Großraumbüro: Ein Booster für Teamarbeit

Digitales Business

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Datum 28.06.2019
Lesezeit 4 Min.

Großraumbüro: Ein Booster für Teamarbeit

Mancher liebt es, mancher Kollege kann sich nichts Schlimmeres vorstellen: Arbeiten im Großraumbüro. Das Thema wird immer wieder kontrovers diskutiert: Ist der gemeinsame Arbeitsraum ein Booster für Teamarbeit und Kreativität, oder bleibt die Konzentration dabei auf der Strecke? Beides ist richtig. Damit die Zusammenarbeit im Großraumbüro optimal funktioniert, haben wir ein paar Tipps für Sie. 

Manchmal lassen es die Räumlichkeiten nicht anders zu, aber immer mehr Unternehmen lösen die klassischen Einzel- oder Doppelbüros ganz freiwillig auf. Die Umgestaltung zu einem Großraumbüro will jedoch gut überlegt und sorgfältig geplant sein. Mit dem Rückbau von Wänden allein ist es nämlich nicht getan. Lärmschutz ist ein wichtiges Thema, ebenso wie die Sitzordnung und Regelungen zur „Großraum-Etikette”.

 

Datenschutz: Die Grenzen des Großraumbüros

Ob ein Großraumbüro wirklich eine gute Idee ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem ist eine gemeinsame Arbeitsfläche nicht für jede Branche und auch nicht für jede Firma geeignet. In Branchen mit viel Kundenverkehr kann es sein, dass kleinere Büroeinheiten notwendig sind: In einem Reisebüro mag es die Kunden nicht stören, wenn neben ihnen eine Reise nach Guatemala gebucht wird. Doch wie sieht es bei einer Krankenkasse, einer Bank oder Versicherung aus? Je nach Arbeitsbereichen kann es sich auch ohne Kundenverkehr aus Datenschutzgründen verbieten, in einem Großraumbüro zu arbeiten: Mitarbeiter in Buchhaltung oder Personalabteilung sollten im Regelfall separiert arbeiten. Die Faustregel lautet, je vertraulicher die Daten sind, mit denen Ihre Mitarbeiter zu tun haben, desto weniger ist ein gemeinsames Arbeiten geboten.

 

Privatsphäre adé

Für die Mitarbeiter hat das Großraumbüro natürlich auch einen Effekt in Sachen „Datenschutz”. Jeder kann prinzipiell unter Beobachtung stehen, Telefonate können mitangehört werden, und Kollegen nehmen wahr, wenn jemand mal ein Leistungstief hat oder eine private E-Mail schreibt. Gerade, wenn Sie in Ihrem Unternehmen von kleineren Einheiten zum Großraumbüro umstrukturieren wollen, kann sich Widerstand regen. Machen Sie Ihren Mitarbeitern klar, dass es nach der Umgewöhnungsphase sicher allen leichter fallen wird. Schließlich ist jeder mit seinen eigenen Aufgaben beschäftigt. Fragen Sie die besonders kritischen Mitarbeiter einfach, ob sie sich vorstellen können, den ganzen Tag andere Leute zu beobachten, während sie ihre Arbeit erledigen.

 

Lärmschutz-Elemente vorsehen

Planen Sie den Lärmschutz besonders sorgfältig, denn sonst können sich Ihre Mitarbeiter nicht konzentrieren und werden leicht von Telefonaten oder Gesprächen anderer gestört. Es gibt Akkustikelemente, die wie Dekoration aussehen: Beispielsweise große Wandbilder oder Täfelungen. Besonders unauffällig lassen sich Elemente von der Decke abhängen. Grünpflanzen, Vorhänge und Teppichboden schlucken ebenfalls Schall. Achten Sie bei den verwendeten Materialien aber unbedingt auf Brandschutz: Stoffe und Auslegeware sollten entsprechend DIN 4102 oder DIN EN 13501-1 mindestens schwer entflammbar sein.

Übrigens kann die Einführung eines Messenger-Tools wie Teamwire oder Slack dabei helfen, die Geräuschkulisse durch Abstimmungsgespräche oder private Schwätzchen zu reduzieren. Sitzen Teammitglieder beieinander, können sie sich im leisen Ton auch direkt abstimmen. Daher sollten Sie bei der Sitzordnung unbedingt die Kooperationen zwischen den einzelnen Funktionen berücksichtigen.

 

Etikette: Regeln aufstellen

Stellen Sie für alle verbindliche Regeln auf. Auch wenn es die Höflichkeit gebietet, gibt es immer wieder Zeitgenossen, die ungeniert Gyros oder Dosenthunfisch im Großraumbüro verzehren wollen. Essen am Arbeitsplatz sollte generell tabu sein – oder sich auf den Verzehr von nicht-riechenden Mahlzeiten wie etwa einem belegten Brot beschränken. Bedenken Sie bei dieser Regel auch, dass es möglicherweise Kollegen gibt, die nach einer besonderen Diät leben (müssen), und die sich auch von in Ihren Augen „harmlosen” Speisen gestört fühlen können. Laute und lange Unterhaltungen oder gar Streitgespräche sollten vermieden werden, ebenso wie laute Telefonate. Manche Unternehmen stellen für diesen Zweck Telefonzellen im Großraumbüro oder auf den Gängen auf.

Das Aufstellen von Benimmregeln können Sie übrigens als Teamevent gestalten, und alle Mitarbeiter mit in den Prozess einbinden. Damit erhöhen Sie die Akzeptanz für das Projekt Großraumbüro zusätzlich.

 

 

Das Temperatur-Problem

Dem einen ist es zu kalt, beim anderen tropft schon der Schweiß: Die Temperatur im Großraumbüro ist ein häufiger Streitfaktor. Kurzes, kräftiges Lüften und Absprachen verringern das Konfliktpotential. Bei Temperaturreglern hilft eine Abstimmung, um eine Temperatur zu finden, die das kleinste Übel für die große Gruppe darstellt.
In Abstimmung mit den Bedürfnissen und Funktionen innerhalb des Teams kann ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb des Büros sinnvoll sein.

 

Flexible Arbeit ist die Zukunft

Auch in Zukunft wird es nicht die eine perfekte Lösung geben, und die Diskussion um Großraum- oder kleine Büros wird weitergehen:

  • Schaut man sich die Start-ups von heute an, scheint der Trend in Richtung Großraumbüro zu gehen. Oft geht es mit einer Handvoll Mitarbeiter los, die sich eng abstimmen müssen. Beim weiteren Wachstum des Unternehmens bleibt diese Kultur dann häufig in einer bunten Mischung aus Großraumbüro, Homeoffice und Telearbeit von anderen Orten erhalten.
  • Agiles Management bedeutet häufig eine Änderung der Teamstrukturen und die Umstellung zum Großraumbüro. Bei einer solchen Umstellung von kleineren Büros hin zu größeren Einheiten sollten Sie generell darauf achten, Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen so gut es geht in die anstehenden Entscheidungen einzubeziehen – ob es nun um Sitzordung oder Einrichtung geht.
  • Und bei allem gilt: Haben Sie ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte Ihrer Mitarbeiter, denn Unzufriedenheit führt zu Fluktuation. Oft gehen dabei die besten und fähigsten Mitarbeiter als erste – und das kann nicht in Ihrem Sinn sein.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen im Großraumbüro? Haben Sie besondere Tipps, wie sich das Arbeiten angenehmer gestalten lässt?

 

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