Gamification: Definition und Beispiele für spielerische Konzepte

Digitales Business

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Datum 15.02.2019
Lesezeit 7 Min.

Gamification: Definition und Beispiele für spielerische Konzepte

Gamification bedeutet die Integration spielerischer Aspekte in nicht-spielbezogene Zusammenhänge: Damit können Sie positive Effekte in Ihrer Kundenbeziehung erzeugen. Wir zeigen Ihnen, was dahinter steckt und wie Sie Ihr Angebot spielerischer gestalten – ohne dass es am Ende unseriös wirkt.

Menschen lieben spielerische Elemente. Viele Webanwendungen kommen jedoch bis heute relativ trocken und öde daher und die Informationen sind kaum ansprechend aufbereitet. Warum also nicht auf Elemente aus bekannten Spielprinzipien setzen und einen gewissen Unterhaltungswert bieten? So entstehen im Idealfall eine höhere Verweildauer, stärkere Kundenbindung und eine hohe Weiterempfehlungsrate.

 

Gamification: Das steckt hinter dem Marketing-Trend

Mit Gamification, also dem Einsatz spielerischer Prinzipien in eigentlich nicht-spielbezogenen Anwendungen, können Sie für geringe Abbruchquoten, hohe Identifikation seitens Ihrer Nutzer und eine verbesserte Nutzerführung sorgen.

Grundlage dieses Ansatzes ist die Vermutung, dass Nutzer einer Anwendung nicht nur ein bestimmtes Ergebnis erzielen, sondern dabei auch in gewissem Maße unterhalten werden wollen. Neben dem nüchternen Resultat bestimmter Aktionen wecken Sie somit auch Emotionen bei Ihren Anwendern. Doch diese Form von Unterhaltung ist kein Selbstzweck. Mit Gamification können Sie gleich mehrere wichtige KPIs Ihrer Website verbessern:

  • Verweildauer: Nutzer, die sich unterhalten fühlen, verbringen mehr Zeit mit Ihrem Angebot und werden neugierig darauf, was Sie noch alles anbieten.
  • Conversions: Durch eine intuitive und klare Schritt-für-Schritt-Nutzerführung mit Erfolgskontrolle und weiterführenden Tipps steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nutzer mehr als die ursprünglich geplanten Aktivitäten ausführen.
  • Weiterempfehlungsrate: Angebote, die positiv wahrgenommen werden und eine einfache und intuitive Nutzerführung bieten, werden eher weiterempfohlen.

So können Sie mit Gamification-Methoden nicht nur bestimmte Aspekte Ihres Angebots hervorheben, sondern Ihre Nutzer auch besser durch Ihre Anwendung führen. Mögliche Anwendungsbereiche können neben einem Shop auch eine Community (Forum) oder einfach nur eine Reihe von Eingabeformularen auf einer Registrierungs- oder Verwaltungsseite sein.

 

Wesentliche Elemente spielerischer Umgebungen

Um zu verstehen, wie Gamification grundsätzlich funktioniert, werfen wir zunächst einen Blick auf übliche spielerische Prinzipien und Aspekte:

  1. Belohnung: Häufiges Merkmal von spielerischen Umgebungen ist, dass der „Spieler” virtuelle Belohnungen für gute Leistungen sammeln kann.
  2. Fortschritt: Eine Fortschrittsanzeige signalisiert dem „Spieler”, wie weit er noch von seinem (nächsten) Ziel entfernt ist.
  3. Aufgaben: Abwechslungsreiche und unterhaltsam gestaltete „Quests” wecken den Drang, ein bestimmtes Problem zu lösen. Die Aufgaben sind klar formuliert und nicht zu komplex. Häufig ist die Art der Lösung dem „Spieler” überlassen.
  4. Visualisierung: Eine ansprechende Visualisierung mit einheitlich gestalteten und leicht erfassbaren Elementen, vielleicht sogar in comicartiger Aufmachung, weckt den Spieltrieb und schafft eine positive Wahrnehmung.
  5. Feedback: Häufige und verständliche Rückmeldung über Erfolg oder Misserfolg einer Aktion verstärken den Wunsch, es das nächste Mal besser zu machen.
  6. Gruppenarbeit: Besteht die Möglichkeit, eine Aufgabe im virtuellen Raum gemeinsam zu lösen, kann dies die Motivation erhöhen, weiterzumachen oder besonders „gut” zu sein.
  7. Vereinfachung: Komplexe Gesamtaufgaben werden in kleinere Teilaufgaben unterteilt, die wiederum in einfachen Worten vermittelt werden. So besteht weniger Gefahr, dass ein Prozess vorzeitig abgebrochen wird.
  8. Ranglisten: Die Möglichkeit, sich zu vergleichen, stellt für viele Anwender ebenfalls eine starke Motivation dar.

 

Video: YouTube/explain-it Erklärvideos

 

So setzen Sie Gamification gekonnt ein

Nicht in jeder Webanwendung lassen sich freilich alle Komponenten spielerischer Gestaltung unterbringen. Zudem stellt Gamification in gewisser Weise immer ein Optimierungsdilemma dar:

  • Ist die Anwendung zu spielerisch in der Aufmachung, leidet die wahrgenommene Seriosität und die Nutzer fühlen sich möglicherweise nicht ernst genommen.
  • Ist die Anwendung zu nüchtern gestaltet, macht ihre Bedienung keinen Spaß und die Abbruchquote steigt.

Es kommt somit auf die richtige Mischung und den wohldosierten Einsatz spielerischer Elemente an. Während Sie beispielsweise in einem Forum Belohnungen für aktive Teilnahme verteilen und eine Rangliste der „hilfreichsten” Mitglieder aufstellen können, kommt es in Shopsystemen vor allem auf eine möglichst einfache Nutzerführung und einen unkomplizierten Bestellprozess an. Geht es hingegen um das Ausfüllen beispielsweise von behördlichen Formularen, ist zwar das Aufteilen in mehrere einzelne Masken sinnvoll – spielerische Elemente wären hingegen fehl am Platz. Beispiele für gelungene Gamification-Anwendungen finden Sie etwa bei:

  • Amazon: Große gelbe Buttons führen den Nutzer durch den Einkaufsprozess. Weniger wichtige Aktionen sind hingegen weiß unterlegt. An Stellen, wo ausschließlich bestimmte Eingaben gefordert sind, sind keine Produkte und keine Werbung zu sehen. Außerdem werden Ihnen Produkte empfohlen, die andere Kunden ebenfalls angesehen oder gekauft haben.
  • Fitness-Apps: Die meisten Anwendungen verleihen für erreichte Ziele sogenannte “Badges”, also virtuelle Orden oder Pokale. Die Etappenziele können etwa zurückgelegte Kilometer oder verbrauchte Kalorien sein. Manche Apps erlauben auch den “Wettkampf” mit gleichgesinnten Freunden, die mit der gleichen App trainieren – und das anschließende Teilen des eigenen Erfolgs über soziale Medien.
  • Holidaycheck: Das bekannte Urlaubsportal nutzt ebenfalls Gamification-Elemente, um Nutzer durch das Angebot zu führen und unterhaltsam zu wirken. So verwendet die Webseite nicht nur Bilder, die Lust auf Urlaub machen, sondern auch die entsprechenden Farben (Gelb und Blau als Synonyme für Strand und Meer). Außerdem setzen die Anbieter stark auf Piktogramme, die Bereiche in Bild- statt in Textform präsentieren.
  • XING: Auch das Business-Portal XING setzt auf Gamification-Ansätze. Diese beziehen sich unter anderem auf das Ausfüllen Ihres Profils, welches entweder Schritt für Schritt erfolgt oder durch Aufrufen einzelner Teilbereiche. Im Bereich Ihrer persönlichen Kontakte wird nicht nur eine Liste präsentiert, sondern Sie sehen gleichzeitig, wer online ist und können als Premium-Mitglied außerdem sehen, wer Ihr Profil besucht hat.
  • Bewertungsseiten: Seiten wie Tripadvisor oder Qype belohnen die freiwilligen Autoren ihrer Seite mit verschiedenen “Rängen”: Wer als Einsteiger anfängt, wird dazu animiert, sich zum Experten oder Profi hochzuarbeiten.

Doch auch und gerade in Lernumfeldern lässt sich Gamification erfolgversprechend einsetzen, wie im folgenden Video zu sehen ist.

Video: YouTube/BlinkenTV

 

Unser Experten-Tipp: A/B-Testing

Implementieren Sie zunächst eine konventionelle und eine spielerische Version desselben Prozesses in Ihrem Angebot. Bieten Sie anschließend einem ausgewählten Nutzerkreis das neue Angebot an. Ein Vergleich von Abbruchrate, Bearbeitungsdauer und der erzielten Conversions gibt Aufschluss darüber, welche Variante von Ihren Kunden besser angenommen wird. Ähnlich können Sie auch vorgehen, um unterschiedliche Gamification-Ansätze miteinander zu vergleichen. Das Verfahren ist auch als A/B-Testing bekannt.

Erweitern Sie „spielerisch“ Ihren Kundenstamm

Den meisten Gamification-Ansätzen gemeinsam ist die Reduktion auf das Wesentliche sowie eine klare Nutzerführung. Wenn Sie also eine Webanwendung entwerfen oder umgestalten wollen, sollten Sie prüfen, ob sich einer oder mehrere der folgenden Tipps bei Ihnen umsetzen lassen:

  1. „Belohnen” Sie Ihre Nutzer, wenn eine bestimmte Aktion erfolgreich war. Das kann entweder durch kurzzeitig erscheinende Hinweise wie „Gut gemacht” oder einfach nur „OK” oder einen großen grünen Haken erfolgen. Je nach Anwendung können Sie außerdem Punkte für erfolgreich abgeschlossene Aktionen, richtig beantwortete Fragen oder besonders hilfreiche Beiträge (bei Foren oder Bewertungsfunktionen besonders wichtig) vergeben.
  2. Bei Umfragen sind Fortschrittsbalken längst Standard. Doch sie können auch an anderen Stellen sinnvoll sein. Sie signalisieren dem Anwender, wie viel Zeit er vermutlich noch auf den Abschluß einer bestimmten Aufgabe verwenden muss und wo er sich gerade innerhalb eines Prozesses mit definiertem Ende befindet (beispielsweise ein Bestellprozess oder eine Registrierung). Visualisieren Sie den Fortschritt möglichst in Balkenform und mit Prozentangaben.
  3. Sorgen Sie für eine verbesserte Nutzerführung, indem Sie Ihren Anwendern nach Abschluß einer bestimmten Aufgabe die Wahl lassen, welche Aufgabe als nächstes anstehen könnte. Wurde gerade ein Kauf getätigt, könnten Sie weitere interessante Produkte anbieten oder den Nutzer ermuntern, sich für den hauseigenen Newsletter anzumelden.
  4. Achten Sie auf eine einheitliche und ansprechende visuelle Gestaltung und führen Sie diese konsequent in allen Bereichen Ihrer Anwendung ein. Heben Sie die wichtigen Bereiche optisch hervor und führen Sie Ihre Nutzer durch Prozesse, indem Sie mit Pfeilen und anderen, intuitiv verständlichen Symbolen arbeiten. Je nach Anwendung kann sogar der Einsatz eines Maskottchens sinnvoll sein, das beispielsweise jederzeit hilfreiche Tipps bereit hält, oder sich „freut”, wenn Aktionen vollständig abgeschlossen wurden.
  5. Zwischendurch kann es vorkommen, dass Vorgänge nicht erfolgreich abgeschlossen werden, beispielsweise weil notwendige Angaben fehlen. Geben Sie hier möglichst aussagekräftiges Feedback, indem Sie explizit erklären, was Sie vom Nutzer erwarten und was er nun tun soll – und gegebenenfalls sogar, warum diese Eingabe notwendig ist.
  6. Gibt es Nutzer mit ähnlichen Interessen auf Ihrer Plattform? Dann führen Sie diese zusammen – soweit datenschutzrechtlich unbedenklich und gegebenenfalls anonymisiert. Ein typisches Beispiel hierfür sind Shops, die Kunden Produkte empfehlen, die andere Nutzer in diesem Zusammenhang ebenfalls angesehen oder gekauft haben.
  7. Anstatt sämtliche für einen Vorgang relevanten Informationen auf einer einzelnen Seite abzubilden, sollten Sie diese so weit wie möglich strukturieren. Zerlegen Sie komplizierte Formulare möglichst in Teilbereiche, die Sie dem Nutzer dann häppchenweise präsentieren. So sorgen Sie dafür, dass die Absprungrate geringer wird.
  8. Menschen lieben es, miteinander in einen sportlichen Wettbewerb zu treten. Sofern es für Ihr Vorhaben passt, sind erzielte Punktzahlen und Ranglisten ein interessanter Ansporn, sich intensiver mit Ihrem Angebot zu beschäftigen.

Wie bereits erwähnt, ist Gamification nicht in jedem Fall und für jedes Angebot sinnvoll. Dennoch erleichtern spielerische Elemente und eine Strukturierung und Zerlegung der dargebotenen Informationen in leicht verständliche Teilbereiche in jedem Fall die Navigation. So sorgen Sie mit einfachen Mitteln für eine stärkere Markenidentifikation, da letztlich der Unterhaltungswert Ihres Angebots steigt.

 

Zusammenfassung

  • Mit Gamification übertragen Sie spielerische Elemente in einen nicht-spielerischen Kontext, beispielsweise eine Website.
  • Je nach Angebot können Sie ein Belohnungssystem, Fortschrittsbalken und ähnliche Feedback-Elemente zu den Nutzeraktionen einführen.
  • Wesentliche Grundlage eines erfolgreichen Gamification-Ansatzes ist eine ansprechende visuelle Gestaltung, die stets das Wesentliche hervorhebt.
  • Achten Sie darauf, Ihr Angebot nicht mit spielerischen Elementen zu überfrachten, damit am Ende nicht die Seriosität leidet.

 

Welche Gamification-Ansätze haben Sie auf Ihrer Plattform integriert und welche sind gegebenenfalls geplant? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

 

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