Suchmaschinen-Wahrheiten: Sag mir, was Du suchst, und ich sage Dir, wer Du wirklich bist

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Suchmaschinen-Wahrheiten: Sag mir, was Du suchst, und ich sage Dir, wer Du wirklich bist

Auf Insta­gram oder Face­book zeigen wir uns gern als coole, selb­st­be­wusste Frauen, doch unsere Suchan­fra­gen bei Google und Co. zeigen ein anderes Bild von uns. Hier, im schein­bar anony­men Raum, treten Unsicher­heit­en und Äng­ste her­vor – ganz ohne Fil­ter und „lol“.

Die men­schlichen „Abgründe“ offen­baren sich nicht auf den ersten Blick: Schaut man sich bei Google-Trends die Top-Such­be­griffe weltweit für 2018 an, regierten der Fußball in Form der WM und die Roy­als in Form der Hochzeit von Prinz Har­ry und Meghan Markle. Doch ein­er, der tiefer gegraben hat, weiß anderes zu bericht­en. In seinem Buch „Every­body Lies“ ent­larvt der US-Wis­senschaftler Seth Stephens-Davi­d­owitz, wie viel Äng­ste und Unsicher­heit­en die Men­schen mit ihren Onli­ne­suchen offen­baren. „Brustim­plan­tate“, „Ehe ohne Sex“ oder „Migräne“ sind häu­fige Suchan­fra­gen in den USA, die ein anderes Bild als die heile Welt zeigen, die Social-Media-Kanäle wie Insta­gram dominiert. Stephens-Davi­d­owitz nen­nt die Google-Sta­tis­tiken „das dig­i­tale Wahrheitsserum“. Denn sich in den sozialen Medi­en selb­st­sich­er zu geben ist leicht. Aber erst mit der anony­men Google-Suche offen­bart sich, welche The­men uns wirk­lich umtreiben.

Brustvergrößerung und sexuelle Belästigung – deprimierende „Trends“

Auch wenn man ein­mal abge­taucht ist in das Uni­ver­sum der deutschen Google-Trends, lässt sich so einiges ent­deck­en, was nicht zum schö­nen Schein passt: The­men wie „Brustver­größerung“, „sex­uelle Beläs­ti­gung“ oder auch „Scham­lip­pen­verkleinerung“ sind kon­tinuier­lich häu­figer gesucht wor­den in den ver­gan­genen Monat­en. Dazu bekommt man Infor­ma­tio­nen, in welchen Regio­nen sie beson­ders häu­fig gefragt wer­den. Spoil­er: In Berlin und Bran­den­burg ist „Brustver­größerung“ ein deut­lich gefragteres The­ma als beispiel­sweise in Thürin­gen oder Sach­sen-Anhalt. Dies lässt sich nicht mit Ein­wohn­erzahlen allein erk­lären. Diese Ergeb­nisse sind natür­lich generell in viel­er­lei Hin­sicht inter­pretier­bar. Denn dass sich Men­schen grund­sät­zlich informieren, lässt noch keine Rückschlüsse auf ihre tat­säch­lichen Hand­lun­gen zu. Und Google-Trends bezieht oft ganze Phrasen, in denen das Such­wort auf­taucht, mit ein. Aber allein die Zunahme der Suchan­fra­gen verdeut­licht die gesellschaftliche Rel­e­vanz.

„Mein Leben ist …

… lang­weilig“, „ … sinn­los“ oder „ … ein Scher­ben­haufen“: Auch die Autover­voll­ständi­gung bei der Google-Suche wird genährt von den häu­fig­sten Anfra­gen. Und was teil­weise erst mal zum Lachen sein mag („Mein Mann ist …“ wahlweise Alko­ho­lik­er, depres­siv, ver­hin­dert oder faul), zeigt den­noch Prob­leme, bei denen Dr. Google gern zu Rate gezo­gen wird. Kein Wun­der, dass bei „Ich füh­le mich …“ nicht „fan­tastisch“ auf­taucht, son­dern als Erstes „ein­sam“ oder „leer“.

Es ist zutief­st men­schlich und daher auch kein neues Phänomen, dass man nicht mit seinen ungeliebten Seit­en hausieren geht, aber in unseren mod­er­nen Zeit­en ist die Ausstel­lungs­fläche für den schö­nen Schein eben beson­ders groß und ver­lock­end, und „geheime“ Google-Anfra­gen und getunte Glitzer­welt liegen nur einen Klick auseinan­der.

Ich und die anderen

So schön und glück­lich unser aller Leben in den sozialen Net­zw­erken auch erscheinen mag: Wis­senschaftler der Ruhr-Uni­ver­sität Bochum haben inner­halb eines Jahres gle­ich drei neue Stu­di­en veröf­fentlicht, die sich mit den neg­a­tiv­en Auswirkun­gen der Nutzung von sozialen Medi­en beschäfti­gen. Die Ergeb­nisse zeigen, dass depres­sive Ten­den­zen ver­stärkt wer­den und das Selb­st­wert­ge­fühl sinkt, je mehr Zeit Men­schen in den sozialen Net­zw­erken ver­brin­gen. Denn schließlich muss man sich die ganze Zeit anschauen, wie toll die anderen ausse­hen, an welch fan­tastis­chen Orten sie ger­ade wieder sind und was sie für ein aufre­gen­des Leben haben. Da hat es schon fast etwas Ent­las­ten­des, wenn Google uns zeigt, dass nicht alles nur pri­ma und Schein nicht immer gle­ich Sein ist.

Und so mag das let­zte Urlaub­s­fo­to im Son­nenun­ter­gang unser­er Face­book-Fre­undin kurzes dig­i­tales Glück ver­schafft haben, aber wer weiß, ob sie nicht abends im Hotelz­im­mer „Burn-out“ oder „Ehekrise“ gegoogelt hat. Da kön­nen wir nur hof­fen, dass sie uns von ihren Prob­le­men erzählen würde (und sei es per What­sApp oder Direct Mes­sage) und wir ihr dann als unter­stützende Fre­undin zur Seite ste­hen kön­nten.

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