Loben und loben lassen

Anna Figoluschka
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Loben und loben lassen

Wir machen einen guten Job, aber wenn uns das jemand sagt, können wir oft nicht gut damit umgehen und neigen dazu, das Lob zu relativieren. Und umgekehrt: Wie gut sind wir eigentlich selbst im aufrichtigen Loben?  

„Dass zu wenig gelobt wird, sagen alle Mitarbeiter durch die Bank weg. Sei es vom Chef, von Kollegen oder Kunden. Lob und selbst ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ werden leider viel zu selten verwendet im Umgang miteinander“, sagt Businesscoach und Karriereexperte Jochen Mai. Während junge Unternehmen mit vielen „Goodies“, Unternehmensbeteiligungen und Bonuszahlungen um Mitarbeitende werben und regelmäßige Feedbackgespräche eine Selbstverständlichkeit sind, gilt in konservativeren Strukturen oft noch das Motto: Keine Kritik ist Lob genug. Dabei ist klug formulierte Anerkennung ein mächtiges zwischenmenschliches Motivationsinstrument.

Manipulation in bester Absicht

Aufrichtiges Lob nutzt sich auch nicht ab, ist Jochen Mai überzeugt: „Das merkt man ja auch in der Partnerschaft. Auch wenn der Partner oder die Partnerin einen täglich lobt, hört man das ja trotzdem gerne. Es darf eben nicht ritualisiert rüberkommen. Das gilt auch im Job: Lob muss ehrlich bleiben. Dann bringt es auch was, auch täglich.“ Und natürlich ist Anerkennung der Leistung keine Top-down-Einbahnstraße. Auch der Chef hört natürlich gerne, wenn er etwas gut gemacht hat. Anstatt zu kritisieren, was vielen Chefs immer noch ein Dorn im Auge ist, können Mitarbeitende erwünschtes Verhalten so – mehr oder weniger subtil – verstärken, weiß Jochen Mai aus Erfahrung: „Klar muss man aufpassen, dass man nicht zum Schleimer wird. Aber wenn man es ehrlich formuliert, dann kann ich meinen Chef ja so auch positiv konditionieren. Das nennt man ‚führen von unten‘, und Lob ist ein zentrales Mittel dafür.“

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Dos and Don’ts unterscheiden Lob von Anbiederei

Drei Faktoren spielen bei sinnvollem Lob eine wichtige Rolle: ehrlich, konkret und zeitnah. Das heißt, Lob sollte persönlich formuliert sein und darf gerne emotional werden. Es sollte immer um eine konkrete Sache gehen und zwar so zeitnah wie möglich, nachdem eine Leistung positiv aufgefallen ist, fasst Jochen Mai die Grundregeln zusammen: „Einfach nur zu sagen ‚Sie machen einen guten Job‘ kommt eher ein bisschen billig rüber. Besser ist natürlich so was wie: ‚Als Sie kürzlich im Meeting die Präsentation gehalten und dann Folgendes gesagt haben … DAS hat mir richtig gut gefallen.‘“

„Alles top … ABER …“ Autsch!

Kaum jemand gibt gerne kritisches Feedback. Deswegen neigen viele Chefs dazu, sogenannte Sandwich-Kritik zu üben. Und das geht meist nach hinten los, so Jochen Mai: „Da ist das Lob nur Mittel zum Zweck, weil ich eigentlich kritisieren will, das aber zwischen zweimal Lob packe. Zum Beispiel: ‚Ich fand Ihre Präsentation sehr gut, ABER Sie sollten in Zukunft mehr Vergleichszahlen nennen.‘ Da hört man dann nur noch die Kritik und nimmt das Lob gar nicht mehr wahr.“

#MeToo: Der schmale Pfad zwischen Lob und Kompliment

Die meisten Menschen reagieren verunsichert oder beschämt auf ein Kompliment. Dass Frauen sich generell schwerer damit tun, Lob anzunehmen, kann Jochen Mai aber nicht bestätigen. Leider bekommen Frauen im Job nur deutlich öfter als Männer Dinge zu hören, die mit der Anerkennung ihrer Arbeit nichts zu tun haben: „Das Problem ist, dass Männer dazu neigen, Komplimente zu machen und von der Sachebene in die persönliche Ebene zu gehen. Und dann sind wir im Graubereich, der auch in Richtung sexuelle Belästigung gehen kann. Damit können Frauen natürlich und mit Recht nicht gut umgehen.“ Wenn wir also angeblich „im Meeting eine gute Figur gemacht“ haben, stellen sich uns völlig zu Recht die Nackenhaare auf.

Jochen Mai

Jochen Mai — Bild: Jochen Mai

An dieser Stelle noch ein Hinweis an alle, die trotzdem das Gefühl haben, auch ein aufrichtiges Lob nur schwer auszuhalten und schnell zu relativieren: Streicht sofort alle Sätze wie „Ach, ich hab nur meinen Job gemacht!“ oder „Ohne die Kolleginnen Müller und Meier hätte ich das gar nicht geschafft“ aus Eurem Repertoire. Lieber Kinn hoch und sich einfach mal drüber freuen. Sonst wird es auf Dauer vielleicht gar kein Lob mehr geben. Denn verunsichern will man mit gut gemeintem Schulterklopfen ja auch niemanden.

Und jetzt mit gutem Beispiel voran: „Das hab ich echt gut gemacht!“

Psychologen der Stanford-Universität haben nämlich bereits nachgewiesen: Lob motiviert, und gelobte Mitarbeitende fühlen sich verpflichteter, ein Lob nährt den Enthusiasmus für den Job. UND spornt sogar mehr an als Geld (National Institute for Psychological Science). Eigentlich mehr als genug Gründe, um den Chef nach dem nächsten Meeting mal zu ein bisschen Lob zu motivieren, oder? Wie wäre es, statt gleich den Konferenzraum aufzuräumen, mal mit: „Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit. Es hat Spaß gemacht heute, denn ich habe gemerkt, dass Ihr alle gut zugehört habt. Ich habe mich über die interessierten Zwischenfragen gefreut. Das scheine ich ja alles richtig gut auf den Punkt gebracht zu haben.“ ☺

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