Robotik Konferenz ICRA: Trends und Kurioses aus der Welt der Robotik

Robotik Konferenz ICRA: Trends und Kurioses aus der Welt der Robotik

Empathische Fahrzeuge, künstlerisch talentierte Drohnen und „Funktionskleidung“ mit Abwehrmechanismen: Das sind nur einige Ideen und Trends, die sich am Horizont der Robotik-Welt abzeichnen. Bei der International Conference on Robotics and Automation (ICRA) gaben Forscher aus aller Welt einen Eindruck davon, was intelligente, halb- und vollautomatisierte Systeme können. Ein Fingerzeig in die Zukunft? 

Zeiten, in denen Roboter „nur“ monotone Fließbandarbeit in der Industrie und Landwirtschaft ausführen konnten, sind vorbei. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die jüngsten Projekte und Pläne, die vom 20. bis 24. Mai bei der Robotik-Konferenz ICRA in Montreal vorgestellt wurden. Mit etwa 5.000 Teilnehmern zählt die Flaggschiff-Konferenz der IEEE Robotics and Automation Society zu den weltweit größten Fachveranstaltungen im Bereich Robotik und Automatisierung. Hier zeigen Visionäre und Entwickler, worauf wir uns in Zukunft freuen und gefasst machen können.

Mensch-Maschinen-Interaktion: Personality-Training für Roboter

Damit Mensch und Maschine künftig gut miteinander auskommen, muss die Chemie zwischen ihnen stimmen. Welche Persönlichkeit technoide Assistenten dafür mitbringen sollten, untersuchen Forscher der Universität Hamburg. Für ihre Studie, die sie auf der ICRA vorstellten, haben sie dem humanoiden Roboter NICO zwei Charakterprofile einprogrammiert, die er durch Sprache und Gesten ausdrückt. Bei einem eigens entwickelten Würfelspiel wollten sie herausfinden, ob menschliche Probanden lieber mit dem „sozial engagierten“ Typ oder dem wettbewerbsorientierten Zwilling spielen. Dass die umgängliche Variante besser ankam, zeigt, wie wichtig soziale Fähigkeiten von Roboter für die Mensch-Maschinen-Interaktion sind.

Rücksichtsvolle Fahrzeuge mit sozialem Bewusstsein

Soziale Kompetenzen sehen Forscher der Arizona State University nicht nur bei humanoiden Robotern von Vorteil. Sie haben ein Vorhersagemodell entwickelt, das autonomen Fahrzeugen eine Art soziales Bewusstsein geben soll, um den Verkehrsfluss zu optimieren und bei kritischen Manövern für mehr Sicherheit zu sorgen. Die Systeme sollen die Absichten eines anderen Fahrzeugs deuten können und durch ihr Fahrverhalten eigene Intentionen signalisieren. Diese „social gracefulness“ (soziale Anmut), wie es die Forscher nennen, könnte auch für autonome Lieferroboter interessant sein, von denen bereits die ersten Modelle in einigen Metropolen unterwegs sind.

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Kooperative Flugroboter: Schwarmintelligenz aus der Luft

Auch in der Luft firmiert sich eine neue Roboter-Generation. Ihre Zusammenarbeit in Schwärmen sieht der Quadrocopter-Pionier Vijay Kumar von der University of Pennsylvania als einen der großen Trends. Wie grazil das aussehen kann, demonstriert er in einem Video, in dem summenden Mini-Drohnen tänzerische Choreografien darbieten.

Welchen praktischen Nutzen Drohnen-Schwärme haben können, untersuchen Forscher der University of British Colombia und École Polytechnique de Montréal. Ihre Idee: Fliegende Roboter-Einheiten sollen Menschen beim Anziehen helfen. Bis jetzt transportieren ihre kooperativen Quadrocopter allerdings nur Stoffe zum gewünschten Objekt.

Deep Learning für kreative Überflieger

Ein echter Solokünstler ist hingegen der Paintcopter, dem ein Team der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit Disney Research Hub das Malen mit einer Spraydose beibrachte. Das „Kunstwerk“ ist mit einer Pixelgröße von einem Zentimeter nicht besonders hochauflösend, trifft die Konturen der vorgegebenen Motive aber schon ganz gut. Viel schlechter als manche Graffitis an städtischen Hinterhofwänden ist es jedenfalls nicht.

Für das Training der Spray-Drohne nutzten die Schweizer Forscher künstliche Intelligenz in Form von Deep Learning-Algorithmen – neben Maschine Learning eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft der Robotik, die Referenten der ICRA in vielen Vorträgen thematisierten.

Funktionskleidung neu gedacht: Robotik für die Future Fashion

Intelligent, aber auch etwas irritierend ist das Cocktailkleid, das die niederländische Modedesignerin Anouk Wipprecht zur ICRA mitbrachte. Ihr körperbetontes Robo-Dress serviert Cocktails.

Die Fashion-Tech-Pionierin lässt sich bei ihren futuristischen Entwürfen nicht etwa von Science-Fiction-Filmen inspirieren, sondern von der Tierwelt. Prominentestes  Beispiel ist ihr Spider-Dress, dessen sechs bewegliche Stachel-Arme automatisch für einen Sicherheitsabstand sorgen, wenn sich eine fremde Person nähert. Ein anderes Kleid sondert Rauch ab, um die Trägerin zu tarnen – ähnlich wie ein Tintenfisch.

Soft Robotics: Sanfte Assistenten mit vielfältigem Potenzial

Zugegeben, alltagstauglich ist diese Future-Fashion nicht. Generell wächst der Bereich Soft Robotics, bei dem sich Materialien, die Konstruktion und Bewegungen an lebenden Organismen orientieren, aber zu einem Zukunftsfeld mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Durch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit könnten die sanften Roboter Aufgaben im Umgang mit Menschen sicherer ausführen und zum Beispiel im Gesundheitsbereich assistieren.

Zwischen all den spektakulären, teils kuriosen Darbietungen und Präsentationen boten während der fünftägigen Robotik-Konferenz mehr als 1.300 Vorträge Einblicke in unterschiedliche Forschungsfelder. Ob in der Kunst, Mode oder Pflege, im Weltraum, am Arbeitsplatz oder als Mitbewohner: Es scheint kaum noch einen Bereich zu geben, in dem Roboter nicht bald behilflich oder im Einsatz sein könnten.

Was hältst Du von den Robotik-Trends und Technologien der ICRA 2019? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

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