ICRA 2019: Trends und Kurioses von der weltgrößten Robotik-Konferenz
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Funkmast, der mit 5G den Weg ins Gigabit-Zeitalter ermöglicht

Robotik Konferenz ICRA: Trends und Kurioses aus der Welt der Robotik

Empathis­che Fahrzeuge, kün­st­lerisch tal­en­tierte Drohnen und „Funk­tion­sklei­dung“ mit Abwehrmech­a­nis­men: Das sind nur einige Ideen und Trends, die sich am Hor­i­zont der Robotik-Welt abze­ich­nen. Bei der Inter­na­tion­al Con­fer­ence on Robot­ics and Automa­tion (ICRA) gaben Forsch­er aus aller Welt einen Ein­druck davon, was intel­li­gente, halb- und vol­lau­toma­tisierte Sys­teme kön­nen. Ein Fin­gerzeig in die Zukun­ft? 

Zeit­en, in denen Robot­er „nur“ monot­o­ne Fließban­dar­beit in der Indus­trie und Land­wirtschaft aus­führen kon­nten, sind vor­bei. Diesen Ein­druck ver­mit­teln zumin­d­est die jüng­sten Pro­jek­te und Pläne, die vom 20. bis 24. Mai bei der Robotik-Kon­ferenz ICRA in Mon­tre­al vorgestellt wur­den. Mit etwa 5.000 Teil­nehmern zählt die Flag­gschiff-Kon­ferenz der IEEE Robot­ics and Automa­tion Soci­ety zu den weltweit größten Fachver­anstal­tun­gen im Bere­ich Robotik und Automa­tisierung. Hier zeigen Visionäre und Entwick­ler, worauf wir uns in Zukun­ft freuen und gefasst machen kön­nen.

Mensch-Maschinen-Interaktion: Personality-Training für Roboter

Damit Men­sch und Mas­chine kün­ftig gut miteinan­der auskom­men, muss die Chemie zwis­chen ihnen stim­men. Welche Per­sön­lichkeit tech­noide Assis­ten­ten dafür mit­brin­gen soll­ten, unter­suchen Forsch­er der Uni­ver­sität Ham­burg. Für ihre Studie, die sie auf der ICRA vorstell­ten, haben sie dem humanoiden Robot­er NICO zwei Charak­ter­pro­file ein­pro­gram­miert, die er durch Sprache und Gesten aus­drückt. Bei einem eigens entwick­el­ten Wür­fel­spiel woll­ten sie her­aus­find­en, ob men­schliche Proban­den lieber mit dem „sozial engagierten“ Typ oder dem wet­tbe­werb­sori­en­tierten Zwill­ing spie­len. Dass die umgängliche Vari­ante bess­er ankam, zeigt, wie wichtig soziale Fähigkeit­en von Robot­er für die Men­sch-Maschi­nen-Inter­ak­tion sind.

Rücksichtsvolle Fahrzeuge mit sozialem Bewusstsein

Soziale Kom­pe­ten­zen sehen Forsch­er der Ari­zona State Uni­ver­si­ty nicht nur bei humanoiden Robot­ern von Vorteil. Sie haben ein Vorher­sage­mod­ell entwick­elt, das autonomen Fahrzeu­gen eine Art soziales Bewusst­sein geben soll, um den Verkehrs­fluss zu opti­mieren und bei kri­tis­chen Manövern für mehr Sicher­heit zu sor­gen. Die Sys­teme sollen die Absicht­en eines anderen Fahrzeugs deuten kön­nen und durch ihr Fahrver­hal­ten eigene Inten­tio­nen sig­nal­isieren. Diese „social grace­ful­ness“ (soziale Anmut), wie es die Forsch­er nen­nen, kön­nte auch für autonome Lie­fer­ro­bot­er inter­es­sant sein, von denen bere­its die ersten Mod­elle in eini­gen Metropolen unter­wegs sind.

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Kooperative Flugroboter: Schwarmintelligenz aus der Luft

Auch in der Luft fir­miert sich eine neue Robot­er-Gen­er­a­tion. Ihre Zusam­me­nar­beit in Schwär­men sieht der Quadro­copter-Pio­nier Vijay Kumar von der Uni­ver­si­ty of Penn­syl­va­nia als einen der großen Trends. Wie grazil das ausse­hen kann, demon­stri­ert er in einem Video, in dem sum­menden Mini-Drohnen tänz­erische Chore­ografien dar­bi­eten.

Welchen prak­tis­chen Nutzen Drohnen-Schwärme haben kön­nen, unter­suchen Forsch­er der Uni­ver­si­ty of British Colom­bia und École Poly­tech­nique de Mon­tréal. Ihre Idee: Fliegende Robot­er-Ein­heit­en sollen Men­schen beim Anziehen helfen. Bis jet­zt trans­portieren ihre koop­er­a­tiv­en Quadro­copter allerd­ings nur Stoffe zum gewün­scht­en Objekt.

Deep Learning für kreative Überflieger

Ein echter Solokün­stler ist hinge­gen der Paint­copter, dem ein Team der ETH Zürich in Zusam­me­nar­beit mit Dis­ney Research Hub das Malen mit ein­er Spray­dose beibrachte. Das „Kunst­werk“ ist mit ein­er Pix­el­größe von einem Zen­time­ter nicht beson­ders hochau­flösend, trifft die Kon­turen der vorgegebe­nen Motive aber schon ganz gut. Viel schlechter als manche Graf­fi­tis an städtis­chen Hin­ter­hofwän­den ist es jeden­falls nicht.

Für das Train­ing der Spray-Drohne nutzten die Schweiz­er Forsch­er kün­stliche Intel­li­genz in Form von Deep Learn­ing-Algo­rith­men – neben Mas­chine Learn­ing eine Schlüs­sel­tech­nolo­gie für die Zukun­ft der Robotik, die Ref­er­enten der ICRA in vie­len Vorträ­gen the­ma­tisierten.

Funktionskleidung neu gedacht: Robotik für die Future Fashion

Intel­li­gent, aber auch etwas irri­tierend ist das Cock­tailk­leid, das die nieder­ländis­che Mod­edesigner­in Anouk Wip­precht zur ICRA mit­brachte. Ihr kör­per­be­tontes Robo-Dress serviert Cock­tails.

Die Fash­ion-Tech-Pio­nierin lässt sich bei ihren futur­is­tis­chen Entwür­fen nicht etwa von Sci­ence-Fic­tion-Fil­men inspiri­eren, son­dern von der Tier­welt. Promi­nen­testes  Beispiel ist ihr Spi­der-Dress, dessen sechs bewegliche Stachel-Arme automa­tisch für einen Sicher­heitsab­stand sor­gen, wenn sich eine fremde Per­son nähert. Ein anderes Kleid son­dert Rauch ab, um die Trägerin zu tar­nen – ähn­lich wie ein Tin­ten­fisch.

Soft Robotics: Sanfte Assistenten mit vielfältigem Potenzial

Zugegeben, all­t­agstauglich ist diese Future-Fash­ion nicht. Generell wächst der Bere­ich Soft Robot­ics, bei dem sich Mate­ri­alien, die Kon­struk­tion und Bewe­gun­gen an leben­den Organ­is­men ori­en­tieren, aber zu einem Zukun­fts­feld mit vielfälti­gen Anwen­dungsmöglichkeit­en. Durch ihre Flex­i­bil­ität und Anpas­sungs­fähigkeit kön­nten die san­ften Robot­er Auf­gaben im Umgang mit Men­schen sicher­er aus­führen und zum Beispiel im Gesund­heits­bere­ich assistieren.

Zwis­chen all den spek­takulären, teils kuriosen Dar­bi­etun­gen und Präsen­ta­tio­nen boten während der fün­ftägi­gen Robotik-Kon­ferenz mehr als 1.300 Vorträge Ein­blicke in unter­schiedliche Forschungs­felder. Ob in der Kun­st, Mode oder Pflege, im Wel­traum, am Arbeit­splatz oder als Mit­be­wohn­er: Es scheint kaum noch einen Bere­ich zu geben, in dem Robot­er nicht bald behil­flich oder im Ein­satz sein kön­nten.

Was hältst Du von den Robotik-Trends und Tech­nolo­gien der ICRA 2019? Wir freuen uns auf Deinen Kom­men­tar!

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