Tolkien Filmkritik: Wenig Mittelerde, viel Schmalz

Tolkien – Wenig Mittelerde, viel Schmalz
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Tolkien Filmkritik: Wenig Mittelerde, viel Schmalz

Natürlich kennst Du die „Herr der Ringe“-Filme, aber was weißt Du über den Autor J.R.R. Tolkien? Nun beschäftigt sich ein autobiographischer Film mit Nicholas Hoult als J.R.R. Tolkien mit dem Leben des weltberühmten Schriftstellers. Ob sich der Gang ins Kino lohnt, verraten wir Dir in unserer Kritik

Die Geschichten von J.R.R. Tolkien begeistern schon seit 1937, dem Erscheinungsjahr von „Der Hobbit“, Fantasy-Fans. Spätestens seit der Film-Trilogie zu „Herr der Ringe“ sind Tolkiens Geschichten sogar ein weltweites Phänomen, dem man sich kaum entziehen kann. Nachdem bekannt wurde, dass Amazon Prime nächstes Jahr eine Herr-der-Ringe-Prequel-Serie herausbringen wird, sind viele wieder im Hobbit-Fieber. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, kommt nun ein Film ins Kino, der sich vor allem mit dem Leben und Schaffen des Herr-der-Ringe-Schöpfers beschäftigt. Leider wird der Film allerdings kaum der faszinierenden Geschichte eines interessanten Mannes gerecht.

Der Mann hinter den Geschichten

Schon früh zeichnet sich ab, dass John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult) ein Gefühl für Sprache und Geschichten hat. Er erzählt seinem Bruder fantastische Geschichten, beschäftigt sich im jungen Alter mit der gotischen Sprache und vertieft sein Talent an einer Elite-Schule. Dort trifft er auch die Jungs, die ihn antreiben. Gemeinsam mit Geoffrey (Anthony Boyle), Christopher (Tom Glynn-Carney), Robert (Patrick Gibson) und Sam (Craig Roberts) geht er nicht nur zusammen auf dieselbe Schule und später sogar auf dieselbe Elite-Uni, sondern auch durch dick und dünn. Diese Freundschaft ist es, die J.R.R. Tolkien und seine Geschichten prägen. Kunst, Poesie und vor allem Sprachen sind wichtige Bestandteile der Erzählungen, die wir alle kennen. Aber auch Liebe und Krieg sind Elemente, die ihren Ursprung in Tolkiens Realität haben. Edith (Lily Collins) und J.R.R. verbindet eine ganz besondere Freundschaft, die sich mehr und mehr zu Liebe entwickelt. Doch das ist alles nicht so einfach für den jungen Mann, steht doch der 1. Weltkrieg vor Englands Toren.

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Eigentlich ein ganz normaler Typ?

Wer war dieser Mann, der gigantische und unglaublich detaillierte Welten erschaffen hat, in denen Du Dich mit Bilbo und Frodo Beutlin auf fantastische Reisen begibst? Auf jeden Fall einer, der unter nicht ganz einfachen Umständen erwachsen wurde. Das wird definitiv im Film klar. Klar wird allerdings irgendwann auch, dass J.R.R. zwar ein sprachbegabter, sensibler Mann war, aber eigentlich ziemlich normal, zumindest auf den ersten Blick. Denn blickt man tiefer, entdeckt man schnell, dass viel mehr in ihm steckt. Nämlich ein unglaubliches Talent fürs Geschichtenerzählen und eine blühende Fantasie, die von der Realität inspiriert wird. Doch darauf geht der Film zu wenig ein. Denn, wenn man ehrlich ist, fing Tolkiens dichterische Karriere erst weit nach dem 1. Weltkrieg an und gerade dieser Abschnitt seines Lebens wäre interessant zu sehen gewesen. Aber mitnichten. Viel mehr erlebst Du als Zuschauer Tolkiens Kindheit und Jugend mit, siehst wie er aufwächst, sich verliebt und in den Krieg zieht. Gerade letztere beiden Themen werden deutlich zu stark ausgewälzt. Während allerdings seine persönliche Kriegsgeschichte vor allem als Rahmen dient, nimmt die Liebesgeschichte einen zu wichtigen Platz ein. Die so wichtigen Themen für sein künstlerisches Schaffen kommen maximal als Randnotiz vor.

Weniger Hobbits, mehr Liebesgesülze

Abgesehen von Nicholas Hoults sehr gelungener Leistung als schüchterner und sympathischer J.R.R. Tolkien, wird der Film der Biografie des Schriftstellers nicht gerecht. Zu 0815, zu viel Liebesgeschichte und zu wenig Bezüge zu Mittelerde und Co. lassen jeden Herr-der-Ringe-Liebhaber enttäuscht aus dem Kino schleichen. Nur in manchen Momenten blitzen die heißersehnten Motive auf, die erklären, woher Tolkien seine Inspiration nahm. Dafür dann aber mit dem Holzhammer. Ein wenig mehr Subtilität und dafür der Verzicht auf das Auswalzen der Liebesgeschichte zwischen Edith und J.R.R. hätte dem Film gutgetan. So ist „Tolkien“ nicht viel mehr als eine Liebesgeschichte, mit ein wenig Kriegsdrama am Rande. Das ist schade, denn gerade die Suche nach Motiven in seinen Geschichten ist spannend. Dann doch lieber noch einmal „Herr der Ringe“ oder „Der Hobbit“ angucken. Oder Tolkiens Biografie lesen.

Du bist großer Fan von J.R.R. Tolkien und hast den Film gesehen? Dann verrate uns in den Kommentaren, wie er Dir gefallen hat.

Titelbild: 2019 Twentieth Century Fox

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