Kann Blockchain ethischeres Einkaufen ermöglichen?

Digitale Vorreiter

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Datum 09.07.2019
Lesezeit 3 Min.

Kann Blockchain ethischeres Einkaufen ermöglichen?

Von Nell Lewis, CNN Business

(CNN Business) Denken Sie eigentlich jedes Mal beim Einkaufen darüber nach, wo Ihre Lebensmittel herkommen? Oder ob die Person, die Ihren Kaffee am Anfang der Lieferkette geerntet hat, einen fairen Lohn erhält? Blockchain-Technologie kann dabei helfen, diese Fragen zu beantworten.

Immer mehr Verbraucher interessieren sich stark dafür, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie verpackt sind. So manch einer hat aufgrund dieser Produktaspekte sogar die eigenen Einkaufsgewohnheiten verändert.

Blockchain kann dabei helfen, die Produktion von Basiskonsumgütern über komplizierte Lieferketten hinweg zu verfolgen und die Zusammenhänge transparent zu machen. Verbraucher erhalten so die notwendigen Informationen, um fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Transaktionen werden einer Art verteiltem Online-Kassenbuch permanent und unveränderlich erfasst. Jede einzelne Buchung wird inklusive Zeitstempel aufgezeichnet und mit der jeweils vorherigen verknüpft. Diese Aufzeichnung kann danach nicht mehr geändert werden.

 

Schaffen einer fairen Lieferkette

Die von Blockchain ermöglichte Rückverfolgbarkeit von Transaktionen ist von unschätzbarem Wert. Sie ermöglicht es, Lieferketten zu entflechten, in denen es illegale Praktiken und mögliche Menschenrechtsverletzungen gibt.

Ein Beispiel ist die Fischerei. Laut Informationen der Environmental Justice Foundation stammen ganze 31 % der weltweit gefangenen Fische aus illegaler Fischerei.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) versucht, das Problem über ein Projekt zur Blockchain-Rückverfolgbarkeit anzugehen. Es ist zunächst auf den pazifischen Thunfisch ausgerichtet. Im Januar startete die Stiftung eine entsprechende Rückverfolgbarkeitsplattform namens OpenSC.

Im Rahmen dieses Projekts wird ein elektronisches Etikett an jedem gefangenen Fisch angebracht, sobald er an Bord gezogen wird. Dieses Etikett wird dann am Dock und in der Verarbeitungsanlage automatisch registriert. Im Rahmen der Verkaufsvorbereitung wird dann ein QR-Code generiert, der später auf der Verpackung abgedruckt ist.

Der Verbraucher kann diesen Code scannen, um zu sehen, wo genau der Fisch gefangen, verarbeitet und aufbereitet und wie er ins Geschäft transportiert wurde.

Der World Wide Fund For Nature verwendet diese Daten zur Bekämpfung von Menschenrechtsverletzungen in der Branche; darunter Zwangsarbeit und moderne Sklaverei. Auf diese Weise kann der WWF mehr über die in der Lieferkette Beschäftigten und deren Arbeitsbedingungen erfahren.

„Ein Wundermittel ist das zwar nicht“, so Dermot O’Gorman, CEO des World Wide Fund For Nature Australien, „aber es ist ein Hilfsmittel, das dazu beiträgt, den Sklavenhandel auszumerzen.“

Laut O‘Gorman hofft der World Wide Fund For Nature, dieses Verfahren auch für andere Handelsgüter anzuwenden: beispielsweise für Papier, Rindfleisch, Palmöl und Milchprodukte.

„Wenn wir mit Problemen wie illegalen Praktiken in der Fischerei oder Menschenrechtsverletzungen in der Palmölindustrie nicht fertig werden, wird ein nachhaltiger Planet Erde wohl nicht umsetzbar sein“, erklärt er.

 

Straffung der Lieferkette

Komplexe Lieferketten zu digitalisieren, kann schwierig sein. Die Herausforderung besteht darin, Fischer sowie Landwirte davon zu überzeugen, die Technologie direkt an der Quelle einzusetzen.

Laut O‘Gorman ist es hilfreich, hierfür finanzielle Anreize anzubieten. Viele kleinere Produzenten sind an OpenSC interessiert, so erklärt er, weil die Plattform hilft, Betriebsabläufe zu optimieren und Kosten zu senken. Sie ermöglicht das Eliminieren von Engpässen ebenso wie genauere Prognosen für Angebot und Nachfrage.

Ramesh Gopinath ist einer der Leiter des IBM Food Trust, einem globalen Netzwerk von Lieferanten und Einzelhändlern; darunter Walmart und Carrefour. Er glaubt ebenfalls, dass Blockchain sich wesentlich auf die Effizienz auswirken kann.


 

„Wenn Informationen entlang der Lieferkette geteilt werden, bietet das für den Endverbraucher erhebliche Vorteile im Hinblick auf die Frische der Produkte und die Reduzierung von Abfall insgesamt“, erklärt er.

Der Zugriff auf entsprechende Daten ermöglicht es Lieferanten, Marktbedingungen genauer vorherzusagen und Zutaten möglichst lokal zu beschaffen. Damit verkürzt sich letztendlich die Lieferkette, sagt Gopinath.

Laut einem 2018 herausgegebenen Bericht der Boston Consulting Group könnte die Einführung digitaler Tools für die Lieferkette Lebensmittelverluste und ‑verschwendung um bis zu 120 Milliarden US-Dollar jährlich reduzieren.

 

Vertrauenswürdige Lieferketten

Rückverfolgbarkeit geht allerdings auch mit Verantwortlichkeit einher. Blockchain kann hierbei unverfälschbare Herkunftsnachweise für Produkte liefern.

Für Produkte wie Olivenöl, die häufig von Lebensmittelbetrug betroffen sind, ist dies besonders wichtig. Immerhin hat die Europäische Kommission dieses Produkt als ein Hauptziel betrügerischer Aktivitäten identifiziert.

„Ein italienischer Name auf der Flasche bedeutet nicht unbedingt, dass das Öl in der Flasche tatsächlich aus Italien stammt“, so Susan Testa, Leiterin für kulinarische Innovation beim Olivenölproduzenten Bellucci.

Bellucci setzt in seiner gesamten Lieferkette eine von Oracle entwickelte Blockchain-Technologie ein, um die Herkunft seiner Produkte gegenüber Verbrauchern und Einzelhändlern zu belegen.

„Die Menschen möchten wissen, wie nah das Produkt an der Herkunftsquelle ist“, erläutert Testa. „Durch solche Informationen verbessern sich die Markenwahrnehmung und das Kaufempfinden erheblich.“

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