Chatting: Wie sich unsere Sprache im Internet verändert

Smartphone und Like Icon
Junge vor Weihnachtsbaum

Chatting: Wie sich unsere Sprache im Internet verändert

In unserer Kategorie Digital Parenting beschäftigten wir uns bereits mit digitalen Missverständnissen innerhalb von Familien. Auch das Thema Sprache im Internet wurde öfter angerissen. Nun wollen wir näher darauf eingehen. Gemeinsam mit dem Sprachwissenschaftler Prof. Anatol Stefanowitsch beschäftigten wir uns mit der Veränderung unserer Sprache durch das Internet.

Prof. Anatol Stefanowitsch lehrt als Sprachwissenschaftler in Berlin und ist nebenbei Blogger. Er gehört noch der Generation an, die ohne Internet aufgewachsen ist und zählt somit nicht zu den Digital Natives. Dadurch existierten in seiner Jugend noch keine digitalen Missverständnisse zwischen Eltern und ihren Kindern. Mittlerweile ist er Sprachwissenschaftler und kennt sich in der digitalen Sprachkultur sehr gut aus. Der perfekte Experte für uns.

Dank WhatsApp der nächste Goethe

Die Veränderung der Sprache im Internet sieht er positiv. Da das Internet in erster Linie ein schriftliches Medium ist, bewegen sich heutzutage viel mehr Digital Natives im Bereich der Schriftsprache. Natürlich verändert sich dadurch auch die Sprachkultur. E-Mails werden deutlich informeller und kürzer, da sie eher an Messenger-Texte angelehnt sind. Emojis ersetzen nebensprachliche Gefühlsausdrücke wie Mimik, Gestik und Tonfall. Und auch alle Regeln der Grammatik werden im Netz aufgehoben. Für Anatol Stefanowitsch liegt das jedoch an der Spontanität und Schnelligkeit, mit der wir im Netz kommunizieren, nicht an fehlenden Rechtschreib- und Grammatikkenntnissen der Digital Natives.

Eine Studie aus dem SMS-Zeitalter belegte: Jugendliche, die viel simsen, sind in längeren Texten wie Aufsätzen sprachlich produktiver und kreativer.

Sprache im Internet: Ohne Gestik und Mimik fehlt etwas.

Sprache im Internet: Ohne Gestik und Mimik fehlt etwas.

Digital Natives vs. Digital Immigrants

Vergleicht man die Kommunikation im Netz zwischen Eltern und Kindern, erkennt man deutliche Unterschiede. Als Digital Natives sind die meisten Kinder mit dem Internet aufgewachsen. Dadurch haben sie einen viel direkteren, intensiveren und intuitiveren Umgang mit der Online-Kommunikation als ihre Eltern. Die Grenzen zwischen dem Austausch außerhalb und innerhalb des Internets verschwimmen, da sie quasi den ganzen Tag online sind. Zudem kreieren Digital Natives auch online ihre eigene Jugendsprache, so wie sie es auch außerhalb des Netzes schon immer getan haben. Der Großteil der Eltern hingegen besteht aus Digital Immigrants. Sie sind ohne Internet aufgewachsen und erst nach und nach damit in Berührung gekommen. Daher nutzen sie es situationsbedingt und viel gezielter.

Doch nicht nur durch unterschiedliche Arten zu schreiben, kommt es zu Missverständnissen. Da wir keine Gestik und Mimik ausdrücken können, wird es für unseren Chatpartner oft schwer, unsere Stimmung zu erfassen.

Ich herz dich…

Teilweise können Emojis, welche sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt haben, da helfen. Andererseits kreieren sie auch neue Probleme. In unterschiedlichen Ländern und Kulturen haben viele Emojis beispielsweise eine andere Bedeutung. Andere Emojis gelten als Geheimcode oder haben eine Doppeldeutigkeit, die nicht alle Altersgruppen verstehen. Trotzdem erleichtern sie unsere Kommunikation enorm. Auch wenn es darum geht, unsere Gefühle auszudrücken, ist es leichter, sich mit Emojis heranzutasten als sie auszusprechen. Das machen übrigens die Digital Immigrants genauso gerne wie die Digital Natives. Nach wie vor sind aber auch beide in der Lage ohne Herzchen-Symbole zu kommunizieren.

Insgesamt wird seit der Erfindung von sozialen Netzwerken und Messengern zunehmend mehr kommuniziert. Vor allem weil es schneller ist, als einen Brief zu schreiben, und einfacher ist, weil man sich nicht mehr ein Telefon mit der ganzen Familie teilen muss.

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