Crowdfunding: So gelingt die Finanzierung innovativer Ideen

Digitales Business

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Datum 22.11.2019
Lesezeit 7 Min.

Crowdfunding: So gelingt die Finanzierung innovativer Ideen

Die Geschäftsidee an sich klingt vielversprechend, doch das notwendige Startkapital fehlt? Eine spannende Alternative zum Bankkredit oder privaten Einlagen stellt das sogenannte Crowdfunding dar. Dabei werden innovative Vorhaben mit Hilfe von Investoren unterstützt. Das Besondere: Es handelt sich dabei meist um private Kleinanleger, die das Projekt unterstützen wollen. Als Gegenleistung erhalten diese häufig das (später) angebotene Produkt oder die Dienstleistung zu einem besonders günstigen Preis, sollte das Projekt realisiert werden. In anderen Fällen profitieren Investoren vom möglichen wirtschaftlichen Erfolg des Projekts, ohne am realisierenden Unternehmen beteiligt zu sein.

 

Über Crowdfunding werden jedes Jahr laut Bundesverband Crowdfunding auch in Deutschland Summen in Millionenhöhe eingeworben. Das bis dato größte Crowdfunding-Projekt hierzulande hat die Kölner Firma Brainpool im Jahr 2011 realisiert: Die Kinofilm-Produktion zur TV-Serie „Stromberg” wurde innerhalb von einer Woche mit mehr als einer Million Euro ausgestattet. Im Gegenzug bekamen die Investoren eine Rendite von circa 16 Prozent über eine Laufzeit von drei Jahren ausgeschüttet. Grund hierfür war insbesondere der enorme Erfolg des Films an den Kinokassen, an den die mögliche Auszahlung gekoppelt war.

Ein weiteres Beispiel für erfolgreiches Crowdfunding ist das Pacific Garbage Screening-Projekt: Gründerin Marcella Hansch hat mangels Unterstützungsbereitschaft durch „klassische” Investoren ihre Idee zur Reinigung der Weltmeere als Crowdfunding-Projekt ausgeschrieben. Innerhalb von nur zwei Monaten konnte sie auf diese Weise beinahe eine Viertelmillion Euro für ihre Idee „einsammeln”. Ein erster Prototyp soll schon bald realisiert werden.

Doch wie funktioniert Crowdfunding überhaupt und was ist der Unterschied zum Crowdinvestment oder Crowdlending? Wie gelingen erfolgreiche Vorhaben mit breiter Unterstützung vieler Kleinanleger?

 

Crowdfunding: Was ist das eigentlich?

Bei klassischen Finanzierungsmodellen investieren meist einzelne, finanzkräftige Partner wie Banken, Business Angels (Investoren, die neben Kapital auch ihr Know-how und Kontakte einbringen) oder Investment-Gesellschaften in ein bestimmtes Vorhaben. 

Am Anfang steht hier der sogenannte „Pitch”, bei dem Gründer ihre potenziellen Investoren von der jeweiligen Gründungsidee zu überzeugen versuchen. Gelingt dies, erhalten die Investoren üblicherweise einen gewissen Anteil am Unternehmen. Das bedeutet für die Investoren je nach Geschäftsergebnis eine mehr oder weniger große Rendite auf das eingesetzte Kapital. In klassischen Finanzierungsmodellen wird oft erwartet, dass die Ideengeber so viel wie möglich in das eigene Vorhaben investieren.

Beim Crowdfunding (frei übersetzt: „Schwarmfinanzierung“) investieren verschiedene Privatpersonen und Unternehmen in ein Projekt. Häufig ist das Interesse an einer Idee oder an einem Produkt Auslöser für die Mitfinanzierung. Diese Menge an Menschen („Crowd“) muss nicht zwingend Erfahrungen im Investment-Bereich besitzen oder mit den Gründern in direktem Kontakt stehen.

Crowdfunding, Crowdinvesting und Crowdlending: Wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe Crowdfunding und Crowdinvesting werden häufig synonym verwendet, jedoch unterscheiden sie sich grundlegend: Während beim Crowdfunding meist ein bestimmtes Projekt finanziert werden soll, dient das Crowdinvesting dazu, ein (neues) Gründungsvorhaben zu unterstützen. Die Investoren erhalten beim Crowdfunding eine bestimmte Art von Belohnung (beispielsweise eine Rendite) und beim Crowd-Investment Anteile am Unternehmen. Beim Crowdlending wiederum „leihen” Investoren den Projektverantwortlichen Geld, das dann ähnlich wie bei einem Kredit unter Verzinsung zurückgezahlt wird.

Der Begriff Crowdfunding selbst leitet sich ursprünglich von „Crowdsourcing” ab. Er bezeichnet allgemein die Idee, Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen, anstatt einzelne zu belasten. Im Crowdsourcing-Bereich arbeiten häufig unbezahlte Freiwillige, wie etwa im Wikipedia-Projekt. Beim Crowdfunding geht es hingegen um Projektfinanzierung.

Die Gründer legen zunächst eine Mindestkapitalmenge fest, die erreicht werden muss. Wird diese nicht erreicht, „scheitert” das Vorhaben normalerweise und die Investoren erhalten ihre Einlagen zurück. Wird die Mindestsumme hingegen erreicht, verpflichten sich die Gründer, die zuvor skizzierte Idee in die Tat umzusetzen. Dabei gibt es verschiedene Arten von möglicher „Belohnung” (ROI, „Return on Invest”) für die Investoren:

  • Ideeller ROI: Gerade bei gemeinnützigen Projekten „reicht” vielen Investoren entweder das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, oder aber eine simple Nennung im Rahmen des Vorhabens.
  • ROI in Form eines Rabatts: Bei Produktentwicklungen sichern sich die Investoren das Recht, das spätere Produkt in einer festgelegten Anzahl zu einem Vorzugspreis und oft vor dem Markteintritt zu erwerben.
  • Monetärer ROI: Die Projektverantwortlichen bemühen sich, die Crowdfunding-Summe am Markt zu erwirtschaften und darüber hinaus Gewinne zu erwirtschaften. Wenn das gelingt, werden diese anteilig an die Investoren ausgezahlt.

Je nach Projektart sind auch Mischformen der ROI-Modelle möglich.

Crowdfunding-Vorhaben laufen normalerweise über entsprechende Plattformen im Web ab, da sich hier mit überschaubarem Aufwand relativ schnell eine gewisse Zielgruppe erreichen und die Finanzierung abwickeln lässt.

Video: YouTube / PostFinance

 

Wie gelingt eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne?

Um mit Ihrer Projektidee ein erfolgreiches Crowdfunding zu starten, sind einige Vorüberlegungen nötig. Nach einer allgemeinen Machbarkeitsanalyse sollten Sie prüfen, ob es diese Idee in ähnlicher Form schon gibt und ob überhaupt ein Markt vorhanden ist (USP-Analyse). Daraus entwickeln Sie einen Anforderungskatalog:

  • Welche Ressourcen sind notwendig, um das Projekt durchzuführen?
  • Über welchen Zeitraum soll oder wird sich das Projekt (oder eine bestimmte Phase) voraussichtlich erstrecken?
  • Wie viel Geld benötigen Sie mindestens in welcher Phase des Projekts?
  • Welcher Aufwand ist nötig, um genügend Investoren für die Idee zu gewinnen?
  • Welche Form von Belohnung können Sie den Investoren anbieten?

Im Grunde genommen erstellen Sie also ähnlich wie bei anderen Vorhaben zunächst einen Business-Plan für das Projekt. Dieser liefert Ihnen und Ihren späteren Investoren wertvolle Informationen darüber, welche Chancen die Idee am Markt hat und was Sie dazu benötigen. 


Anschließend legen Sie diejenige Investitionssumme fest, die mindestens erreicht werden muss. Das Dilemma hierbei: Liegt die Summe zu niedrig, fehlt Ihnen am Ende möglicherweise das notwendige Kapital, um das Projekt zu realisieren. Liegt sie zu hoch, könnte dies die Kleinanleger abschrecken: Denn selbst wenn sie ihr eingesetztes Kapital bei einem Scheitern an der Mindestsumme zurückbekommen, ist es erst einmal gebunden.

Außerdem sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Mindestsumme ein einzelner Investor tätigen muss, um Teil des Crowdfunding-Pools zu werden. Immerhin müssen Sie zu einem späteren Zeitpunkt allen Investoren möglicherweise Gewinne ausschütten – dies kann zu erheblichem bürokratischen Aufwand führen.

Nachdem die wesentlichen Eckdaten stehen, geht es an die „Vermarktung” Ihrer Idee. Projekte, die hierzu bereits auf eine gewisse „Fanbase” zurückgreifen können, sind hier klar im Vorteil: Die Kölner Firma Brainpool beispielsweise profitierte bei der Finanzierung des Stromberg-Films erheblich von der Bekanntheit und Beliebtheit der Stromberg-TV-Serie. Wer ohne diesen Vorteil ein Crowdfunding starten möchte, sollte sich von anderen, bereits erfolgreichen Kampagnen inspirieren lassen: Sie brauchen eine aussagekräftige oder auch witzige Vorstellung Ihres Projektes. Das können sowohl ein Kurzfilm sein, als auch eine Präsentation, Bilder oder Konstruktionsskizzen. Damit können Sie das Investment auf einer Crowdfunding-Plattform vorstellen und somit anfangen, es zu bewerben.

 

Video: YouTube / Startnext

 

Welche Crowdfunding-Plattformen gibt es?

Es gibt diverse Internet-Plattformen rund um das Thema Crowdfunding, die Sie auch bei der Verwaltung des Investitionsprozesses unterstützen. Einige der bekanntesten stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

Kickstarter: Die weltweit größte Crowdfunding-Plattform

Bei Kickstarter, einer Plattform mit Geschäftssitz in den USA, werden viele kreative Projekte vorgestellt. Sie können dort aber selbstverständlich auch andere Projekte realisieren. Wählen Sie aus insgesamt 15 verschiedenen Kategorien – darunter Kunst, Mode, Film, Musik, Food, Spiele oder Technologie diejenige, die zu Ihrem Vorhaben passt und geben Sie die weiteren Eckdaten an.

Viele Anleger investieren bevorzugt in Projekte aus einer bestimmten Branche. Entweder, weil sie sich damit auskennen, oder weil sie dazu eine besondere Affinität haben. Diese Information sollten Sie daher von Anfang an deutlich herausstellen. Ein digitaler Assistent begleitet Sie durch die Erstellung Ihrer sogenannten Kickstarter-Kampagne.

Gebühren werden erst bei Erreichen der eingestellten Mindestsumme fällig: Wenn Sie Ihr Projekt realisieren, wird eine „Bearbeitungsgebühr” in Höhe von aktuell fünf Prozent auf die Finanzierungsbeiträge erhoben. Außerdem fällt eine Gebühr für die Zahlungsabwicklung an. Scheitert die Finanzierung hingegen, werden keine Gebühren fällig.

 

Video: YouTube / Galileo

 

Startnext: Der spendenbasierte Platzhirsch in Deutschland

Das Berliner Unternehmen Startnext bietet ebenfalls eine umfangreiche Crowdfunding-Plattform. Hier finden viele regionale Projekte ein interessiertes Publikum. Die Plattform ist aber nicht darauf beschränkt: Von Tiny-House-Angeboten über Baumpflanz-Aktionen bis hin zu innovativen Spielkarten gibt es jede Menge spannender Ideen, die um Investitionen von Kleinanlegern werben.

Nach eigenen Angaben haben Gründer und Projektverantwortliche mit Startnext bereits mehr als 70 Millionen Euro an Finanzierungsbeiträgen eingesammelt. Dabei sind über 7.500 Projekte erfolgreich realisiert worden. Großer Vorteil auch bei Startnext: Die Plattform sorgt nicht nur für die Abwicklung der Initialphase des Crowdfundings aus technischer Sicht, sondern liefert auch gleich einen wichtigen Beitrag zur Vermarktung der Idee an Investoren.

Im Gegensatz zu Kickstarter finanziert sich Startnext nach eigenen Angaben ausschließlich aus freiwilligen Spenden.

 

Indiegogo: Investieren trotz fehlendem Mindestbetrag

Das Geschäftsmodell von Indiegogo ist ähnlich wie bei Kickstarter und Startnext. Allerdings gibt es einen großen Unterschied bei den Anlage-Bedingungen: Das Erreichen der festgelegten Mindestsumme ist nicht unbedingt notwendig. Die Projektverantwortlichen können sich auch bei geringeren Einnahmen entschließen, das Projekt zu realisieren und die eingenommenen Investitionen somit behalten. In diesem Fall erhebt Indiegogo eine Gebühr von neun Prozent auf die bis dahin eingezahlte Summe.

Eine weitere Besonderheit ist, dass Investoren bei Indiegogo für verschieden hohe Investitionssummen unterschiedliche „Perks”, also Vorteile, erhalten können. Damit soll für die Anleger ein Anreiz geschaffen werden, möglicherweise doch etwas mehr zu investieren. 

Außerdem zahlt Indiegogo, anders als beispielsweise Kickstarter, auch Teilbeträge via PayPal an die Ideengeber aus. So kann die Entwicklung bereits starten, bevor das Projektziel erreicht oder die Frist für Investitionen abgelaufen ist. Kritiker führen jedoch an, dass diese Art von flexiblem Umgang mit der Crowdfunding-Idee anfällig für möglichen Missbrauch ist.

 

Video: YouTube / New Inventions You Didn’t Know Existed

 

Welche Nachteile hat das Crowdfunding-Modell?

Crowdfunding kann Ihnen relativ schnell, teils innerhalb von Tagen, die benötigte Investitionssumme verschaffen. Jedoch gibt es auch Nachteile bei dieser Finanzierungsmethode. So beklagen viele Crowdfunding-Interessierte, dass es entweder zu schwierig sei oder zu lange daure, die Mindestsumme zu erreichen – oder aber die Gebühren auf den für sie interessanten Plattformen zu hoch sind. 

Sie sollten zudem bedenken, dass Sie Ihre Projektidee beim Crowdfunding-Modell öffentlich zugänglich machen. So können mögliche Konkurrenten auf Ihre Idee aufmerksam werden – und diese aus Eigenmitteln realisieren, bevor Sie genügend Kapital eingesammelt haben. Setzen Sie also den Endzeitpunkt Ihres Finanzierungsvorhabens möglichst nicht zu weit in die Zukunft.

Sollten Sie nicht Ihre Hausbank fragen oder auf private Investoren zurückgreifen wollen, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf aktuelle bundesweite und regionale Förderprogramme. Mit deren Hilfe können Sie Ihrer Idee ebenfalls auf die Beine helfen – und müssen in vielen Fällen noch nicht einmal eine Rückzahlung leisten.

 

Welches sind aus Ihrer Sicht die spannendsten Crowdfunding-Projekte der letzten Zeit? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar.

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