Wie versichert man ein fahrerloses Auto?

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Datum 15.04.2019
Lesezeit 3 Min.

Wie versichert man ein fahrerloses Auto?

Emma Kennedy, CNN Business

 

(CNN Business) Technologieriesen und Autohersteller investieren Milliarden von Dollar in die Entwicklung fahrerloser Autos, die erhöhte Sicherheit auf der Straße versprechen. Aber wer muss zahlen, falls es doch einen Unfall gibt?

Durch die aktuelle Transportrevolution stellen sich für Versicherer wichtige Fragen über Haftung, Daten und künftige Erträge. Fahrerlose Autos werden aktuell in einer Reihe von Ländern getestet. Politische Entscheidungsträger bereiten sich schon jetzt auf das neue Umfeld vor.

Im Vereinigten Königreich wird auf einen regulatorischen Rahmen hingearbeitet, der zur Verfügung stehen soll, sobald automatisierte Fahrzeuge am Verkehr teilnehmen. Letztes Jahr verabschiedeten Gesetzgeber den Automated and Electric Vehicles (AEV) Act, der die Versicherung und Haftung für Verkehrsunfälle regelt, an denen fahrerlose Autos beteiligt waren.

In anderen Ländern, so beispielsweise in den Vereinigten Staaten, ist die Lage weniger klar.

 

Wer haftet im Schadenfall?

Laut David Williams, technischer Leiter bei AXA Insurance UK, legen die britischen Regelungen eine eindeutige Haftungsstruktur fest. Fahrzeugeigentümer sind demgemäß nach wie vor verpflichtet, eine der Straßenverkehrsordnung entsprechende Versicherungspolice abzuschließen.

Viele automatisierte Fahrzeuge werden zwischen Automatik- und fahrergesteuertem Fahrmodus wechseln können. Diese beiden Szenarien über zwei verschiedene Policen zu versichern ist jedoch „zu kompliziert“, so Williams.

Stattdessen werden Fahrzeugeigentümer beide Fahrmodi über eine Police versichern. Versicherer bezahlen Ansprüche dann auch weiterhin, könnten aber einige Kosten von den Autoherstellern zurückerlangen, wenn deren Technologie einen Unfall verursacht.

Nach Erwartungen von Williams wird die Anzahl der Verkehrsunfälle abnehmen und Versicherer werden demzufolge wahrscheinlich weniger Kfz-Schadenfälle verbuchen müssen. „Und ein Teil der Ansprüche aus den verbleibenden Fällen wird an die Hersteller weitergereicht“, erklärt er.

Versicherer wünschen sich ein vergleichbares Regelwerk für ganz Europa.

„Unserer Ansicht nach bietet eine Haftpflichtversicherung Verkehrsteilnehmern ausgezeichneten Schutz. Und das wird auch angesichts der aktuellen technischen Entwicklungen, beispielsweise mit vernetzten und autonomen Fahrzeugen, weiterhin der Fall bleiben“, so Nicolas Jeanmart, Leiter für Personen- und Sachversicherung und Makroökonomie bei Insurance Europe.

 

Verbesserte Straßensicherheit

Laut der National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA), die dem US-Verkehrsministerium untersteht, spielt menschliches Versagen bei 94 % aller Verkehrsunfälle eine Rolle.

Mit automatischen Autos würde menschliches Versagen als Faktor künftig entfallen. Die Folge wären sicherere Straßen – und niedrigere Versicherungsprämien – für Fahrzeugeigentümer. „Falls mit der Zeit 50 % aller Fahrzeuge sicherer werden und weniger Unfälle verursachen, verringern sich damit auch die Unfallzahlen für die noch übrigen, fahrergesteuerten Autos“, sagt Williams.

Die Kosten für Ansprüche aus Unfällen mit automatisierten Fahrzeugen könnten zunächst hoch ausfallen. Grund sind die Ersatzkosten für beschädigte Technologie, beispielsweise für Sensoren. Williams glaubt jedoch, dass diese Kosten mit vermehrter Produktion autonomer Fahrzeuge zurückgehen werden.

Wenn es zu Unfällen kommt, kann dank neuer Technologie besser erkannt werden, was geschah und wer Schuld hatte.

„Damit Ansprüche so schnell und reibungslos wie möglich abgewickelt werden können, müssen Versicherer und andere Dritte mit berechtigten Interessen unbedingt Zugriff auf die relevanten, im Fahrzeug erfassten Daten haben, die die genauen Umstände eines Unfalls zeigen. So kann die Haftungsverantwortung korrekt zugewiesen werden“, so Jeanmart.

 

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Marktwandlung

Versicherer erwarten insgesamt, dass eine Marktverschiebung hin zu fahrerlosen Fahrzeugen letztendlich zu niedrigeren Kfz-Versicherungsprämien und neuen Versicherungsprodukten führen wird.

Beispielsweise, so Williams, könnten Versicherer ihre Produkte dem geringeren Risiko entsprechend mit einem Prämienanreiz anbieten, um Fahrzeugeigentümer zur häufigeren Verwendung des Automatik-Modus zu motivieren.

Automatisierte Fahrzeuge könnten künftig auch gemeinsames Kfz-Eigentum ermöglichen. Dafür wären neue Arten von Versicherungspolicen erforderlich.

„Auch ein im Gemeinschaftsbesitz befindliches Fahrzeug muss versichert werden, ob über eine von den Eigentümern gemeinsam getragene Versicherung oder auf andere Art“, erklärt Jeanmart.

 

 

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