Schnellere Integration in den Arbeitsmarkt: Geflüchtete lernen Programmieren

Schnellere Integration in den Arbeitsmarkt: Geflüchtete lernen Programmieren

Egal ob Deutsch, Englisch oder Arabisch: Sprachbarrieren kennen die internationalen Schüler der ReDI School of Digital Integration nicht, denn sie sprechen JavaScript, C++ oder PHP. An der Berliner Non-Profit-Schule lernen Geflüchtete Programmieren, um beruflich in der wachsenden Technologie- und Start-up-Szene Fuß zu fassen.

Die IT-Branche boomt. Allein in Deutschland suchen laut einer Auswertung des Personaldienstleisters Adecco über 40.000 Unternehmen händeringend Programmierer. Einen potentiellen Bewerberkreis lassen sie häufig außer Acht: Flüchtlinge. Viele junge Menschen aus Krisenregionen sind gut gebildet, hoch motiviert und bringen teils sogar die gefragten Coding-Skills mit. Trotzdem stehen ihre Chancen hierzulande schlecht. Die ReDI School for Digital Integration möchte technikaffinen Geflüchteten die Integration in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft erleichtern.

„Stop talking. Start acting“: Integration durch Coding-Skills

Das Konzept der gemeinnützigen Programmierschule steckt bereits im Namen: ReDI (ausgesprochen wie „ready“) steht für „Refugees“ und Digitale Integration. Kostenfreie Computerkurse für Anfänger und Fortgeschrittene vermitteln diesen nämlich digitale Kompetenzen und Programmierfähigkeiten für den beruflichen Einstieg in die Technologie-Branche. Bei dreimonatigen IT-Programmen, Workshops und Corporate-Training-Projekten erhalten die Auszubildenden nicht nur Laptops und Zugang zu modernen Arbeitsplätzen, sondern auch Kontakt zu erfahrenen Mentoren und führenden Digital-Unternehmen. Die ehrenamtlichen Dozenten der ReDI School sind nämlich keine Lehrer, sondern hauptberufliche Coder, Developer und Webdesigner.

Programmieren geht über Studieren: Digitale Anwendungen für die Praxis

Neben theoretischen Grundlagen stehen von Anfang an echte Projekte auf dem Lehrplan. Mit Hilfe ihrer Mentoren entwickeln die Schüler Apps, programmieren Websites und konzipieren Angebote, die ihnen und anderen Flüchtlingen in Deutschland helfen. Die geplante App Bureaucrazy soll Asylbewerber zum Beispiel mit Übersetzungen, Erklärungen und Standorten von Behörden durch den Bürokratie-Dschungel lotsen. Die Website Let’s integrate ist bereits online, um Treffen zwischen Refugees und Berlinern zu vermitteln. Kurzfristig verfolgen die Auszubildenden das Ziel, ihre Entwicklungen möglichst schnell zu veröffentlichen. Auf lange Sicht qualifizieren sie sich so für die unzähligen Jobs, die derzeit in der IT-Branche unbesetzt sind.

Integration zwischen Projekt-Treffen und Co-Creating-Spaces

Um die Newcomer mit der Digital- und Start-up-Szene vertraut zu machen, organisiert die ReDI School regelmäßig Networking-Events und arbeitet mit namhaften Größen der Tech-Branche zusammen. Die öffentliche Vortragsreihe TechTalks wird nicht nur von Flüchtlingen gerne besucht. So läuft Integration quasi nebenbei und wird zur Selbstverständlichkeit. Sämtliche Co-Creating-Spaces in Berlin und München befinden sich an Orten, an denen Vertreter der Tech-Szene ein- und ausgehen. Unter anderem stellen Google, Microsoft und das Start-up-Förderprogramm Plug’n Play Accelerator der Axel Springer SE Arbeitsplätze zur Verfügung.

Der Zuspruch aus Wirtschaft und Politik ist dabei enorm. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg waren schon zu Besuch. Für den Erfolg des Konzepts spricht aber auch der berufliche Werdegang der Absolventen. Fast die Hälfte der ehemaligen SchülerInnen hat bereits einen Praktikums- oder festen Arbeitsplatz. Jeder Zehnte wagt den Schritt in die Selbstständigkeit und gründet ein eigenes Tech-Start-up. Die Absolventen sind in einem Alumni-Netzwerk organisiert und unterrichten später oft selbst als ehrenamtliche Dozenten an die Programmierschule.

Brauchen wir mehr Angebote wie die ReDI School? Schreib uns, was Du von der Idee hältst, Geflüchtete durch Coding-Skills in die Berufswelt und Gesellschaft zu integrieren!  

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