Geotargeting: Werbung auf Basis des Aufenthaltsorts schalten

Digitales Business

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Datum 07.03.2019
Lesezeit 7 Min.

Geotargeting: Werbung auf Basis des Aufenthaltsorts schalten

Mit Geotargeting gelingt eine gezielte Ansprache von Kunden auf Basis ihres aktuellen Aufenthaltsorts. Wir zeigen Ihnen, wie ortsbasierte Kundenansprache in Theorie und Praxis funktioniert und wie Sie davon profitieren können.

Wissen Sie, wo sich Ihre (potenziellen) Kunden gerade aufhalten? Vermutlich nicht, denn das würde gegen geltende Datenschutzbestimmungen verstoßen. Dabei wäre so mancher neue oder bestehende Kunde froh, am aktuellen Aufenthaltsort auf interessante Angebote hingewiesen zu werden. Mit Geotargeting-Verfahren können Sie anonymisiert und somit datenschutzrechtlich einwandfrei Ihre Angebote gezielt lokal anbieten.

 

Geotargeting: Werbung auf Basis des Aufenthaltsortes

Lokale Werbung auf Basis von Geotargeting (sogenanntes Geomarketing) ist für viele Geschäftsleute interessant: Kleine Läden, Gastronomiebetriebe, Möbelhäuser oder Dienstleister. Dabei muss es nicht zwingend um Verkauf gehen. Denkbar ist auch ortsbasierte Werbung von Firmen, die nach geeigneten Bewerbern an einem bestimmten Standort suchen. Auch Museen, Apotheken, Kinos oder Theater freuen sich über mehr Zulauf am Standort. Wie können Sie also eine potenzielle lokale Kundschaft online auf Ihr Angebot hinweisen?

Jedes Smartphone verfügt über eingebaute GPS-Sensoren. Mit ihnen lässt sich dessen Aufenthaltsort auf wenige Meter genau bestimmen. Selbst wenn Ihre Kunden diese Funktion nicht eingeschaltet oder nicht für die Aufenthaltsbestimmung von Apps oder Webseiten freigegeben haben: Auf Basis der aktuellen IP-Adresse lässt sich der ungefähre Aufenthaltsort eines Nutzers ebenso bestimmen. Dabei erfolgt keine namentliche Ortung der Person – es ist lediglich bekannt, dass sich eine Person zum aktuellen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufhält. Außerdem sind je nach ortendem Portal eventuell demographische Merkmale wie Alter und Geschlecht sowie die Interessenlage bekannt.

Nutzen Sie diese Tatsache, um potenzielle Kunden auf Ihr Angebot vor Ort hinzuweisen. Diese Art von maßgeschneiderter Werbung minimiert nicht nur Ihre Streuverluste gegenüber nicht-ortsbasierten Kampagnen, sondern ist auch für die Kunden interessanter. Die potentiellen Kunden werden ja über für sie passende Angebote in ihrer Nähe informiert: Falls die Werbung wirkt, müssen sie keine langen Wege zurücklegen, um das geweckte Bedürfnis zu stillen.

 

So funktioniert die Ortung via GPS, Mobilfunkanbindung oder IP-Adresse

Grundsätzlich lassen sich potenzielle Kunden technisch gesehen auf drei verschiedenen Wegen orten. Die Unterschiede liegen in der verwendeten Technologie und der Genauigkeit des Verfahrens:

  • Geotargeting via GPS: Die Ortung erfolgt über den eingebauten GPS-Sensor, insbesondere in Smartphones und Tablets. Die Ortung erfolgt bis auf wenige Meter genau, setzt aber das explizite Einverständnis des Nutzers voraus.
  • Geotargeting mittels Triangulation: Ein Smartphone oder Tablet mit Mobilfunkanbindung ist normalerweise mit mehr als einem Mobilfunkmast verbunden: Es „unterhält” sich gleichzeitig mit weiteren Sendemasten in der Nähe, um das jeweils stärkste Signal zu nutzen. Anhand der Signallaufzeiten zu den jeweiligen Basisstationen sowie der ankommenden Signalstärke lässt sich der Aufenthaltsort des Geräts relativ genau bestimmen. Auch diese Form der Ortung erfordert normalerweise eine explizite Genehmigung des Nutzers für die Erfassung und Weiterverarbeitung.
  • Geotargeting anhand der IP-Adresse: Jedes Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, verfügt zu diesem Zeitpunkt über eine „eindeutige” IP-Adresse. Diese ist normalerweise mit einer bestimmten Region verknüpft und gibt Aufschluß über den ungefähren Aufenthaltsort (beispielsweise in der „Region Hamburg”). Dieses Verfahren ist nicht sehr genau, funktioniert dafür aber auch an stationären Rechnern ohne Mobilfunkanbindung. Da die IP-Adresse für den Internetzugriff zwingend notwendig ist, ist sie ohnehin bekannt und wird häufig auch ohne das Wissen oder die Zustimmung des jeweiligen Nutzers ausgewertet.

Wenn Sie Geotargeting für Ihre Geomarketing-Aktivitäten einsetzen wollen, müssen Sie sich um diese technischen Details im Prinzip nicht kümmern. Es genügt im Falle einer selbst betriebenen Website eine Abfrage des aktuellen Standorts beim Zugriff. In HTML5 funktioniert dies über die Methode „getCurrentPosition()”. Der Kunde erhält beim Einsatz dieser Funktion einen Hinweis, dass sein Aufenthalt bestimmt werden soll und basierend auf den jeweiligen Möglichkeiten des Endgeräts erhalten Sie einen entsprechenden Geocode als Resultat.

Doch selbst, wenn der Kunde keinerlei Geotargeting auf seinem Gerät zulässt, können Sie immer noch lokale Suchbegriffe wie „Maler Augsburg” für Ihre Zwecke nutzen. Hier hat der Nutzer durch die Suchanfrage klargestellt, dass er nur in einem bestimmten Ort suchen möchte. Ob er sich tatsächlich dort aufhält, ist jedoch unklar: Vielleicht sucht jemand einen Maler in Augsburg, weil er dorthin umziehen und die neue Wohnung renovieren lassen möchte.

 

So gelingt eine erfolgreiche lokale Kundenansprache

Der Aufenthalt von potentiellen Kunden ist also grundsätzlich (anonymisiert) bestimmbar. Wie aber sprechen Sie Ihre Kunden optimal und lokal an? Zunächst einmal sollten Sie überhaupt ein lokal interessantes Angebot bereithalten. Das kann allein dadurch gegeben sein, dass Sie ein Ladenlokal mit entsprechender Außenwerbung besitzen, beispielsweise eine Bäckerei, eine Apotheke oder einen Handwerksbetrieb. Dazu empfehlen wir Ihnen eine eigene Website und einen vollständigen, aktuellen Google-My-Business-Eintrag.

Gibt es mehrere Unternehmensstandorte oder Filialen, empfehlen wir Ihnen, für die Präsentation Ihres Online-Angebots jeweils auf die Standorte zugeschnittene Angebote bereitzuhalten. Das kann bedeuten, dass Sie mehrere sogenannte Landingpages (Zielseiten für die Werbung), basierend auf den wichtigsten Standorten, einrichten müssen. Der große Vorteil: So können Sie regionale Besonderheiten prominent darstellen. Eine Landingpage für Geotargeting sollte zudem möglichst den ermittelten Ort noch einmal aufgreifen und direkt die Adresse Ihres Geschäfts, Öffnungszeiten und eventuell eine Wegbeschreibung bieten.

Ein weiteres probates Mittel für die lokale Kundenansprache ist die automatische Anzeige der passenden Filiale auf einer Website. So ersparen Sie dem Kunden die umständliche Eingabe von Postleitzahl und Co. und leiten ihn direkt zu einer Filiale in der Nähe seines Standorts. Diese sollte allerdings änderbar sein, falls der Kunde tatsächlich doch lieber woanders suchen möchte.

Insbesondere das soziale Netzwerk Facebook, aber auch die Google-Suche und andere Anbieter bieten Ihnen umfangreiche lokale Targeting-Möglichkeiten für Ihre Kampagnen.

Der finanzielle Einsatz bei solchen Geotargeting-Kampagnen bleibt überschaubar: Bei den meisten Anbietern zahlen Sie nur, wenn jemand tatsächlich auf Ihr Angebot klickt. Die Einblendungen, die nicht angeklickt werden, sind für Sie kostenfrei. Auch die Business-Netzwerke XING und LinkedIn bieten die Möglichkeit, regional ausgerichtete Werbung zu schalten, beispielsweise für die Bewerbersuche.

 

Geotargeting in der Praxis: Werbung bei Facebook

Facebook unterscheidet in seinem „Werbeanzeigenmanager” neben den üblichen demographischen Merkmalen wie Alter, Geschlecht und angegebenen Interessen gleich vier Arten von lokaler Werbezielgruppe:

  • „Jeder an diesem Ort”: Hiermit erreichen Sie Personen, die entweder am festgelegten Ort wohnen oder sich vermutlich aktuell dort aufhalten.
  • „Personen, die an diesem Ort leben”: Nur Personen mit Wohnsitz an dem angegebenen Ort werden angesprochen.
  • „Personen, die kürzlich an diesem Ort waren”: Auf Basis des letzten bekannten Geolocation-Standorts werden Personen angesprochen, die sich vermutlich aktuell am angegebenen Ort aufhalten.
  • „Personen, die diesen Ort besuchen”: Diese Option spricht vor allem Reisende an, die nicht am angegebenen Ort wohnen, diesen aber aktuell besuchen.

Außerdem können Sie für Ihre Kampagne neben bestimmten Städten auch ganze Regionen wie Bundesländer für die Kundenansprache auswählen.

Um eine solche lokale Werbeanzeige einzurichten, klicken Sie in Facebook oben rechts auf „Erstellen | Anzeige”, um in den Facebook-Werbeanzeigenmanager zu gelangen. Dort können Sie auswählen, welchen Nutzern und wo Ihre Werbung angezeigt wird.

Wenn Sie mehrere Standorte bewerben möchten, empfehlen wir Ihnen, unterschiedliche Anzeigen zu schalten. Das hat nicht nur den Vorteil, dass Sie die Kunden individueller ansprechen können. Sie können auch nach Ablauf der Kampagne besser beurteilen, wie gut diese bei der jeweiligen lokalen Zielgruppe angekommen ist.

Screenshot des Facebook-Werbeanzeigenmanagers

Der Facebook-Werbeanzeigenmanager bietet die Möglichkeit, aus vier verschiedenen lokalen Targeting-Optionen zu wählen.

 

So schalten Sie Geotargeting-Anzeigen bei Google

Bei Google wiederum dreht sich alles um sogenannte Keywords. Das sind die Suchbegriffe, die potenzielle Kunden verwenden, um bestimmte Dinge zu finden. Zunächst brauchen Sie also ein geeignetes Keyword (beziehungsweise eine Keyphrase) wie „Apotheke Leipzig”, die zu Ihrem Geschäft passt.

Zu diesem Keyword (oder mehreren Keywords) schalten Sie dann in Google Ads eine oder mehrere Anzeigen. Legen Sie zunächst unter „Kampagnen” mit Hilfe des „+”-Symbols eine neue Kampagne an. Bestimmen Sie anschließend, was die Anzeige erreichen soll – also beispielsweise „Zugriffe auf die Website”. Geben Sie dann noch als Kampagnentyp „Suchnetzwerk” an, um die Anzeige in den Google-Suchergebnissen zu schalten und legen Sie die Zielseite fest.

Unter „Standorte | Ausrichtung” können Sie dann Postleitzahlengebiete wählen, für die Ihre Anzeige relevant ist. Diese werden Ihnen während des Anlegens auch grafisch dargestellt, sodass Sie einen Umkreis um Ihr Geschäft festlegen können. Innerhalb dieses Suchradius wird dann Ihre Landingpage angezeigt, sofern nach dem entsprechenden Keyword gesucht wurde – und Ihr Werbebudget noch nicht aufgebraucht ist. Die Bezahlung erfolgt pro Klick auf Ihre Anzeige und die Kosten richten sich danach, wie „umkämpft” Ihr jeweiliger Suchbegriff ist.

Näheres zum Schalten von lokalen Geotargeting-Anzeigen in Google verrät Ihnen auch nachstehendes Video. Wie Sie an geeignete Keywords kommen, verraten wir Ihnen außerdem an separater Stelle ausführlicher. Die URL eines Google-My-Business-Eintrags kann übrigens auch als Zielseite für Ihre Google-Werbeanzeige dienen.

Video: YouTube / Malte Helmhold

 

Zusammenfassung

  • Geotargeting ist eine Technologie zur Bestimmung des aktuellen Aufenthaltsorts eines Nutzers.
  • Diese Technik lässt sich für das Geomarketing, also das Schalten von Werbung basierend auf diesem Standort, nutzen.
  • Je nach verwendeter Technologie ist die Standortbestimmung mal mehr und mal weniger genau.
  • Sowohl Facebook als auch Google, aber auch XING und LinkedIn bieten sogenannte Geotargeting-Anzeigen an, die meist pro Klick und nicht pro Einblendung bezahlt werden.
  • Ein Google-My-Business-Eintrag hilft Ihnen dabei, Ihr Geschäft vor Ort optimal zu präsentieren und kann als Zielseite für die Werbung dienen.

 

Welche regionale Zielgruppe ist für Ihren Erfolg wichtig? Wie sprechen Sie diese derzeit an? Wir freuen uns über Ihren Kommentar.

 

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