Loben und loben lassen

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Loben und loben lassen

Wir machen einen guten Job, aber wenn uns das jemand sagt, kön­nen wir oft nicht gut damit umge­hen und neigen dazu, das Lob zu rel­a­tivieren. Und umgekehrt: Wie gut sind wir eigentlich selb­st im aufrichti­gen Loben?  

„Dass zu wenig gelobt wird, sagen alle Mitar­beit­er durch die Bank weg. Sei es vom Chef, von Kol­le­gen oder Kun­den. Lob und selb­st ‚Bitte‘ und ‚Danke‘ wer­den lei­der viel zu sel­ten ver­wen­det im Umgang miteinan­der“, sagt Busi­ness­coach und Kar­ri­ere­ex­perte Jochen Mai. Während junge Unternehmen mit vie­len „Good­ies“, Unternehmens­beteili­gun­gen und Bonuszahlun­gen um Mitar­bei­t­ende wer­ben und regelmäßige Feed­back­ge­spräche eine Selb­stver­ständlichkeit sind, gilt in kon­ser­v­a­tiv­eren Struk­turen oft noch das Mot­to: Keine Kri­tik ist Lob genug. Dabei ist klug for­mulierte Anerken­nung ein mächtiges zwis­chen­men­schlich­es Moti­va­tion­sin­stru­ment.

Manipulation in bester Absicht

Aufrichtiges Lob nutzt sich auch nicht ab, ist Jochen Mai überzeugt: „Das merkt man ja auch in der Part­ner­schaft. Auch wenn der Part­ner oder die Part­ner­in einen täglich lobt, hört man das ja trotz­dem gerne. Es darf eben nicht rit­u­al­isiert rüberkom­men. Das gilt auch im Job: Lob muss ehrlich bleiben. Dann bringt es auch was, auch täglich.“ Und natür­lich ist Anerken­nung der Leis­tung keine Top-down-Ein­bahn­straße. Auch der Chef hört natür­lich gerne, wenn er etwas gut gemacht hat. Anstatt zu kri­tisieren, was vie­len Chefs immer noch ein Dorn im Auge ist, kön­nen Mitar­bei­t­ende erwün­scht­es Ver­hal­ten so – mehr oder weniger sub­til – ver­stärken, weiß Jochen Mai aus Erfahrung: „Klar muss man auf­passen, dass man nicht zum Schleimer wird. Aber wenn man es ehrlich for­muliert, dann kann ich meinen Chef ja so auch pos­i­tiv kon­di­tion­ieren. Das nen­nt man ‚führen von unten‘, und Lob ist ein zen­trales Mit­tel dafür.“

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Dos and Don’ts unterscheiden Lob von Anbiederei

Drei Fak­toren spie­len bei sin­nvollem Lob eine wichtige Rolle: ehrlich, konkret und zeit­nah. Das heißt, Lob sollte per­sön­lich for­muliert sein und darf gerne emo­tion­al wer­den. Es sollte immer um eine konkrete Sache gehen und zwar so zeit­nah wie möglich, nach­dem eine Leis­tung pos­i­tiv aufge­fall­en ist, fasst Jochen Mai die Grun­dregeln zusam­men: „Ein­fach nur zu sagen ‚Sie machen einen guten Job‘ kommt eher ein biss­chen bil­lig rüber. Bess­er ist natür­lich so was wie: ‚Als Sie kür­zlich im Meet­ing die Präsen­ta­tion gehal­ten und dann Fol­gen­des gesagt haben … DAS hat mir richtig gut gefall­en.‘“

„Alles top … ABER …“ Autsch!

Kaum jemand gibt gerne kri­tis­ches Feed­back. Deswe­gen neigen viele Chefs dazu, soge­nan­nte Sand­wich-Kri­tik zu üben. Und das geht meist nach hin­ten los, so Jochen Mai: „Da ist das Lob nur Mit­tel zum Zweck, weil ich eigentlich kri­tisieren will, das aber zwis­chen zweimal Lob packe. Zum Beispiel: ‚Ich fand Ihre Präsen­ta­tion sehr gut, ABER Sie soll­ten in Zukun­ft mehr Ver­gle­ich­szahlen nen­nen.‘ Da hört man dann nur noch die Kri­tik und nimmt das Lob gar nicht mehr wahr.“

#MeToo: Der schmale Pfad zwischen Lob und Kompliment

Die meis­ten Men­schen reagieren verun­sichert oder beschämt auf ein Kom­pli­ment. Dass Frauen sich generell schw­er­er damit tun, Lob anzunehmen, kann Jochen Mai aber nicht bestäti­gen. Lei­der bekom­men Frauen im Job nur deut­lich öfter als Män­ner Dinge zu hören, die mit der Anerken­nung ihrer Arbeit nichts zu tun haben: „Das Prob­lem ist, dass Män­ner dazu neigen, Kom­pli­mente zu machen und von der Sachebene in die per­sön­liche Ebene zu gehen. Und dann sind wir im Graubere­ich, der auch in Rich­tung sex­uelle Beläs­ti­gung gehen kann. Damit kön­nen Frauen natür­lich und mit Recht nicht gut umge­hen.“ Wenn wir also ange­blich „im Meet­ing eine gute Fig­ur gemacht“ haben, stellen sich uns völ­lig zu Recht die Nack­en­haare auf.

Jochen Mai

Jochen Mai — Bild: Jochen Mai

An dieser Stelle noch ein Hin­weis an alle, die trotz­dem das Gefühl haben, auch ein aufrichtiges Lob nur schw­er auszuhal­ten und schnell zu rel­a­tivieren: Stre­icht sofort alle Sätze wie „Ach, ich hab nur meinen Job gemacht!“ oder „Ohne die Kol­legin­nen Müller und Meier hätte ich das gar nicht geschafft“ aus Eurem Reper­toire. Lieber Kinn hoch und sich ein­fach mal drüber freuen. Son­st wird es auf Dauer vielle­icht gar kein Lob mehr geben. Denn verun­sich­ern will man mit gut gemein­tem Schul­terk­lopfen ja auch nie­man­den.

Und jetzt mit gutem Beispiel voran: „Das hab ich echt gut gemacht!“

Psy­cholo­gen der Stan­ford-Uni­ver­sität haben näm­lich bere­its nachgewiesen: Lob motiviert, und gelobte Mitar­bei­t­ende fühlen sich verpflichteter, ein Lob nährt den Enthu­si­as­mus für den Job. UND spornt sog­ar mehr an als Geld (Nation­al Insti­tute for Psy­cho­log­i­cal Sci­ence). Eigentlich mehr als genug Gründe, um den Chef nach dem näch­sten Meet­ing mal zu ein biss­chen Lob zu motivieren, oder? Wie wäre es, statt gle­ich den Kon­feren­zraum aufzuräu­men, mal mit: „Vie­len Dank für Eure Aufmerk­samkeit. Es hat Spaß gemacht heute, denn ich habe gemerkt, dass Ihr alle gut zuge­hört habt. Ich habe mich über die inter­essierten Zwis­chen­fra­gen gefreut. Das scheine ich ja alles richtig gut auf den Punkt gebracht zu haben.“ ☺

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