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5G: Die Weichen richtig stellen. Jetzt.

Derzeit wird Deutschlands digitale Zukunft diskutiert. In den Medien wie hinter den Kulissen. Grund ist der Entwurf der Bundesnetzagentur zur 5G Auktion, mit dem die Weichen für das Netz der nächsten Generation gestellt werden sollen. Fest steht: Deutschland muss ein Leitmarkt für 5G werden. Dafür muss aber die Einigung jetzt schnell kommen und sie muss für alle finanziell wie technisch machbar sein. Wenn die Politik diese Entscheidung jetzt aufschiebt, wenn sie die Weichen zu spät und falsch stellt, dann fährt der 5G-Zug aufs Abstellgleis. Und damit auch Deutschlands Zukunft.

„Deutschland braucht ein erstklassiges 5G-Netz. Und das wollen wir Netzbetreiber bauen.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

Worum im Kern gestritten wird …
Im Kern geht die gesamte Diskussion am Ende um vier Streitpunkte: die so genannte Diensteanbieterverpflichtung, National Roaming, das lokale wie regionale Spektrum genauso wie die Ausbauverpflichtung. Alles sperrige Begriffe, in der Tat. Aber wir müssen uns darüber klar werden, dass, so sperrig sie sind, sie darüber entscheiden, wie gut 5G in Deutschland sein wird.

Alle diese vier Punkte bestimmen wie schnell 5G nach Deutschland kommt. Und wie schnell 5G dann sein wird. Deutschland braucht ein erstklassiges 5G-Netz. Und das wollen wir Netzbetreiber bauen. Wir können es aber nur bauen, wenn wir die Möglichkeit haben, die milliardenschweren 5G-Investitionen wieder zurückzuverdienen. Ansonsten gehen der Branche im Bau womöglich die nötigen Investitionsmittel aus.

Marktvergleich: Ein paar unbequeme Wahrheiten
Schon heute fließt viel Geld aus dem Ausbaumarkt. Weg von den Netzbetreibern hin zu Unternehmen, die deren Netze nur nutzen – und nicht bauen. Sie kassieren, während andere investieren. Und es geht ihnen blendend, wenn man sich ihre Zahlen anschaut: In den letzten drei Jahren ist der stärkste von ihnen fünfzehnmal mehr gewachsen als der stärkste Netzbetreiber. Und hat seinen Gewinn doppelt so stark gesteigert. Zusätzlich bekommt er von jedem ausgegebenen Euro rund fünfmal mehr zurück als jeder Netzbetreiber. Ohne Risiko. Schon heute haben diese Firmen Zugang zu LTE zu kommerziellen Bedingungen. Oder sogar das Recht, ein Mobilfunknetz zu 30 Prozent selbst zu nutzen.

„Übertragen auf den Automarkt: Dann wäre BMW ab morgen staatlich gezwungen, jede neue Motor-Technologie umgehend Lada zur Verfügung zu stellen.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

Diensteanbieterverpflichtung: Zwangszugang als Innovationskiller
Mit der Diensteanbieterverpflichtung oder sogar einer Ausweitung auf eine so genannte MVNO-Verpflichtung wollen sich Firmen, die nicht ausbauen, weiter optimieren und günstigen Zwangszugang zu einem 5G-Netz sichern. Übertragen Sie derlei nur mal auf den Automarkt: Dann wäre BMW ab morgen staatlich gezwungen, jede neue Motor-Technologie umgehend Lada zur Verfügung zu stellen. Wie viel würde BMW dann noch in Forschung und Entwicklung stecken?

Die Bundesnetzagentur hat das in ihrem Entwurf abgelehnt. Gut so! Aber sie hat noch Lücken gelassen, die es zu reparieren gilt. Widersprüchliche Formulierungen müssen beseitigt werden. Es bedarf eines klaren Petitums für kommerzielle Freiheit und gegen einseitige Begünstigungen zu Lasten der Netzbetreiber. Ansonsten können diese Lücken auch die Amazons und Apples dieser Welt auf den Plan rufen, die dann ohne einen Masten zu bauen den Markt auf den Kopf stellen. Dem Netzausbau wäre damit in jedem Fall ein Bärendienst erwiesen.

„Die angedachte goldene Brücke für einen vierten Netzbetreiber ist für Internet-Deutschland eine Sackgasse.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

National Roaming: Partikular-Interessen vor der Zukunft der deutschen Wirtschaft?
Mit dem so genannten National Roaming wollen diese Firmen Zugang zu gleich allen drei Netzen vergünstigt erhalten. Dieser Zwangszugang für Dritte verzerrt den Wettbewerb und entwertet Investitionen. Die angedachte „goldene Brücke“ für einen vierten Netzbetreiber ist für Internet-Deutschland eine Sackgasse. Die Erleichterungen beschränken den Ausbau des vierten auf lukrative Regionen und schließen keinen einzigen weißen Flecken. Im Gegenteil: Sie nehmen uns bundesweiten Netzbetreibern die Mittel, 5G schnell weiter in die Fläche zu treiben.

Ihre National Roaming-Forderung verknüpfen verschiedene Unternehmen derzeit mit dem Versprechen, irgendwann auch selbst zu bauen. Ich glaube daran nicht. Eines davon hätte das seit über drei Jahren mit dem Netz der Telefónica machen können. Fest steht: Es hat bisher keinen einzigen Mast aufgestellt.

„Wo kein Betreiber einen Mast hat, gibt’s auch kein Netz, das man zusammenschließen kann.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

National Roaming schließt keine Funklöcher. Das tun nur Funkmasten
Neben dem bundesweiten National Roaming wird derzeit auch das lokale National Roaming diskutiert, bei dem Netzbetreiber ihre Netze in weißen Flecken zusammenschalten. Ich halte das für einen Irrglauben: Das lokale National Roaming hilft eben nicht, weiße Flecken zu schließen. Da helfen nur Funkmasten. Wo kein Betreiber einen Mast hat, gibt’s auch kein Netz, das man zusammenschließen kann. Die Millionen, die wir dafür in IT stecken müssten, stecken wir lieber in den Netzausbau. Eine andere Frage ist es, Masten gemeinsam zu nutzen, ohne die Netze zusammen zu schalten. Dem verschließen wir uns selbstverständlich nicht.

Bayern hat hier einen guten Weg beschritten, um völlig unrentable Gebiete auszubauen. Sie fördern den Ausbau von Mobilfunkmasten in weißen Flecken, die Netzbetreiber tragen die verbleibenden 20 Prozent des Gesamtinvests. Wo Gemeinden noch Funklöcher haben, können sie so gefördert Standorte zur Verfügung stellen, die die Netzbetreiber dann nutzen können. Das bringt Empfang ins Funkloch und zugleich Mieteinnahmen in die Gemeindekassen. Dieser Ansatz erscheint mir vernünftig.

„Wenn ganze Regionen künftig ihre eigenen 5G Mini-Netze bauen, bauen sie vor allem Antennenwälder.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

Lokales und regionales Spektrum: Antennenwälder und weniger Luft zum Atmen
Spektrum ist für Netzbetreiber wie Luft zum Atmen. Je mehr, desto besser. Aber es wird in der nächsten Mobilfunkgeneration eher weniger: ¼ des 5G Spektrums sollen lokale Firmenstandorte und Regionen zugeteilt bekommen. Für eigene Netze. Damit bekommt jedoch Deutschland zugleich ein langsameres, bundesweites 5G als andere Länder. Das so genannte lokale Spektrum für Firmen ist noch nachvollziehbar. Und wir unterstützen Unternehmen gerne beim Aufbau eigener Campus-Netze, wenn das benötigt wird. Aber wenn ganze Regionen künftig ihre eigenen 5G Mini-Netze bauen, bauen sie vor allem Antennenwälder. Und wir alle bauen uns damit eine 5G-Kleinstaaterei. Ich stehe diesem Flickenteppich kritisch gegenüber. Vor allem, weil er große Gefahren birgt.

Regionales Spektrum: Auktions-Monopoly am Tisch mit private equity?
Denn regionales Spektrum ist – anders als unsere bundesweiten Lizenzen – sehr günstig und ganz ohne große Verpflichtungen außerhalb der Auktion zu erwerben. Wer auf Profit aus ist, macht hier mit. Und sammelt Deutschlands lukrativste Städte. Ohne auch nur einen Euro ins Land zu investieren. Ich nenne das Auktions-Monopoly. Denn das ist so, als ob Ihr Gegenspieler sich Parkstraße und Schlossallee zum Preis der Badstraße kaufen könnte. Das ist nicht nur unfaires Spiel. Gegen so einen können Sie vor allem nie gewinnen. Warum sollten Sie dann investieren?

Bei derlei rufen wir nicht nur private equity auf den Plan, sondern Anbieter wie 1&1, Freenet & Co, die sich dann die reichsten Städte griffen, während die bundesweit tätigen Netzbetreiber die teure Ausbauarbeit auf dem Land übernehmen müssten. Hier brauchen wir unbedingt die explizite Klarstellung der Bundesnetzagentur, dass regionale Frequenzen auch nur für regionale Geschäftsmodelle genutzt werden dürfen und ein Sammeln von Regionen ausgeschlossen ist. Heißt: Es darf hier kein „cherry picking“ von bisherigen MVNOs & Co. geben, die so durch die Hintertür das für sie Beste aus beiden Welten verbinden.

„4G ist in Deutschland noch nicht gut genug. Aber wir arbeiten hart daran, die weißen Flecken zu schließen.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

Ausbauverpflichtung: Eine irrationale Diskussion
Beim Thema Ausbau müssen wir selbstkritisch sagen: 4G ist in Deutschland noch nicht gut genug. Aber wir arbeiten hart daran, schließen die weißen Flecken und verbessern den Empfang, in Stadt und vor allem Land. Zugleich schaffen wir mit jedem neuen 4G-Mast auch eine größere Basis für 5G. Beim gesamten Thema Ausbau erleben wir derzeit eine irrationale Diskussion. Schon der Vorschlag der Bundesnetzagentur geht zu weit und viele Vorstellungen der Politik gehen ins Unermessliche:

Vodafone Management: Dr. Hannes Ametsreiter, CEO Vodafone Deutschland und Mitglied im Executive Committee der Vodafone Group. © Vodafone

Erstens, weil für eine so geforderte Ausbau-Umsetzung der Bundesnetzagentur in der Fläche bis 2022 gar nicht genügend Bau-Ressourcen im Markt zur Verfügung stehen. Eine Verschiebung auf 2025 wäre angezeigt. Zweitens, weil hierfür derzeit die falschen Frequenzen unter den Hammer kommen. Diese sind auf Kapazität ausgelegt, nicht auf Flächenversorgung. Ein Netz mit diesen Frequenzen in die Fläche zu treiben, wie es sich die Politik vorstellt, würde Deutschland einen Mastenwald aus hunderttausenden von Antennen bringen. Drittens würde allein Vodafone ein Netzausbau mit diesen Frequenzen rund 19 Milliarden Euro kosten, was finanziell gar nicht darstellbar ist.

Wir werden Land und Fläche nicht vernachlässigen
Land und Fläche werden wir nicht vernachlässigen. Sie wollen wir sukzessive mit weiteren 5G-Frequenzen adressieren, die günstigere Ausbreitungsbedingungen haben. Die Frequenzen hierfür haben wir zum Teil bereits erworben. Wir werden sie nutzen, wenn wir sie bundesweit einsetzen dürfen. Gut ist, dass die BNetzA klar sagt, dass es rechtliche Grenzen für Ausbauverpflichtungen gibt. Niemandem ist damit gedient, wenn Gerichte die Entscheidung der BNetzA kippen. Hierdurch würde die Einführung von 5G tatsächlich weit zurückgeworfen.

„Schnelle Netze sind unsere Verantwortung für dieses Land.”

Hannes Ametsreiter CEO Vodafone Deutschland

Fazit: Der Leitmarkt 5G braucht ein solides Fundament
Im Papier der Bundesnetzagentur geht manches bereits in die richtige Richtung, einiges ist noch reparaturbedürftig, denn sonst wird es brandgefährlich. Wir wollen, dass Deutschland das bestmögliche 5G-Netz bekommt. Dafür wollen wir Netze bauen, ihre Lücken schließen und sie noch schneller machen. Dazu wollen wir uns gerne auch verpflichten.

Das aber können wir nur, wenn investitionsfreundliche Rahmenbedingungen finden. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Politik und Bundesnetzagentur einen fairen Ansatz finden werden. Einen, der Deutschlands digitale Zukunft baut und gestaltet. Denn genau das möchten wir tun.