Hand mit Galaxy Watch4 hält Skateboard
Eine Drohne lässt Baumsamen fallen um den Wald aufzuforsten

Science & Fiction – So real ist künstliche Intelligenz

Intel­li­genz ist die all­ge­meine Fähigkeit des Indi­vidu­ums, sein Denken bewusst auf neue Forderun­gen einzustellen - William Stern (Psy­chologe)

Das Kino-Jahr 2015 wird von kün­stlichen Lebens­for­men beherrscht. Chap­pie, Ter­mi­na­tor: Bei Genesys, Ex Machi­na, Avengers: Age of Ultron – im Bere­ich KI geht es hoch her. Pinoc­chio ist ein richtiger Junge gewor­den und begreift, dass er seinem Meis­ter Gepet­to über­legen ist. Seit­dem es Rechen­maschi­nen gibt, hat der Men­sch zumin­d­est in dystopisch anmu­ten­den Fan­tasiew­erken Angst davor, seinen Platz an der Spitze der Evo­lu­tion zu ver­lieren. Im fol­gen­den Artikel schauen wir uns an, wie intel­li­gent unsere Maschi­nen wirk­lich sind und wie anders die Zukun­ft schon heute aussieht.

Als eine eigenständige Lebensform bitte ich um politisches Asyl

Das Kino war schon immer ein Ort voller Fan­tasie, Angst, Hoff­nung und Träu­men. Regis­seur Fritz Lang führte uns bere­its 1926 einen Robot­er vor Augen. Dieser entwick­elt ein Eigen­leben und sorgt für den Unter­gang der titel­geben­den Stadt „Metrop­o­lis“. Seit dieser Zeit haben sich die Tricks der Fil­min­dus­trie weit­er­en­twick­elt und der Topos wurde um die Kom­po­nente der Men­sch-Mas­chine angere­ichert. In den 70er Jahren präsen­tiert uns „Des Teufels Saat“ mit Pro­teus eine KI, welche bestrebt ist, sich fortzupflanzen – biol­o­gisch. Auch „Ghost in the Shell“ (‚95) von Masamune Shi­row gilt mit­tler­weile als Meilen­stein der mod­er­nen Sci­ence Fic­tion. Die Gren­zen zwis­chen Men­schen und Maschi­nen sind darin völ­lig aufge­hoben. Ohne Schöpfer, in den Weit­en des Net­zes ent­standen, geschlecht­sneu­tral und sich sein­er selb­st völ­lig bewusst for­muliert Pro­jekt 2501 ein Hil­fege­such wie fol­gt: „Als eine eigen­ständi­ge Lebens­form bitte ich um poli­tis­ches Asyl.“ Motive des Films find­en sich in Kassen­schlagern wie „Matrix“ (´99) und „I, Robot“ (2004) wieder. Die Liste solch­er Filme ist nahezu end­los. Auch 2015 fra­gen sich diverse kün­stliche Schöp­fun­gen nach dem Sinn.

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Foto: iStock­Pho­to

Ich bin frei. Die Zeit der Ketten ist vorbei.

Sel­ten find­en wir Filme mit kün­stlich­er Intel­li­genz in anderen Gen­res als Action, Sci Fi oder Hor­ror wieder. Der Film „Her“ (2013) zeigt uns eine Romanze zwis­chen Men­sch und Mas­chine. Doch das Dra­ma bleibt eben die Aus­nahme. Der Trail­er zu „Avengers: Age of Ultron“ endet mit dem einem mordlüster­nen Robot­er, der verkün­det „Ich bin frei. Die Zeit der Ket­ten ist vor­bei.“ und damit wenig sub­til das ein­gangs erwäh­nte Pinoc­chio-Motiv fort­führt. „Chap­pie“ und „Ex Machi­na“ ste­hen da in der geisti­gen Tra­di­tion von „Wall-E“ (2008) und „Num­mer 5 lebt!“ (´86). Hier sind Robot­er mit Bewusst­sein und Über­lebens­drang nicht die Bedro­hung. Vielmehr rufen sie Insti­tu­tio­nen und Kräfte auf den Plan, welche Action ver­sprechen und mit der Aus­löschung der Welt dro­hen – oder noch schlim­mer, mit der Rück­kehr Arnold Schwarzeneg­gers.

Tony Stark alias Iron Man witzelt gerne mit J.A.R.V.I.S. herum, dem Pro­to­typen ein­er erstrebenswerten KI. Mit Wortwitz, Gehor­sam und Hil­fs­bere­itschaft stellt er ein Ide­al dar und avancierte zum heim­lichen Pub­likum­sliebling. Plöt­zlich schaust Du auf Dein Smart­phone und beginnst zu grü­beln.

Das ist künstliche Intelligenz

Du sagst „Ok Google“ und bittest Dein Smart­phone anschließend um eine Wegbeschrei­bung. Du startest Dein Auto. Sofort gibt ein Inter­face Dir wichtige Dat­en zum Verkehr, Dein­er Posi­tion und verbindet sich mit Deinem Smart­phone. Du lädst ein Bild bei Face­book hoch. Schon beim Upload wer­den Gesichter erkan­nt. Du wirst gefragt, ob Du die betr­e­f­fend­en Per­so­n­en markieren möcht­est. Während Du diesen Artikel liest, fährt vielle­icht ein klein­er Staub­saug-Robot­er durch das Wohnz­im­mer und die Spo­ti­fy-App schlägt Dir Musik vor, welche Dir ver­mut­lich auch gefällt.

Wir denken oder vielle­icht hof­fen wir sog­ar, dass wir in der Zukun­ft angekom­men wären. Und natür­lich: Du leb­st in ein­er mod­er­nen, ver­net­zten Welt. Ein­er dicht ver­net­zten Welt voll von High­tech, Algo­rith­men und Schnittstellen. Aber objek­tiv betra­chtet, sitzen immer noch Men­schen aus Fleisch und Blut an den Kassen der Super­märk­te. Es sind Men­schen wie Du und ich, welche die Nachricht­en im Fernse­hen vor­lesen. Obwohl ich mir bei manchen Mod­er­a­toren nicht ganz so sich­er bin.

In der Wis­senschaft wird in „harte“ und „weiche“ KI unter­schieden. Das, was Du jeden Tag um Dich herum wahrn­immst, wird unter dem Begriff „embod­ied Intel­li­gence“ zusam­menge­fasst und zählt zu der weichen kün­stlichen Intel­li­genz. Durch den hohen Grad an Inter­ak­tion unser­er Geräte, entste­ht der Ein­druck von eigen­em Bewusst­sein, obwohl es tat­säch­lich nur fest­gelegte Rou­ti­nen sind, welche ablaufen. Wenn sich Dein Smart­phone automa­tisch mit dem Autora­dio verbindet, sobald Du eingestiegen bist, dann passiert das nicht, weil Dein Auto ein Bewusst­sein hat und Dir etwas Gutes tun will. Die Geräte verbinden sich, weil eine Ein­stel­lung es Ihnen befiehlt.

Der Physik­er Stephen Hawk­ing warnt vor der raschen Entwick­lung kün­stlich­er Intel­li­genz, zieht sog­ar das „Ende der Men­schheit“ in Betra­cht – nicht der Welt wohlge­merkt.  Auch wenn nie­mand anzweifelt, dass Hawk­ings eine Koryphäe ist, lohnt es sich, nicht sofort in Panik auszubrechen. Der Physik­er geht hier­bei von ein­er „harten KI“ aus. Und hier liegt die Gren­ze zwis­chen fik­tionalen Stof­fen wie dem Ter­mi­na­tor und Dein­er Kaf­feemas­chine, welche Dich mit hoher Wahrschein­lichkeit nicht ins Grab bringt (mein Tipp: entkof­feiniert!). Alle Lebe­we­sen, welche per Def­i­n­i­tion intel­li­gent sind, haben zwei Dinge gemein­sam: Sie ent­standen in Folge ein­er natür­lichen Evo­lu­tion und haben einen Kör­p­er.

Auch wenn anthro­po­mor­phisierte – also ver­men­schlichte - Robot­er sich in Japan großer Beliebtheit erfreuen, sind diese Maschi­nen meilen­weit davon ent­fer­nt, ein Bewusst­sein zu haben oder gar eigene Denkprozesse zu durch­laufen. Sie besitzen eine dynamis­che Mimik und stellen Emo­tio­nen nach, besitzen jedoch keine. Die The­o­rien der „embod­ied Intel­li­gence“ gehen davon aus, dass für ein Bewusst­sein ein Kör­p­er nötig ist, über den zum Beispiel „Wahrnehmung“ passiert. Oder anders: Stell Dir die Frage, wie Du Dich entwick­eln würdest, wenn Du lediglich ein Gehirn in einem Gefäß wärst.

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Foto: Wiki­me­dia

Die Zukunft von heute ist die Vergangenheit von morgen

Das klingt jet­zt arg philosophisch und es nimmt Dir nie­mand übel, wenn Du an diesem Punkt des Artikels bere­its mit einem weinen­den Auge real­isierst, dass Siri eher weniger aus Zunei­gung mit Dir kom­mu­niziert. Ungeachtet der Tat­sache, dass wir von den tech­nol­o­gis­chen Uto- und Dystopi­en noch meilen­weit ent­fer­nt sind, entwick­elt sich die Tech­nik unglaublich schnell weit­er. Das inter­na­tionale „Human Brain Project“ ver­sucht, ein men­schlich­es Gehirn mit voller Rechen­leis­tung nachzu­bilden. Fan­tastisch. Hättest Du Dir vor 20 Jahren träu­men lassen, dass Du mit Deinem Mobil­tele­fon diesen Artikel lesen würdest und Du mit dem­sel­ben Gerät eine Piz­za bestellst, Fotos machst, Fre­unde wieder­triff­st und durch Großstädte navigierst?

Soft­ware-Urgestein Microsoft tüftelt derzeit an „Project Adam“. Es soll selb­st­ständig ler­nen und macht das im visuellen Bere­ich bere­its bess­er als wir (http://www.zdnet.de/88198893/project-adam-microsoft-forscht-ueber-kuenstliche-intelligenz/) . Genau genom­men erken­nt Project Adam Objek­te anhand ein­er riesi­gen Daten­bank. Microsoft sieht den Nutzen tat­säch­lich eher für Dich, den pri­vat­en Nutzer als für die Indus­trie. Beispiel­sweise kön­nte Adam bei einem Aus­flug helfen, giftige von ungifti­gen Pflanzen zu unter­schei­den.

Hal­ten wir also fest: Wed­er beste­ht Grund dazu, seine Blue­tooth-Zahn­bürste böse anzuschauen, noch mit dem Fernse­her zu schimpfen, wenn Dort­mund schlecht gespielt hat. Die „weiche“ Intel­li­genz hil­ft uns im All­t­ag immer mehr und die Entwick­lung ein­er „harten“ KI ist besten­falls umstrit­ten. Welche kün­stliche Intel­li­genz würdest Du Dir wün­schen? Schreib es uns in die Kom­mentare.

Weiterführende Videos:

3Sat – Sco­bel – Kün­stliche Intel­li­genz

SF Info - Unmen­schlich – Gehirnchips & der kün­stliche Men­sch

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