“El Camino: Ein ‚Breaking Bad‘-Film“ in der featured-Filmkritik

“El Camino: Ein ‚Breaking Bad‘-Film“ in der featured-Filmkritik

Knapp sechs Jahre nach dem Ende von Breaking Bad wird Jesse Pinkman zum Protagonisten seines eigenen Spin-Offs. Und dieses setzt unmittelbar nach dem Serienfinale an. Ob und wie der Solo-Film funktioniert, erfährst Du in der featured-Filmkritik zu El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film.

Bisher bei Breaking Bad: Um seine Familie finanziell abzusichern, beginnt der Chemielehrer Walter White unter der Tarnidentität Heisenberg damit, Drogen herzustellen und zu verkaufen. Sein hitzköpfiger Ex-Schüler Jesse Pinkman hilft ihm dabei. Nach dem Aufbau und Fall des gemeinsamen Crystal-Meth-Imperiums, landet Jesse in Gefangenschaft. Walter White kann ihn befreien, bleibt selbst dabei jedoch auf der Strecke. Jetzt ist Jesse auf der Flucht… Wir verraten Dir, was Du von El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film erwarten kannst.

El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film: Das ist die Story

Jesse Pinkman (Aaron Paul) flieht im El Camino, dem Wagen des psychopathischen Antagonisten Todd Alquist (Jesse Plemons), vom Gelände der Arischen Bruderschaft. Ab jetzt steht er auf der Fahndungsliste ganz oben und selbst seine Eltern empfehlen ihm sich zu stellen. Sein Ziel ist es, einfach neu anzufangen. Ein Neustart kostet allerdings Geld. Viel Geld. Und während seiner Suche holen ihn die Dämonen seiner Vergangenheit wieder ein.

In Flashbacks kehrt El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film zu verschiedenen Momenten der Serie zurück und interpretiert einige Schlüsselszenen neu. Zum Beispiel die Frage, woher Jesse in Staffel 5 die Idee hatte, im Zweifelsfall nach Alaska auszuwandern.

Serien-Spin-Offs, oder: Was nach der Geschichte kommt

Die Entscheidung für einen Spielfilm nach der Serie ist beileibe nicht ungewöhnlich: Aktuell sind laut Quotenmeter Spin-Off-Filme zu Erfolgsserien wie The Walking Dead und Game of Thrones geplant.

Die Gründe für das Spin-Off von „Breaking Bad“ sind relativ simpel: Dem Branchenmagazin Hollywood Reporter erzählte „Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan, dass er seit den Dreharbeiten zur letzten Staffel Breaking Bad darüber nachdachte, wie es wohl mit Jesse weiterginge.

Als findiger Fernsehfuchs könnte man jetzt antworten, dass Vince Gilligan Breaking Bad seinerzeit ja selbstständig beendete, um zu verhindern, „dass das Publikum beginnt, sich zu langweilen“ – zumindest verkündete er es so über Branchenportale wie Digital Spy. Und fernab der Frage, wann Gilligan nun was warum erzählt hat, fragen wir uns, ob es aus künstlerischer Sicht wirklich nötig ist, Fragen zu beantworten, die vielleicht gar keine waren. Schon bei Solo: A Star Wars Story wurde sich an Selbstverständlichkeiten abgearbeitet, die uns dann die Erklärung bescherten, dass Han Solo „Solo“ heißt, weil er allein reist. Toll. Bei El Camino bekommen wir dafür gleich zu Beginn erklärt, warum Jesse während der fünften Staffel Alaska als Ort für einen Neuanfang im Kopf hat. Das ist hübsch gefilmt und ist für Fans zweifelsfrei ein netter Aha-Moment, aber eben auch ein konstruierter. Flickwerk für Stoff, der nicht kaputt war.

Neo-Noir-Western mit Aaron Paul in Höchstform

Zwei Männer stehen sich gegenüber. Detailaufnahme: Augen. Beide haben die Finger an der Pistole. SCHUSS. SCHUSS. Ja, schon Breaking Bad mit seinen endlos langen Sequenzen in der Wüstenlandschaft New Mexicos und der testosterongeschwängerten Atmosphäre zwischen Drogen, Schnaps und Waffengewalt, war über weite Strecken ein Neo-Western. El Camino fügt sich diesbezüglich gut ein.

Vom quirligen Jesse Pinkman, der jede Aussage mit einem „Bitch!“ unterstreicht, um sein Straßengangster-Image aufzupolieren, ist nichts mehr geblieben. Und so belanglos die Geschichte im Gesamtkontext von Breaking Bad auch sein mag, so unfassbar gut und intensiv spielt Aaron Paul seinen Jesse Pinkman. Jedes Zusammenzucken lässt Dich mitzucken und jeder Blick verkauft glaubwürdig, dass eine geschundene Seele nach Erlösung und Ruhe sucht. Da ist es fast schon schade, dass diese Performance nicht im Rahmen einer Story verwendet wurde, die mehr tut als jene Löcher zu stopfen, die sie selbst überhaupt erst aufreißt.

Nettes Serienplus mit erzwungenem Mehrwert

El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film ist ein spannend inszeniertes Krimidrama mit der Attitüde verschiedener Genres; beispielsweise Neo-Western oder auch Neo-Noir. Dass die Geschichte dabei durch Flashbacks andauernd um den heißen Brei kreiselt, macht sie für Nichtkenner der Serie zu einem wenig unterhaltsamen Film – oder sagen wir weniger unterhaltsam. Denn die gut aufgelegten Haupt- und Nebendarsteller lohnen allemal. Am Ende wäre El Camino vielleicht als Zweiteiler oder Mini-Staffel sechs besser aufgehoben gewesen.

Ein featured-Filmtipp – für Kenner und Liebhaber von Breaking Bad.

 

El Camino: Ein „Breaking Bad“-Film

OT: El Camino: A Breaking Bad Movie

Genre:                      Krimi / Drama

Bundesstart:           11.10.2019 // Netflix

Laufzeit:                  122 Minuten

FSK:                         Ab 16 Jahren

Regie:                      Vince Gilligan

Drehbuch:               Vince Gilligan

Welcher Charakter aus Breaking Bad hätte ein eigenes Spin-Off verdient? Wir freuen uns auf Deine Ideen und Anregungen in den Kommentaren.

Titelbild: Netflix

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