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Die Känguru-Chroniken in der featured-Filmkritik: Irgendwas mit Schnapspralinen und Kommunismus

Mul­ti­tal­ent Marc-Uwe Kling bedi­ent viele Kun­st­for­men. Den Durch­bruch als Autor feierte er mit den Eska­paden eines kom­mu­nis­tis­chen Beuteltiers. Ob die Über­trag auf die Lein­wand funk­tion­iert und vor allem für wen, erfährst Du in der fea­tured-Filmkri­tik zu „Die Kän­gu­ru-Chroniken“.

2009 veröf­fentliche Kling den Roman „Die Kän­gu­ru-Chroniken – Ansicht­en eines vor­laut­en Beuteltiers“. Allerd­ings erschienen die meis­ten Episo­den des Buch­es bere­its vorher als Radio-Com­e­dy-Serie „Neues vom Kän­gu­ru“ beim Berlin­er Sender Fritz. Elf Jahre, vier Romane und zahlre­ich­es Mer­chan­dise später, gilt es eine bre­ite Fan­base zu bedi­enen. Iro­nis­cher­weise wird ger­ade die ver­mut­lich den Tief­gang der Vor­la­gen ver­mis­sen und sich an verän­derte Charak­tere gewöh­nen müssen.

Die Marc-Uwe-Chroniken: Der Künstler und sein Känguru

Der lethar­gis­che Kleinkün­stler, der nicht als solch­er tit­uliert wer­den will, Marc-Uwe (Dim­itrij Schaad) gibt dem Sur­ren sein­er Woh­nungsklin­gel nach, öffnet die Tür und wird von einem Kän­gu­ru (Stimme: Marc-Uwe Kling) zunächst nach Zutat­en für Eierkuchen gefragt, bevor es dreist bei Marc-Uwe einzieht.

Ein Jahr später geben die zwei eine kuriose aber zumin­d­est teil­funk­tion­ierende Wohnge­mein­schaft ab. Größeres Prob­lem ist allerd­ings der ultra­p­a­tri­o­tis­che Immo­bilien-Mogul Jörg Dwigs (Hen­ry Hübchen), der den infa­men Gör­l­itzer Park abreißen und neu bebauen will. Das Kän­gu­ru ruft zum Wider­stand auf, zur Not mit Gewalt – zumin­d­est, wenn es nicht selb­st im Weg ste­ht. Dazwis­chen besucht Marc-Uwe seinen eigen­willi­gen Ther­a­peuten und wirbt um die Gun­st sein­er Nach­barin Maria (Ros­alie Thomass).

GigaTV Film-Highlights

Die Charakter-Chroniken: Ansichten eines Stereotypenmuffels

„Das Buch war bess­er“, ist eine scheußliche For­mulierung für ein Faz­it ein­er Buchadap­tion. Schon Buch und Hör­buch sind grund­ver­schieden. Der Sprung vom Buch zum Film ist gigan­tisch. Und so funk­tion­ieren die Charak­ter­skizzen solch­er Neben­fig­uren wie der türkischstäm­mi­gen Kioskbe­sitzer mit Berlin­er Schnau­ze, Otto-von (Tim Sey­fi) und Friedrich Wil­helm (Adnan Mar­al), wom­öglich in den kurzweili­gen Eska­paden der Büch­er gut. Auf der Lein­wand wer­den sie dazu ver­don­nert, südländis­chen Akzent zu behaupten, um zum Beispiel Antag­o­nist Dwigs Angriffs­fläche für Eth­no-Gags zu bieten. Das alles, um vorzuführen, wie böse ein recht­spop­ulis­tis­ch­er Immo­bilien­hai ist – im Film eine Kul­mi­na­tion schlimm­ster Moralver­w­er­fun­gen; ein Mix aus Trump, Gauland und mehr.

An dessen Seite ste­ht übri­gens seine schwan­gere Frau Jeanette (Bet­ti­na Lam­precht), bei der sich rück­blick­end nicht ein­mal ein Selb­stzweck erah­nen lässt, außer dass sie eben schwanger ist. Schaus­pielerin Bet­ti­na Lam­precht („Pastewka“) spielt das gewohnt überzeu­gend. Vielle­icht ist die Frage nach Sinn und Unsinn der Fig­ur deshalb so quälend, weil schlichtweg der Ein­druck bleibt, dass hier Schnap­spra­li­nen vor die Säue gewor­fen wur­den.

Gar keine Chroniken: Probleme des episodischen Erzählens

Ein direk­ter Ver­gle­ich zwis­chen Buch-Vor­lage und Kino-Adap­tion erübrigt sich, siehe oben. Aber schon das Konzept der „Kän­gu­ru-Chroniken“ sieht ja ein episodis­ches Erzählen vor, ob als wöchentliche Radio-Serie oder eben als Kurzgeschicht­en­samm­lung mit dem irreführen­den Wort Chroniken im Titel. Das For­mat Langspielfilm wider­spricht diesem Konzept total. Und das merkt man. Zwis­chen High­light-Pas­sagen mit viel Kän­gu­ru-Action wird viel in die Gegend ges­tar­rt und aufge­set­zt trock­en auf irgend­was Kurios­es reagiert. Das Kän­gu­ru tritt medi­en­wirk­sam im TV auf: nor­mal. Der Patient erzählt vom Kän­gu­ru und wird vom Ther­a­peuten direkt für mis­chugge erk­lärt. Vielle­icht hätte eine TV-Serie dem Stoff bess­er getan.

Die Visual-Effects-Chroniken: Ein authentisches Känguru

Nein, die Schwächen des Films sind nicht bei den Visu­al Effects zu find­en. Das Kän­gu­ru sieht sauber ani­miert aus, hüpft hier und da und zün­gelt neck­isch über die Lip­pen. Tech­nisch gese­he, kann sich das Beutelti­er dur­chaus mit anderen europäis­chen Fil­men messen.

Die Känguru-Chroniken: Eine deutsche Komödie

Ob das Buch nun bess­er gefällt oder nicht, muss am Ende jed­er selb­st entschei­den. Wer eine Karte für „Die Kän­gu­ru-Chroniken“ zieht, darf zumin­d­est nicht den Roman als Bebilderung erwarten. Vielmehr ist es eine typ­isch deutsche Komödie mit Kneipenat­mo­sphäre, überze­ich­neten Fig­uren und hin und wieder einem Handge­menge zwis­chen­durch. Das unter­hält pass­abel für einen Filmabend – eine Kän­gu­ru-Offen­barung ist es jedoch nicht.

Ein fea­tured-Filmtipp für alle die, die die Büch­er nicht gele­sen haben.

 

Die Kän­gu­ru-Chroniken

Genre:                    Komödie

Bun­desstart:          5. März 2020

Laufzeit:                 92 Minuten

FSK:                        Ab 0 Jahren

Regie:                      Dani Levy

Drehbuch:              Marc-Uwe Kling

Welche Episode des Kän­gu­rus möcht­est Du gerne auf der großen Lein­wand erleben? Wir freuen uns auf Deine Ideen in den Kom­mentaren.

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