Facebook Workplace: Die Enterprise-Kommunikationsplattform

Digitales Business

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Datum 15.10.2019
Lesezeit 5 Min.

Facebook Workplace: Die Enterprise-Kommunikationsplattform

Unter dem Namen „Workplace” bietet Facebook seit 2016 eine Kommunikationsplattform für Unternehmen an. Das Angebot steht im mehr oder weniger direkten Wettbewerb mit Platzhirschen wie Slack, Teams und Wickr Pro. Welche Vorteile bietet der Ableger des Social-Networking-Riesen, welche Risiken gibt es und was können andere besser? 

Im privaten Bereich ist Facebook immer noch das erfolgreichste soziale Netzwerk überhaupt. Doch auch bei Unternehmen ist der blaue Riese beliebt: Laut Statista nutzen immerhin 94 Prozent der befragten Marketingverantwortlichen im Januar 2019 regelmäßig Facebook in ihrem Unternehmen. Kein Wunder also, dass die Social-Networking-Profis aus dem Silicon Valley auch Unternehmenskunden im Visier haben: Mit Workplace (ehemals „Facebook for Work”) möchte der Social Media-Gigant zu den größten Anbietern von unternehmensinternen Kommunikationsplattformen aufschließen. Live-Broadcast-Funktionen, Gruppenanrufe und unternehmensübergreifende Arbeitsgruppen locken schon jetzt Unternehmen wie booking.com, Spotify und Starbucks an. Ist Facebook der große Wurf gelungen oder überwiegen die Bedenken, insbesondere, was den Datenschutz angeht?

 


Workplace by Facebook: Das steckt dahinter

Viele Unternehmen nutzen soziale Netzwerke wie Facebook auch zur Kommunikation im Unternehmen. Diese eignen sich jedoch vor allem aus Datenschutzgründen gerade hierzulande nur bedingt für den professionellen Einsatz. Außerdem müssen Mitarbeiter sich hier mit ihrem privaten Konto anmelden und werden allzu leicht von privaten Feeds ihrer Freunde abgelenkt.

Alternativen hierzu waren und sind bislang Enterprise Social Networks wie Yammer, Communote, Spring Social oder Slack. Erst kürzlich haben wir über spannende Slack-Alternativen berichtet: Nun ist Workplace by Facebook an der Reihe. User können hier Informationen sowohl öffentlich als auch mit ausgewählten Teilnehmern austauschen.

Die Grundidee ist dabei nicht neu: Innerhalb eines Unternehmens wird ein sogenannter „Workplace” (auf Deutsch etwa: „Arbeitsbereich”) eröffnet, über den die Kommunikation stattfindet. Die Teilnahme ist nur für diejenigen möglich, die im selben Unternehmen arbeiten – oder in den gemeinsamen Arbeitsbereich eingeladen werden. Es handelt sich also um eine Art geschlossene Facebook-Umgebung mit jeder Menge Sonderfunktionen für die geschäftliche Nutzung.

Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

  • News Feed: Im News Feed sehen Sie ähnlich wie bei Facebook, wenn jemand einen Beitrag mit Arbeitskollegen teilt. Das Veröffentlichen läuft im Grunde genauso ab wie Sie es vermutlich gewohnt sind.
  • Work Chat: Dieses Messenger-Pendant sieht nicht nur aus wie die bekannte Facebook-Chat-Anwendung, sondern funktioniert auch genauso.
  • Gruppen: Legen Sie öffentliche, geschlossene oder geheime Gruppen an – ganz so, wie Sie es bei Facebook tun würden. Ein Unterschied ist allerdings, dass „öffentliche” Gruppen nur unternehmensintern „öffentlich” sind.
  • Veranstaltungen: Eine Besprechung steht an, eine After-Work-Party ist geplant oder Sie möchten auf ein bestimmtes Event hinweisen? Legen Sie eine Veranstaltung an und laden Sie die Beteiligten dazu ein.
  • Automatische Übersetzungen: Ein spannendes Feature ist Facebooks Fähigkeit, in und aus bis zu 46 Sprachen zu übersetzen. So klappt die Kommunikation auch mit internationalen Kollegen problemlos.
  • Organigramm-Suche: Lassen Sie sich die Hierarchie Ihres Unternehmens anzeigen und finden Sie so schneller den oder die gewünschte(n) Ansprechpartner.
  • Live-Videos: Sie tragen etwas vor und möchten die Kollegen an einem anderen Standort oder im Home-Office einbeziehen? Kein Problem dank Live-Video-Streaming, einschließlich Kommentarfunktion.
  • Videokonferenzen: Bis zu 50 Personen können gleichzeitig an einer Workplace-Videokonferenz teilnehmen.
  • Tool-Einbindung: In der Premium-Variante arbeitet Workplace by Facebook auch mit bekannten Tools wie Dropbox, Google Drive, Office 365 und Trello zusammen. Sogar Umfragen via SurveyMonkey lassen sich erstellen.
  • App-Integration: Workplace by Facebook können Sie auch mobil nutzen. Dazu gibt es die entsprechenden Apps und natürlich eine mobile Website.

 

Die Bedienoberfläche und die Nutzererfahrung sind weitgehend bekannt

Ein großer Vorteil bei Workplace by Facebook ist hier die analog zum Facebook-Interface aufgebaute Nutzeroberfläche, die nahezu jeder bereits kennt. In den allermeisten Fällen ist somit keine lange Einarbeitungszeit nötig. Auch die Funktionalitäten unterscheiden sich bei Workplace nur gering. Hier bilden Teams innerhalb eines Unternehmens Gruppen, um sich intern auszutauschen. Falls es gewünscht ist, können über sogenannte „Multi Company Groups“ sogar Mitarbeiter verschiedener Unternehmen miteinander kommunizieren.

Ansonsten bleibt vieles beim „Alten“: es gibt einen Newsfeed, eine Chat-Funktion, die dem Facebook-Messenger ähnelt und die Möglichkeit, Live-Videos zu erstellen. Außer der Variante am Desktop gibt es die entsprechende App für Android- und iOS-Geräte. Die Workplace-App entspricht im Wesentlichen der Facebook-App und ebenso wie der Facebook-Messenger ist hier der Chat-Client „Workplace Chat“ sowohl bei Android als auch im iOS-Bereich ausgegliedert.

Während die meisten kommerziellen Enterprise Social Networks eher nüchtern und schlicht daherkommen, kommt bei „Workplace” direkt ein Gefühl von sozialem Miteinander auf – was nicht zuletzt an der Feed-Integration und der Facebook-verwandten Aufmachung liegt.

 

Die Anmeldung mit einem privaten Facebook-Konto ist nicht erforderlich

Ein großer Vorteil von Workplace im Vergleich zur Facebook-Nutzung durch Unternehmen ist weiterhin, dass sich Mitarbeiter nicht mit einem privaten Konto anmelden müssen. Stattdessen gibt es hier integrierte Identitätsprovider wie Google, Microsoft Azure Active Directory, Okta, Oneloging und Pingidentity, die viele Unternehmen ohnehin schon nutzen. Über eine Administratoren-Nutzeroberfläche können Unternehmen das Social Intranet verwalten und sehen, wie aktiv die eigenen Mitarbeiter es nutzen.

 

Datenschutzrechtliche Bedenken und das Preismodell

Laut Facebook sollen die Daten von Workplace nicht an Werbetreibende weitergegeben werden. Workplace-Accounts werden nicht mit bestehenden Daten privater Facebook-Accounts verknüpft. Darüber hinaus sollen unabhängige Dritte regelmäßig die Hosting-Praktiken von Workplace prüfen. Der Preis für das Unternehmens-Social-Network ist abhängig von der Anzahl der Mitarbeiter, die das System nutzen und vom verwendeten Funktionsumfang. Während die Basisversion derzeit kostenlos erhältlich ist, werden für erweiterte Funktionen wie eine Integration bestehender Tools und Admin-Unterstützung pro Mitarbeiter derzeit (Stand: Oktober 2019) vier US-Dollar pro Monat fällig.

 

Das Fazit: Workplace by Facebook ist gut gemacht, doch es gibt einen wesentlichen Haken

Workplace kann durchaus eine interessante Alternative zu andere bereits etablierten Social Intranets wie Slack, Wickr und Co. sein, vor allem, da das bekannte Interface für kurze Einarbeitungszeiten sorgen dürfte. Allerdings könnte es für manche Unternehmen ein Problem darstellen, dass es Workplace nicht als On-Premise-Lösung (also in den eigenen Unternehmensräumen) nutzbare Version gibt. So müssen sie sich vollkommen auf Facebook verlassen und das kann insbesondere aus Datenschutzgründen ein Problem sein. Immerhin werden unternehmensintern nicht nur triviale Nachrichten ausgetauscht – sobald es um Kundendaten und andere sensible Informationen geht, kann das Hosting in den USA zum echten Roadblocker für deutsche Firmen werden.

Geht es für Ihr Unternehmen letztlich „nur” um einen sicheren Messaging-Dienst, kann Teamwire eine sinnvolle Alternative zu Workplace sein. Anderenfalls empfehlen wir Ihnen Microsoft Teams als Teil von Office 365 für die unternehmensinterne Kommunikation. Hier sind auch Videokonferenzen mit bis zu 250 Teilnehmern möglich.

 

Social Collaboration wird in Unternehmen immer gefragter, insbesondere da Mitarbeiter häufiger dezentral, beispielsweise im Home Office, arbeiten. Glauben Sie, dass sich Facebook Workplace gegen Plattformen wie Teams, Slack und Co. durchsetzen? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 


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Titelbild: Eigenkreation / Facebookpexels.com / freestocks.org

 

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