Progressive Web Apps: Infos vom Google Chrome Dev Summit 2018

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Datum 04.12.2018
Lesezeit 5 Min.

Progressive Web Apps: Infos vom Google Chrome Dev Summit 2018

Auf dem Chrome Dev Summit 2018 am 12. und 13. November 2018 in San Francisco, USA hat Google eine ganze Reihe an Neuerungen vorgestellt. Mit dabei: noch mehr Funktionen für die sogenannten Progressive Web Apps sowie erweiterte Anforderungen seitens der Suchmaschine an eine optimale Nutzererfahrung im Web – mit möglichen Auswirkungen auf das Google-Ranking für bestehende Websites.

Am 17. Oktober 2018 hat Google seinem Chrome-Browser die Version 70 spendiert. Mit an Bord: eine standardmäßige Unterstützung von Progressive Web Apps auch für den Desktop, die die Grenzen zwischen Betriebssystemfunktionen und Webseitenanzeige immer weiter verschwimmen lässt. Doch auch die Arten der Nutzerführung auf mobilen Endgeräten und auf dem klassischen Desktop nähern sich immer mehr an. Sowohl für Anwender als auch für Entwickler bringen diese weitgehend plattformunabhängigen Funktionen jede Menge neue Möglichkeiten mit sich. Ein optimales Nutzererlebnis steht dabei auch weiterhin im Vordergrund.

 

Progressive Web Apps: Moderne Webanwendungen sind die Zukunft

Google Drive, Fotos, Gmail und Co.: Fast alle Dienste des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers laufen inzwischen direkt im Browser und nicht als App zur Installation. Auch im mobilen Betriebssystem Android starten viele der installierten Anwendungen letztlich nur den Chrome-Browser und rufen dort Websites mit einer bestimmten Google-Funktion auf.

Während Browser früher vorwiegend zur Anzeige von HTML-Seiten dienten, bieten die sogenannten Web Apps schon jetzt deutlich mehr Funktionen – einschließlich Datenbankintegration und Dateizugriff auf das lokale Betriebssystem. Mit den kürzlich vorgestellten Progressive Web Apps will Google diese Möglichkeiten noch weiter ausbauen und sich dabei nicht auf den hauseigenen Browser Chrome beschränken – obwohl dessen Marktanteil weltweit inzwischen bei fast 70 Prozent liegt.

 

Web Share Target: Das Teilen von Inhalten wird noch leichter

Eine weitere spannende Neuerung betrifft das Teilen von Inhalten: Durch stärkere Integration in Betriebssystemfunktionen sollen Nutzer demnächst in der Lage sein, Inhalte beispielsweise vom Smartphone auch mit Web-Apps zu teilen. Bislang ist dies nur für sogenannte Stand-alone-Apps vorgesehen, die vom Nutzer installiert wurden (wie beispielsweise WhatsApp oder Slack). Durch das Teilen mit einer Web-App werden die entsprechenden Inhalte direkt im Web verarbeitet und dort beispielsweise in ein Formular oder ein geöffnetes Dokument eingefügt.

 

Video: YouTube / Google Chrome Developers

 

Wake Lock: Auch Web-Apps können die Aktivierung des Schlafmodus verhindern

Wenn Sie bislang (insbesondere auf Ihrem Smartphone) längere Zeit auf einer Website inaktiv waren, konnte es passieren, dass sich der Bildschirm des Gerätes automatisch ausgeschaltet hat. Mit dem sogenannten Wake Lock soll das verhindert werden. Die Website kann also über eine API-Funktion verhindern, dass das betreffende Gerät während der Nutzung in den Standby-Modus wechselt.

 

WebHID: Demnächst auch Zugriff auf Peripheriegeräte

Mit WebHID sollen Websites vor allem auf Windows-PCs demnächst nicht nur mit der eingebauten Festplatte, sondern auch mit angeschlossenen Peripheriegeräten kommunizieren können. Dies betrifft vor allem Geräte, die via USB oder Bluetooth mit dem PC verbunden sind. „HID” steht hierbei für „Human Interface Device” – was darauf hindeutet, dass vor allem externe Tastaturen, Controller und andere Eingabegeräte gemeint sind.

 

Writable File API: Lokaler Dateizugriff nicht mehr über Umwege

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass immer, wenn Sie Dateien zu einer Website hochladen oder von dieser herunterladen wollen, ein Dialog erscheint, der letztlich auf Betriebssystemfunktionen wie etwa dem Explorer (Windows) oder dem Finder (macOS) basiert. Mit der Writable File API sollen Websites künftig in die Lage versetzt werden, auf das lokale Dateisystem direkt zugreifen zu können. Der Auswahldialog wäre somit Teil der Website und könnte optisch an diese angepasst werden. Es ist zu vermuten, dass diese Funktion zunächst einmalig vom Benutzer erlaubt werden muss – dann aber bis zur Verweigerung dieser Rechte gilt.

 

Video: YouTube / Kyle Robinson Young

 

Firefox, Safari und Co.: Auch andere Browser sollen von den Möglichkeiten profitieren

Über die letzten Jahre hinweg hat der Chrome-Browser mit etwa 70 Prozent Marktanteil fast schon eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Mit etwa elf Prozent kommt Mozillas Firefox auf den zweiten Rang, während nur noch 6,5 Prozent aller Nutzer mit dem Microsoft Internet Explorer und ebenfalls knapp sechs Prozent via Apples Safari-Browser ins Internet gehen. Auch diese Zielgruppen will Google mit Progressive Web Apps versorgen und steht dafür bereits in direkten Gesprächen mit den Herstellern der entsprechenden Browser.

 

Außerdem im Fokus: Ladezeiten im Web und auf Mobilgeräten

Eine weitere Neuerung dürfte vor allem für Webseitenbetreiber mit Interesse an einem hohen Google-Ranking relevant sein. So berücksichtigt Google neben Faktoren wie Lesbarkeit, Seitenaufbau und Responsiveness (also der optimalen Darstellung auf verschiedenen Geräten) demnächst noch stärker die Ladezeiten der Seite. Prüfen Sie regelmäßig, ob sich ein Update oder Wechsel des verwendeten Content Management Systems (CMS) lohnt; veraltete Software-Versionen können für lange Ladezeiten sorgen. Vermeiden Sie es möglichst, sehr aufwändige Skripts in Ihre Seite einzubauen, und skalieren Sie Ihr Bildmaterial so, dass die Seite auch unterwegs schnell lädt – ohne dass die Anwender sichtbare Einbußen in der Qualität hinnehmen müssen.

 

Weitere spannende Themen des Chrome Dev Summit 2018

Auf dem Chrome Dev Summit wurden noch weitere Themen diskutiert und vorgestellt. Die meisten von ihnen betreffen vor allem die Ladezeiten von Webseiten und die Nutzerführung auf verschiedenen Geräten. Vieles ist vor allem für Entwickler interessant, aber wer als Webseiten-Betreiber schon mal von diesen Dingen gehört hat, kann sich mit den Experten leichter austauschen:

  • Darstellungsoptimierung schon während des Ladens: Apps sollen künftig schon während des Ladevorgangs weitgehend nutzbar sein. Aus diesem Grund lädt Chrome nun noch mehr Daten im Hintergrund vor, bevor diese zur Anzeige kommen.
  • Web Packaging: Mit dem Web-Packaging-Tool können Sie die Ladezeiten von AMP-Seiten noch weiter verbessern. Diese sogenannten Accelerated Mobile Pages basieren auf einem HTML-Derivat, das für mobile Endgeräte entwickelt wurde und besonders schnelle Ladezeiten ermöglicht.
  • web.dev-Portal: Das web.dev-Portal bietet praktische Anleitungen und Tipps für Webentwickler. Hier erfahren Sie nicht nur Best Practices für gutes Webdesign, sondern können auch Ihre eigene Website auf Schwachstellen testen lassen.
  • Project Visbug: Diese Browsererweiterung für Chrome bietet die Möglichkeit, Websites mithilfe eines Point-and-Click-Interfaces zu erzeugen. Gerade für Einsteiger mit begrenzten HTML-Kenntnissen könnte das Tool interessant sein.
  • Portals: Mit Portals soll die Nutzerinteraktion mit umfangreichen Webseiten verbessert werden. Inhalte werden durch simples Antippen verfügbar gemacht und in andere Seiten eingebettet. Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Anfangsphase.
  • Verbesserte Unterstützung für Entwickler: Neben einem Fonds, der Entwickler, die an performancerelevanten Features arbeiten, unterstützen soll, will Google die angebotenen APIs ausbauen und besser dokumentieren, um häufige Fallstricke bei der Programmierung zu vermeiden.

Da inzwischen fast zwei Drittel des gesamten Web-Traffics über mobile Geräte läuft, dürfte der „Mobile First”-Ansatz von Google kaum verwundern – doch längst nicht alle Webseiten laufen derzeit auf allen Geräten aus Nutzersicht optimal.

 

Zusammenfassung

  • Jedes Jahr präsentiert Google auf dem Chrome Dev Summit Neuerungen rund um den hauseigenen Chrome-Browser.
  • Dieses Jahr standen Progressive Web Apps im Vordergrund, die für eine stärkere Verzahnung zwischen Websites und Betriebssystemen sorgen sollen.
  • Demnächst sollen Web Apps nicht nur die Aktivierung des Standby-Modus von Geräten verhindern können, sondern auch auf deren Peripherie via USB und Bluetooth zugreifen.
  • Außerdem wird Google demnächst noch mehr Wert auf schnelle Ladezeiten von Webseiten auf allen Geräten legen.

 

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