New Tech Nations Teil 5: Silicon Oasis in Dubai – Start-ups statt Öl

Digitaler Ausblick

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Datum 16.01.2019
Lesezeit 4 Min.

New Tech Nations Teil 5: Silicon Oasis in Dubai – Start-ups statt Öl

Um unabhängig vom Erdöl zu werden, setzen die Vereinigten Arabischen Emirate auf Diversifizierung der Wirtschaft, wovon lokale Start-ups mehr und mehr profitieren. Diese finden vor allem in Dubai Stadt ideale Bedingungen: Freihandelszonen wie die Silicon Oasis Dubai bieten Steuerfreiheit, eine überschaubare Bürokratie, Fachkräfte aus der ganzen Welt und einen hohen Lebensstandard.

Es sind wohlhabende Menschen, die in Dubai in den architektonisch aufwendigen Wolkenkratzern, zwischen Luxushotels und künstlich angelegten Palmeninseln leben. Es überrascht wenig, dass die Bereitschaft, das Risiko einer Investition in ein Start-up einzugehen, hier besonders niedrig ist. Auch vom hohen Lebensstandard vor Ort profitieren Gründer und Gründerinnen. Kommen Sie mit uns nach Dubai: Wir zeigen Ihnen, worin die Potentiale der arabischen Wirtschaft liegen, was institutionell dafür getan wird.

Erste Erfolgsgeschichten ließen nicht lange auf sich warten

Die Arabischen Emirate bieten ideale Bedingungen für Unternehmensgründungen: Hohes Investitionsvolumen trifft auf motivierte Gründer. Kein Wunder also, dass Investoren insgesamt 52 Millionen US-Dollar in das Logistik-Start-up Fetchr investierten. Besonders hoch ist die Begeisterung in den Emiraten für Finanz-Start-ups: Allein FinTech-Start-ups haben in fünf Jahren rund 100 Millionen Dollar eingesammelt. Noch gibt es kein umfassendes Netz an Venture Capital-Gebern – dafür springt in den Emiraten der Staat ein: Öffentlich finanzierte Inkubatoren und Acceleratoren wie Turn8, ImpactHub oder AstroLabs Duabi unterstützen junge Unternehmen. Sie haben schon Schätze wie Careem oder souq.com hervorgebracht.

Careem ist eine Fahrdienst-App, vergleichbar mit Uber. Das Unternehmen verzeichnet ein monatliches Wachstum von 30 Prozent. In elf Ländern ist Careem schon vertreten, 6 Millionen Menschen nutzen das Angebot regelmäßig. Souq.com ist ein Online-Marktplatz, der 2005 gegründet, und 2017 von Amazon gekauft wurde – Gerüchten zufolge für rund 700 Millionen Dollar.

Die Emirate wollen den Wandel

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gehören zu den reichsten Ländern der Welt. Vor allem das große Erdölvorkommen hat den sieben Emiraten, von denen Dubai das bevölkerungsreichste ist, zu Wohlstand verholfen. Doch die Abhängigkeit von der endlichen Ressource Öl ist nicht zukunftsträchtig.

Unter anderem setzten die Emire auf Wissen: Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan, der Gründer der VAE und Herrscher von Abu Dhabi bis zu seinem Tod im Jahr 2004, kündigte an, das Land von einer energiebasierten zu einer wissensbasierten Wirtschaft zu transferieren – einer Wirtschaft, die nicht von natürlichen Ressourcen abhängig ist, sondern auf wettbewerbsfähigen, gut ausgebildeten Menschen basiert. Diese Ambitionen der Politik führen zu idealen Voraussetzungen für junge Tech-Unternehmen.

2016 wurde das Saudi Vision 2030-Programm von Kronprinz Mohammad bin Salam angekündigt: Es umfasst unter anderem rund 80 Projekte aus Bereichen wie dem öffentlichen Sektor, Infrastruktur, Tourismus, Industrie und Frauenrechte. Kurzum: Die Emirate wollen international wettbewerbsfähig werden. Durch Steuererleichterungen und einfache Bürokratie wird die Ansiedlung von ausländischen Unternehmen gefördert.

Viel Raum, viel Wissen: Ideale Bedingungen für Tech-Startups

Die meist aus den USA stammenden Superplayer wie Netflix, Amazon, Uber und Co. sind in den VAE nicht verbreitet. Die Spielwiese für neue Firmen ist also noch saftig grün und groß. In keinem anderen Land der Welt besitzen prozentual mehr Menschen ein Smartphone. Der Digitalisierungsgrad ist demnach sehr hoch und damit die Möglichkeit und Bereitschaft, neue digitale Dienste und Produkte in Anspruch zu nehmen.

Rund 80 Prozent der Bevölkerung der VAE sind Ausländer. In den Ballungszentren wie Dubai versammeln sich Fachkräfte aus unterschiedlichen Ländern mit diversen Hintergründen. Sie alle bringen ihre Ideen und ihr Wissen mit. Durch diesen Mix entsteht ein großes Potential für Innovationen, die nur entstehen können, wenn verschiedene Perspektiven zur Lösung eines Problems aufeinandertreffen.

Das Einzugsgebiet für neue Unternehmen ist gigantisch: Die gesamte MENA-Region, also der Nahe Osten und Nordafrika, bildet den Wirtschaftsraum, den neue Unternehmen bedienen können. Rund 360 Millionen Menschen leben in ihm, das entspricht fast sechs Prozent der Weltbevölkerung.

Silicon Oasis: Dubai zieht Start-ups aus der ganzen Welt an

Um die Ansiedlung von neuen, vor allem ausländischen Unternehmen zu fördern, hat das Emirat Dubai zahlreiche Freihandelszonen eingerichtet. Silicon Oasis Dubai ist eines davon. 2004 wurde die Oase für Unternehmen auf einem 7,2 Quadratkilometer großen Areal zwanzig Minuten entfernt vom Flughafen Dubai errichtet.

Das Gebiet ist vollständig in Regierungsbesitz. Unternehmen, die hier angesiedelt sind, sind für 50 Jahre von Einkommens- und Körperschaftssteuer befreit. Anders als außerhalb der Zone können die ausländischen Eigentümer ihre Unternehmen zu hundert Prozent behalten. Außerdem profitieren die Unternehmen von Zollbegünstigungen und einer idealen Infrastruktur.

FinTech: Der Finanzsektor boomt

2016 verzeichnete Dubai 16.800 Neugründungen. Der Staat macht es Start-ups besonders einfach: Gegründet werden kann online per Mausklick. Besonders die FinTech-Branche boomt. Das hat nicht zuletzt einen Grund: 84 Prozent der Bevölkerung der MENA-Region besitzen kein Bankkonto.

Vor allem für diese Menschen hat das Start-up Menachain Solutions mit Sitz in Dubai eine Lösung kreiert: MenaPay basiert auf Blockchain und ermöglicht einen islamkonformen, schnellen und dezentralen Geldaustausch. Im Vorstand des FinTech-Unternehmens sitzt Prinzessin HH Hanadi Ahmed.

Auch andere erfolgreiche Start-ups bieten Lösungen für ein Gebiet, in dem traditionelle Banken kaum Chancen haben. Yallacompare oder souqalmal.com bieten Nutzern die Möglichkeit, verschiedene Finanzprodukte miteinander zu vergleichen. Beehive und Eureeca sind Crowdfunding-Plattformen, die Unternehmen zu einer günstigen Finanzierung verhelfen.

Zehn der arabischen Top 20-FinTech-Start-ups 2018 – gemessen an der Finanzierungssumme – kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten; auf Platz zwei liegt Jordanien mit vier Start-ups. Seit 2017 gibt es die „FinTech Abu Dhabi“, ein Branchenevent, bei dem sich Investoren, Start-ups und andere Player des Finanzsektors treffen und sich in Bootcamps, Workshops und Vorträgen austauschen.

Ausblick: Digitalisierung ist der Motor des Fortschritts

Dubai als Tech-Zentrum bietet ein ideales Ökosystem für ausländische Corporates und Start-ups und leistet damit einen großen Beitrag dazu, die Vereinigten Arabischen Emirate unabhängig vom Erdöl werden zu lassen. Die Digitalisierung und die Möglichkeiten, die diese für neue Produkte, Dienstleistungen, Regierungsführung und das Zusammenleben bietet, ist dabei der Motor für den Fortschritt des Landes.

Neugierig geworden? In weiteren Artikeln haben wir andere Tech Nations für Sie beleuchtet. Folgen Sie uns nach Brasilien, Silicon Wadi oder ins Silicon Valley India.

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