Bühne frei für Frauen: Eine Plattform für Expertinnen will mehr Frauen aufs Podium bringen
International Womens Day
Noemi Ristau und Paula Brenzel in Skianzug

Bühne frei für Frauen: Eine Plattform für Expertinnen will mehr Frauen aufs Podium bringen

„Sor­ry, für das The­ma haben wir lei­der keine Frau gefun­den“ – diesen Satz woll­ten die Grün­derin­nen von speakerinnen.org nie mehr hören. Sie waren davon überzeugt, dass es sehr viel mehr kom­pe­tente Frauen gibt, als man derzeit auf Büh­nen und in Talkrun­den sehen kann. Auf ihrer Plat­tform kann man Red­ner­in­nen find­en oder die eige­nen Dien­ste als Speak­erin anbi­eten. Zu über 7.000 The­men kön­nen die Exper­tin­nen auf der Web­seite ihr Wis­sen teilen.

Lernprojekt und Ehrenamt. Noch.

Die Grün­derin­nen haben speakerinnen.org anfangs als Lern­pro­jekt betra­chtet. Mit­grün­derin Maren Heltsche erzählt: „Ich war in ein­er Gruppe von Entwick­lerin­nen, und wir waren ger­ade dabei, Pro­gram­mieren zu ler­nen. Dann sind wir über die Idee gestolpert. Wir haben eine Lern­gruppe gegrün­det und mit speakerinnen.org ein Pro­jekt gefun­den, mit dem wir ler­nen und gle­ichzeit­ig etwas Sinns­tif­ten­des schaf­fen kon­nten.“ Bis heute arbeit­et das Team ehre­namtlich. Der Ein­trag für Exper­tin­nen auf der Plat­tform und auch die Suche für Organ­isatorin­nen und Organ­isatoren von Ver­anstal­tun­gen sind kosten­frei. Das ist ungewöhn­lich – und irgend­wie auch typ­isch, dass es nur so geht. Maren Heltsche betont deswe­gen den poli­tis­chen Wun­sch: „Wir wollen ja, dass mehr Frauen auf die Büh­nen kom­men. Men­schen kön­nen dort suchen, und Men­schen kön­nen sich dort als Exper­tin­nen ein­tra­gen. Und wir wollen das nicht mon­e­tarisieren, weil wir da keine Hürde auf­bauen wollen.“ Über die Web­site emp­fan­gen sie immer­hin auch Spenden. Und über­legen auf­grund der steigen­den Nach­frage, ob es nicht doch sin­nvoll wäre, eine Gebühr zu ver­lan­gen.

Female Empowerment – ein Anfang

Die Gründe dafür, warum Frauen auf Podi­en unter­repräsen­tiert sind, sind vielschichtig. Die ver­meintlich „rel­e­van­ten“ Stim­men, die CEOs erfol­gre­ich­er Unternehmen, die Pro­fes­soren oder Vor­standsmit­glieder in Deutsch­land sind eben größ­ten­teils Män­ner. Und die üblichen Experten sind ein eingeschworen­er Zirkel: In den Talk­shows und auf den Podi­en sitzen oft diesel­ben Men­schen, erk­lärt Maren Heltsche: „Und da stoßen wir dann auch schnell auf ein größeres gesellschaftlich­es Prob­lem. Näm­lich dass Frauen, die ohne­hin einen großen Teil der Care-Arbeit zu tra­gen haben, oft zusät­zlich zum Job, dann noch auf irgendwelchen Büh­nen auftreten sollen, das passt irgend­wie ein­fach nicht zusam­men. Die Frauen kön­nen sich diesen Teil zeitlich nicht leis­ten.“

Übung macht die Meisterin

Hinzu kommt: Weil Frauen immer noch sel­ten auf Büh­nen ste­hen und sprechen, trauen sie sich das oft nicht zu. Nur wer regelmäßig spricht, wird sou­verän­er. Maren Heltsche betont, dass man natür­lich nicht gle­ich vor 1000 Men­schen auftreten muss. Auch da hil­ft das Speak­erin­nen-Net­zw­erk: „Man muss ja bei den meis­ten Din­gen erst mal klein anfan­gen. Die wenig­sten Leute sind geborene ‚Büh­nen­rowdies’. Man muss sich da hineinar­beit­en und vielle­icht erst mal vor ein­er kleineren Gruppe sprechen. Und dann kann man das irgend­wann auch vor ein­er größeren Gruppe machen.“

Maren Heltsche von Speakerinnen

Maren Heltsche von Speak­erin­nen — Bild: Rieka Anscheit

Diversität auch bei der Themenauswahl

Lei­der wer­den Frauen haupt­säch­lich noch zu klas­sis­chen „Frauen­the­men“ gebucht: Work-Life-Bal­ance, Fam­i­lien­the­men, Päd­a­gogik. Auch hier trägt speakerinnen.org dazu bei, dass sich das ändert: „Wir kön­nen zwar nicht track­en, zu welchen The­men Frauen gebucht wer­den, aber wir sehen natür­lich, nach welchen The­men gesucht wird. Und das ist ein bre­ites Spek­trum. Die The­men, zu denen die Frauen auf unser­er Plat­tform sprechen kön­nen, sind wirk­lich total divers. Das sind poli­tis­che The­men, das sind wirtschaftliche The­men, das ist Mar­ket­ing, das ist Tech – die Leute sind in den unter­schiedlich­sten Bere­ichen unter­wegs.“

Keine Ausreden mehr: Frauen haben etwas zu sagen

Ein The­ma ernst zu nehmen heißt auch: alle Posi­tio­nen dazu abzu­bilden. Frauen und Mäd­chen brauchen mehr Vor­bilder. Und brauchen die Gewis­sheit, dass ihre Sicht auf die Dinge rel­e­vant ist. www.speakerinnen.org trägt dazu bei, dass lahme Ausre­den à la „Wir haben lei­der keine Frau zu dem The­ma gefun­den“ nicht mehr gel­ten.

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