Gefühlssache: Wie viel Emotionen verträgt der Job?

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Anna Figoluschka

Gefühlssache: Wie viel Emotionen verträgt der Job?

Natürlich sind Gefühle wichtige Signale, aber gerade im Job können sie uns auch im Weg stehen: als Unsicherheit zum Beispiel. Wie viel Emotionen sollten wir im Job zulassen? Und welche Strategien gibt es, um Gefühle besser in den Griff zu bekommen? Die Psychologin und Karriereberaterin Dr. Johanna Disselhoff hat sich auf solche Fragen spezialisiert und gibt Tipps

Du machst mich schwach, Du Kloß im Hals

Gefühle im Job sind für viele Menschen ein schwieriges Thema. Aber warum eigentlich? Es ist doch schließlich nur menschlich, auch mal schlecht drauf zu sein oder vor etwas Angst zu haben. Das sieht auch Johanna Disselhoff so. Aus der Arbeit mit ihren Klientinnen weiß sie aber auch: „Wenn wir im Job mit bestimmten Gefühlen konfrontiert sind, wie beispielsweise Wut oder Angst, dann haben wir schnell den Eindruck, dass diese Gefühle uns im Weg stehen. Wir wollen ja seriös und belastbar wirken und keine Schwäche zeigen. Wenn uns vor Vorgesetzten die Tränen laufen, fühlen wir uns peinlich berührt und schämen uns dafür.“

Gefühle sind ein Wegweiser

Aber wir alle sind ja auch mal überfordert, und dafür sind Gefühle ein guter Wegweiser. Die „Botschaft“ hinter einem Gefühl zu verstehen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen kann laut Johanna Disselhoff extrem hilfreich sein. Es gibt allerdings auch ein paar Tricks, um nicht völlig überwältigt zu werden von seinen eigenen Gefühlen: „Einerseits kann man üben, sich auf bestimmte Dinge zu fokussieren, um gar nicht erst in einen Gefühlsausbruch hineinzugeraten. Andererseits kann man daran arbeiten, Situationen anders zu bewerten, um gar nicht erst wütend oder ängstlich zu reagieren.“ Ein wichtiges Handwerkszeug ist außerdem, an seinem Auftreten und der Kommunikation zu arbeiten, um sicherer zu werden.

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Tränen lügen nicht

Aber manchmal passiert es eben doch: Wir fühlen uns unter Druck gesetzt, oder ein Kommentar macht uns so wütend, dass uns die Tränen in die Augen schießen. Für viele der zwischenmenschliche Super-GAU. Aber selbst dann gibt es noch Rettung, so Johanna Disselhoff: „Einfach die Situation kurz verlassen: Wenn ich merke, dass ich zu aufgeregt werde und mir die Tränen kommen, gehe ich unter einem Vorwand kurz aus dem Raum und atme ein paarmal tief durch. Falls das nicht geht, gibt es noch einen Trick: Ich lenke mich ab. Zum Beispiel, indem ich mich ganz stark auf die eigenen Füße fokussiere und darauf, wie sie den Boden berühren. Dadurch flacht die Emotion meistens schnell ab, und man kann sich wieder voll konzentrieren.“

Klischee hin oder her: Boys don’t cry

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber meistens passiert es eher Frauen, dass sie im Job die Kontrolle über ihre Gefühle verlieren. Männer sind es gewohnt, ein Pokerface aufzusetzen, erklärt Johanna: „Männer werden dann eher wütend. Und während ein Wutausbruch als durchsetzungsstark gewertet wird, wird der Tränenausbruch schnell als Zeichen für mangelnde Belastbarkeit gesehen.“ Ob das gut oder schlecht oder gerecht ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber weil es der Karriere meistens nicht besonders förderlich ist, trainiert Johanna mit ihren Klientinnen, souveräner aufzutreten und gerade die Tränenausbrüche im Job zu vermeiden.

Gefühle haben Schweigepflicht?

Es geht natürlich nicht generell darum, seine Gefühle zu unterdrücken, sondern vielmehr darum, sie zu verstehen. Um das langfristig in den Griff zu bekommen, empfiehlt Johanna Disselhoff, sich eher mehr mit ihnen zu beschäftigen als weniger. Eine Art „Gefühlstagebuch“ kann dabei helfen, sich mehrmals am Tag zu fragen, wie man sich gerade fühlt und warum. Und vor allem: Sobald die Laune sinkt, schreibt man auf, was genau dazu geführt hat – um zu verstehen, welche Situationen einen besonders herausfordern, und konkrete Strategien dafür zu erarbeiten. Das Ziel dabei ist aber nicht, wie eine Maschine „zu funktionieren“, sondern eher die großen Gefühlsausbrüche zu vermeiden. Zumindest, wenn sie einem wirklich unangenehm sind.

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