Wie VR den HR-Bereich transformiert

Digitale Vorreiter

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Datum 08.04.2019
Lesezeit 4 Min.

Wie VR den HR-Bereich transformiert

Von Emma Kennedy, CNN Business

 

(CNN Business) Eine steigende Anzahl von Unternehmen nutzt virtuelle Realität (VR), um Mitarbeiter anzuwerben und zu schulen. Immersive Erfahrungen eröffnen Arbeitgebern neue Möglichkeiten, Schulungen anzubieten und Empathie am Arbeitsplatz zu fördern.

Die Deutsche Bahn setzt bereits seit vier Jahren VR ein, um neue Mitarbeiter anzuwerben. Interessierte können mit einem VR-Headset „innerhalb von Sekunden einen Job in einer wirklich lebensnahen Atmosphäre erleben“, erklärt Kerstin Wagner, Leiterin Personalgewinnung bei der Deutschen Bahn.

VR kann Unternehmen auch dabei unterstützen, die besten Interessenten für ihre Teams auszusuchen. Das israelische Technologieunternehmen ActiView hat eine Personalbeschaffungsplattform entwickelt, auf der Kandidaten mithilfe eines VR-Interface beurteilt werden. Diese Technologie ermöglicht es Arbeitgebern auch, neu eingestellten Mitarbeitern eine virtuelle Tour durch die Büroräume anzubieten, oder ein virtuelles Treffen mit Geschäftsführern abzuhalten.

Auf der ActiView-Plattform nehmen die Kandidaten an einem Rätseltest teil. „In der VR-Simulation können wir kontrollieren, was Benutzer und Benutzerinnen sehen, hören und fühlen. Wir sehen ihr Verhalten und wir können diese Daten erfassen“, erklärt Roy Elishkov, Vizepräsident, Strategie- und Geschäftsentwicklung bei ActiView. „Wir können beobachten, welchen Ansatz sie verfolgen. Erkunden sie zuerst den Raum, verfolgen sie eine bestimmte Strategie? Sind sie aufgabenorientiert, lösen sie die Rätsel in linearer Reihenfolge?“

 

Junger Mann informiert sich mit VR-Brille über Berufsbilder bei der Deutschen Bahn

Virtual-Reality-Brille VR ONE (ZEISS). Die computergenerierte Simulation macht Berufsfelder der DB hautnah erlebbar.

Foto: Deutsche Bahn

 

Die Transformation der Unternehmensschulung

Durch VR wandelt sich die Art, wie Schulungen angeboten werden. Beispielsweise kündigte die britische Armee vor Kurzem ein Pilotprogramm an, in dem VR bei der Ausbildung von Soldaten eingesetzt wird. Die Fastfoodkette KFC nutzt bereits seit 2017 ein VR-Spiel, um Mitarbeitern die Zubereitung von Hähnchenteilen beizubringen.

Der Einsatz von VR für die Mitarbeiterschulung und Personalbeschaffung ist zwar noch nicht zur Norm geworden – Experten erwarten jedoch, dass dies künftig der Fall sein wird.

„VR ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, sich vollkommen in ein Erlebnis zu vertiefen. Im Hinblick auf die zu erlernenden Fertigkeiten ist das wirklich nützlich. Ein weiteres Argument sind die Kosten. Es kann logistisch sehr aufwendig sein, derartige Schulungsszenarien in der realen Welt zu schaffen“, so Jeremy Dalton, Leiter VR beim Beratungsunternehmen PwC UK.

„VR ermöglicht es Ihnen, Szenarien am Arbeitsplatz zu erkunden und zu verstehen, welche Auswirkungen Ihre Entscheidungen und Handlungen haben. Sie ist auch ein nützliches Hilfsmittel für praktisches Training. Leute können diese Vorgänge mit eigenen Händen durchführen“, fügt er hinzu.

Laut Arturo Schwartzberg, Mitgründer des E-Learning-Anbieters SweetRush, können immersive Erfahrungen über ein VR-Headset dabei helfen, das Einfühlungsvermögen zu stärken. „Sie können erleben, wie es sich anfühlt, im Rollstuhl zu sitzen, oder in einem Raum einer Minderheit anzugehören, oder den schwierigen Job von jemand anderem zu erledigen, über den Sie nie richtig nachgedacht haben“, erklärt er.

SweetRush hat in Zusammenarbeit mit der Hilton-Gruppe ein VR-Erlebnis entwickelt, das Büromitarbeitern einen Eindruck über die Realität des Hotelbetriebs geben soll, vom Empfang bis hin zum Zimmerpersonal. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt wurde das VR-Erlebnis jetzt weltweit in sechs der Hilton-Büros eingeführt.

„In der Simulation können Teammitglieder durch das Hotel gehen und an spezifischen betrieblichen Aufgaben teilnehmen, beispielsweise bei der Vorbereitung eines Zimmerservicetabletts“, so Gretchen Stroud, Direktorin für Talent, Schulung und Engagement bei Hilton. „Sie werden von ‚Vic‘, unserem virtuellen Concierge, durch diesen Ablauf geführt.“

 

Junger Mann nutzt eine VR-Brille, um sich über einen Job zu informieren.

VR-Erlebnisse sollen zukünftigen Mitarbeitern einen ersten Eindruck vom Job verschaffen.

Foto: Actiview

 

Wird der Gender Pay Gap endlich kleiner?

 Neue Technologieunternehmen denken aktuell über innovative Möglichkeiten nach, VR am Arbeitsplatz noch konsequenter zu nutzen. Vantage Point hat beispielsweise eine VR-Schulungsplattform entwickelt, über die Unternehmen immersive Schulungen zur Bekämpfung sexueller Belästigung angeboten werden.

In der Schulung erleben die Benutzer eine Reihe von Situationen. Beispielsweise verschwimmen auf einer Feier im Büro die Grenzen zwischen Persönlichem und Beruflichem, und Benutzer entscheiden, wie sie auf bestimmte Bemerkungen und Handlungen reagieren.

„In der Virtuellen Realität können Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen die Körpersprache sehen, den Ton des Gesagten hören und den Kontext der Situation erleben“, erklärt Vantage-Point-Gründerin Morgan Mercer. „Überschreitet John die Grenzen von Sallys Privatsphäre, wenn er bestimmte Dinge sagt? Welchen Tonfall verwendet er? Scheint sie sich unwohl zu fühlen? Diese Dinge muss man sehen, hören und fühlen können.“

Aktuell arbeitet Morgan Mercer an einem VR-Programm, das Frauen beim Entwickeln ihrer Verhandlungsfähigkeiten helfen soll, um dem Gender Pay Gap entgegenzuwirken.

„Sie haben die Möglichkeit, in einer virtuellen Verhandlungssituation Ihrem Chef gegenüberzusitzen und Ihre Argumente vorzubringen. Sie können üben und bekommen ein Gefühl dafür, wie Sie im Vergleich zu gleichgestellten Kollegen abschneiden“, erklärt sie. „Dies könnte enorme Auswirkungen auf die Geschlechterparität haben.“

 

Außenansicht des Hilton Auckland in Auckland, New Zealand.

Die Hilton-Hotelkette hat ebenfalls VR-Erlebnisse in ihre Jobtrainings integriert.

Foto: Phil Walter/Getty Images AsiaPac/Getty Images

 

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