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Interview mit Dirk Elsner von blicklog: „Bisher bin ich beim Thema mobiles Bezahlen eher frustriert“

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Für die Themenwoche habe ich mit Wirtschaftsblogger Dirk Elsner von Blicklog über die Rolle von Telekommunikationsunternehmen und Banken im Mobile-Payment-Bereich, über zukünftige Herausforderungen und seine persönlichen Erfahrungen mit dem mobilen Bezahlen gesprochen.

Christian: In 2012 hast du in einem sehr lesenswerten Beitrag auf deinem Blog Blicklog geschrieben, dass die Telekommunikationsunternehmen das Spielfeld „mobiles Bezahlen“ dominieren. Siehst du das heute noch genauso?

Dirk Elsner

Dirk: Ja, das würde ich auch heute so sagen. Dazu gehören neben den Telekommunikationsunternehmen aber eben auch IT-Unternehmen, wie Paypal, Google oder Amazon. In diesen Branchen finden sich die Innovationstreiber, da wird viel ausprobiert. Außerdem sind viele Startups mit pfiffigen Ideen unterwegs.

Und warum sind es nicht die Banken, das würde doch eigentlich naheliegen?

Da gibt es die eine oder andere Bank, die das Thema mobiles Bezahlen unterstützt. In Norddeutschland haben die Sparkassen mit Girogo gestartet und weiten das Angebot mittlerweile auf andere Ballungsgebiete aus. Mein Eindruck ist allerdings, dass die Banken hier lediglich auf Entwicklungen reagieren statt den Mut zu fassen, das Feld wirklich mal neu aufzurollen.

Haben die Banken das Thema „mobile“ vielleicht unterschätzt?

Sie haben nicht nur das „mobiles Bezahlen“, sondern den ganzen Bereich „next generation finance“ unterschätzt. Ich sehe nur ganz wenige Banken, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, wie die Zukunft des Bankings aussieht. Dass Teile der Geschäfte mobil sein werden, liegt ja auf der Hand. Aber mir fehlen hier die Ideen der Banken. Wahrscheinlich erkennen sie einfach keine Geschäftsmodelle dahinter. Zudem müssen sie sich auf regulatorische Anforderungen konzentrieren. Im Zahlungsverkehr ist dies derzeit vor allem die SEPA-Umstellung. Das kann man natürlich auch als Innovation verstehen, aber die kommt ja auch nicht von den Banken, sondern hat die EU verordnet. Und leider nutzen die Banken SEPA kaum, um daraus zusätzliche Leistungen zu entwickeln. Dabei bietet ein einheitlicher europäischer Zahlungsprozess doch echtes Potential.

Nutzt du denn selbst schon das mobile Bezahlen?

Ganz ehrlich: Insgesamt bin ich bei dem Thema bisher eher frustriert. Das Verhältnis zwischen der Zahl der Ankündigungen und dem, was dann wirklich umgesetzt wird, ist traurig. Ich habe seit fast vier Jahren ein NFC fähiges Smartphone und konnte es nicht einmal einsetzen, außer für die Bezahlung via PayPal.

Woran liegt das?

Das Problem ist doch, dass es trotz der Ankündigungen außer Piloten kaum Akzeptanzstellen zum mobilen Bezahlen gibt. Schaut man sich an, was Vodafone zusammen mit Safaricom mit M-Pesa in Afrika gemacht hat, dann sieht man, was möglich ist. M-Pesa ist ein guter Beweis, dass die Leute mobil bezahlen, wenn es einfach und schnell geht. Und um M-Pesa herum entstehen weitere Finanzdienstleistungen, wie Anlage- und Kreditangebote. Das liegt natürlich auch an der schlechten Versorgung mit Bankstellen in Afrika. Aber gerade dadurch ist eine spannende Infrastruktur drum herum entstanden. Davon sind wir in Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt.

Was in Afrika per SMS funktioniert, nämlich Geld per Handy überweisen, das funktioniert auch über SmartPass: Einfach und unkompliziert Geld auf andere Smartphones überweisen.

Ich werde mir die Wallet runterladen. Schließlich bin ich auch neugierig, was ihr da genau macht. Aber wenn ich das richtig verstehe, muss mein Gegenüber ebenfalls SmartPass nutzen, damit ich Geld überweisen kann. Der echte Mehrwert entsteht doch erst, wenn ich aus SmartPass heraus Geld auf Konten oder andere Wallets überweisen kann, die nichts mit Vodafone oder Visa zu tun haben. Das ist mein Hauptkritikpunkt: Im Moment gibt es so viele gute Ideen. Aber: Die verschiedenen Angebote müssen einen übergreifenden Standard schaffen. Ob das nun Vodafone ist oder Google mit seiner Wallet – meiner Meinung kocht derzeit jeder sein eigenes Süppchen.

Immerhin rollen wir die Wallet international in verschiedenen Landesgesellschaften aus, du kannst also zumindest deinen Freunden im Ausland Geld überweisen. Und vielleicht eignet sich das Smartphone ja besonders gut für eine Diskussion über die Standardisierung, schließlich hat heutzutage fast jeder eins in der Tasche, genau wie eine Geldbörse.

Ich denke, daran wird mittelfristig kein Weg vorbeiführen: Entweder setzt sich einer der großen Player durch – vielleicht sind es die Kreditkartengesellschaften, vielleicht Paypal, vielleicht Telekommunikationsunternehmen – oder die Player überlegen sich einen gemeinsamen Standard. Spätestens dann wird Banken das Lächeln über die neuen Angebote vergehen. Sie etablieren immerhin ja mit SEPA einen europäischen Zahlungsverkehrsstandard, der zwar unhandlich wirkt, aber dennoch viele Vorteile für das internationale Geschäft bringt

Wir werden sehen, wer sich durchsetzen wird. Ich danke dir für das Gespräch.

Foto: Sebastian Berger, Stuttgart

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