Infrarot-KI
© 2022 Browne et al.
Auf dem symbolischen Bild zum Thema „Was ist Mixed Reality“ steht ein Mann mit Mixed-Reality-Brille in einem leeren Raum und interagiert mit einem digital eingeblendeten Schreibtisch samt Monitor, Stuhl und Kaffeetasse. Die Szene zeigt beispielhaft, wie virtuelle Objekte nahtlos in die reale Umgebung projiziert werden und veranschaulicht das Potenzial von Mixed Reality im Arbeitsalltag.
Das Wort "Wi-Fi" und das Symbol für WLAN sind auf einem Handy abgebildet, das jemand hochhält.

Farbe im Dunklen: Diese Infrarot-KI färbt Nachtsichtaufnahmen

Nachts sind alle Katzen grau, denn das men­schliche Auge nimmt im Dun­klen keine Far­ben wahr. Forschende in den USA haben nun jedoch eine Kün­stliche Intel­li­genz (KI) entwick­elt, die mith­il­fe von Deep Learn­ing aus Infrarot­bildern orig­i­nal­ge­treue Far­bauf­nah­men macht. Wie die Infrarot-KI das macht, liest Du hier. 

Damit kön­nen auch wir Men­schen Nacht­sicht in Farbe genießen – und sehen nicht mehr nur mono­chro­ma­tisch grüne Auf­nah­men. Doch wie funk­tion­iert das genau? Wir brin­gen Licht ins Dun­kle und zeigen Dir, was hin­ter der Nacht­sicht-KI steckt und was sie heute schon kann.

Mehrere Wellenlängen für eine Farbe

Infor­matik­er Pierre Bal­di, Auge­narzt Andrew Browne und sechs weit­ere Forschende, alle­samt an der Uni­ver­si­ty of Cal­i­for­nia in Irvine (UCI), zeigen in ihrer Forschungsar­beit, wie sich aus Infraro­tauf­nah­men mit mehreren Wellen­län­gen Far­ben rekon­stru­ieren lassen. Die in der wis­senschaftlichen Fachzeitschrift Plos One vorgestellte Nacht­sicht-KI kann orig­i­nal­ge­treue Farb­bilder von Gesichtern aus Infraro­tauf­nah­men berech­nen. Dazu benötigt sie wed­er sicht­bares Licht noch Infor­ma­tio­nen über die Auf­nahme. Das Nacht­sicht-Bild muss lediglich mit unter­schiedlichen Infrarot-Wellen­län­gen aufgenom­men wor­den sein.

So lernt die Nachtsicht-KI sichtbare Farben

Bis die Nacht­sicht-KI tat­säch­lich vorzeig­bare Ergeb­nisse liefern kon­nte, stand allerd­ings eine beson­dere Far­blehre auf dem Pro­gramm. Und zwar mith­il­fe eines selb­sten­twick­el­ten Lern­sys­tems. Die Idee hin­ter dem Forschung­spro­jekt ist, dass jede Farbe nicht nur sicht­bare Wellen­län­gen reflek­tiert, son­dern auch bes­timmte Infrarotwellen­län­gen. Weiß die KI also, welche sicht­bare Farbe sich aus der jew­eili­gen Kom­bi­na­tion aus Infrarotwellen­län­gen ergibt, dann lassen sich Infrarot­bilder in Farbe rekonstruieren.

Um die KI zu trainieren, brauchte sie Lern­fut­ter. Das bestand aus über 200 Bildern, die das Team erst in Farbe auf Papi­er aus­druck­te und anschließend mit unter­schiedlichen Wellen­län­gen aus dem sicht­baren sowie dem Infrarot­bere­ich fotografierte. Dann war die KI an der Rei­he, und zwar mit zwei getren­nten KI-Bere­ichen namens Gen­er­a­tor und Diskrim­i­na­tor. Der Ablauf war wie fol­gt: Der KI-Gen­er­a­tor bekam die Infrarot­bilder zu sehen und sollte daraus die passenden sicht­baren Wellen­län­gen gener­ieren. Der KI-Diskrim­i­na­tor hat­te das Ref­erenz­bild zur Ver­fü­gung und ver­glich es mit dem Ergeb­nis des Gen­er­a­tors. Gab es Unter­schiede, musste der Gen­er­a­tor seine Arbeit wiederholen.

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Wo könnte die Nachtsicht-KI zum Einsatz kommen?

Die Genauigkeit der Infrarot-KI ist beein­druck­end, doch bis­lang kann sie lediglich drei Bilder pro Sekunde berech­nen und ist auf men­schliche Gesichter spezial­isiert. Um also Infrarotvideos flüs­sig in Farbe darzustellen und auch weit­ere Motive orig­i­nal­ge­treu rekon­stru­ieren zu kön­nen, muss die KI noch verbessert wer­den. Dann wären aber ver­schieden­ste Ein­satzbere­iche denkbar. Zum Beispiel bei Oper­a­tio­nen am Auge, bei denen meist die Net­zhaut der Patient:innen viel Licht aus­ge­set­zt ist und davon Schaden nehmen kann. Oder auch beim Beobacht­en von Tieren in freier Wild­bahn, wenn kün­stlich­es Licht sich auf das Ver­hal­ten auswirken könnte.

Wo siehst Du Vorteile von Nacht­sicht in Farbe? Hin­ter­lasse uns Deine Ideen in den Kommentaren.

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