Smartphones Xperia 1 IV und iPhone 13 Pro Max von vorne und hinten nebeneinander vor rotem Hintergrund
Frau mit gelbem Pullover hält iPad Pro 2021 im herbstlichen Park
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Wenn das Smartphone zum Pinsel wird

Die 275 Meter lange Net­zskulp­tur der Amerikaner­in Janet Echel­man schwebt wie tanzen­des Polar­licht im Him­mel. Nachts wird das Gebilde in far­biges Licht einge­taucht. Dann kön­nen Besuch­er auf der zarten Lein­wand ihre Spuren hin­ter­lassen. Das machen sie mith­il­fe ein­er App auf ihren Smart­phones. Ermöglicht wurde das durch den Datenkün­stler Aaron Koblin.

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Der 33-jährige preis­gekrönte Amerikan­er ist Art-Direc­tor für Datenkun­st im Google Cre­ative Lab. Er und die 49-jährige Kün­st­lerin Echel­man begeg­neten sich auf der TED (Tech­nol­o­gy, Enter­tain­ment, Design)-Konferenz 2011. Auf den ersten Blick hät­ten die bei­den Kün­stler unter­schiedlich­er nicht sein kön­nen. Koblin arbeit­et mit Unmen­gen von Dat­en und macht sie sicht­bar. So hat er zum Beispiel 2009 die Flu­grouten von zehn­tausenden Flü­gen in „Flight pat­terns“ über Nor­dameri­ka mit far­bigen Lin­ien dargestellt. Ein feines, pulsieren­des Netz ent­stand. In „Visu­al­iz­ing Ams­ter­dam SMS Mes­sages“ sieht der Betra­chter die SMS-Nachricht­en, die sich die Bewohn­er von Ams­ter­dam am Neu­jahrstag schick­en, als drei­di­men­sion­ale bunte Säulen auss­chla­gen. „Dat­en kön­nen uns men­schlich­er machen“, sagt Koblin über sein Ver­hält­nis zur dig­i­tal­en Welt.

Echel­man dage­gen kreiert Skulp­turen aus Fis­ch­er­net­zen. Schwebende Gigan­ten, die unsicht­baren Raum sicht­bar machen. Nachts, wenn die Net­ze durch Far­ben sicht­bar und damit zu sphärischen Kör­pern wer­den, die lebendig erscheinen. „Ich erschaffe Skulp­turen, die mir das Gefühl von Schutz geben, gle­ichzeit­ig mich aber mit dem end­losen Him­mel verbinden“, beschreibt Echel­man ihre Arbeit.

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Echel­mann stellte fest, dass ihre Skulp­turen in der Ver­gan­gen­heit beson­ders auf Men­schen wirk­ten. „Es entste­ht ein sozialer Raum, der von ein­er besinnlichen und ruhi­gen Atmo­sphäre geprägt ist. Men­schen, die sich nicht ken­nen, fan­gen miteinan­der zu reden an, über das, was sie ger­ade erleben“, erzählt Echel­man.

Dieser soziale Raum führte die bei­den Kün­stler zusam­men. Echel­man erschafft ihn, Koblin macht ihn sicht­bar. Bei­de Kün­stler blieben nach der Kon­ferenz miteinan­der in Kon­takt. Als Echel­man die Möglichkeit hat­te, eine Net­zskulp­tur für die TED-Kon­ferenz im März 2014 zu entwer­fen, kon­tak­tierte sie Koblin, „weil er per­fekt für dieses Pro­jekt war.“ „Unnum­bered Sparks“, sagt die Kün­st­lerin, „ist eine Weit­er­en­twick­lung mein­er Arbeit. Die Besuch­er kön­nen unmit­tel­bar das bee­in­flussen, was sie dort ger­ade sehen“, sagt Echel­man über die Inter­ak­tion bei „Unnum­bered Sparks“.

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Echel­mans Skulp­tur wird zur Lein­wand für den Datenkün­stler Koblin. „Wir tra­gen alle Geräte mit uns in der Hosen­tasche rum, die es uns ermöglichen, mit Men­schen über­all auf der Welt in Verbindung zu treten“, sagt Koblin. Er kreierte eine App, mit der sich Hun­derte gle­ichzeit­ig auf ihren Smart­phones ein­loggen kön­nen. Alle Dat­en wer­den direkt auf Google Chrome einge­spielt, auf einem Serv­er gebün­delt und auf eine weit­ere Google Chrome-Instanz weit­ergeleit­et, wo die Dat­en grafisch in Echtzeit geren­dert wer­den. Auf der Skulp­tur sehen die Benutzer dann sofort, was sie auf der App gemacht haben.

Im Nachthim­mel von Van­cou­ver funkelt das zarte Gebilde. Der Wind spielt mit dem Him­mel­skör­p­er, gibt ihr immer wieder neue For­men. . „Ich hätte nie gedacht, dass ich auf diese Art mal mein Handy benutzen werde, sagt eine Besucherin, „es heute hier getan zu haben, das ist unglaublich.“

Fotos: Ema Peter

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