Progressive Web Apps: Der Browser wird zur responsiven App-Plattform

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Datum 04.02.2018
Lesezeit 4 Min.

Progressive Web Apps: Der Browser wird zur responsiven App-Plattform

Website-Anwendung oder native App? Diese Frage könnte sich schon bald nicht mehr stellen. Mit Progressive Web Apps verschwimmt die Grenze zwischen Browser und Betriebssystem zusehends. Dabei werden die Vorteile responsiver Gestaltung von Websites mit der engen Betriebssystem-Verzahnung bei einer App kombiniert. Als Programmiersprachen kommen HTML5, CSS3 und JavaScript zum Einsatz, die nach und nach entsprechend erweitert werden.

Seit der Version 70 hat der Chrome-Browser von Google eine standardmäßige Unterstützung von Progressive Web Apps auch für Desktop-Anwendungen an Bord. Sie lassen die Grenzen zwischen Betriebssystemfunktionen und Webseitenanzeige immer weiter verschwimmen. Doch auch die Art der Nutzerführung auf mobilen Endgeräten gleicht sich immer mehr den Gewohnheiten von stationären Rechnern an. Auf dem Chrome Dev Summit 2018 am 12. und 13. November 2018 in San Francisco, USA hat Google eine ganze Reihe an Neuerungen vorgestellt. Mit dabei: noch mehr Funktionen für die sogenannten Progressive Web Apps sowie erweiterte Anforderungen seitens der Suchmaschine an eine optimale Nutzererfahrung im Web. Wir haben für Sie eine Übersicht zusammengestellt.

 

Progressive Web Apps: Die Grenzen zwischen Browser und Betriebssystem verschwinden zusehends

Google Drive, Fotos, Gmail und Co.: Fast alle Dienste des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers laufen inzwischen direkt im Browser und nicht als App zur Installation. Auch im mobilen Betriebssystem Android starten viele der installierten Anwendungen letztlich nur den Chrome-Browser und rufen dort Websites mit einer bestimmten Google-Funktion auf.

Während Browser früher vorwiegend zur Anzeige von HTML-Seiten dienten, bieten die sogenannten Web Apps schon jetzt deutlich mehr Funktionen – einschließlich Datenbankintegration und Dateizugriff auf das lokale Betriebssystem. Mit den kürzlich vorgestellten Progressive Web Apps will Google diese Möglichkeiten noch weiter ausbauen und sich dabei nicht auf den hauseigenen Browser Chrome beschränken – obwohl dessen Marktanteil weltweit inzwischen bei fast 70 Prozent liegt.

 

Web Share Target: Das Teilen von Inhalten wird noch leichter

Eine spannende Neuerung seit dem Chrome Dev Summit 2018 betrifft das Teilen von Inhalten: Durch stärkere Integration in Betriebssystemfunktionen sollen Nutzer demnächst in der Lage sein, Inhalte beispielsweise vom Smartphone auch mit Web-Apps zu teilen. Bislang ist dies nur für sogenannte Stand-alone-Apps vorgesehen, die vom Nutzer installiert wurden (wie beispielsweise WhatsApp oder Slack). Durch das Teilen mit einer Web-App werden die entsprechenden Inhalte direkt im Web verarbeitet und dort beispielsweise in ein Formular oder ein geöffnetes Dokument eingefügt.

 

Video: YouTube / Google Chrome Developers

 

Wake Lock: Auch Web-Apps können die Aktivierung des Schlafmodus verhindern

Wenn Sie bislang (insbesondere auf Ihrem Smartphone) längere Zeit auf einer Website inaktiv waren, konnte es passieren, dass sich der Bildschirm des Gerätes automatisch ausgeschaltet hat. Mit dem sogenannten Wake Lock soll das verhindert werden. Die Website kann also über eine API-Funktion verhindern, dass das betreffende Gerät während der Nutzung in den Standby-Modus wechselt.

 

WebHID: Demnächst auch Zugriff auf Peripheriegeräte

Mit WebHID sollen Websites vor allem auf Windows-PCs demnächst nicht nur mit der eingebauten Festplatte, sondern auch mit angeschlossenen Peripheriegeräten kommunizieren können. Dies betrifft vor allem Geräte, die via USB oder Bluetooth mit dem PC verbunden sind. „HID” steht hierbei für „Human Interface Device” – was darauf hindeutet, dass vor allem externe Tastaturen, Controller und andere Eingabegeräte gemeint sind.

 

Writable File API: Lokaler Dateizugriff nicht mehr über Umwege

Vielleicht ist Ihnen schon aufgefallen, dass immer, wenn Sie Dateien zu einer Website hochladen oder von dieser herunterladen wollen, ein Dialog erscheint, der letztlich auf Betriebssystemfunktionen wie etwa dem Explorer (Windows) oder dem Finder (macOS) basiert. Mit der Writable File API sollen Websites künftig in die Lage versetzt werden, auf das lokale Dateisystem direkt zugreifen zu können. Der Auswahldialog wäre somit Teil der Website und könnte optisch an diese angepasst werden. Es ist zu vermuten, dass diese Funktion zunächst einmalig vom Benutzer erlaubt werden muss – dann aber bis zur Verweigerung dieser Rechte gilt.

 

Video: YouTube / Kyle Robinson Young

 

Firefox, Safari und Co.: Auch andere Browser sollen von den Möglichkeiten profitieren

Über die letzten Jahre hinweg hat der Chrome-Browser mit etwa 70 Prozent Marktanteil fast schon eine marktbeherrschende Stellung erreicht. Mit etwa elf Prozent kommt Mozillas Firefox auf den zweiten Rang, während nur noch 6,5 Prozent aller Nutzer mit dem Microsoft Internet Explorer und ebenfalls knapp sechs Prozent via Apples Safari-Browser ins Internet gehen. Auch diese Zielgruppen will Google mit Progressive Web Apps versorgen und steht dafür bereits in direkten Gesprächen mit den Herstellern der entsprechenden Browser.

 

Das Wesentliche zu Progressive Web Apps im Überblick

  • Sogenannte Progressive Web Apps sollen für eine stärkere Verzahnung zwischen Websites und Betriebssystemen sorgen sollen.
  • Demnächst sollen Web Apps nicht nur die Aktivierung des Standby-Modus von Geräten verhindern können, sondern auch auf deren Peripherie via USB und Bluetooth zugreifen.
  • Außerdem wird Google demnächst noch mehr Wert auf schnelle Ladezeiten von Webseiten auf allen Geräten legen.
  • Die Grenzen zwischen Betriebssystem und nativen App-Funktionen verschwinden somit immer weiter.

 

Entwickeln Sie auch bereits Progressive Web Apps? Welche Funktionen wären noch wünschenswert? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 

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