Künstliche Intelligenz für Senioren und Menschen mit Behinderung

Künstliche Intelligenz für Senioren und Menschen mit Behinderung

Senioren und Menschen mit Behinderung fällt es oft schwer, ihren Alltag allein zu bewältigen. Ganz alltägliche Dinge wie das Einnehmen von Tabletten oder Zähneputzen können zu großen Herausforderungen werden. Künstliche Intelligenz kann Senioren und Menschen mit Behinderung dabei helfen, ihren Alltag autonom zu gestalten. Wir stellen Dir die aktuell vielversprechendsten smarten Technologien für hilfsbedürftige Menschen vor.

Junge Menschen integrieren smarte Anwendungen wie Sprachassistenten oder Apps, die bei der Organisation helfen, bereits häufig in ihren Alltag. Aber gerade für ältere Menschen bieten diese Technologien viele Chancen und Möglichkeiten auf ein selbstständiges Leben. Sie schaffen neue Möglichkeiten der Selbstbestimmung, Selbsthilfe und Selbstständigkeit oder unterstützen im Alltag, indem sie helfen kognitive und körperliche Einschränkungen zu überwinden.

Billie, der smarte Senioren-Sekretär

Dass nützliche Innovationen nicht unbedingt aus dem kalifornischen Silicon Valley stammen müssen, zeigt das Projekt Kompass des Teams Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) an der Universität Bielefeld in Kooperation mit den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Das Projekt will viele Funktionen in einer künstlichen Intelligenz bündeln, so dass diese sich an möglichst viele unterschiedliche Menschen und ihre individuellen Bedürfnisse anpassen kann.

Die Forscher haben einen Avatar, genannt Billie, entwickelt, der in einem extra dafür gebauten Sekretär erscheint oder in einen Monitor eingespeist werden kann. Billie kann Termine und Einkäufe planen, die Senioren an die täglichen Medikamente erinnern oder ihnen sagen, dass sie sich mal wieder bei Familie und Freunden melden sollten. Er ist also ein virtueller Mitbewohner, der den Alltag regeln und dabei zu einer Art Ansprechpartner werden kann. Erste Versuche haben gezeigt, dass ältere Menschen sich schnell an die KI gewöhnen und sogar eine persönliche Beziehung zu ihr aufbauen. So kommen Senioren nicht nur einfacher durch den Alltag.

Taped hilft beim Zähneputzen

Eine weitere Erfindung des Citec und den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die vor allem Patienten mit kognitiven Einschränkungen unterstützen soll, ist der intelligente Waschtisch „Taped“ (Task Assistance for Persons with Cognitive Disabilities, deutsch: Assistenz-Technologie im Alltag für Menschen mit kognitiven Behinderungen). Dieser beobachtet durch Kameras und Sensoren das Zahnputz-Verhalten und gibt akustische und visuelle Hinweise, wenn die Zahnbürste beispielsweise ohne Zahnpasta zum Mund geführt wird.

KI-Brillen bringen Durchblick

Ein weiteres Projekt der Bielefelder Forscher ist eine intelligente Brille für Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten. Sie soll beispielsweise in der Küche erkennen, was der Träger gerade kocht und welche Arbeitsschritte er dabei macht. Vergisst er etwas, wie zum Beispiel den Herd auszustellen, kann die smarte Brille ihn daran erinnern. Aber auch komplexere Aufgaben, wie das Bauen eines Vogelhauses sollen die Menschen mit Hilfe der Brille lernen können.

GigaCube

Smartphone-App als Sehhilfe

Für Sehbehinderte gibt es eine Smartphone-App von Microsoft, die ihnen im Alltag weiterhelfen kann. Seeing AI macht sich eine künstliche Intelligenz zunutze, um die Außenwelt in Worte zu fassen. Mit der Kamera kann der Nutzer die Umgebung scannen und erklärt bekommen, was er vor sich hat. Die KI liest Texte vor – ob handschriftlich oder getippt –  sie erkennt Farben, Lichtverhältnisse, Gegenstände und Menschen. Wird ein Selfie mit der App gemacht wird, gibt es neben dem Foto eine Beschreibung des Gesichtes und welche Emotion die KI in ihren Ausdruck  interpretiert. Auf Wunsch kann der Nutzer bestimmte Menschen in der App speichern, die diese dann später wiedererkennt. Die Sprachausgabe ist derzeit nur auf Englisch, also für deutsche Texte eher ungeeignet. Für Sehbehinderte, die des Englischen mächtig sind, kann diese App aber jetzt schon eine Bereicherung sein. Seeing AI gibt es bereits kostenlos für Windows und iOS, eine Android Version ist in Arbeit.

Fotografie trotz motorischer Einschränkungen

Es gibt eine Reihe von Krankheiten und Syndromen, bei denen die Betroffenen ihre Hände nicht mehr richtig stillhalten können. Das ist besonders bei der Bedienung von Smartphones und anderer Gadgets ein Hindernis. Aber auch hier können künstliche Intelligenzen im wahrsten Sinne des Wortes Hilfestellungen liefern. Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei hat eine Kamerasoftware entwickelt, die selbst starke Verwacklungen bei der Fotografie ausgleicht. Diese Technologie macht es sogar für Parkinson-Patienten möglich, auf Foto-Safari zu gehen. Der von der Nervenkrankheit betroffene Wildnis-Fotograf David Plummer nutzt beispielsweise das Huawei P20 Pro mit Leica Dual-Kamera und KI-Unterstützung, um beeindruckende Schnappschüsse in der Natur zu machen.

KI für ein selbstbestimmtes Leben

Die Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenzen im Bereich der Pflege und Unterstützung eingeschränkter Menschen sind also fast grenzenlos. Die intelligenten Anwendungen helfen sowohl Betroffenen mit Schwierigkeiten im alltäglichen Leben als auch denen, die aufgrund einer Einschränkung ihrer Leidenschaft eigentlich nicht mehr nachgehen könnten. Und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. Wie wird die Zukunft erst aussehen?

Hast Du schon Erfahrungen im Umgang mit künstlichen Intelligenzen und behinderten Menschen gemacht? Welche Entwicklungen sind für Dich besonders spannend? Schreib uns Deine Meinung in die Kommentare!

Titelfoto: Citec/Universität Bielefeld

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