwirrte dann Sacha Baron Cohen (Borat) als Name durch die Branche. Aber vielle­icht war es am Ende doch sin­nvoll, sich für Rami Malek zu entschei­den und damit für einen Schaus­piel­er, der trotz sein­er Erfahrung noch nicht auf einen Rol­len­ty­pus fest­gelegt ist.

Who Wants to Live Forever

Far­rokh Bul­sara nen­nt sich selb­st Fred­die, ist Song­writer und trifft in einem Nacht­club auf seine späteren Band­kol­le­gen. Queen ist geboren. Fred­die, nun offiziell Fred­die Mer­cury, schreibt nicht nur Wel­ter­folge wie We Are The Cham­pi­ons, son­dern prägt auch den Stil und die Büh­nen­präsenz der Band entschei­dend mit. Par­al­lel kämpft er zunächst mit seinem Com­ing Out, dann mit den zahlre­ichen Ver­suchun­gen, die ihm sein Erfolg beschert.

Nach dem Erfolg mit der Band, dem Bruch und der Reunion, run­det das Live-Aid-Konz­ert 1985 die Band-His­to­rie mit einem, bis in die Gegen­wart unvergesse­nen, Auftritt ab. 1991 erliegt Fred­die Mer­cury schließlich sein­er Aids-Erkrankung.

 

Bohemian Rhapsody

Bohemi­an Rhap­sody ist zweifels­frei ein erstaunlich­er Film – zumin­d­est, wenn es darum geht, das musikalis­che Schaf­fen der Band Queen auf die Laufzeit eines Films zu kon­den­sieren. Und von ersten Erfol­gen wie Keep Your­self Alive über Klatschgaran­ten wie Anoth­er One Bites The Dust bis hin zum Titel­song Bohemi­an Rhap­sody wer­den nicht nur Fans, son­dern auch skep­tis­chste Kri­tik­er anfan­gen mitzuwip­pen, zu schnip­pen oder sog­ar zu mit­flüstersin­gen.

Das liegt zum einen an dem guten Mix aus Stu­dio- und Live-Songs, zum anderen an Rami Malek, der den Songs neues Leben ein­haucht. Ob das nun am extrav­a­gan­ten Bewe­gungsstil des Sängers liegt, den Malek nahezu per­fekt imi­tiert, oder vielle­icht an der erschreck­end großen Zah­n­prothese, um Mer­curys markan­ten Über­biss nachzu­bilden, ist unklar. Aber es funk­tion­iert.

Bohemian Rhapsody

Under Pressure

Okay, fair­erweise: Es ist keine allzu große Kun­st auf audi­tiv­er Ebene zu überzeu­gen, wenn der Sound­track aus Queen-Songs beste­ht. Aber wie schafft man es, Fred­die Mer­cury – ein Men­sch zwis­chen schillern­der Büh­nen­präsenz, Exzessen und notorisch­er Ein­samkeit – so vielschichtig zu zeich­nen, dass aus ihm mehr wird, als nur ein plaka­tiv­er Stereo­typ? Nun, in diesem Film find­et man die Antwort darauf lei­der nicht.

Unter der Regie von Bryan Singer und dem Drehbuch von Antho­ny McCarten wird Fred­die Mer­cury zu ein­er zwei­seit­i­gen Medaille eingeschmolzen. Entwed­er exaltiert und exzen­trisch, oder von so kindlich­er Naiv­ität, dass man fast Shel­don Coop­er aus Big Bang The­o­ry darin erken­nen möchte. Dabei wäre der Ver­gle­ich mit einem Wür­fel aus Dun­geons & Drag­ons ange­brachter: 20 Seit­en und jede hat einen anderen Wert.

Na klar, ein Biopic kann den Charak­ter, den es abbilden soll, nur skizzieren; Abstriche müssen gemacht wer­den. Aber Mer­cury war ein Men­sch, der sich für Kun­st, Kul­tur, für Oper, Musi­cal und viel­er­lei mehr inter­essiert hat; der mit Opern-Leg­ende Montser­rat Cabal­lé neue Wege gegan­gen ist. Lei­der wer­den diese Seit­en nicht ein­mal angeris­sen.

We Are The Champions

Bohemi­an Rhap­sody ist ohne Zweifel ein toller Musik­film. Er ist ein toller Film über Musik. Mit toller Film­musik. Er ist auch ein toller Film über die Musik­branche. Aber als Biopic über den Men­schen Fred­die Mer­cury wirkt der Film allerd­ings etwas eindi­men­sion­al.

Nichts­destotrotz liefert Rami Malek ab, verkör­pert den Rock­star so facetten­re­ich, wie es das Drehbuch erlaubt. Auch Neben­rollen wie Mike Myers als Musikpro­duzent Ray Fos­ter sind über­aus amüsant anzuschauen.

Einen tiefen Ein­blick in das Leben des umjubel­ten Stars Fred­die Mer­cury, erwartest Du bess­er nicht, aber um einen wun­der­bar bebilderten Queen-Sound­track zu erleben, lohnt sich das Tick­et alle­mal.

Bohemi­an Rhap­sody

Genre:          Dra­ma / Musik­film / Biopic

Bun­desstart: 31.10.2018

Laufzeit:       134 Minuten

FSK:             Ab 6 Jahren

Regie:          Bryan Singer, Dex­ter Fletch­er

Drehbuch:     Antho­ny McCarten

 

Welche Musik­le­gende ver­di­ent sein eigenes filmis­ches Denkmal? Wir freuen uns auf Deine Schwärmereien in den Kom­mentaren.

Bilder: 20th Century Fox

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